1. Natur-Erkennen und Geist-Erkennen
Man kann sagen - und gerade wenn man technisch denkt, wird man dafür ein Gefühl entwickeln können: Dasjenige, was man technisch zustandebringt, damit man sich in bezug auf seine Nützlichkeit auf es verlassen kann, das muß durch die ganze Anordnung des Mechanischen so durchorganisiert sein, daß es nirgends von demjenigen abweicht, was man gesetzmäßig angeordnet hat — eben damit man sich darauf verlassen kann. Der Darwinismus baut eigentlich sein Fortschrittsprinzip ganz auf solche Abweichungen von dem in der Natur selbst streng Organisierten auf, auf Abweichungen von dem, was man — zum Beispiel in der Morphologie — als ebenso streng organisiert oder mechanisiert ansehen möchte wie den Mechanismus einer Maschine. Er war also genötigt, den Fortschritt in der Entwicklung der Lebewesen auf Abweichungen zu gründen, auf dasjenige, was von vielen mit Recht als pathologisch angesehen wird. Ist es da ein Wunder, daß unser Ich — das zum besonnenen Wesen sich heranzieht gerade an dem, was in der Außenwelt im höchsten Maße gesetzmäßig geordnet ist: an den äußeren Erscheinungen —, daß unser Ich, wenn diese äußeren Erscheinungen auch nur eine Spur ins Pathologische hineinkommen, als seelischen Gegensatz das Erlebnis des Herabschwindens des Bewußtseins hat, das Sich-Verlieren des Bewußtseins? Man kann also geradezu einen merkwürdigen Parallelismus, einen Zusammenhang sehen zwischen dem, was hinaus will aus der Gesetzmäßigkeit, was überwinden will das, was wir in der äußeren Natur oder in der Technik anerkennen müssen, und demjenigen, was das Ich herausreißt aus der Besonnenheit, die es sich erringt gerade durch die materielle Betrachtung des Weltenalls.
Cite:
GA 77a/1921-07-27/p025 · edition original