XXI. Erkenntnis Der Höheren Welten II
Was Lehre einer Anschauung einer so großen Summe geistiger Wesenheiten ist, ist nicht neu, sondern so alt, als die Menschheit ist. Die Zeit, in der man glaubt, absehen zu können von diesem Fühlen des Geistigen, die ist eigentlich klein im Verhältnis zu der großen Entwicklungszeit. Da, wo man ein Bewusstsein hatte von der wirklichen Bedeutung und Tiefe der geistigen Welt, da war niemals die Ansicht verbreitet, dass man von geistigen Wesenheiten und ihrer Kenntnis absehen kann. Ich habe es öfters hier erwähnt, dass die Theosophie als solche nichts besonders Neues ist, dass sie nur die Popularisierung, die allgemein verständliche Verkündigung von Lehren darstellt, die in den sogenannten Brüderschaften immer gepflegt worden sind. Nur die Art und Weise, wie die Menschen zu diesen Lehren gekommen sind, war in den verflossenen Jahrhunderten anders als heute. Von alledem, wovon wir heute reden, hätte man vor fünfzig Jahren noch nicht reden können. Damals verlangte man von dem, der so etwas wissen wollte, ganz entschieden, dass er die Aufnahme suche in eine sogenannte okkulte Schule, und es wurde niemand bekannt gemacht etwa gleich mit so bedeutsamen und einschneidenden Anschauungen, wie sie heute in jedem kleinen Handbüchelchen der Theosophie zu finden sind. Man musste sich da die Möglichkeit, mit solchen Dingen bekannt zu werden, erst langsam und allmählich erwerben, man musste Grad für Grad absolvieren, studieren. Jeder neue Grad, den man erwarb, machte einen erst berechtigt, gewisse höhere Anschauungen aufzunehmen. Und die Erziehung innerhalb eines solchen Grades bestand darin, dass man das Gefühl bekam, dass das das Wahre, Richtige und Wesentliche ist, was man in der aufsteigenden Menschheitsentwicklung erhielt von den Lehrern okkulter Schulen. Das gab es nicht deshalb, weil es verboten war — keine Kritik an dem okkulten Lehrer -, sondern weil man sich stufenweise überzeugte, dass es ein Unsinn wäre, eine Kritik an den okkulten Lehrern zu üben, geradeso, wie es ungereimt von einem Kinde wäre, Kritik am Einmaleins zu üben, bevor es dasselbe kann, oder bei einem Schüler der Geometrie, wenn er noch nicht reif dazu wäre, sie zu verstehen. Geradeso hat man früher nie gesagt: «Das mag ich nicht, das konveniert mir nicht» und so weiter. Man hat es als selbstverständlich hingenommen, weil man dazu vorbereitet war.
Cite:
GA 90b/1905-12-18/p004 · edition original