Supplements to Member Lectures
GA 246 — 28 February 1910, Essen
Zweigeinweihung
Im dritten Jahrtausend vor Christus begann das kleine Kali Yuga (3101), vorher war das alte dämmerhafte Hellsehen, von dem Reste noch vorhanden sind. Auf zwei Wegen konnte man hingelangen, zu schauen in die geistige Welt: erstens durch die äußere Hülle des Sinnenteppichs die geistigen Wesen dahinter oder zweitens in die eigene Seele, wo auch Untergründe des Daseins sind; Fühlen, Denken, Wollen sind Ausfluss von geistigen Wesen.
Jetzt sagt man: Ich denke, fühle, will - ohne geistige Wesen dahinter zu vermuten. Auf der anderen Seite wird gegeben, was genommen ist, nämlich die Möglichkeit, um durch die Sinneswelt, an die wir gebannt sind, zurückgeführt zu werden in die geistige Welt: das Ichbewusstsein.
Die Druideneinweihung gab es im Norden Europas, mehr östlich die Drotten. Da fühlten [die Menschen] sich als ein Glied des Kosmos, da erlebten sie die großen Weltereignisse mit, zum Beispiel den Gang der Sternenwelt. Um Weihnachten steht die Sonne ganz anders zu den Sternen als sonst. Sonnenfreude, Sonnenferne waren nicht nur Begriffe, sondern sie wurden wie ein Gefühl erlebt. Wenn die Wehmut wegen der Sonnenferne aufs Höchste gesteigert war, dann bekam die Seele Ersatz. Sie wurde offen, erschloss sich für die geistige Sonne, sah fühlend hinein in die Hierarchien des Daseins. Man lebte mit dem Sonnenstand, erlebte mit, wie die Sonne ging. Der Mensch erlebte das in jauchzender Freude, die Wirkung der Sonne in der Sinnenwelt als Nachklang des Ganges der Sonne. Er war miterlebend das ganze Universum. Aber die Ekstasen wurden dem Menschen im Kali Yuga genommen. Der Ersatz dafür war das Ich, als Vorbereitung für jene Wesenheit, die im Christus erschien. Das Christusereignis wurde vorbereitet durch drei Jahrtausende.
Abraham erfüllte eine Mission an der Menschheit im dritten Jahrtausend. Abraham mit seinem Ich konnte sich zuerst ahnend vereinigen mit der Gottheit, was ihm möglich wurde durch das Werkzeug der Intelligenz. Er konnte physische Ereignisse kombinieren, erkannte die Ich-Wesenheit. Früher konnte man erkennen Erzengel, Geister der Persönlichkeit und so weiter, nicht das Welten-Ich. Als solches konnte zuerst Abraham es verstehen auf dem Umweg durch das physische Gehirn. Die Geisteserkenntnis konnte von ihm begriffen werden bis ins physische Gehirn. Vorher gab es nur Gotteserkenntnis durch Verlassen des physischen Gehirns, durch Abraham zuerst mit dem physischen Gehirn. Solche Fähigkeit konnte, weil an die Leiblichkeit gebunden, nur leiblich fortgepflanzt werden durch Vererbung. Es musste die Menschheit empfinden, dass diese Eigenschaft ihr von Gott geschenkt war.
Der zweite Schritt geschah um zweitausend vor Christus. Moses hatte die Fähigkeiten des Abraham so gesteigert, dass er [Gott] dann als Ich-Gott in Blitz und Donner wahrnahm. Im ersten Jahrtausend vor Christus wird vorbereitet, richtig zu verstehen das Ereignis von Jesus von Nazareth, durch jene Lehren, die sich anknüpfen an Salomo. Diese Zeitalter sind nur zu verstehen durch Wiederholung. Salomo ist etwa ins Jahr Eintausend vor Christus zu versetzen.
