12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der Übersinnlichen Welt
Was bedeuten denn diese Bilder? Indem man die dem Denken zugrunde liegende Seelenkraft ausgebildet hat, tritt einem so etwas entgegen, was wie eine Erinnerungskraft ist, die nicht mehr an Zeichen des Leibes gebunden ist, sondern die freischwebend im Geistig-Seelischen sich entwickelt. Es ist durchaus nicht die Rede von irgendetwas, was man als somnambules Hellsehen kennt, sondern ein innerliches Leben tritt einem entgegen, das mit Bezug auf seine Konfiguration gleich ist der Erinnerungskraft. Und nun kann man lernen, das zu entziffern, von dem man merkt, dass es zu einem gehört, aber dass es in einem lag, ohne dass man es bewusst empfand; das ist diese Bilderwelt. Von ihr merkt man nach und nach, dass es die Welt ist, aus der erst diese unsere Leiblichkeit, dieses unser physisches Leben herausgebildet worden ist. Man erkennt von dem, was man so gewahr wird, dass es sich verbunden hat mit dem, was als Physisches von Vater und Mutter einem zugekommen ist durch Vererbung, was innerhalb dieses Leiblichen als unser Selbst sich uns ankündigt, was aus der geistigen Welt heruntergestiegen ist und uns innerlich durchdringt und durchformt. Man lernt sich erkennen als herkommend aus einem Dasein, was vor unserer Geburt gewesen ist, einem Dasein in einer geistigen Welt. Eine imaginative Welt tritt einem entgegen. In dieser imaginativen Welt ist aber dasjenige alles enthalten, was an geistigen Kräften sich vereinigt mit der physischen Materialität, die man durch Vererbung von Vater und Mutter hat. Das ewige Geistig-Seelische ist in dieser Welt enthalten, dieses ewige Geistig-Seelische, das nun arbeitet im Physisch-Leiblichen, das sich an Denken, Fühlen und Wollen spiegelt; das wirkliche Seelenleben, das man nicht erforschen kann durch naturwissenschaftliche Methode, das hinter alledem, was man im gewöhnlichen Leben als Seelenleben kennt, liegt. Dieses ist es, das nun auch durch die Pforte des Todes wiederum in eine geistige Welt eingeht. Und unser Leben wird dadurch unmittelbar eingeschlossen von Leben, die in der geistigen Welt, in einem geistigen Dasein ablaufen. Dieses wird für die wahre Geistesforschung eine Erfahrung, ein wirkliches inneres Erlebnis.
Cite:
GA 70a/1915-04-09/p041 · edition original