Zusammenhängende Entwürfe zum ersten, zweiten und dritten Bild
THOMASIUS: So könnt es scheinen, wäre alles Dir schon vertraut, was ich erlebt. Doch ist's die Hälfte nur meines Schicksals. Ich habe, als ich den Blick des Geistes Richten durfte in vergangne Erdenleben, Als Bruder mich erkannt des Weibes, Das dir und mir in diesem Leben Als Seherin mit starken Gaben ist erschienen. Und was ich vorher auch nicht einmal geahnt, Es trat nach jener Geistesstufe, Durch die ich wissentlich dem Wunsch-gebieter Verbinden mich durfte, mit Urgewalt In meiner Seele auf. Wenn ich vertieft In meine Arbeit war, da zeigt' es sich Als wilde Hast oft nur, doch wenn Ermüdet meine Seele die Ruhe suchen mußte, Da konnt' ich entdecken, daß die alten Blutes bande Als tiefste Liebesneigung für Theodora In meiner Seele Wurzeln haben geschlagen. So lange mich die Arbeit hielt, War ich betäubt und konnte glauben, Daß bedeutungslos die Sehnsucht sei. Doch jetzt, da ich mein Werk vollendet, Da zeigt es sich mir klar, daß dieser Neigung Wesen zu durchschauen, die Angst mich hindert. Ich mußte sehen, wie durch Schicksalsbande Das Weib, dem meine Sehnsucht gilt, Dem Manne ist vereint, der durch sie Seine Lebensbahn konnte finden. Darf ich zweifeln, daß auch künftge Leben Solch starkes Band bewahren werden. Im Sinne meiner eignen Lehre Müßte ich mit sicherm Blicke die Lage über schauen; Doch bebe ich in feiger Furcht zurück, Wenn ich ergründen soll, was meiner Neigung Folge ist.