The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913

GA 250 — 2 February 1913, Berlin

49. Zusammenkunft Anlässlich der Angekündigten Elften Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft

Bericht in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft (Theosophischen Gesellschaft), herausgegeben von Mathilde Scholl», Nr. 1/1913

Um 10¼ Uhr eröffnet Herr Dr. Rudolf Steiner die Versammlung mit folgenden Worten:

«Anstelle der elften Generalversammlung der Deutschen Sektion, die ich, wie Sie vernehmen werden, logischerweise, angesichts der vorgefallenen Tatsachen, abzuhalten nicht mehr in der Lage bin, eröffne ich hiermit die Versammlung der theosophischen Freunde, die hier anwesend sind.

Ich bitte die Worte ins Auge zu fassen, dass ich logischerweise nicht mehr die Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft Deutscher Sektion, angesichts der vorgefallenen Tatsachen, hier eröffnen kann. Dasjenige, was vorgefallen ist, wird ja Gegenstand der Verhandlung sein; dasjenige, was ich Ihnen vor allem anderen zu sagen habe, ist das, was ja auch in den vorhergehenden Jahren nicht gebunden war an irgendeine äußere Organisation, sondern an unser theosophisches herzliches Zusammenfühlen. Und aus diesem theosophischen herzlichen Zusammenfühlen begrüße ich Sie auch an diesem unserem heutigen Versammlungstage. Es steht zu hoffen, dass dieses herzliche, schöne Band, das uns vereinigt hat so manches Jahr, uns auch diesmal vereinigen wird, soweit wir Verständnis haben für dasjenige, was wir gewollt haben. Und aus dem Gefühl dieses Vereinigtseins lassen Sie mich in wenigen Worten nur die herzliche Begrüßung ausdrücken, in wenigen Worten, weil wir heute noch mancherlei zu tun haben werden und die folgenden Verhandlungen möglichst bald beginnen sollten.

Dasjenige, was ich gerne möchte, das ist, dass wenigstens vielleicht in einen einzigen Akt nicht hereinleuchte so mancher finstere Strahl, der später hereinleuchten könnte; das ist, dass wir angesichts der Schwierigkeiten unserer Verhandlungen gleich im Beginne diesmal derjenigen gedenken, welche, seit wir das letzte Mal hier versammelt waren, als unsere lieben theosophischen Freunde den physischen Plan verlassen haben.

Ich brauche ja, nachdem Jahre hindurch über die Gefühle und Empfindungen in solchen Fällen gesprochen worden ist, heute nicht besonders zu betonen, dass für den richtig empfindenden Theosophen der Übergang eines Menschen von einem Plan zu dem anderen eben nur ein Wechsel der Daseinsform ist, und dass, da wir uns verbunden fühlen durch Bande, die nicht an einen Plan gebunden sind, diese Bande zu unseren lieben theosophischen Freunden auch die gleichen bleiben, wenn diese genötigt sind, den einen Plan mit einem andern zu vertauschen. So werden diejenigen, die von uns gegangen sind, an uns ihre liebenden Freunde haben, so werden wir an ihnen liebende Freunde besitzen, indem wir, wo wir nur können, unsere Gedanken hinlenken zu denen, zu denen sie so oftmals gehen durften, als sie noch mit uns arbeiteten auf dem physischen Plan.

In erster Linie habe ich zu gedenken eines Mitgliedes, das lange Jahre in unserer Mitte theosophisch gearbeitet hat, so, dass ihr liebes gutes Herz allüberall intime liebende Freunde ihr zugetragen hat, Frau Mia Holm, die nach schmerzlichem Krankenlager uns im verflossenen Sommer verlassen hat. Diejenigen, welche Gelegenheit gehabt haben, das schöne poetische Talent von Mia Holm auf sich wirken zu lassen, wissen ganz besonders, wie bedeutsam es war, diese Persönlichkeit in unserer Mitte zu haben, und wie wir allen Grund haben, fort und fort dieser Persönlichkeit zu gedenken, soweit wir uns mit ihr verbunden fühlen. Es gibt viele unter uns, die Mia Holm innig liebten, die auch innige Liebe hatten zu ihrer poetischen Begabung, zu ihrer ganzen liebenswerten Persönlichkeit.

An zweiter Stelle sei mir gestattet, zu nennen nicht nur ein langjähriges Mitglied unserer theosophischen Arbeit, sondern gewissermaßen die älteste Theosophin, die wir überhaupt hatten, unsere liebe Frau Bontemps in Leipzig. Sie gehörte unserer Denkweise und Gesinnung so sehr mit ihrem ganzen Herzen an, dass man, wenn man mit ihr sprach, auch das Gewöhnlichste, das von ihren Lippen kam, durchdrungen fühlte mit theosophischer Empfindung und Herzlichkeit. Und diejenigen, welche Frau Bontemps näher kennengelernt haben, wissen zu schätzen ihr gutes Herz, ihren in so vieler Beziehung großen und umfassenden Charakter, ihre so leicht die Herzen der Menschen berechtigterweise gewinnende theosophische Gesinnung. Es war mir tief befriedigend, dass ich noch in den letzten Zeiten, als sie noch auf dem physischen Plan weilte, ihr manches Wort zusprechen konnte, als sie ihr Krankenlager nicht mehr verlassen konnte. Und wie so manches Wort, das ich in ihren gesünderen Tagen mit ihr sprechen konnte, so werden mir auch die Gespräche unvergesslich sein, die ich an ihrem letzten Krankenlager mit ihr führen durfte.

Zu gedenken habe ich des Fräuleins [Clara Brandt], die durch einen bedauerlichen Unglücksfall diesen Sommer ihr Leben auf dem physischen Plan geendet hat. Ich betone ausdrücklich, weil Missverständnisse vielfach sich verbreitet haben, dass es sich bei Fräulein [Brandt] handelt um einen ganz natürlichen Tod, veranlasst durch einen Schwächezustand, der das Unglück, ihren unglücklichen Sturz, herbeigeführt hat; es handelt sich um nichts anderes als um einen ganz natürlichen Tod. Wir gedenken ihrer, wie sie viele Jahre in Treue, trotz mancher Schwierigkeiten, an der theosophischen Sache gehangen hat, wie diese theosophische Sache dasjenige aus ihrer Seele machte, was sie hier sein wollte.

Vieler treuer, lieber Freunde, sowohl zuletzt noch vor ihrem Tode gewonnener als auch durch lange Jahre bei uns weilender Freunde, habe ich zu gedenken. Wollte ich alles hier aussprechen, was mir auf dem Herzen liegt, so würde eine sehr lange Rede aus dem werden, was nur einen Wert hat, wenn wir alle eine liebevolle Gesinnung zum Ausgangspunkt unserer Gedanken an die hinübergegangenen Freunde machen.

So habe ich zu gedenken eines langjährigen Mitgliedes, des Herrn Leo Ellrich aus der Leipziger Loge.

So [habe ich] zu gedenken eines besonders schmerzlich berührenden Todes, weil wir nicht nur in diesem Falle schmerzlich berührt sind davon, dass die betreffende Tote den physischen Plan verlassen hat, sondern auch zurückgelassen hat den tieftrauernden Gatten, der unser liebes Mitglied ist. Wenn wir die schöne Art betrachten, wie Frau Doktor [Roesel], die der Bielefelder Loge angehörte, sich in die theosophische Bewegung hineingefunden hat, wie sie hineinstrebte, wenn wir dessen gedenken, dann machen wir uns ganz bestimmt zu Mitempfindern unseres lieben Freundes Herrn Doktor [Roesel], der ein so treues, viel beliebtes Mitglied ist.

Zu gedenken habe ich zweier Baseler Freunde, die in ihrem engeren Kreise sehr geschätzt und geliebt wurden, der beiden Mitglieder Gottlieb [Hiltboldt] und Wilhelm Vockroth. Sie waren treue, liebe, aufopferungsfähige, theosophische Mitarbeiter.

Zu gedenken habe ich ferner jenes Mannes, der aus dem nicht nur durch physische Leiden schmerzlichen Dasein mit dem Tode abgegangen ist, unseres Freundes Hugo [Boltze] in Eisenach. Die meisten unserer Freunde kennen Hugo [Boltze]; er hatte wirklich recht viel zu leiden, und wir waren ihm in Treue und Liebe zugetan und werden es bleiben. Nach siebenjähriger, sehr leidvoller Krankheit musste diese Krankheit zum Tode führen. Wir stehen ihm so gegenüber, dass wir die besten, liebevollsten Gedanken ihm sicherlich nachsenden werden.

