Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Man lernt jetzt kennen, was es heißt, im Geist darin leben. Reicher wird dieses Ichgefühl, das Ichbewusstsein. Das Ichbewusstsein ist gewissermaßen sonst in einem Punkt, den wir als Ich bezeichnen, zusammengedrängt; jetzt aber wird es reicher, es wird umso reicher, je weiter wir vorwärtsdringen in diesem imaginativen Erkennen. Aber man merkt zuletzt eines: So weit man auch nur immer dieses imaginative Erkennen treibt, in eine geistige Welt hinein führt es noch nicht unmittelbar. Das ist das Wichtige. So wenig, wie, wenn man ein Auge hat, ohne dass dieses Auge die Welt anschaut, das Auge in eine Welt hineinführt, so wenig führt die bloße imaginative meditative Meditation in die geistige Welt hinein. Man gibt sich dieser imaginativen Meditation auch gar nicht aus dem Grunde hin, um irgendetwas außen zu erkennen, sondern um das Selbst zu erkraften, zu erstarken. Und das beginnt bei einem gewissen Punkt der inneren Entwicklung, dass sich dieses Selbst nicht mehr leiblich, sondern geistig fühlt, in seinem inneren Erleben geistig fühlt.
Cite:
GA 71b/1918-05-01/p038 · edition original