Von Jesus zu Christus

GA 69c/1913-11-15/p011 ·1913-11-15 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Nicht gerne spreche ich vom Persönlichen, aber in diesem Fall ist das Persönliche zugleich auch ein Sachliches. Als vor vielen Jahren mein Buch «Das Christentum als mystische Tatsache» erschienen ist, dem die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen der Christus-Frage zugrunde liegt, da war der Titel durchaus mit vollem Bedacht gewählt, um hinzudeuten darauf, dass es sich um eine besondere Betrachtungsweise handelt. Ich habe es nicht «Die Mystik des Christentums» genannt. Inwiefern das Christentum Mystik enthält - das wollte ich in diesem Buche nicht ausführen, auch nicht die christliche Mystik, nicht das mystische Leben eines Christen darlegen, sondern ich wollte zeigen, dass die Entstehung des Christentums, dass ein Leben des Christus-Impulses in der Geschichte der Menschenentwicklung eine Tatsache ist. Diese kann nur verstanden werden, wenn hinter dem geschichtlichen Werden, hinter den Erzählungen und Beschreibungen geistige Tatsachen geschaut werden, wenn sich Tatsachen einem geistigen Auge erschließen, mit anderen Worten, wenn die Tatsache selbst Mystik darstellt - unmittelbar in der Welt geschehen im mystischen Sinne. Damit wollte ich andeuten, dass nur derjenige den Geist des Christentums zu begreifen in der Lage ist, der nicht nur das christliche Werden, so wie es sich in den Urkunden und Erzählungen darstellt, sondern der im Christentum etwas zu sehen imstande ist, in dem sich die Tatsachen ebenso gruppieren wie im Sonnensystem, wo sich die Sonne zum wichtigsten Faktor im Sonnensystem macht. Das erkennt man an, wenn man die Tatsache naturwissenschaftlich verfolgt. Man ist noch nicht gewöhnt, die geschichtlichen Tatsachen zu verfolgen. Daher erzählt man in der Geschichte leicht, wie eine Tatsache hinter der anderen folgt — genauso wie man in der Naturwissenschaft hinschauen würde -, ohne zu beachten, dass die Art, wie man das geschichtliche Werden ansieht, wie man hinblickt auf die Tatsachen, die Hauptsache ist. Man muss sehen, dass das Christus-Problem ein einschneidender Faktor ist und dass man nur dadurch zum inneren Erkennen kommen kann, dahin kommen kann, was eigentlich geschehen ist.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/69c/1913-11-15/p011.json
Cite: GA 69c/1913-11-15/p011 · edition original