XXVII. Die Apokalypse des Johannes II
Von einem religiösen Hauch war alles durchdrungen in den ältesten Zeiten. Wer etwas wissen sollte von den Geheimnissen der Welt, wurde vorbereitet zu seinem göttlichen Beruf in Mysterienschulen. Dort wurde er eingeführt in die Rätsel des Daseins. Dazu dienten auch die ägyptischen Geheimschulen. Da musste der, der eingeweiht werden sollte, vor allen Dingen im Leben eine gewisse Reife erlangt haben. Dann musste man sich ganz bestimmten Übungen unterziehen, welche den Menschen bereit machten, sich von dem Sinnlichen zu befreien, die Leidenschaften zu reinigen, sodass der Mensch nicht mehr klebte an den Anschauungen, die durch die Tore der Sinne kommen. Er musste sich davon frei machen und eine bestimmte Reife erlangen. Man bekam in den Mysterienschulen einen wissenschaftlichen, okkulten Unterricht. Darin wurde dem Schüler klar gemacht, wie der Geist sich ausgestaltet hat. Man dachte sich einen schlafenden Gott im Stein, dann einen Gott, der etwas mehr Bewusstsein hat in der Pflanze und so weiter. Der Weltengeist wachte dann vollends im Menschen auf. Alle Wissenschaften waren von diesen Anschauungen durchdrungen. Man wusste, wie sich der Mensch durch die Reiche hindurch entwickelt hat. Goethe hat das auch in der Entwicklung des Homunculus dargestellt. Alles, was in der Natur draußen ausgebreitet ist, ist gleichsam ein ausgebreiteter Mensch. Verwandt ist jedes einzelne Glied des Menschen mit etwas draußen in der Welt.
Cite:
GA 90b/1905-03-19/p005 · edition original