Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik
Wir können also sagen: In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit haben wir zuerst das von Erkenntnis-Sehnsucht bestimmte Forschen, dann die experimentierende Methode, die in sich aber mit dem Nachschaffen der Natur noch immer die Sehnsucht des alten Erkenntnisstrebens vereint. Indem wir aber übergingen - man braucht nur zu verfolgen, was eigentlich geschehen ist - von dem, was man erleben kann mit dem Experiment, zu dem, was dann aus dem Experiment heraus mit den erkannten Naturgesetzen durch die technischen Gestaltungen geschieht, die so tief eingreifen in das menschliche, in das soziale Leben, da müssen wir uns sagen: Da ist ein Drittes vorhanden, das übergeht von dem, was wir im Nachschaffen der Natur noch haben, zu dem, was nun schaffend im Menschen selber ist. Dieses Schaffende - ich glaube nicht, daß ich zu ganz unempfindsamen Seelen spreche, wenn ich von diesem Schaffenden das folgende sage: Derjenige, der mit jenem eigentümlichen Duktus, mit jener eigentümlichen Seelenverfassung gerade eine technische Schulung durchmacht, der fühlt sich anders in dieser Schulung drinnen als jemand, der etwa eine theologische Schulung, die eine Nachbildung der ältesten Erkenntnismethoden ist, oder eine schon experimentierende naturwissenschaftliche Schulung durchmacht. Wer eine experimentierende naturwissenschaftliche Schulung durchmacht, der wendet das Mathematische, das Geometrische, das Theoretisch-Mechanische, das Phorometrische und so weiter auf das an, was er dort beobachtet. Er rechnet die Natur gewissermaßen nach.
Cite:
GA 73a/1920-06-17/p037 · edition original