2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut
Das zeigt sich auch, indem wir diese Geisteswissenschaft auf einzelnen Gebieten schon als Element vor kurzer Zeit in das Dasein einführen konnten. Einer dieser Versuche ist unsere Waldorfschule in Stuttgart, die durch Emil Molt zunächst für die Kinder seiner Fabrik begründet worden ist. Aber seither hat sie sich schon auf das Doppelte vergrößert! Von allen Ständen und von allen Seiten her sind Schüler dieser Waldorfschule zugeströmt. Bei dieser Waldorfschule handelt es sich nicht um eine Weltanschauungsschule; das ist nur eine Verleumdung, wenn das gesagt wird. Es handelt sich nicht darum, etwa anthroposophische Weltanschauung oder irgendeine neue Religion in die Kinder hineinzupfropfen. Ich selber habe, als diese Schule begründet wurde, mich bereit erklärt, die Schule zu leiten. Es war vom allerersten Augenblick an festgestellt, dass dasjenige, was den Kindern gegeben werden soll an Religionsunterricht - den Kindern, die katholisch sind, von dem katholischen Pfarrer, und entsprechend den Kindern, die evangelisch sind, von dem evangelischen Pfarrer —, den entsprechenden Religionsunterricht geben zu lassen, sie als die Unterrichtenden darin zu haben. Wir sehen ganz ab in dieser Schule von irgendeiner, irgendwie gearteten Weltanschauung. Nur diejenigen Kinder, welche Eltern angehören, die konfessionslos oder dergleichen sein wollen, die also ihre Kinder in keinen Religionsunterricht schicken wollen, denen soll freigestellt werden, in einen Religionsunterricht zu gehen, den wir selbst geben können. Also diese Kinder hätten sonst gar keinen Religionsunterricht, wenn ihnen dieser nicht erteilt würde. Diejenigen aber, die einen bestimmten Religionsunterricht haben wollen aus dem Leben heraus, aus dem sie erwachsen sind, die werden einen in dieser Weise von ihrem Religionslehrer erteilten Unterricht [erhalten].
Cite:
GA 80b/1921-01-28/p053 · edition original