Der Irrsinn vom Standpunkte der Geisteswissenschaft
Sinnestäuschungen rechnen wir nicht zu den Geisteskrankheiten. Dazu kann uns ein Buch des Wiener Kriminalanthropologen Moritz Benedikt viel Interessantes bieten, obwohl es nicht in geisteswissenschaftlichem Sinne geschrieben ist. Benedikt erzählt darin seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen. Er hat im linken Auge einen partiellen Star, so daß er etwas unregelmäßig sieht. Wenn er nun im Dunkel in einer ganz bestimmten Richtung schaut, so sieht er Gespenster ganz besonderer Art. Einmal ward er davon so erschreckt, daß er zur Waffe griff. Das ist so zu erklären: Ein gesunder Mensch ist sich der inneren Bestandteile seines Auges nicht bewußt. Wer aber Unregelmäßigkeiten im Auge hat, der wird sich deren in der Weise bewußt, daß sie ihm außen im Spiegelbilde erst entgegentreten. Das wollen wir nun auf die ganze menschliche Wesenheit ausdehnen. Wir werden uns ja unseres Innern überhaupt nicht bewußt, sondern nur dessen, was uns von außen übermittelt wird. Wenn Harmonie herrscht zwischen oben und unten, so ist man sich der innern Vorgänge überhaupt nicht bewußt. Hat einer zum Beispiel ein schwerfälliges Gehirn, das der AstralJeib nicht gebrauchen kann, so drückt sich diese Störung, die der Astralleib erleidet, ebenso nach außenhin aus, wie die Störung im Auge es tat. Da wird der Astralleib sich seiner selbst bewußt, weil er gestört ist; da sieht er sich nach außen projiziert, Hoffnungen, Wünsche, Begierden treten ihm in Gestalten von außen entgegen. Wahnsinn, Querulantenwahnsinn, Hysterie gehören hierher, alles das, wo der Mensch seine Gefühle nicht in Einklang bringen kann mit der Außenwelt. Aber auch der Ätherleib kann an inneren Abnormitäten leiden. Er ist der Träger der bildlichen Vorstellungen. Wenn der Ätherleib sich seiner selbst unbewußt ist, so treten die Bilder der Außenwelt ihm wahr entgegen. Spiegeln sich aber bei Störungen des AÄtherleibes die Bilder nach außen, so werden es Wahnideen, Paranoia. Wenn der physische Leib, der den Einklang mit der physischen Umgebung bringen soll, selbst erkrankt, wenn der physische Leib sich seiner selbst bewußt wird, so tritt Idiotie auf. Wenn der physische Leib zu schwer ist, so daß der Astralleib ihn nicht beherrschen kann, daß er nicht heraus kann, so tritt das ein, was man Dementia nennt. Wenn die physischen Organe aber zu beweglich sind, so daß sie die seelische Tätigkeit nicht deutlich ausdrücken,so entsteht Paralyse. Doch es gibt hier eine unendliche Fülle von solchen Fällen, die ganz verschiedenen Ursprung haben können, namentlich die Wahnvorstellungen. Sie können entspringen einmal aus der Projektion des Astralleibes oder aus der Erkrankung des Astralleibes. Dann werden die Affekte so stark, daß es zu Tobsuchtsanfällen kommt. Diese drücken sich im Ätherleib ab und daraus entstehen Wahnideen. Diese Wahnvorstellungen sind wie die Narbe zu der Wunde im Astralleib. Sie sind viel schwerer heilbar als die Tobsucht. Pupillenstarre ist manchmal eine Vorbereitung zum Wahnsinn.