2. Der Übermensch

GA 5/l02/p069 · original (original)

Der starke, produktive Intellekt verwendet seine Begriffswelt dazu, die Beobachtungen zu deuten; der schwache, unproduktive Intellekt erklärt sich selbst für zu ohnmächtig, um das zu tun und sagt: ich kann in den Erscheinungen der ~ keinen Sinn finden; sie sind bloße Bilder, die an mir vorüberziehen. Der Sinn des Daseins muss außerhalb, jenseits der Erscheinungswelt gesucht werden. Dadurch wird die Erscheinungswelt, das heißt die menschliche Wirklichkeit für einen Traum, eine Täuschung, ein Nichts erklärt und das «wahre Wesen» der Erscheinungen wird in einem «Ding an sich» gesucht, bis zu dem keine Beobachtung, kein Erkennen reicht, das heißt von dem sich der Erkennende keine Vorstellung machen kann. Dieses «wahre Wesen» ist also für den Erkennenden ein völlig leerer Gedanke, der Gedanke an ein Nichts. Traum ist bei jenen Philosophen, die von dem «Ding an sich» sprechen, die Erscheinungswelt. Nichts ist aber das, was sie als das «wahre Wesen» dieser Erscheinungswelt ansehen. Die ganze philosophische Bewegung, die von dem «Ding an sich» spricht und die in der neueren Zeit sich namentlich auf Kant stützt, ist der Glaube an das Nichts, ist philosophischer Nihilismus.

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