Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 61/1912-03-21/p005 ·1912-03-21 · original (original)
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Wer Lessings sonstige Gedanken, sein ganzes Wesen durchforscht und es seiner Seele zu eigen macht, der wird wohl kaum zweifeln, daß Lessing, dieser Bahnbrecher der Lehre von den wiederholten Erdenleben, in gewisser Beziehung auf diese zwei Einwände hat hinweisen wollen, und es ist wohl gut, wenn wir gerade bei einer Betrachtung über das Wesen der Ewigkeit und über die Natur der Menschenseele und ihres Zusammenhanges mit der Ewigkeit auf diese Tatsachen, die eben charakterisiert worden sind, aufmerksam machen. Denn noch einmal sei auch am heutigen Abend an den Ausspruch des deutschen Philosophen Hegel erinnert, der ja in dem Zusammenhange der bisherigen Vorträge schon erwähnt worden ist: Wenn die Ewigkeit eine Eigenschaft der Menschenseele sein soll, so muß sich diese Eigenschaft innerhalb der Natur der Menschenseele nicht etwa erst nach dem Tode zeigen, sondern sie muß sich erleben lassen im irdischen Dasein selber. - Hegel spricht, man möchte sagen, das Charakteristische aus, daß die Ewigkeit für die Seele nicht erst nach dem Tode beginnen könne, sondern sie müsse eine ihr schon im Erdenleben eingepflanzte Eigenschaft sein.

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