Die Zeit und Ihre Sozialen Forderungen
Glauben Sie nicht, meine sehr verehrten Anwesenden, daß derjenige, der die «Philosophie der Freiheit» geschrieben hat, vor Ihnen aus irgendeinem reaktionären Instinkt heraus das sagen wird, was er jetzt zu sagen hat. Was ich zu sagen habe, entspricht einem Gesetz der Menschheitsentwickelung. Von dem Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife entwickelt der junge Mensch aus dem Innern seines Wesens heraus das Bedürfnis, hinzuhören auf das, was ihm selbstverständliche Autorität sein kann und was ihm durch die selbstverständliche Autorität gegeben wird. Wer das Leben unbefangen zu betrachten weiß, kann sich schon sagen, welches Glück es für seine innere Seelenharmonie durch das ganze Leben hindurch ist, wenn er gerade in dem eben angedeuteten Lebensalter so recht verehrungsvoll zu dieser oder jener Autorität hinaufsehen konnte, die er jetzt nicht nachahmte, die ihm aber so gegenüberstand, daß er sich sagte: Durch diese menschliche Individualität offenbart sich mir das, was ich selber sein soll, was ich selber sein will; ich höre hin auf das, was der oder die meint, und nehme die Meinung in meine Seele auf.