Wir haben ferner zu gedenken eines lieben Freundes, der, nachdem er Heilung gesucht hatte in einer südlichen theosophischen Kolonie, doch nicht am physischen Leben erhalten werden konnte, des Herrn Hans Schellbach. Es braucht nur gesagt zu werden, dass er seine theosophische Gesinnung, so wie er sie im Leben jederzeit bewiesen hat, bis zum letzten Atemzuge treu bewahrt hat. Dass sie ihm heilsame Arznei war, dass er hing an der Theosophie so, dass sie ihm jene Kraft war, die den Menschen aufrechterhalten kann in den glücklichsten sowohl wie in den leidvollsten Augenblicken des Lebens.

Zu gedenken habe ich eines Freundes, dessen Tod in einer gewissen Beziehung etwas außerordentlich Tragisches hat, der innig befreundet war mit einem, dem theosophischen Leben nahestehenden Kreise, des Herrn Georg Bauernfeind. Es würde hier nicht am Platze sein, zu sprechen über Einzelheiten des Lebens unseres Freundes, es soll nur gesagt werden, dass Theosophie dazu führen kann, dass wir in unseren Empfindungen eine jede Art des Suchens, eine jede Art des geistigen Erlebens verstehen, und dass wir auch dieses Mannes letzten Todesweg verstehen werden.

Ferner habe ich zu gedenken eines Mannes, der viel Theosophie in seiner Gesinnung hatte, den aber nur wenige kennenlernten, Mister Meakin, der im Oktober vorigen Jahres hinweggegangen ist vom physischen Plan, nachdem er längere Zeit immer intensiver und intensiver mit uns gearbeitet hat.

Fräulein [Bloecker], Frau Major Herbst, Frau Marty, auch ihrer habe ich zu gedenken. Wenn sie auch weniger hervorgetreten sind in unserer Bewegung, so sind wir doch nicht weniger dazu berufen, uns über den Tod hinaus mit ihnen vereint zu fühlen. Wir wissen ja, meine lieben theosophischen Freunde, wie unauflöslich unser Band bleibt mit denjenigen, die den physischen Plan durch den Tod verlassen haben, von denen wir wissen, dass sie eine andere Lebenssphäre betreten haben. So sei denn in diesem Augenblicke der Vereinigung der Ausgangspunkt genommen zu dem, dass Sie in dem zuletzt ausgesprochenen Sinne sich verbunden fühlen mit diesen von uns gegangenen Freunden, dass Sie sich auch in Zukunft mit diesen Freunden in Verbindung fühlen werden. Diese liebevollen Gedanken und Empfindungen, die wir zu unseren dahingeschiedenen Freunden senden, wollen wir ausdrücken, indem wir uns von unseren Sitzen erheben.» - Die Versammlung ehrt das Andenken der genannten Personen durch Erheben von den Sitzen.

Herr Dr. Steiner: «Meine lieben theosophischen Freunde! Zunächst ist eine Anfrage eingelaufen, die ich zu beantworten habe als eine Anfrage zur Geschäftsordnung. Die Anfrage lautet:

Wird der Vorstands-Beschluss vom 8. Dezember 1912, die Mitglieder des ‹Ordens vom Stern des Ostens› aus der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft auszuschließen, als perfekt geworden angesehen, ‚ohne dass die Generalversammlung als solche darüber abgestimmt und sich damit einverstanden erklärt hat? Hermann Ahner

Ich möchte nur ein paar Worte zu dieser Anfrage hinzufügen. Ich möchte sagen, dass der Beschluss, die Mitglieder des Stern des Ostens ohne Weiteres auszuschließen, in dieser Fassung vom Vorstande niemals gefasst worden ist, sondern dass die Mitglieder des Stern des Ostens» gebeten worden sind, auszutreten, widrigenfalls der Vorstand sich genötigt schen würde, sie auszuschließen. Nun war aber eine Anfrage eines Mitgliedes des «Stern des Ostens» eingelaufen, die dahin ging, ob ein solches Mitglied in dem Falle dann noch da bleiben dürfe in der Versammlung, und ob ich wünsche, dass dieses Mitglied einige freundliche Worte an die Generalversammlung richte. Ich habe geantwortet, dass ich eigentlich genug habe, mich irgendwie in die Angelegenheiten der Generalversammlung einzumischen, und dass die Generalversammlung darüber zu bestimmen haben werde. Es hat sich dann während meiner Abwesenheit der Vorstand genötigt geschen, an die Delegierten nun selber die Anfrage zu richten, ob sie wünschen, dass Mitglieder des Stern des Ostens» der heutigen Generalversammlung beiwohnen. Darauf haben die Delegierten fast ausnahmslos geantwortet, dass sie nicht wünschten, dass Mitglieder des Stern des Ostens» anwesend sind. Ich war also nach dieser Kundgebung der Delegierten nicht mehr berechtigt, den Mitgliedern des ‚Stern des Ostens die Generalversammlung zu öffnen. Und was auch an Entstellungen in der Welt geleistet worden ist, diejenigen, die prüfen wollen, werden sehen, dass ich niemals anders gehandelt habe, denn als Vertreter, als ausführendes Organ der Deutschen Sektion. Als Generalsekretär wollte ich niemals dem eigenen, sondern stets nur dem Willen der Sektion folgen.

Des Weiteren aber ist zu sagen, dass in ganz sinngemäßer Weise, nachdem ich die Sache lange überlegt habe, weil die Sache gar nicht mehr anders sein kann, ich nicht mehr in der Lage bin, überhaupt noch die elfte Generalversammlung der Deutschen Sektion abzuhalten, sondern nur an ihrer Stelle abzuhalten eine Versammlung unserer Freunde, weil logisch eine Deutsche Sektion nicht mehr besteht. Nach dem Vorstandsbeschlusse von gestern ist es nicht mehr möglich, diese Versammlung in der Art abzuhalten, wie die bisherigen Generalversammlungen abgehalten worden sind. Damit entfällt aber überhaupt die Möglichkeit, diese heutige Versammlung anzufechten. Ich werde diese Versammlung hinterher als eine Urversammlung behandeln. Daher ist zu bedenken, ob überhaupt noch eine Veranlassung vorliegt, in dieser Versammlung zu entscheiden, ob der Vorstandsbeschluss, die Mitglieder des Stern des Ostens auszuschließen, ausgeführt werden soll oder nicht.» - Es wird nun dieser Vorstandsbeschluss verlesen.

Theosophische Gesellschaft, Deutsche Sektion. An die verehrten Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, welche Mitglieder des «Sternes des Ostens sind. Die Unterzeichneten sind verpflichtet, Ihnen hierdurch die Mitteilung zu machen, dass der am 8. Dezember 1912 zu außerordentlicher Sitzung versammelte Vorstand den unten angeführten Beschluss gefasst hat. Dieser Beschluss ist nicht wegen etwa bestehender Meinungsverschiedenheiten oder voneinander abweichender Standpunkte gefasst, die selbstverständlich in der Theosophischen Gesellschaft repräsentiert sein können, sondern lediglich aus dem Grunde, weil die Art, wie die Leitung des «Sternes des Ostens» sich zur Deutschen Sektion gestellt hat, dieser ganz unvereinbar erscheint mit dem ersten Paragraf der Satzungen der Theosophischen Gesellschaft. Wenn also etwa gesagt würde, die Deutsche Sektion schließe gewisse Meinungen und Standpunkte aus, so muss dies von vorneherein als eine Unrichtigkeit bezeichnet werden. Der oben erwähnte Beschluss lautet: «Der Vorstand der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft betrachtet die Zugehörigkeit zum Orden des Star of the East (Stern des Ostens) als unvereinbar mit der Mitgliedschaft der Theosophischen Gesellschaft und bittet die Mitglieder des Star of the East (Stern des Ostens), aus der Theosophischen Gesellschaft auszutreten. Der Vorstand der Deutschen Sektion wird sich gezwungen sehen, Mitglieder, welche dieser Bitte nicht entsprechen, aus der Deutschen Sektion auszuschließen.» Im Auftrage des Vorstandes der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft.
Der Generalsekretär. Der Sekretär.

