18. Mann und Weib im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 68d/1908-02-03/p005 ·1908-02-03 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten» (Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one.

Wir müssen ein wenig hinweisen auf das, was Theosophie ins Genauere will, was sie anstrebt. Ganz anders als andere geistige Bestrebungen will Theosophie wirken, anders durch ihren Inhalt, anders durch ihre Art und Weise, wie sie an die Menschen herantritt. Die Theosophie ruht auf zwei festen Säulen. Die eine dieser Säulen ist die, dass es hinter der äußeren physischen Welt, die nur für die äußeren Sinne wahrnehmbar ist, eine übersinnliche, geistige Welt gibt, und die andere der Säulen ist die, dass im Menschen schlummernde Fähigkeiten liegen, durch die er, wenn sie entwickelt werden, die geistige Welt kennenlernen kann. Wenn dieses ausgesprochen wird, so hören wir vielfach auf der einen Seite den Einwand, dass die Vorstellung einer übersinnlichen Welt einer kindlichen Vorstellungsweise angehöre, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern gehabt habe, weil man noch nichts wusste von der wissenschaftlichen Gesetzmäßigkeit überhaupt. Heute aber, wo die Menschheit dazu gelangt ist, die Welt der Gesetzmäßigkeit zu durchdringen, gezieme es den Menschen nicht mehr, zu glauben an eine Welt übersinnlicher Tatsachen. Es braucht dagegen nur ein einfacher Vergleich angeführt zu werden. Man sagt so leicht heute, die Wissenschaft hat uns gezeigt, dass bis zu einem gewissen Grade der Mensch nicht braucht geistige Wesen, die ihm entgegentreten. Die Wissenschaft könne zwar noch nicht alles erklären, aber das Ideal sei doch, diese Welt zu durchdringen mit ihren Methoden und Werkzeugen.

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