Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik

GA 73a/1920-06-17/p035 ·1920-06-17 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Seit Bacon und andere gewirkt haben, ist an die Stelle der bloßen Naturbeobachtung das experimentierende Erfassen der Natur getreten. Wir machen im Laboratorium, im physikalischen Kabinett das Experiment, das wir dann auf die technische Arbeit ausdehnen. In dem, was wir selber als Bedingung hervorbringen für irgendein natürliches Geschehen, überschauen wir eben diese Bedingungen. Durch das Experiment sind wir in einer anderen Lage als bei der bloßen Naturbeobachtung. In der Natur kann ich nicht wissen, ob das, was sich mir da enthüllt, sei es für meinen Verstand oder für meine Phantasie, ob das auch irgendeine Totalität ist oder ob ich mich hineinvertiefen muß, viel, viel tiefer, als sich mir zunächst die Sache darstellt. Kurz, trotz allem genauen Beobachten bleibt dasjenige, was ich in der Natur beobachte, wie ein Unbekanntes vor mir. Wenn ich das Experiment vor mir habe, stelle ich die Bedingungen selber her; ich verfolge, wie das eine aus dem andern hervorgerufen wird, und das, was dann noch unbekannt ist, ist im Grunde das, was eigentlich interessiert. Wer ein Experiment zusammenstellt und zuletzt beobachtet, was beobachtet werden kann, der hat eigentlich im Auge das Ergebnis dessen, was aus den für ihn überschaubaren Bedingungen folgt. Es ist im Experiment alles in einer ganz anderen Weise durchsichtig als das, was ich in der Natur beobachte.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/73a/1920-06-17/p035.json
Cite: GA 73a/1920-06-17/p035 · edition original