[Herr Dr. Steiner:] «Die Delegierten haben sich ja bereits mit diesem Beschluss einverstanden erklärt, aber wenn Herr Ahner darüber sprechen will, so steht ihm das natürlich frei.»

Herr Ahner: «Ich finde keinen Grund, weshalb die Mitglieder des ‹Stern des Ostens› ausgeschlossen sein sollten. Die Theosophische Gesellschaft, die alles umfassende Gesellschaft, hat Plätze für alle. Deshalb ist es mir nicht sympathisch, solche Leute auszuschließen, die ein höheres Leben hineinbringen wollen und ein höheres Leben anregen. Ich weiß nicht, weshalb Sternmitglieder ausgeschlossen werden. Ich weiß nicht, inwiefern der Vorstand ein Recht dazu hat. Ich möchte wissen, ob dieser Vorstandsbeschluss überhaupt rechtskräftig ist. Ich selber bin kein Sternmitglied, aber ich bedaure, nicht zu verstehen, und ich begreife nicht, weshalb das geschehen soll, weshalb Disharmonien da sein sollten. Ich will also den Ausschluss nicht von meinem Standpunkt aus, Sie können ja natürlich darüber anders denken. Mir ist das zuwider, entschieden unsympathisch, wenn wir unsere Brüder in allen Menschen sehen und dann diese in liebloser Weise ausschließen. Ich habe darüber nichts weiter zu sagen, es ist weiter nichts als eine Anfrage gewesen, auf die eine Antwort ja auch schon erfolgt ist. Ich habe weiter nichts darüber zu sagen.»

Herr Dr. Steiner: «Wünschen Sie eine Abstimmung darüber?» Herr Ahner: «Ja, wenn es möglich ist.»

Herr Dr. Steiner: «Da eine Abstimmung stattfinden soll, bitte ich die Delegierten, sich zu erheben, die für die Ausschließung der Sternmitglieder sind.»

Es wird abgestimmt. Mit Ausnahme von Herrn Ahner sind die Delegierten für die Ausschließung.

Herr Dr. Steiner: «Das ist zweifellos die Majorität, wenn auch die Stimmen noch nicht gezählt sind. Zur Vorsicht möchte ich aber, dass auch noch die gesamte Versammlung darüber abstimmt. Abstimmung.» - Mit Ausnahme von fünf sind alle für die Ausschließung.

Herr Dr. Steiner: «So bin ich nicht in der Lage, da ich mich auch diesmal lediglich als ausführendes Organ betrachte, den Beschluss des Vorstandes rückgängig zu machen und die Mitglieder des «Stern des Osten» jetzt noch rufen zu lassen.

Meine lieben theosophischen Freunde! Mit einem gewissen Schmerz, den viele von Ihnen vielleicht mitfühlen werden, welche die Jahre hindurch mit mir gearbeitet haben, beginne ich diese Auseinandersetzung. Gedenken muss ich dabei selber jenes Momentes, wo wir vor einer Reihe von Jahren mit einer geringen Anzahl von Freunden geschritten sind hier in dieser Stadt zur Begründung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Wir schritten damals zur Begründung dieser Sektion, weil wir vor uns hatten das Ideal und die Absicht, innerhalb der Theosophischen Bewegung zu arbeiten für dasjenige, was wir als hohe Güter der Menschheitsentwicklung ansehen. Mit Empfindungen, welche lediglich darauf hinausliefen, treulich zu arbeiten auf dem angedeuteten Felde, so schritten wir dazumal in diese Bewegung hinein. Es wurde dazumal ein Vorstand gewählt in der ersten, konstituierenden Generalversammlung.

Es sind ja nicht alle mehr, die damals gewählt wurden, innerhalb des Vorstandes; es sind auch nicht alle mehr auf dem physischen Plan.

Die erste Schwierigkeit, welche uns erwuchs, nachdem mir mancherlei Schwierigkeiten vorangegangen waren, war diese, die ausging von einem Mann, der auch jetzt wiederum mit den Schwierigkeiten innerhalb der Deutschen Sektion innerhalb der Theosophischen Gesellschaft begonnen hat. Nachdem dazumal Doktor Hübbe-Schleiden von uns als sozusagen einer der Veteranen der theosophischen Bewegung bereitwilligst in den Vorstand gewählt worden war, begann er nach wenigen Wochen Brief nach Brief zu schreiben, und mit all diesen Briefen war wirklich nichts anzufangen. In den Briefen, die zum Teil der Sektionsgründung vorangingen, zum Teil folgten, waren solche wie zum Beispiel der, welcher den Inhalt hatte: Man solle den Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft, das Adyar-Präsidium, in seiner Macht beschränken, anstelle desselben eine Art von Areopag von Mitgliedern einsetzen, der an der Spitze autonomer Landesgesellschaften steht, sodass in keiner Weise hineingeredet werden könne von einem Präsidium aus. Eine ganz republikanische Gestaltung der Theosophischen Gesellschaft wünschte damals Doktor Hübbe-Schleiden. Ein anderer Vorschlag bestand dann darin, die Frauen von der theosophischen Bewegung auszuschließen, aus einer Bewegung, in der herrschen sollte Vernunft und Urteilsfähigkeit, weil den Frauen weniger Vernunft und Urteilsklarheit zuzusprechen sei als den Männern, weil sie weniger mentale Begabung hätten. Ich habe mir damals den leisen Einwand erlaubt, ob denn auch die tote Frau Blavatsky, die die Bewegung gegründet hat, ausgeschlossen werden sollte, bekam aber keinen Aufschluss darüber. Vor dem Genueser Kongress machte Doktor Hübbe-Schleiden den Vorschlag, mit mir und einigen andern Mitgliedern, unter denen nicht das astrale Element der Frauen, sondern das mentale der Männer vertreten sein solle, vor dem genannten Kongress zu verhandeln über das, was der Gesellschaft heilsam sei, denn er sei bekannt mit den Intentionen, wie sie ursprünglich gehabt haben Frau Blavatsky und Frau Besant. Dann aber folgte die Aufforderung, dass an jener Konferenz nur urteilsfähige Männer, die allein eine mentale Begabung hätten, teilnehmen sollten. Ich habe nicht Gelegenheit gehabt, zu fragen, wie denn der Briefschreiber die beiden Frauen im ersten Teile des Briefes berechtigterweise habe nennen können, da er im letzten Teile des Briefes, auf derselben Seite, das angeführte Urteil abgegeben hat.

Nach dieser Anführung einer späteren Tatsache fahre ich fort, von der Mitteilung aus, dass uns Schwierigkeiten erwachsen sind schon im Beginn der Sektionsgründung, und dass dann Doktor Hübbe-Schleiden nach ein paar Wochen aus dem Vorstande ausgetreten ist, ohne irgendwie dazu gedrängt worden zu sein. Diejenigen unserer Freunde, die etwas darüber wissen können, werden wissen, wie ich in den zehn Jahren, die seitdem verflossen sind, in allen Dingen Doktor Hübbe-Schleiden entgegengekommen bin. Ich glaube, ich darf hier diese Sachen berühren, weil hier sich heute das Sachliche mit dem Persönlichen in sachlicher Weise zusammenschließen soll. Ich glaube, es gibt unter Ihnen solche Mitglieder, welche wissen, wie zwar aus voller Liebe, aus berechtigtem Wohlwollen und berechtigter Menschlichkeit heraus, diejenigen unserer Freunde, die etwas brauchen, das in Anspruch nehmen -ich darf es sagen, in Anspruch nehmen - dasjenige, was man die Zeit nennt, was eben nicht elastisch ist und gedehnt werden kann. Indem ich dieses In-AnspruchNehmen als etwas absolut Berechtigtes hinstelle, ist doch die Tatsache nicht in Abrede zu stellen, dass ungeheure Mengen von Zeit verwendet worden sind im unmittelbaren Verkehre von Mensch zu Mensch. Von Mensch zu Mensch ist die überwiegend meiste Zeit verwendet worden in unserer Arbeit. Und es mag einmal die Frage aufgeworfen werden, ob es innerhalb dieser Handhabung der theosophischen Liebe innerhalb unserer Gesellschaft, ob es möglich war, darauf einzugehen, dass Leuten, die nur als Störenfriede kamen, unsere kostbare Zeit geopfert werden sollte. Das war der Grund der verschiedenen Maßnahmen, die getroffen worden sind. Aus diesen Überzeugungen heraus, aus wirklicher Einsicht, haben wir die Beschränkungen eintreten lassen, aus keinem anderen Grunde, als weil wir arbeiten wollten in wahrer Menschenliebe, und weil wir nicht nur von Liebe triefende Redensarten machen wollten, und deshalb uns nicht durch unaufrichtige Störerei die Zeit wegnehmen lassen wollten.

