11. Der Krankheitswahn im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 68d/1907-10-11/p006 ·1907-10-11 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten» (Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one.

Ein anderes Bild: Ich fuhr von Rostock nach Berlin mit einem Herrn und einer Dame. Sie teilten sich gegenseitig ihre Leiden mit. Die Dame empfahl dem Herrn für seine verschiedenen Leiden verschiedene Rezepte, er dagegen machte sie auf Lahmanns Buch aufmerksam, das er bei sich hatte und zu dessen Sanatorium sein Weg ihn führte. Der Frau fehlte einiges, aber dem Manne fehlte sicher der Wille zum Gesundsein. Es ist für jemand, der wenig selbst beobachtet, was man eingebildete Krankheit nennt. Hört man davon, so stellt man sich etwas Leichtes dabei vor. Wenn auch jenem Manne der Wille zum Gesundsein fehlte, so ist es doch nicht so leicht, ihm den Willen zu geben, ohne den Grund der wirklichen Tatsache zu kennen. Ein Krankheitsgrund ist da. Weh tat ihm alles Mögliche, auch da konnte man von Eingebildetem nicht reden. Wenn wir von Krankheitswahn sprechen, müssen wir bei der eingebildeten Krankheit uns klarmachen, wie sich die Krankheitsursache dazu verhält.

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