Fairy Tales in the Light of Spiritual Investigation

GA 62/1913-02-06/p004 ·1913-02-06 · original (original)

Das zweite ist, daß man gerade dem Zauberhaften der Märchendichtungen gegenüber in einem erhöhten Maße das Gefühl hat, daß durch Betrachtungen, durch ideelles Durchdringen des Wesens des Märchens für die Seele das Elementare, der ursprüngliche Eindruck vernichtet werde, ja, das ganze Wesen der Märchenwirkung selbst. Hat man schon, und das mit vollem Recht, Erklärungen, Kommentierungen von Dichtungen gegenüber das Urteil, daß sie den unmittelbaren ästhetischen Eindruck, den unmittelbaren Lebenseindruck zerstören, den die Dichtung machen soll, wenn man sie einfach elementar auf sich wirken läßt, so sollte man noch viel mehr Erklärungen nicht gelten lassen gegenüber dem unendlich Feinen und unendlich Zauberhaften jener Dichtung, die als Märchen aus scheinbar so tiefen und scheinbar so unergründlichen Quellen des Volksgemütes oder des einzelnen Menschengemütes hervorquillt. Es ist wirklich so, als ob man die Blüte einer Pflanze zerstören würde, wenn man mit der Urteilskraft in das eingreifen wollte, was so ursprünglich aus der Menschenseele hervorquillt wie diese Märchendichtung.

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