Derjenige, der das am meisten wissen konnte, dass wir unmöglich vorwärtskommen können, wenn jeder störend hereinkommen kann, war Doktor Hübbe-Schleiden. Denn ich darf ganz objektiv sagen, zu denjenigen Menschen, die mich oft am längsten in Anspruch genommen haben, gehört Doktor Hübbe-Schleiden. Niemals wäre dieses Wort über meine Lippen gekommen, wenn die Notwendigkeit mir nicht abringen müsste dieses Wort. Es ist einmal notwendig, dass die Maske von vielem herunterfalle, was von Liebe trieft, aber ganz anderes im Herzen trägt.

Kein Mensch sollte, wenn er friedlich mit uns arbeiten wollte, durch seine Anschauung, durch seinen Standpunkt, durch seine Gesinnung als aus unserer Deutschen Sektion ausgeschlossen betrachtet werden können. Dass jede Loge das Recht hat, sich selber Bedingungen zu stellen, ist selbstverständlich. Ein anderer Beschluss ist nicht gefasst worden, als dass auf dem Aufnahmeformular stehen sollte, neben den Namen der beiden Bürgen auch der Name des Logenvorstandes, damit der Generalsekretär informiert sei, ob der Logenvorstand damit einverstanden ist. Dabei konnte noch immer jeder Sektionsmitglied werden. Von einer Statutenänderung kann also überhaupt nicht die Rede sein. Daher darf strikte gesagt werden, dass in den Usancen der Aufnahme von Mitgliedern ein praktisches Resultat durch diesen Beschluss gar nicht eingetreten ist. Alle diejenigen, die später abgelehnt worden sind, wären auch früher abgelehnt worden.

Bevor ich zu demjenigen komme, was heute gesagt werden muss, muss schon ein wenig Historisches hier vorgebracht werden. Es gehört zu mancherlei Dingen, die sich zutrugen, auch, dass sich Schwierigkeiten herausstellten, die sich für alle Mitarbeiter mit Misses Besant herausstellten. Alle haben diese Schwierigkeiten kennengelernt, und haben sie zahlreich, privatim und öffentlich ausgesprochen. Man sollte diese Dinge nur richtig einschätzen wollen. Einmal, ich kann heute noch genau den Ort zeigen, wo das geschah, sagte ich zu Doktor Hübbe-Schleiden, es sei wirklich recht schwierig, mit Misses Besant zu arbeiten. Das war vor dem Jahre 1906, bevor sie Präsidentin wurde. Da sagte mir Doktor Hübbe-Schleiden, dass sei darum so, weil sie erstens ein Weib sei und zweitens keine mentale Bildung habe.

Dann kamen die verschiedenen sich folgenden Ereignisse, die ja der Deutschen Sektion nur soweit bekannt geworden sind, als sie pflichtgemäß bekannt gegeben werden mussten. Es kam die unleidliche Affäre Leadbeater. Aus einem Zirkular wissen Sie, dass ich die Methode Leadbeaters strikte und energisch abgelehnt habe, da, wenn sie allgemein würde, sie die ganze theosophische Bewegung zum Untergange bringen müsse. Misses Besant hatte damals eine andere Meinung über Leadbeater; sie schickte dazumal einen ausführlichen Brief an eine Anzahl von Mitgliedern, in dem zu lesen war, dass das, was Leadbeater getan habe, nur ein Mensch tun könne, der in diesem Punkte von Irrsinn befallen ist. Das war im Juni 1906. Ich würde diesen Brief nicht erwähnen, wenn er mittlerweile nicht in Journalen der Hauptsache nach gedruckt worden wäre. Durch mich würde also die Veröffentlichung nicht geschehen. Ich will nicht davon sprechen, wie ich mich dazumal bemühte, in die Sache Klarheit zu bringen, will nur erwähnen, wie von 1906 bis 1907 Misses Besant soweit gekommen war, dass sie für diesen Mann in der energischsten Weise eintrat, den sie im Jahre vorher als geistig krank bezeichnet hatte. Ich will alle anderen Dinge nicht betonen, nur das eine, dass, als im Jahre 1909 Mister Leadbeater aufgefordert werden sollte, wieder einzutreten in die Theosophische Gesellschaft, ich abgelehnt habe, für diesen Eintritt zu stimmen. Ich wollte mich der Stimme enthalten. Misses Besant schrieb mir darauf zurück, dass sie aus meinem Brief ersehen habe, dass ich nicht dagegen sei, deshalb würde sie meine Stimme für den Wiedereintritt in Anspruch nehmen. Ich musste nun telegrafisch, da zu einem Briefe keine Zeit mehr war, fordern, dass auch geschähe, was ich geschrieben habe, dass ich mich der Stimme enthalte. Ich will nur betonen, dass Misses Besant später wiederum berichtete, dass einstimmig von den Generalsekretären beschlossen worden sei, Leadbeater aufzufordern, wieder in die Theosophische Gesellschaft einzutreten.

Wie sich die Dinge nun gestalteten, blieb nichts anders übrig, als positiv zu arbeiten und sich von Misses Besants Einfluss freizuhalten. Ob das gelungen ist, überlasse ich Ihrem Urteile ganz. Es blieb nichts anderes übrig, als so positiv zu arbeiten, dass wir vorwärtskamen und uns um nichts anderes kümmerten als um unsere Arbeit, bis wir in dieser Arbeit energisch gestört wurden, ohne dass irgendetwas geschehen war, was diese von außen kommende Störung gerechtfertigt hätte.

Es trat eines Tages der bis dahin immer meine Hilfe in Anspruch nehmende Doktor Hübbe-Schleiden auf und erklärte, er sei Repräsentant des Bundes Stern des Ostens in Deutschland. Er erklärte auch unter mancherlei anderen Dingen: Nachdem es vorgekommen sei, dass ein Gegensatz in dem, was Frau Besant lehrt, und dem, was Doktor Steiner lehrt, bestehe, solle ich in Zukunft meine Lehre so einrichten, dass von meinen Zuhörern keine Widersprüche konstruiert werden könnten. Es wurde sogar gesagt, ich solle das Wort «Christus vermeiden, weil es nur zu Missverständnissen führen könne. Motiviert wurde das damit, dass Misses Besant dieses Wort brauche für Bodhisattva, weil in Europa das Wort Bodhisattva nicht verstanden würde. Für Bodhisattva braucht also Misses Besant das Wort «Christus, so soll ich deshalb das Wort Christus vermeiden. Diese Dinge sind vorgekommen, sie können mit Dokumenten belegt werden. Mir wurde nicht nur zugemutet, zu hören die entstellenden Darstellungen dessen, was ich zu sagen hatte, sondern auch, dass ich mir die Worte, mit denen ich meine Lehre zu bezeichnen habe, vorschreiben lassen sollte. Das war die innere Toleranz des Repräsentanten des Stern des Ostens» in Deutschland.

