26. Das Geheimnis der Menschlichen Temperamente

GA 68d/1908-12-15/p018 ·1908-12-15 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten» (Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one.

Und nun [fragen] wir uns, indem wir so einsehen, dass der Mensch von zwei Seiten her gebildert ist, was geschehen würde, wenn das eine oder andere Extrem besonders herrschen würde. Nehmen wir an, der Mensch würde nur einige Eigenschaften aus geistigen Höhen mitbringen, dann würde in seinem astralischen Leibe auch ein wenig reicher Inhalt sein, und es würde überwältigend wirken dasjenige, was als ätherische und physische Hülle sich um den Menschen herumgliedert. Das heißt, ein solcher Mensch, der nur einen armen Inhalt mitbringt, er würde in allen seinen Ahnen sein, eine Wiederholung sozusagen innerhalb der Vererbungslinie. Je reicher der Inhalt ist, den sich der Mensch herunterbringt, desto mehr wird dasjenige, was von den Ahnen zu dem Enkel geht, was in der Vererbungslinie an allgemeinen Ähnlichkeiten liegt, desto mehr wird es in das Individuelle verändert hineingetrieben. Menschen, die arm herunterkommen aus dem Geistigen, werden sozusagen ihrem Innern nach überwältigt von dem Äußeren, das sich um sie herumschließt durch Rasse, Stamm, Familie und Stand, sie haben diejenigen Charaktereigenschaften an sich, die ihr Volk, ihre Familie hat. Menschen, die mit einem reichen Inhalt, mit einer bedeutenden inneren Kraftentfaltung herunterkommen, die treten als scharf umrissene Individualitäten hervor, die nehmen zwar auch auf, was von den Ahnen zu den Nachkommen geht, aber die Ähnlichkeit tritt zurück gegenüber den einzelnen Zügen, die eine Folge der geistigen Entwicklung der Individualität sind. Wir können das bewahrheitet finden, wenn wir «primitive» Menschen betrachten, oder namentlich, wenn wir den geistigen Blick zurückrichten in Urzeiten der Erde. Da sehen die Menschen eines Volkes einander ähnlich. Warum sehen sie einander ähnlich? Weil die Menschen, die sich in solchen Urzeiten verkörpern, wenige verflossene Daseinsstufen durchgemacht haben, wenig erfahren haben in früheren Stufen, daher wenig herunterbringen aus dem Geistigen. Bei entwickelteren Völkern haben wir entwickeltere Stufen; da treten Menschen auf, die viele, viele Lebensläufe hinter sich haben, reiche, reiche Früchte gesogen haben aus früheren Lebensläufen und daher dasjenige, was sie als Früchte hinaufgetragen haben durch viele Leben ins Geistige, wiederum herunterbringen und sich ein individuelles Dasein gestalten. Aber jeder Mensch muss innerhalb unseres heutigen Menschheitszeitraumes sozusagen diesen Kompromiss schließen; er muss hinuntersteigen und mit körperlichen Hüllen sich umschließen, die er aus der Vererbungslinie nehmen muss. Es ist in jedem Menschen diese Zweiheit vorhanden, die zu einem Ganzen sich zusammenfügt. Auf der einen Seite ist der Mensch ähnlich dem, was herunterfließt durch die Vorfahren, auf der anderen ist er eine eigene Wesenheit.

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