8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach
Solange man gegenübersteht dem, was man im Denken, Fühlen und Wollen im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft erfassen kann, ist dieser Einwand vonseiten der Naturwissenschaft vollständig begreiflich. Er ist auch ganz den Tatsachen angemessen. Er ist so den Tatsachen angemessen, dass es allerdings heute noch - weil Geisteswissenschaft, so wie sie wirklich ist, noch wenig Eingang gefunden hat - in sehr vielen Fällen so ist, dass irgendein Mensch glaubt, er habe durch besondere Seelenübungen etwas, was weit über die Sinneswelt hinausgeht, was in der geistigen Welt wurzelt, erkannt, während er nichts anderes heraufbringt als die sonst unbewusst bleibenden Leibesdispositionen, allerlei Illusionen, die sich ergeben, die er nur nicht erkennt, weil er eben sein Seelenleben nicht überblickt, allerlei, was sich ihm aus Leibesdispositionen in Halluzinationen umwandelt und dergleichen. Umso mehr muss es begreiflich sein, dass der streng an die Tatsachen sich haltende Naturforscher auch das geisteswissenschaftliche Forschen so anschaut, weil das dilettantische geisteswissenschaftliche Forschen wirklich oftmals nichts anderes ist als dasjenige, was der Naturforscher mit seinem Vorwurf ganz richtig trifft,
Cite:
GA 70b/1916-01-14/p018 · edition original