43. Blut ist ein Ganz Besondrer Saft

GA 68b/1907-01-11/p004 ·1907-01-11 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Da keine professionellen Stenogramme vorliegen, handelt es sich oftmals um notizenhaft festgehaltene Zusammenfassungen oder Berichte.» (Since no professional shorthand transcripts exist, these are often summaries or reports kept in the form of notes.). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68b). The translation is the maintainer's, not a published one.

Es gibt ganze Bibliotheken, die Faust erläutern, und auch dieser Ausspruch hat unendlich viele Erklärungen gefunden. Eine der Letzteren ist die höchst merkwürdige des Professors Minor aus Wien, welche lautet: Mephisto, der Sendbote der Hölle, kann Blut nicht leiden, er hasst es, deshalb verlangt er die Unterschrift mit Blut. Es mag Gelehrsamkeit in der Erklärung stecken, aber Vernunft steckt nicht darin. Mephistopheles würde die Unterschrift nicht in einem ihm verhassten Stoff verlangen. Im Gegenteil, Mephistopheles legt ganz besonderen Wert aufs Blut. Dieser Stoff hat schon eine lange Sagenentwicklung durchgemacht. Im sechzehnten [siebzehnten] Jahrhundert schon finden wir im Pfitzer’schen Faustbuch, dass Faust sich dem Teufel verschreibt mit Blut, und in älteren Gestaltungen dieser Sage wird genau beschrieben, wie die Ader an der linken Hand geöffnet wird, das Blut herausrinnt, gerinnt und im Gerinnen die Buchstaben bildet: «Oh Mensch, entfliehe!»

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