52. Die Mission des Zornes. Der gefesselte Prometheus

GA 68b/1909-10-21/p026 ·1909-10-21 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Da keine professionellen Stenogramme vorliegen, handelt es sich oftmals um notizenhaft festgehaltene Zusammenfassungen oder Berichte.» (Since no professional shorthand transcripts exist, these are often summaries or reports kept in the form of notes.). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68b). The translation is the maintainer's, not a published one.

Damit ist viel gesagt, wenn man sagt, es macht den Menschen zu einem urteilsfähigen Wesen, zu einem Wesen, das aus vernünftigen Urteilen denken, fühlen und wollen kann. Es ist gesagt, dass man wirklich unterscheiden lerne zwischen dem, was Empfindung eines physischen Wesens ist, und dem, was Impuls eines menschlichen Wesens ist. Wenn wir die Tiere betrachten, so können wir alle Eigenschaften des menschlichen Seelenlebens beim Tier in gewisser Beziehung finden. Wir finden Sympathien und Antipathien bei den Tieren, sogar das, was Analogie zu einem der höchsten Gefühle der menschlichen Seele ist, eine Analogie zu der Liebe. Wir finden Analogien zu dem, was wir die menschliche Verstandestätigkeit nennen. Es ist leicht im Tierreich zu beobachten, wie darin überall alles ähnlich wirkt wie im Menschen; aber wer wollte verkennen den Unterschied, der besteht zwischen dem, was im Menschen vorliegt, und dem, was bei dem Tiere als Eigenschaft vorhanden ist? Wir können bei dem Tiere aus der Organisation, aus der Form heraus mit Notwendigkeit sagen, wozu es in diesem oder jenem Falle getrieben wird. Die Notwendigkeit ist eine ganz andere [als] bei einem Menschen, der sich die Frage zurechtlegt: Sollst du das tun, oder sollst du es nicht tun? Der erwägt hin und her, bevor er beschließt. Nur diejenigen, welche nicht genau zusehen in dieser Sache, können den gewaltigen Unterschied übersehen. Der Mensch hat sich im Verlauf der Entwicklung die Urteilsfähigkeit durch jenes Wechselspiel seiner Entwicklung errungen, das eben charakterisiert worden ist.

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Cite: GA 68b/1909-10-21/p026 · edition original