Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik
Ich spreche hier nun etwas aus, was die Geisteswissenschaft Ihnen zeigen kann, um Sie hinzuführen zu der Grenze, wo dies etwas ersichtlich werden kann. Wir wissen, daß sich die Welt entwickelt und wie im Laufe der Entwicklung immer Wesen abgestoßen werden. Es ist ein Gesetz, das uns die Geisteswissenschaft lehrt, daß jede Höherentwicklung verbunden ist mit einem Hinunterstoßen. Später findet ein Ausgleich statt. Für jeden Heiligen muß ein Sünder entstehen. Das fordert das notwendige Gleichgewicht. Wahr ist es, so sonderbar es klingt. Das ist, wie wenn eine Flüssigkeit aus zweien zusammengemischt ist. Wenn man die eine rein bekommen will, so muß die andere trüber werden. So ist es mit dem Aufstieg. Mit jedem Aufstieg ist ein Abstieg verknüpft. Das bedingt, daß das Wesen, das aufgestiegen ist, seine Kraft dazu verwendet, um das andere, niedere Wesen zu erlösen. Gäbe es dieses Zusammenwirken von Wesen nicht, dann gäbe es in der Welt keine Entwicklung. Dadurch wird die Entwicklung in Fluß gebracht. Und wenn wir sehen, wie ein Mensch sich für den anderen hinopfert, da werden wir erinnert an ein solches geheimnisvolles Band, das entstanden war dadurch, daß ein Wesen sich hinauf-, das andere sich hinunterentwickelt hat. Nur zart hindeuten kann man auf so etwas. So ist Richard Wagner schon mitten drinnen in jenem geheimnisvollen Band, das von Seele zu Seele sich zieht.