(Ich möchte hier für den Druck eine Bemerkung einfügen, die ich aus dem Grunde mache, weil es immer noch Menschen gibt, welche die Gründe des Vorgefallenen in etwas anderem suchen als darin, dass meine Freunde und ich es nicht mit ihrem Wahrheitsgefühle vereinigen konnten, eine gewisse Art, über die Dinge zu sprechen, anzuhören, ohne sich zu gestehen, dass diese Art das Gegenteil aller theosophischen Gesinnung ist und innerhalb der theosophischen Bewegung nicht vorkommen dürfe. So konnte es vorkommen, dass Doktor Hübbe-Schleiden mir am 4. Juli 1911 in einem Briefe, in dem er die «Stern im Osten-Bewegung rechtfertigen wollte, die folgenden Worte schrieb: «Dass ein 14- bis 15-jähriger Knabe solche Prüfung überstehen kann, wie sie der Krishnamurti jetzt durchmacht, ist mir unfasslich. Er wird von Frau Besant vor aller Welt paradiert als der kommende Adept. Da die Kulturwelt damit gar keinen Begriff verbindet, sagt Frau Besant [dafür] den kirchlichen Hörern abgekürzt: «Der kommende Christus, als Typus eines göttlichen Adepten. Aber, dass sie damit nicht Jesus meint, weiß jeder, der die 30 Vorleben des Krishnamurti gelesen hat, die sie und Leadbeater im Nachdem alles das vorgefallen war, was Sie in den vor Kurzem veröffentlichten «Mitteilungen» lesen konnten, war von unseren Baseler Freunden nach den letzten Münchener Verhandlungen die Anfrage an mich gerichtet worden, ob Mitglieder des «Stern des Osten» zu dem bevorstehenden Baseler Zyklus zugelassen werden sollten. Darauf telegrafierte ich zurück, dass sie selbstverständlich als Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft nicht ausgeschlossen werden könnten. Die Baseler Freunde baten darauf, wirklich aus ihrem Wahrheitssinn heraus, die Mitglieder des «Stern des Ostens nicht teilzunehmen an ihren Veranstaltungen, weil sie sich dadurch beengt gefühlt hätten in ihrem natürlichen Wahrheitssinn. Es gehört nur eine Zunge dazu, die sprechen kann, um die Liebe und Menschen-Verbrüderung im Munde zu führen; und wenn man eine solche Zunge hat, so kann man Broschüren schreiben, die auf den ersten Seiten von Liebe triefen und nachher als jesuitisch bezeichnen jemanden, der nie mit einem Jesuiten etwas zu tun gehabt hat. Zur Liebe gehören wahrhaftige Herzen, und ich konnte einsehen in Basel, dass es wahrhaftige Herzen waren, die sich sagten: Wir können nicht mehr zusammenkommen, nicht arbeiten mit Leuten, die sich so betragen. Dem Stern des Ostens als solchem hätten wir niemals etwas in den Weg gelegt. Aber dieser «Stern des Ostens besteht doch aus Persönlichkeiten, und diese Persönlichkeiten muss man eben kennen. Der Baseler Zyklus war angesagt und begann. Nachdem er begonnen hatte, kamen Freunde aus Holland, welche sagten: In Holland sei ein Telegramm angekommen, das berichtet, der Baseler Zyklus sei unterdrückt worden. Man ging der Sache nach und entdeckte als Absender des Telegramms ein Mitglied des «Stern des Ostens. Dieses Mitglied erklärte später, es habe das aus gutem Willen, in der besten Meinung getan, denn in Belgien und Holland würden so schlimme Dinge über Doktor Steiner gesagt, dass es dadurch habe verhindern wollen, dass noch mehr so geredet würde. Das ist die Praxis des Stern des Ostens. Solche Beispiele sind zahlreich. Zu jener Zeit, als noch gar nicht die Rede war davon, die Mitglieder des Stern des Osten» auszuschließen von unseren Veranstaltungen, als das alles noch gar nicht in Betracht kam, schickte Doktor Hübbe-Schleiden eine Schrift herum als Propagandaschrift für einen «Undogmatischen Verband». Diese Schrift wimmelt von Anklagen, die aus der Luft gegriffen sind. Wir hatten hier nicht nur ein Mitglied des «Stern des Osten» vor uns, sondern einen Mann, der uns auf Schritt und Tritt bekämpfte, der nichts anderes wollte, als uns bekämpfen. Verlange man noch von uns, dass wir herbeirufen sollen die Leute, die uns den Strick um den Hals drehen. Es gibt von Doktor Hübbe-Schleiden noch eine Behauptung unter manchen anderen, nämlich die, dass es innerhalb unserer Deutschen Sektion kein Mitglied gibt, das nicht wortwörtlich kopierte Doktor Rudolf Steiner, das nicht wortwörtlich nachspräche, was ich gesagt habe. Das aber ging denn doch zu weit, dass die wirklich treue Arbeit unserer Mitarbeiter so charakterisiert wurde. Gegen mich konnte Doktor Hübbe-Schleiden meinetwegen sagen, was er wollte; ich blieb unverändert gegen ihn. Aber dass hingestellt werden unsere Mitarbeiter wie Automaten, die nichts anderes tun als nachsprechen, was ich hineingesprochen habe, das ist eine unerhörte Beleidigung gegenüber unseren Mitarbeitern. Und nun urteilen Sie selbst, ob wir die Intoleranten sind. Eine der heftigst uns angreifenden Persönlichkeiten des Stern des Ostens» saß bis in die Novembertage hinein in unserer Berliner Loge, und es ist gar nicht daran gedacht worden, ihr auch nur ein Haar zu krümmen. Erst als wir uns von allen Seiten behindert sahen in unserer positiven Arbeit von den Mitgliedern des Stern des Ostens, da fassten wir den Beschluss einer Abwehr ins Auge. Es kommen auch noch andere Dinge in Betracht; ich brauche sie nicht auszuführen, sie sind in den «Mitteilungen» ausgeführt. Soll Wahrheit herrschen, dann muss sie vor allen Dingen herrschen auf dem physischen Plan. Wenn das vorkommen kann, dass die Präsidentin 1909 einen Beschluss fasst, in einer Sache, von der sie 1912 behauptet, von allen diesen Dingen nichts zu wissen, dann kann man sich eine groteskere Unwahrheit nicht vorstellen. Ich musste auch noch das erleben, dass sich ein Funktionär der Gesellschaft fand, der wirklich wagen konnte, von Misses Besant zu sagen: Sie muss ihren Brief von 1909 rein vergessen haben. Dass es möglich ist, dass so etwas gesagt wird, das muss sich erst ereignen, damit man es glauben kann innerhalb der Theosophischen Gesellschaft. Sie sehen, was gleich geblieben ist. Sie sehen, was sich verändert hat. Was ist gleich geblieben? Der stetige Fortschritt unserer positiven theosophischen Arbeit, wie wir sie einst in der Deutschen Sektion begonnen haben. Was hat sich geändert? In den ersten Jahren war Misses Besant eine freudige Zustimmerin unserer positiven Arbeit. Es kamen aber die Zeiten, in denen sie ein Gefühl bekam, es sei doch unbehaglich, dass es Leute gäbe, die etwas anderes sagten als sie selber. Aber es ging nicht gleich, gegen diese Leute etwas ins Feld zu führen. Und als 1909 bei uns der Beschluss gefasst wurde, lebenslängliche Vorstandsmitglieder zu bestimmen, da gehörte zu den begeistertsten Zustimmern dieser Einrichtung Misses Besant. Und es ist erst wenige Wochen her, dass sie ernsthaft in Erwägung gezogen hatte, ob sie nicht selber lebenslänglich zur Präsidentin gewählt werden könnte. In Budapest, wo ich Misses Besant sprach, drückte sie mir ihre begeisterte Zustimmung zur Wahl lebenslänglicher Vorstandsmitglieder aus. Was sich geändert hat, dazu gehört auch, dass bis zu dem Jahre, in dem er abfiel, Doktor Hübbe-Schleiden mir schrieb: «In allen Angelegenheiten der Theosophischen Bewegung ist es selbstverständlich, dass in erster Linie Ihr Urteil in Betracht kommt.» Das war wenige Wochen, bevor er sich als Repräsentant des «Stern des Ostens> gegen mich gewandt hat. Sie sehen, ich erzähle Ihnen lieber Tatsachen, als dass ich charakterisiere; aber ich denke, wer belehrt sein will, den können diese Tatsachen genügend belehren. Nun trug sich Folgendes zu. Doktor Hübbe-Schleiden hatte ja herumgeschickt überall seine, die Deutsche Sektion in heftigster Weise angreifenden Mitteilungen über den «Undogmatischen Verband. Wir haben das ignoriert, Aber als er dann kam und begründen wollte einen sogenannten Freiheitszweig, wie er ihn nannte, da schrieb ich im Oktober 1912, dass ich mich nicht berufen fühlte, für diesen Zweig ein Diplom auszustellen, sondern die Sache dem Vorstande vorlegen würde. Ich schrieb ausdrücklich, ich könne das Diplom nicht ausstellen, weil die Gesinnungsart, wie sie bei ihm herrsche, nicht mit der Arbeit in der Deutschen Sektion übereinstimme. Und ich schrieb weiter, dass es sich hier nicht handle um irgendeine andere Anschauung oder um eine andere Ansicht, sondern, dass es sich hier handele um etwas, was gegen den ersten Satz unserer Statuten, gegen alle Brüderlichkeit verstößt. Es verstößt gegen alle Brüderlichkeit, wenn man ohne jeden Schein eines Grundes die Leute als Automaten eines Einzelnen hinstellt. Deshalb konnte ich es nicht übers Herz bringen, meinen Namen unter das Diplom zu setzen. Gegen mich hätte man vorbringen können, was man wollte, aber gegen diejenigen, von denen ich weiß, dass sie alle ihre Kraft darangesetzt haben, gegen diese konnte ich nicht geschehen lassen, dass sie wie Automaten eines Einzelnen behandelt wurden. Urteilen Sie, wo die Liebe lebt, indem Sie solche Tatsachen ins Auge fassen; was mehr wiegt, diese Tatsachen oder die liebetriefenden Worte desjenigen, der mit liebetriefenden Worten über unsere Arbeit spricht, was das Gegenteil des objektiv Richtigen ist, weil er sie nicht verstanden hat oder nicht verstehen will. Eine zweite Loge in Leipzig musste ich aus folgendem Grunde ablehnen. Bevor mir angekündigt wurde diese Loge, wurde mir von Misses Besant angezeigt, dass sie bereits unabhängig an Adyar angeschlossen sei. Dann konnte diese Loge nicht auch noch durch die Deutsche Sektion begründet werden: Ich musste daher ablehnen, für diese Loge ein Diplom auszustellen und hinzufügen, dass ich darüber einen Vorstandsbeschluss abwarten würde, auch wenn nicht der positive Grund der Ablehnung klar vorläge. Diese Loge wurde von vorneherein in feindlicher Absicht gegründet. Dann geschahen Dinge, von denen Sie sich genügend überzeugen können, wenn die «Mitteilungen» erscheinen werden, mit deren Erscheinen ein Vorstandsmitglied bereits beauftragt ist. Es soll nur noch erwähnt werden, dass aus dem Vorstande selber heraus eine außerordentliche Vorstandssitzung einberufen wurde, am 8. Dezember 1912, die, nach alledem, was sich zugetragen hatte, zu dem bedauerlichen, aber selbstverständlichen Beschluss führte, der Ihnen ja allen bekannt ist, ein Telegramm abzusenden nach Adyar, für den General Council, der in den letzten Dezembertagen seine Zusammenkunft hatte. Der Wortlaut des Telegrammes ist Ihnen ja auch aus den «Mitteilungen» bekannt. Es fordert die Resignation der Präsidentin. Ich habe heute vieles ausgelassen, aber hoffentlich haben Sie es nicht ausgelassen in Ihrem Gedächtnis, dasjenige, was