XXXI. Die Mission der Wahrheit

GA 68c/1909-12-06/p025 ·1909-12-06 · original (original)
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Wer «Pandora» [aufmerksam und unvoreingenommen] in die Hand nimmt [und auf sich wirken lässt], wird eines davon erkennen. Oh, es gibt nicht viele Werke, worinnen in solcher wunderbaren Durchführung stilgemäß gewertet ist, was den Inhalt bildet. Es ist dasjenige in diesem Werke, was man nennen kann die leichte künstlerische Hand. Lesen Sie «Pandora» und Sie werden, wenn Sie sie mit Ihrem Stilgefühl durchdringen, bewundern jene Leichtigkeit, mit der im Versbau, in der Diktion, überall alles auf die betreffende Person und Situation hin gestaltet ist. Da redet die eine Person in dieser Versform, die andere in einer anderen, in einem leichter fließenden Stil. Da ist alles leicht in dieser «Pandora». Gerade darin zeigt sich das Große, dass Goethe dieses Werk Fragment lassen musste. Selbst bei einem Goethe ist so eine gewaltige künstlerische Vollendung, wie sie in «Pandora» zutage tritt, nur möglich für Augenblicke. So war sie auch bei Goethe nur ausreichend für den Anfang der «Pandora»; aber dann erlahmte er; denn er war zu klein, um das Werk in der Größe weiterzuführen, von der er durchdrungen war als Künstler, als er den Anfang gestaltete. Das kann uns aber nicht beirren, das Große anzuerkennen, was in der «Pandora» vorhanden ist.

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