8. Der Herakles-Mythos

GA 87/1901-12-28/p047 ·1901-12-28 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Auch wenn die Mitschrift noch nicht die später übliche Genauigkeit aufweist» (Even though the transcript does not yet have the accuracy usual later). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 87), which calls the cycle the earliest of which a listener's transcript exists. The translation is the maintainer's, not a published one.

[ Antwort:] Man hat die Entstehung der Tragödie in der Entstehung der Tragödie im Griechenleben gesucht. Im Wagner’schen Lager ist man sich klar darüber, dass man im spätesten Griechentum noch eine Ahnung davon hatte, um was es sich beim bloßen Schatten der Mysterien, in der Tragödie, gehandelt hat. Das sehen wir aus des Aristoteles’ Beschreibung der Tragödie und des Epos. Das, was er darüber schreibt, ist in unglaublicher Weise missverstanden worden. Eine Unzahl von Büchern ist entstanden mit Vermutungen darüber, was er gemeint haben könnte mit der «Reinigung durch Furcht und Mitleid». Durch die Katharsis werden wir gereinigt von Furcht und Mitleid. Man kann nicht wissen, was die Katharsis darstellt, wenn man sie nicht auf der Grundlage der Mysterienweisheit, des Mysterienwesens betrachtet. Die Leidenschaften wurden beruhigt durch eine Besänftigungsmusik. Dann erst traten die Spieler auf. Das ist die erste Stufe des Initiationsvorganges. Die Tragödie stellt uns exoterisch diesen Vorgang vor. Sie ist die abgeschattete große Katharsis innerhalb der griechischen Mysterien. Wenn man die Dichtkunst, die «Poetik» des Aristoteles mit dieser Voraussetzung liest, dann kann man auch das, was Aristoteles sagen konnte, verstehen. Ohne diesen Hintergrund ist sie ganz wertlos.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/87/1901-12-28/p047.json
Cite: GA 87/1901-12-28/p047 · edition original