8. Die Erkenntnis des Geistigen Wesens der Welt
Man kann daher sagen: Der Guru brachte es dazu, dass nicht nur auf jene natürliche Art, wie das bei jedem Einschlafen geschieht, das Geistig-Seelische außerhalb des physischen Leibes des Menschen beim Schüler ging, sondern der Guru brachte es durch seine lehrenden, aber vor allen Dingen durch jene aus dem Vertrauen, aus dem Tatvertrauen heraus getragenen Einflüsse dahin, dass in vollwachem Zustande das Geistig-Seelische aus dem Leibe austreten konnte, dadurch innerlich erkraftet war, mit Wachen durchsetzt war und wachend dasjenige erlebte, dass diese ganze Außenwelt, die wir sonst nur durch unsere Sinne wahrnehmen — und die uns nur eine sinnliche Physiognomie zeigt und eine Gesetzmäßigkeit, welche die Einzelheiten der sinnlichen Physiognomie zusammenfasst —, dass diese ganze Umwelt nun als eine geistige ihm erschien. Wie gesagt, die Voraussetzung dazu war nicht nur eine theoretische, nicht nur ein Schülerverhältnis zum Guru, sondern ein moralisches Verhältnis, wie ich es geschildert habe. Der Guru war geradezu eine moralisch geheiligte Persönlichkeit. Und der Schüler eines solchen Gurus hatte nicht nur ein religiöses Verhältnis zu den geheimnisvoll-übersinnlichen Mächten der Welt, sondern er hatte vor allen Dingen in seinem Guru den Vermittler zu den göttlich-geistigen Wesenheiten, er hatte zu dem Guru selber ein religiöses Verhältnis. Dadurch gelangte der ältere Mensch — nicht in einer theoretischen Weise, sondern durch eine Entwicklung seines ganzen Menschen - dazu, hineinzuschauen in das geistige Wesen der Welt.
Cite:
GA 80c/1922-11-03/p016 · edition original