Dritter Vortrag

GA 73a/1921-01-14/p006 ·1921-01-14 · original (original)
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Wenn man bedenkt, daß ja alles, was menschliches Tun und Treiben ist, schließlich doch abhängen soll von denen, die als geistige Führer ausgebildet werden, dann wird man zugeben müssen, daß unter dieser fachmäßigen Verstümmelung des Seelenlebens, für die ein Gegengewicht heute in höchst ungenügendem Maße geschaffen wird, diese Persönlichkeiten ungeeignet werden, wirkliche geistige Führer zu sein. Das ist heute mit Händen zu greifen, daß es der Menschheit fehlt an der geistigen Direktion, daß es der Menschheit fehlt an entsprechenden Richtungen. Mehr als irgend etwas anderes ist das an den katastrophalen Ereignissen unserer Zeit schuld. Und gerade aus einer wirklichen, einer nicht-oberflächlichen, sondern aus einer gründlichen Erkenntnis dieses Zustandes ist das hervorgegangen, was versucht wird, in Dornach zu treiben, wo das Goetheanum, die Hochschule für Geisteswissenschaft ist. Sie soll auf der einen Seite gerade voll anerkennen die Notwendigkeit, das Gesamtwissen in Fachwissenschaften zu trennen, zu gliedern, aber sie soll auf der anderen Seite überall zwischen den Fachwissenschaften die notwendige Brücke schlagen. Sie soll, mit anderen Worten, aus seelisch einseitigen Persönlichkeiten, wie sie durch die Fachwissenschaften werden müssen, seelische Gesamtpersönlichkeiten, Totalpersönlichkeiten entwickeln. Gerade dadurch möchte die Geisteswissenschaft eine der wichtigsten Aufgaben unseres Zeitalters erfüllen. Diese Hochschule für Geisteswissenschaft, sie kann sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß man heute den Zeiterfordernissen genügen könne, wenn man einfach das, was an unseren Hochschulen in den einzelnen spezialisierten Fachwissenschaften geleistet wird, nun durch allerlei Kanäle hinunterträgt in die breiten Massen des Volkes.

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