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GA 246 — 13 August 1914, Dornach

Samariterkurs Verbandkurs I

Es gibt zweierlei Arten blutender Wunden:

  1. Arterielles Blut. Dieses ist hellrot und kommt in Strömen oder Güssen, es spritzt. Hier muss verbunden werden von der Wunde zum Herz-Organismus hin, also an den Gliedmaßen von unten nach oben. Das Ende des Verbandes wird [gespalten], geknotet und die beiden äußersten Spitzen um den Verband herum gelegt und festgebunden - nicht auf der Wunde!
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  1. Venöses Blut. Dieses ist dunkelrot oder bläulich. Dann muss erstens die Wunde selbst verbunden werden (wie oben, aber nur an der Stelle der Wunde selbst bleibend), und zweitens muss der Blutumlauf abgeschlossen werden, und zwar so, dass die Wunde zwischen diesem ersten Verband und dem Organismus ist [(also beim Arm unter der Wunde)]. Es darf nicht allzu lang geschehen, es darf keine Steifheit oder Bläue der Finger auftreten; dann sollte er gelockert werden.
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  1. Kopfwunde. Der Verband wird einige Male um das Haupt gelegt und dann mit einem senkrechten Umschlagen des Verbandes in die andere Richtung gebracht. Die Stelle, wo dieses geschieht, wird festgehalten durch die folgenden Windungen. Mehr Windungen über die Wunde hinübergehend als senkrecht darauf! Zum Schluss mit einer Sicherheitsnadel abschließen, am besten oben auf dem Kopf (nur nicht auf der Wunde!).
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In allen drei Fällen soll zuerst Mull, dann Watte auf die Wunde gelegt werden. [Am besten ist zuerst Mull, dann Watte.]

Beim ersten und zweiten Fall oder bei einem gebrochenen Arm, diesen zuerst in ein Tuch legen. Dreieckiges Tuch oder wenn viereckig, dieses doppelt falten. Die Hand des betreffenden Armes wird auf die Spitze des Tuches gelegt, dieses umgeschlagen, von den beiden anderen Spitzen wird eine über die Schulter (beim linken Arm über die rechte Schulter) gelegt, die andere über die andere Schulter [(also hier linke Schulter)]. Auf dem Rücken zusammenbinden. Das Ende der letzten Spitze wird zuerst ein wenig um die Hand herübergeschlagen. Man kann die Hand mitsamt dem Tuch mit einer Sicherheitsnadel feststecken, damit man die Hand oder den Arm hochbekommt.

Bei der Wunde mit arteriellem Blut muss der Arm während des Verbindens hochgehalten werden. Wenn niemand in der Nähe ist, der dabei behilflich sein kann, dann sollte der Arm auf etwas aufgestützt werden.

Wunden müssen in Ruhe gehalten werden; auch nicht zu viel mit Wasser berühren! Wenn sie schmutzig werden, so sollen sie zuerst mit einem anti- oder aseptischen Mitteln gereinigt werden (Hände zuerst fünf Minuten aseptisch waschen, Instrumente und so weiter auskochen!). Ist die Wunde nicht schmutzig, dann sol] man sie ganz in Ruhe lassen. Um die Wunde herum kann man gut reinigen. Alle antiseptischen Mittel und so weiter halten sehr die Heilkraft zurück. Die hauptsächlichen Heilkräfte kommen doch aus dem Organismus selbst. 4. Wenn kein Verbandszeug zum Abbinden vorhanden ist, soll man die Arterie über der Wunde (Puls-, Oberarm-, Halsarterie) steif zuhalten, vielleicht 10 bis 15 Minuten.

  1. Bei gebrochenem Handgelenk nehme man ziemlich breiten, starken Verband. Die Hand gut ausstrecken. Beim Winden mit der Hand anfangen. Die erste Windung über den Daumen schief wickeln, dann die Hand ohne Daumen. Beim Höherhinaufkommen jedes Mal den Verband umschlagen. Den Ellbogen freilassen und noch etwas über den Ellbogen hinaus verbinden[; mit Sicherheitsnadeln abschließen]. Im Notfalle kann es mit jedem Tuch gemacht werden.
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  1. Gebrochener Unterschenkel. Schuh und Strumpf werden rasch nach unten zu durchgeschnitten. Das Bein beim Fuß festhalten lassen und gut ausstrecken. Großes Stück Watte um das Bein herum legen. Dann ein Stück Holz, Stock oder Regenschirm oder was auch so flach ist wie möglich unterhalb und rechts und links vom Bein legen. Dieses wird an drei verschiedenen Stellen mit in Streifen geschnittenem Verbandszeug zusammengebunden (1. oberhalb des Knies, 2. beim Knöchel, 3. in der Mitte - nur nicht an der Bruchstelle). Die Knoten auf das Holz, nicht auf das Bein.

Das Bein hochhalten. Kissen oder dergleichen unter das Bein legen.

  1. Zersplitterte Schädeldecke. Die Haare wegschneiden oder im Not fall wegkämmen. Ein links und rechts aufgeschnittenes Tuch wird über den Kopf gelegt, die vorderen Spitzen hinter dem Kopf kreuzweise zusammengeknotet, die hinteren vor dem Kopfe. Zuerst müssen die hinteren Spitzen vorn zusammengebunden werden, da das Festigkeit gibt. Dasselbe kann man auch im Falle einer Kopfwunde anwenden, wenn Verbandszeug fehlt, dann aber selbstverständlich zuerst Gaze oder Watte auflegen. Auch bei Kinnbeschädigungen zu gebrauchen. Die obersten Spitzen werden einfach hinter das Haupt gelegt, die untersten über das Haupt (aber kreuzweise).
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  1. Nasenverwundung oder -beschädigung. Gaze, Watte, dann Verband über die Nase und senkrecht darauf. Über die Ohren, wie bei der Kopfwunde oder auch mit verspaltenem Verband wie oben.

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