8. Die Erkenntnis des Geistigen Wesens der Welt
Wiederum finden Sie Übungen darüber mitgeteilt in den genannten Büchern, ich will jetzt nur darauf hindeuten, dass, wie man innerhalb der Meditation das Denken schult, sodass man außerhalb des [Leibes] leben kann mit seinem Geistig-Seelischen, so kann man den Willen schulen. Und durch diese Schulung des Willens kommt man dahin, jetzt gegenüber seinem Mitmenschen eines zu erleben noch, dass ein Aufstieg in die geistigen Welten — sodass sie einem auch bildhaft, objektiv werden - [möglich] ist. In einem bestimmten Stadium dieser Willensbildung tritt nämlich das ein, meine sehr verehrten Anwesenden, dass man sein eigenes Dasein ganz getaucht in tiefsten Schmerz, Leid, Entbehrung, Kümmernis, Sorge erblickt. Ich gebrauche diese Worte, um den Zustand, den der Geist-Erkenner einmal durchmachen muss, weil er ein moderner Mensch ist und sich nicht anlehnen kann an einen Guru wie in der alten Zeit; ich gebrauchte dieses Wort gerade, um annähernd dasjenige darzustellen, das durchzumachen ist: Kummer, Sorge, Schmerz, Leid. Das bedeutet erst die völlige Trennung von dem physischen Leibe. Der Mensch ist nur dadurch während des physischen Lebens in einer Art Wohlbefinden, dass er in seinen physischen Leib [in] seinem Geistig-Seelischen untergetaucht ist, wenn er wachend lebt. Und er wird dadurch bewahrt davor, allnächtlich im Schlafe Schmerz zu empfinden und den Schlaf durchseelt von Leid ertragen zu müssen, dass eben im Schlafe sein Bewusstsein erlischt. Jetzt aber treten wir aus unserem Bewusstsein im höheren Erkennen in bewusster Weise; und indem wir nicht nur den Gedanken, sondern auch den Willen außerhalb des Leibes herbeiführen, erwacht im Geistig-Seelischen tiefster Schmerz. Man fühlt, der Leib fehlt einem im innerlichen Erleben. Nicht nur, dass jenes Wohlbefinden aufhört, das ja nur von dem Durchdrungensein in der Seele durch den Leib herrührt, sondern es hört auch auf das Hinneigen, das egoistische Hinneigen zum Leibe; denn durch die Übungen, die man macht, wird man immer selbstloser und selbstloser. Die Liebe muss ja schon im Meditieren entwickelt werden. Dadurch wird der Egoismus ausgetilgt, sonst kommt man überhaupt nicht zu diesem Erleben in Bildern außerhalb des Leibes. Dadurch aber taucht man ein in ein schmerzhaftes Erleben.
Cite:
GA 80c/1922-11-03/p043 · edition original