schon in den letzten Heften der «Mitteilungen» steht. Ich darf wohl sagen, dass nach alledem es ein starkes Stück ist, dass man sozusagen in Adyar - ohne irgendwie die Berechtigung unserer Maßnahmen untersuchen zu können - einzig und allein von der Annahme ausging, dass wir Leute, die berechtigt seien, der Deutschen Sektion anzugehören, ausschlössen. Wir werden nachher zu sprechen haben von der Cancelling (Aufhebung) der Deutschen Sektion. Ich möchte, bevor ich Ihnen diese Sache auseinandersetze, Folgendes anführen. Dasjenige, worüber man angefangen hat zu schreien, war, dass wir die Mitglieder des Stern des Ostens ausschließen. Die Mitglieder des ‚Stern des Osten» haben die Möglichkeit, ohne dass sie der Deutschen Sektion angehören, der Theosophischen Gesellschaft anzugehören. Wir taten nichts anderes, als uns gegen Leute wehren, die sich feindlich gegen uns verhalten. Wir hindern dadurch aber in keinem Augenblick irgendwen daran, Mitglied der Theosophischen Gesellschaft zu sein. Vielleicht wissen einige von Ihnen auch von mir, dass ich den Standpunkt vertrat, dass sich zwar eine Sektion nicht zum Sklaven der Friedensstörer machen kann, dass ich mich aber niemals wehren würde, dass ich gar nichts dagegen haben würde, wenn eine zweite Sektion sich bilden würde; denn wie ist es einzusehen, dass eine große Anzahl von Leuten zu Sklaven werden sollten derjenigen, die hereinwollen, nur um unsere Arbeit zu stören. Wir haben niemanden aus der Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen, weil wir das nicht können als Deutsche Sektion, wir könnten doch keinen Menschen von der Theosophischen Gesellschaft ausschließen. Bedenken Sie aber, wenn wir nun aus der Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen werden, gibt es dann für uns eine Möglichkeit, innerhalb der Theosophischen Gesellschaft zu sein? Die Frage richte ich an alle diejenigen, die so viel geredet haben von Liebe und Brüderlichkeit. Was werden die Menschen, die über die Beschränkung der Freiheit in Bezug auf die Mitglieder des «Stern des Ostens so viel geredet haben, was werden die sagen, wenn der General Council die ganze Deutsche Sektion ausschließt? Unsere Mitglieder brauche ich danach nicht zu fragen. Nach dem, was ich vorausgeschickt habe, habe ich nun vorzulesen einen Brief vom 14. Januar 1913, einen Brief der Präsidentin, der gestern, wenige Stunden vor unserer Vorstandssitzung in meine Hände gekommen ist. Einiges zur Erklärung werde ich nachher hinzufügen. Vielleicht werden Sie mir nachher nachfühlen, warum ich bei der Anrede würge.» Präsidenten-Amt, Theosophische Gesellschaft,
Adyar, Madras S., Januar 14, 1913. Lieber Dr. Steiner! Das Einliegende erklärt sich selbst. Nachdem der General Council der Theosophischen Gesellschaft die ganze Haltung der Deutschen Sektion gegenüber der Theosophischen Gesellschaft und ihrer Konstitution betrachtet hat, wie Sie sich in ihrem Brief und dem meinigen zeigt, sowie in der Korrespondenz über die deutsch-schweizerischen Logen und dem Telegramm Ihres Vorstandes, hat derselbe mich gebeten, die Stiftungsurkunde der Deutschen Sektion zurückzuziehen und stattdessen denjenigen deutschen Logen eine Stiftungsurkunde zu geben, die gewillt sind, innerhalb der Konstitution der Theosophischen Gesellschaft zu arbeiten. Ehe ich dieser Forderung nachgebe, bitte ich Sie, fragen zu dürfen - im Hinblick auf den Ernst der Situation -, ob Sie irgendeine Erklärung folgender Angelegenheiten geben wollen, die bei Unterlassung einer zufriedenstellenden Erklärung die Gründe abgeben würden für das Zurückziehen der Stiftungsurkunde. a) Ihre Weigerung in Ihrem Briefe vom 15. Oktober 1912, der Loge in Göttingen die von Dr. Hübbe-Schleiden und sechs anderen Mitgliedern der Deutschen Sektion erbetene Stiftungsurkunde zu geben, aus dem Grunde, weil Dr. Hübbe-Schleiden in einer den Ansichten (Intentionen) der Deutschen Sektion entgegengesetzten, selbst feindlichen Weise Theosophie vertritt und dass die vorgeschlagene Loge Mitglieder einschlösse, die eine solche Arbeitsmethode befolgten. b) Ihre Weigerung in einem anderen Briefe vom 15. Oktober 1912, einer Loge in Leipzig eine Stiftungsurkunde auszustellen, auf Ansuchen des Herrn Carl Schumann, aus dem (zweiten) Grunde, dass die Personen, welche das Ansuchen unterzeichnet haben, in einer den Ansichten (Intentionen) der Deutschen Sektion entgegengesetzten Weise arbeiteten, da die Arbeitsmethode eine solche sei, die die Deutsche Sektion ihren Mitgliedern nicht erlauben könnte. c) Der Beschluss, Mitglieder des Ordens vom Stern im Osten, die Mitglieder der Deutschen Sektion waren, auszuschließen von den Zusammenkünften der Sektion, zu welchen alle anderen Mitglieder das Recht des Eintritts als Mitglieder haben, so sie ihrer Rechte als Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft beraubend. d) Das Stillschweigen des Generalsekretärs angesichts von Briefen der Präsidentin, die ihn von Ansuchen unter Satzung 31 unterrichtete und um die Satzungen der Sektion bat. Ich will Ihre Antwort hierauf abwarten, oder, wenn eine solche ausbleibt, will ich noch vierzehn Tage nach Rückkehr der Post aus Deutschland warten, ehe ich den Rat des General-Council ausführe, der mir als Präsident des Council übergeben worden ist. Ich bedaure tief, dass Sie den General-Council durch eine Haltung, welche die Deutsche Sektion in Gegensatz setzt zur Konstitution der Theosophischen Gesellschaft und die Freiheit jedes Mitgliedes der Theosophischen Gesellschaft gefährdet, zu diesem Rat gezwungen haben. Ich wage cs, die Hoffnung auszusprechen, dass selbst zu dieser späten Stunde die Deutsche Sektion, durch Sie, ihre Schritte zurücknehmen wird, sich der Konstitution, unter welcher sie gegründet worden ist, unterwerfen und ihre Arbeit innerhalb der Gesellschaft fortsetzen wird. Wenn nicht, so können wir ihr noch alles Gute wünschen auf dem Wege, den sie erwählt, und vertrauen, dass ihre Zukunft als abgesonderte Gesellschaft ihre Nützlichkeit für die Welt beweisen wird. Aufrichtig die Ihre Annie Besant Präsident Theosophische Gesellschaft an Dr. Rudolf Steiner, Generalsekretär der Deutschen Sektion Theosophische Gesellschaft President’s Office Theosophical Society,
Adyar, Madras, S., Jan. 14, 1913 Dear Dr. Steiner, Enclosed explains itself. The General Council of the Theosophical Society, having considered the whole attitude of the German Section to the Theosophical Society and its Constitution, as shown in your letters and mine, the correspondence on the Swiss-German Lodges, and the telegram from your Executive, has asked me to cancel the charter of the German Section, and to issue in place thereof a Charter to the German Lodges, willing to work within the Constitution of the Theosophical Society. Before complying with this request, I beg to ask you -in view of the gravity of the Situation - if you wish to offer any explanation on the following matters, which will, in default of a satisfactory explanation, form the grounds of the cancelment of the Charter: 1. Your refusal, in your letter of Oct. 15th 1912, to issue a Charter for a Lodge in Göttingen, asked for by Dr. Hübbe-Schleiden and six other members of the German Section, the ground of refusal being that Dr. Hübbe-Schleiden, represents Theosophy in a way opposed and even hostile to the views (Intentionen) of the German Section, and that the proposed Lodge included members who followed such a method of work. 2. Your refusal, in another letter of October 15th, 1912, to issue a Charter for a Lodge in Leipzig, on the application of Herr Carl Schumann, on the (second) ground that the persons signing the application worked in a way opposed to the views (Intentionen) of the German Section, the method of work being one which the German Section could not permit to its members. 3. The resolution excluding members of the ‹Order of the Star in the East›, who were Fellows of the German Section, from the meetings of the Section to which all other fellows had the right of entry as Fellows thus illegitimately depriving them of their Status as Fellows of the Theosophical Society. 4. The silence of the General Secretary in face of letters from the President, informing him of applications under Rule 31, and asking for the Rules of the Section. I will await your answer to this, or, failing an answer, I will wait for a fortnight after the return mail from Germany, before carrying out the advice of the General Council, conveyed to me as President in Council; I deepIy regret that you have forced the General Council to give this advice by an attitude which sets the German Section against the Constitution of the Theosophical Society, and imperils the liberty of every Fellow of the Theosophical Society; and I venture to express the hope that, even at this late hour, the German Section will, through you, retrace its steps, submit to the Constitution under which it was founded, and continue to work within the Society. If not, we can still wish it all good in the path it selects, and trust that its future, as a separate society, may prove its usefulness to the world. Sincerely Yours, Annie Besant,
President Theosophical Society to Dr. Rudolf Steiner, General Secretary of the German Section,
Theosophical Society [Rudolf Steiner:] «Sie sehen, was in der letzten Dezemberwoche-denn da war die entsprechende Sitzung des General Council in Adyar - sich gegenüber der Deutschen Sektion zugetragen hat. Aber Sie müssen mir verzeihen in diesem Augenblick, wenn etwas, was scheinbar persönlich ist, in diese Sache hereingebracht wird. Ich weiß ja sehr gut, dass Leute, die nicht verstehen wollen, aus dem Zusagenden den Anlass nehmen können, zu betonen, dass persönliche Dinge ausgeschlossen sein sollten. Aber persönliche Dinge können in gewissen Fällen durchaus auch sachliche Dinge sein. Sie haben eben gehört, was uns von Adyar geschrieben worden ist. Die Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft hat aber auch bei dieser Gelegenheit eine Rede gehalten in Adyar vor den Repräsentanten der Theosophischen Gesellschaft. Nach dem offiziellen Adyarbulletin hat Misses Besant bei dem allgemeinen Meeting die folgenden Worte gesagt: «Der Deutsche Generalsekretär, erzogen bei den Jesuiten, ist nicht fähig gewesen, sich zu befreien von diesem fatalen Einfluss, und das erlaubt ihm nicht, die Freiheit in der Deutschen Sektion aufrechtzuerhalten.› »