Eintausend Jahre nach Christus ist Wiederholung des Zeitalters von König Salomo. Rechnungen mit physischen Zahlen können nicht entscheiden. Zweitausend Jahre nach Christus: Wiederholung vom Moses-Impuls. Umgekehrt wiederholen sich die Tatsachen vom Sinai. Moses sah durch den Schleier der Naturelemente. Das umgekehrte Ereignis war dasselbe durch den tiefen Einblick in die Seele, wie bei den mittelalterlichen Mystikern. Es war das umgekehrte Moses-Ereignis. Die Ichgottheit offenbart sich den christlichen Mystikern in der Seele, strahlt aus der Seele heraus. Wir leben in einem besonderen Zeitalter, wo es hinübergeht in die dritten tausend Jahre. Dann kommt Wiederholung des Abraham-Zeitalters. Es kündet sich nach und nach an. Selbstbewusstsein wird ein Erlebnis. Der Mensch wird die Haut seines Ich durchbrechen, hinausdringen aus dem engen Kreis des Selbstbewusstseins. Er wird jetzt ausstrahlen aus dem Menschengehirn, was vorher eingestrahlt ist. Das kleine Kali Yuga ist ungefähr 1899 abgelaufen.
Die Menschheitsentwicklung geht in zwei Richtungen. Es sind da zwei Strömungen! Erstens in den Mysterien-Initiationen und zweitens auf natürlichem Weg. Früher vor dem Kali Yuga waren die Menschen nicht in der Lage, bewusst etwas zu versäumen. Jetzt muss der Mensch seine eigene Entwicklung in die Hand nehmen. Es wird durch die theosophische Verkündigung auch dafür gesorgt. Immer freier wird der Mensch. Drei Inkarnationen erlebt er, um Versäumtes nachzuholen, erst in der vierten, fünften wird es nicht mehr möglich sein. Jetzt entwickeln sich neue Fähigkeiten, zum Beispiel beginnt in unserer Zeit wieder das ätherische Hellsehen. Was kommen muss, sollen wir den Menschen verständlich machen können. Materialistische Weltanschauung kann das zertreten. Jetzt soll Verständnis erworben werden für das, was kommen muss. In den ersten Elementen wird gesehen werden durch natürliche Eigenschaften. Zwischen 1930 und 1940 wird sein ein Erkennen der geistigen Welt ohne das Instrument des Gehirns. So im zwanzigsten Jahrhundert.
In den nächsten zweitausendfünfhundert Jahren wird noch eine Möglichkeit sein für die, welche es jetzt nicht erleben. Dann wird eine genügende Anzahl von solchen Menschen sein. Das ist unsäglich wichtig für die Erdenevolution.
Was werden die Menschen erleben? Eine Erneuerung des Ereignisses von Damaskus, den Christus. Verständnis sich anzueignen zwischen Geburt und Tod für diese Dinge ist das Letzte aus der Kali-Yuga-Zeit. Bloße Kenntnis aus den Urkunden des Christus heraus ist nicht genügend. Unglaube an den Christus-Jesus nach den äußeren Urkunden wird die Dokumente unterwühlen. Dann werden sie den Christus-Jesus sehen in unmittelbarer Gegenwart. Dann werden Theosophen geprüft werden. Das ist der große Prüfstein: Ob Theosophen an den Geist glauben oder nur, wenn der Geist ihnen in materieller Gestalt entgegentritt.
Falsche Messiasse, wie der Christus in Fleisch, werden geradezu gefordert werden durch die materialistische Auffassung. In 1137 war ein falscher Messias in Frankreich, sechzig Jahre früher in Spanien und Nord-Afrika. Noch im siebzehnten Jahrhundert Sabbatai Zewi in Smyrna. Aus halb Europa wanderten Menschen hin, ihn zu sehen, den wiederverkörperten Messias. Damals war es noch ohne Schaden, weil die Menschen noch nicht ihre eigene Entwicklung in die Hand nahmen. Jetzt muss der Mensch Maja unterscheiden von der Wirklichkeit durch wahrhaftes Eindringen in die geistige Welt. Dann wird der Christus der führende Geist der Menschheit.