Erster Vortrag

GA 94/1906-02-19/p010 ·1906-02-19 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Zusammenfassungen und Notizen von Vorträgen u. Vortragsreihen» (Summaries and notes of lectures and lecture cycles). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Nun ein Beispiel zu dem Unterschied zwischen bloßem Kennen und dem Erkennen. Wir haben neulich einmal hier angeführt, daß ein Mensch neben uns sein kann, daß wir ihn sehen können, wie er ist, aber daß wir ihn deshalb noch nicht zu erkennen brauchen. Ich habe in diesem Zusammenhang die Anekdote von jener Sängerin erwähnt, die auf einer Abendunterhaltung zwischen Mendelssohn und einem ihr Unbekannten saß. Sie unterhielt sich sehr gut mit Mendelssohn, aber der andere, der sehr artig war, der war ihr zuwider. Sie fragte daher hinterher: Wer war denn der dumme Kerl zu meiner Linken? - Das war doch der berühmte Philosoph Hegel! war die Antwort. Wenn der Dame vorher gesagt worden wäre, bei einer Abendunterhaltung werde der große Philosoph Hegel zu sehen sein, würde sie vermutlich allein aus diesem Grunde der Einladung gefolgt sein. Da er aber jetzt unbekannt neben ihr saß, war er der dumme Kerl. Das ist der Unterschied zwischen Sehen und Verstehen, zwischen Kennen und Erkennen.

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