7. Über das Totenbuch
Es wird uns überliefert, dass das menschliche Dasein nicht in der einzelnen Individualität abgeschlossen ist, sondern dass dieses menschliche Dasein, bevor es in die einzelne Persönlichkeit einzieht, schon da war, und dass es auch, nachdem es diese Persönlichkeit verlässt, wiederum da sein wird in anderen Formen und Gestalten. Kurz, [Empedokles] steht auf dem Standpunkte der Seelenwanderung, der Metempsychose. Er war eingeweiht in die Lehren der Pythagoreer. Die Philosophen konnten nicht begreifen, wie Empedokles zu dieser Lehre gekommen ist, wenn er annimmt, dass die Seele eine bloße Mischung der vier Elemente ist, ihr aber noch ein besonderes Dasein zuschreibt, indem sie verschiedene Formen annehmen kann. Wir werden begreifen, dass Empedokles in diesen vier Elementen nichts anderes sicht als das eine ewige Ur-Sein, das sich selbst ergossen hat in das Dasein, dass wir also darin nur eine besondere Gestaltung des Daseins zu sehen haben, die wieder zurückströmt nach dem Ur-Sein. So haben wir in der geistigen Auffassung des Empedokles etwas Höheres als das bloß Sinnliche. Die empedokleische Philosophie ist nichts weiter als eine philosophische Auseinanderlegung der Argonautensage, der Sage von Demeter und der Persephone und so weiter.