Germanische und indische Geheimlehre

GA 68a/1906-04-22/p040 ·1906-04-22 · original (original)
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In der Epoche vor den Veden entstand die Lehre, welche sich mehr auf das gewöhnliche Tagesbewusstsein gründet. Aber nie kann der Mensch den Zusammenhang mit dem Geistigen verlieren, und so entstand dort die Sehnsucht, auf künstlichem Wege den Weg zum alten Hellsehen zu finden, so entstand dort jenes künstliche Hellsehen, das die Weisen durch innere Entwicklung erstrebten — Yoga. Demnach haben wir in Indien künstliches Hellsehen bei völligem Tagesbewusstsein, während bei den Germanen noch das alte Hellseherbewusstsein erhalten ist. Bei den Germanen bilden Mythe und Sage einen trüben Ausdruck der Geheimlehre gegenüber dem von den Eingeweihten der neueren Zeit durch künstliches Hellsehen gewonnenen. Für das Volk, das nicht mehr das Hellsehen hat, muss man in Abbildern die göttlichen Welten darstellen. Daher stammen die Götzenbilder, vom Menschen künstlich zubereitete Nachbildungen. Bei den Germanen lebten die alten Mythen noch im Volk, im alten zurückgebliebenen Symbolismus, während im alten Indien die Geheimlehre künstlich zum Ausdruck kommt durch die, welche sich aufschwingen. Was wir von Indien beziehen, ist daher mehr von verstandesmäßiger Form, aber dieselbe Geheimlehre, die in den alten germanischen Mythen viel unmittelbarer zum Ausdruck kommt.

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