55. Die Mission der Andacht

GA 68b/1910-03-12/p012 ·1910-03-12 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Da keine professionellen Stenogramme vorliegen, handelt es sich oftmals um notizenhaft festgehaltene Zusammenfassungen oder Berichte.» (Since no professional shorthand transcripts exist, these are often summaries or reports kept in the form of notes.). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68b). The translation is the maintainer's, not a published one.

So sehen wir, dass das Ich es ist, das in diesen drei Seelengliedern waltet, und wir haben in den letzten Vorträgen betont — das sei heute nur skizzenhaft wiederholt — dass so etwas wie ein Affekt, wie der Zorn, durch seine eigene Natur innerhalb der Empfindungsseele wirkt, um das Ich in der richtigen Weise zur Entwicklung kommen zu lassen. Wenn der Mensch sich den äußeren Eindrücken zunächst so überlässt, dass er einem solchen Eindrucke unmittelbar im Sinne der Empfindungsseele folgt, sodass er im Zorne aufwallt, dann wirkt dieser Zorn selber auf seine Seele wiederum zurück. Wir können es erleben, dass der Zorn, weil er das Ich verdunkelt, weil er dem Ich das volle, klare, helle Bewusstsein nimmt, weil er das Ich nicht zu ganz selbstsüchtigem Dasein heraustreten lässt, dadurch dieses noch unentwickelte Ich heilsam dämpft. Es ist noch ganz Sklave der Empfindungsseele, es würde sich den waltenden Trieben ganz überlassen, und er dämpft es zu einer gewissen Ohnmacht herab, lässt es nicht vollständig sich ausleben. Dadurch, dass er es dämpft, tut er tatsächlich etwas Gutes. Würde der Zorn bloß zum Ausleben des Ichs führen, dann würde er jedes Mal durch das Ausleben des Ichs dieses Ich verstärken in seiner Selbstsucht, in seiner Eigenwilligkeit.

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