Der Mensch als Geist- und Seelenwesen.
Gerade diejenigen, die etwas wissen von diesem Ringen nach Erkenntnis, die sprechen von Hunderten und Hunderten solcher Grenzpunkte des Erkennens. Nur oberflächliche Gemüter beruhigen sich dann bei solchen Grenzfragen, indem sie sagen: So weit reicht eben das menschliche Erkennen, darüber kann es nicht hinauskommen. Wenn man sich dabei beruhigt, indem man sich eine solche Auskunft gibt, wird man allerdings nicht in die wirkliche Geistesforschung hineinkommen können. Denn nicht darum handelt es sich, sehr verehrte Anwesende, dass man allerlei Logisches solchen Grenzfragen gegenüber entwickelt, sondern dass man sich mit seinem ganzen ringenden Seelenleben in solche Grenzfragen hineinbegibt, dass man sie durchlebt, dass man [die] Logik gewissermaßen da aufgibt, wo sie nicht mehr anwendbar ist, dass man das Lebendige des Gegensatzes, des Widerspruches eines solchen Grenzgebietes der gewöhnlichen menschlichen Erkenntnis auf seine Seele abladen kann. Wenn man solche Grenzfragen nicht nur wie Ruhekissen betrachtet, an denen man liegen bleiben will, um nicht weiterzugehen, sondern wenn man sie erlebt, so findet man gerade durch dasjenige, was da als lebendiger Widerspruch wallt und lebt, dass das innere seelische Leben sich an einem Punkte so anfacht, wie es nicht angefacht ist im gewöhnlichen Erleben: dass es gerade an diesen Grenzpunkten hinauskommen kann über das gewöhnliche Erleben.
Cite:
GA 71b/1918-02-25/p028 · edition original