Die Worte werden auch englisch vorgelesen: «The German General Secretary, educated by the Jesuits, has not been able to shake himself sufficiently clear of that fatal influence to allow liberty of opinion within his Section.»

[Rudolf Steiner:] «Auch nach dem Bericht des französischen Generalsekretärs hat Misses Besant diese Worte gesprochen.

Sie werden mir nachfühlen können, dass ich mit einer Persönlichkeit, die in der Lage ist, in einer offiziellen Rede, vor der Gesellschaft, die sie vertritt, diese rein aus der Luft gegriffenen, allen wirklichen Tatsachen ins Antlitz schlagenden Behauptungen vorzubringen, dass ich mit einer solchen Persönlichkeit nichts mehr zu tun haben will.

(Stürmischer Beifall der Versammlung.)

Derjenige, der sich auf den Boden der Wahrheit stellen will, der darf, wenn man durch eine solche Anschuldigung seine Sache in solcher Art vor der Welt schädigen will, der darf das als eine sachliche Attacke betrachten. Ich darf Sie fragen, ob die Versammlung in diesem Angriffe auch zugleich einen Angriff erblickt, der ihre eigene Sache betrifft.

Vor diesem Vorfall durfte man noch eine Stelle im Januarheft des ‹Theosophist› mit ganz besonderen Augen ansehen. Es findet sich da folgendes schöne Stückchen. Es findet sich abgedruckt ein Teil eines Briefes von mir an Doktor Hübbe-Schleiden. In den ersten Sätzen liest man:

‹It is impossible to attach to the German Section the Branch, for the Charter of which you applied on the 14th September last. This cannot, at least, be done on my own responsibility, but would have to be submitted to our next General Convention. The reason for this is the manner in which you have for some time chosen to represent the Theosophical cause; this is felt by the German Section to be directly opposed to their intention, and even hostile to them. Above all things I myself cannot put my name under the charter of such a Branch which includes members who follow this kind of work.›

Aber die späteren Sätze, wo die Gründe dafür in meinem Briefe angegeben werden, die werden unterdrückt. Das ist einfach eine objektive Unwahrheit, geleistet durch ein unvollständiges Zitat.

Nun aber folgt, unmittelbar, nachdem von mir die Rede war, die folgende Stelle in der Januar-Nummer des ‹Theosophist›:

‹The Theosophical Society is face to face with an organised attack, engineered by the most dangerous enemy that liberty of thought and speech have ever had - the Jesuits. Helena Petrowna Blavatsky long ago warned us that this Conflict would come, and now it is upon us. They work in different lands in different disguises, but aim steadily at one thing — the distruction or the distortion of Theosophy. In America, they started a secret Organisation, called the Universal Brotherhood (not openly identical with Mrs Tingley’s Universal Brotherhood), and within this the ‹Besant Union›, and cleverly induced Theosophists to think that they were working in my interests. Their chief tool has now joined the Roman Catholic Church. In Germany, they are working to secure the predominance of Christianity in the Theosophical Society, thus distorting it into a Christianising sect, and making certain its rejection in the East. They use their old weapons - misrepresentation, slander, false charges, all levelled against the leaders of the movement they seek to destroy; and all means are good ad majorem Dei gloriam. The ‹Black General›, as their Head is called, has agents everywhere. Attacks are circulated in many countries, in many tongues; money is poured out like water; one day’s post brings attacks from Rome, from Stockholm, from Hong Kong. It is very interesting to watch, and one recalls the words of warning that ‹the devil is come down unto you, having great wrath, because he knoweth that he hath but a short time.› The old record bids men rejoice because it is so; of such combats the Bhagavad-Gita says that they are the open door to heaven. Therefore the word goes out to all faithful members: ‹Quit you like men: be strong.› ›

