Ist Eine Übersinnliche Erkenntnisweise Wissenschaftlich zu Begründen?

GA 73/1918-10-08/p059 ·1918-10-08 · original (original)
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Ernst zu nehmende, gerade naturwissenschaftliche Psychologen — nehmen Sie zum Beispiel Ziehen, nehmen Sie Wahle, wen Sie wollen -, sie finden die Möglichkeit, eine gewisse Verwandtschaft in der Struktur des Denkens mit der Struktur des Nervenbaues, des Gehirnes und dergleichen aufzuzeigen. Überall findet man eine gewisse Befriedigung, dasjenige, was sich geistig erfaßt in der Struktur des Denkens, durch organische Strukturen auszudrücken, gerade in der naturwissenschaftlichen Psychologie. Man geht dabei natürlich immer fehl; denn wir werden übermorgen sehen, wie sonderbar es ist, wenn man glaubt, daß das Seelenleben aus dem Gehirn heraus komme. Es ist das gerade so, als ob man glauben würde, wenn da ein Spiegel ist und man geht hin und meint, derjenige, der uns entgegenkommt — was unser eigenes Bild ist -, der müsse von hinter dem Spiegel herkommen. Es hängt von der Natur des Spiegels ab, ob er eben ist, oder rund ist, was für ein Bild uns entgegentritt. Aber es ist eben doch nichts hinter dem Spiegel. Wer hinter den Grenzen, die uns die Natur setzt, und hinter dem menschlichen Gehirn, das nur das Seelenleben spiegelt, irgend etwas sucht, der sucht geradeso wie derjenige, der, um den Grund des Bildes zu bekommen, das aus dem Spiegel kommt, den Spiegel zerschlägt.

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Cite: GA 73/1918-10-08/p059 · edition original