Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, wer da glaubt, man könne über die geistige Welt nur schwätzen, wer da glaubt, man brauche, um in die geistige Welt hineinzukommen, nicht eine wahre Forschung, der irrt sich gar sehr. Und diejenigen Menschen, die glauben, der Geistesforscher ist ein Phantast, der es leicht hat gegenüber dem, was, wie man sagt, die ernste strenge Forschung im Laboratorium, auf der Sternwarte erkundet, der irrt sich wiederum gar sehr. Mag es noch so schwierig sein, sich die Methoden der äußeren Wissenschaften anzueignen — dasjenige, was mit der Seele durchgemacht werden muss, um die Stufe der Imagination zu überwinden und wirklich in der geschilderten Weise in die geistige Welt hineinzukommen, das überragt an Schwierigkeit alles dasjenige, was irgendeine äußere Wissenschaft an Schwierigkeit bieten kann. Und nur diejenigen reden leichtsinnig über diese Dinge, die sich niemals eine Anschauung verschafft haben davon, wie es eigentlich mit der Geistesforschung zugeht. Dann aber, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man also in die geistige Welt hineingedrungen ist, wenn sie sich einem offenbart, so wie sich durch Farben und Töne die physische Welt den physischen Sinnen offenbart, dann tritt etwas ein, was man in einer merkwürdigen Weise fühlt. Es tritt dadurch ein, dass man immer weiter sich exponiert, sich aussetzt der Inspiration, dass man sie wirklich immer weiter erlebt. Es tritt das ein, was man nennen kann das umgekehrte Einschlafen. Es ist sehr wichtig, dass wir dieses umgekehrte Einschlafen ins Auge fassen. Man weiß: Dadurch, dass man die imaginative Erkenntnis, die inspirierte Erkenntnis durchgemacht hat, dadurch ist man in alle diejenigen Zustände hineingeraten, die man sonst nur durchmacht, wenn man einschläft. Gerade so, wie wenn man einschläft, ist der physische Leib nach seinen eigenen Gesetzen nur verfahren, die nichts zu tun haben mit dem, was in der Seele vorgeht.
Cite:
GA 71b/1918-04-24/p035 · edition original