Das heißt zu Deutsch:

«Die Theosophische Gesellschaft steht einem organisierten Angriff gegenüber, der ins Werk gesetzt worden ist durch den gefährlichsten Feind, den die Freiheit der Gedanken und der Rede jemals gehabt haben - die Jesuiten. Helena Petrovna Blavatsky hat uns vor langer Zeit gewarnt davor, dass dieser Kampf kommen würde, und nun ist er da. Sie arbeiten in verschiedenen Ländern unter verschiedenen Masken, aber ihr Ziel ist unentwegt das eine - die Vernichtung oder Entstellung der Theosophie. In Amerika schufen sie eine geheime Organisation, die Universal Brotherhood (Universelle Brüderschaft) genannt (nicht offen als identisch mit der Universal Brotherhood Mrs Tingley’s sich zeigend), und innerhalb derselben den ‹Besant-Vereim›, und auf kluge Art veranlassten sie Theosophen, zu glauben, dass sie in meinem Interesse arbeiten. Ihr Hauptwerkzeug hat sich jetzt der römisch-katholischen Kirche angeschlossen. In Deutschland arbeiten sie, um die Oberherrschaft des Christentums in der Theosophischen Gesellschaft zu sichern, indem sie dieselbe so zu einer christianisierenden Sekte entstellen und dadurch gewiss ihre Zurückweisung im Osten bewirken. Sie bedienen sich ihrer alten Waffen - falsche Darstellung, Verleumdung, falsche Beschuldigungen, alle gegen die Führer der Bewegung, welche sie zu vernichten suchen; und alle Mittel sind recht ad majorem Dei gloriam. Der ‹Schwarze General›, wie ihr Anführer genannt wird, hat Vertreter überall. Angriffe werden in vielen Ländern verbreitet, in vielen Sprachen; Geld wird wie Wasser ausgeschüttet; die Post eines Tages bringt Angriffe aus Rom, aus Stockholm, aus Hongkong. Das ist sehr interessant zu beobachten, und man erinnert sich an die mahnenden Worte: ‹Der Teufel ist herabgestiegen mit großem Zorn, weil er weiß, dass er nur eine kurze Zeit hat.› Die alte Schrift fordert die Menschen auf zu frohlocken, weil es so ist; von solchen Kämpfen sagt die Bhagavad Gita, dass sie die offene Tür zum Himmel seien. Darum ertönt das Wort an alle treuen Mitglieder: ‹Haltet euch gleich Männern! Seid stark.› ›

Dieser Passus steht unmittelbar hinter einer Sache, die sich auf die Deutsche Sektion bezieht. Aber denken Sie einmal, man hätte noch vorgestern — ehe der Brief der Präsidentin angekommen war - etwas dagegen gesagt; trotzdem der belgische Generalsekretär schon seine objektiv völlig unwahren Konsequenzen aus solchen Dingen gezogen hatte, dann hätte Misses Besant noch sagen können: Ja, Ihr seid ja doch gar nicht getroffen, warum meldet Ihr Euch denn? Diese Stelle ist ja mit drei Sternchen getrennt vom vorhergehenden. So wird eine Sache geschrieben, und man redet von theosophischer Politik, einem Wort, das nicht fallen sollte innerhalb unserer Bewegung. Nun kommt aber eines noch hinzu; denn, auch wenn wir nicht damit getroffen sein sollen, so ist die Sache selbst immer noch nicht wahr! Wo besteht denn bei uns in der theosophischen Bewegung ein Einfluss der Jesuiten? Alles ist aus der Luft gegriffen.

Wahr ist, dass Doktor Hübbe-Schleiden mit dem Jesuitenvorwurf fortwährend gespielt hat, wahr ist, dass ihn Misses Besant offiziell ausgesprochen hat. Unwahrer kann kaum ein Vorwurf ausgesprochen werden, der doch geeignet ist, in Deutschland und auch in anderen Gegenden eine Rolle zu spielen, wenn man uns verdächtigen will.

Weil das so ist, und da sich hier wirklich Sachliches mit Persönlichem verknüpft, so frage ich jetzt bei Ihnen um etwas an. Ich kann jetzt nicht alles mitteilen, das Ihnen zeigen könnte, wie aus der Luft gegriffen, wie unwahr und töricht dieser Vorwurf ist. Ich frage Sie, ob Sie anhören wollen in den nächsten Tagen eine kurze Skizze, einen kurzen Auszug meines Lebensweges? Ich kann Ihnen nicht auf eine andere Weise den Beweis liefern, wie töricht und unwahr eine solche Behauptung von Misses Besant ist. Ich möchte Ihnen aber auch nicht diesen Bericht aufdrängen, deshalb bitte ich Sie, mir zu sagen, ob Sie zu einer geeigneteren Zeit in diesen Tagen anhören wollen meine so kurz wie möglich zusammengedrängten Memoiren?»

(Die Versammlung nimmt das Anerbieten an.)

[Rudolf Steiner:]«Das weiß Misses Besant sehr wohl, dass von allen Vorwürfen etwas hängen bleibt. Und jetzt - ich mache Punkte -, denn es genügt kein Ausdruck, um das zu charakterisieren, was geschehen ist. Es ist ja unerhört, dass ich zu dem Mittel greifen muss, meinen Lebensweg zu beschreiben. Ich hoffe, dass der Vortrag nachgeschrieben wird, damit er dann als Broschüre erscheinen kann. Bis zur Ortsangabe versteigen sich die Leute. Ich habe erst aus einer Schrift ‹Werdende Wissenschaft› von Paungarten, welche ungerechte und unwahre Vorwürfe abwehrt, erfahren, dass ich diese jesuitische Erziehung in einem Orte in Mähren, dessen Name mir ganz unbekannt ist, den ich auch schon wieder vergessen habe, genossen haben soll. Boitzenburg oder so ähnlich. Ich erkläre Ihnen, dass ich niemals diesen Ort gekannt oder auch nur nennen gehört habe.

Ich erkläre also, dass ich mit Misses Besant nichts mehr zu tun haben will, nachdem sie zu allen anderen objektiven Unwahrheiten auch noch dieses Stückchen hinzugefügt hat. Ich habe die Sache in die Hand des Vorstandes gelegt, ich werde nur noch diese Tatsache als ein Letztes an Misses Besant gelangen lassen, dass ich mit jemandem, der es so mit der Wahrheit hält, nichts mehr zu tun haben will.

Damit bin ich eigentlich dabei, Ihnen zu motivieren, dass wir sozusagen zwischen Himmel und - Erde will ich nicht sagen - zwischen Himmel und Hölle schweben. Ich bitte nun Fräulein von Sivers, den Beschluss des Vorstandes vorzulesen.»

Frl. von Sivers: «Der Vorstand beschloss bei seiner gestrigen Sitzung, folgenden Brief als Antwort auf den Brief der Präsidentin an diese zu schicken, falls er von der Generalversammlung genehmigt würde.»

Berlin, den 2. Februar 1913.
An die Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft,
Frau Annie Besant.
Adyar, Madras.

Die zur elften Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft anwesenden Persönlichkeiten, nachdem sie Kenntnis genommen haben von dem Briefe des Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft, Frau Besant, vom 14. Januar 1913, an den Generalsekretär der Deutschen Sektion, Herrn Dr. Steiner, worin gesagt wird, dass der General-Council die Forderung an Frau Besant gestellt hat, das Diplom der Deutschen Sektion zu annullieren, und dass Frau Besant dieser Forderung nachkommen wird, wenn die Deutsche Sektion sich nicht der Konstitution unterwirft, erklären:

Niemals hat die Deutsche Sektion, deren Vorstand oder Generalsekretär in irgendeiner Weise die Konstitution der Theosophischen Gesellschaft verletzt. Der Beschluss des General-Councils, der zustande gekommen ist, bevor auch nur die veröffentlichten Dokumente geprüft werden konnten, muss als eine unerhörte Verletzung des Geistes und der Verfassung der Theosophischen Gesellschaft verzeichnet werden. Selbst das primitivste Wahrheits- und Gerechtigkeitsgefühl muss sich empören über die Art der Behandlung, die den begründeten Anklagen zuteilwurde, welche die Deutsche Sektion und ihr Vorstand gegen das Verhalten der Präsidentin erheben mussten. Um die Person des ihr unbequemen Generalsekretärs zu verdächtigen, ist Frau Besant kein Mittel zu schlecht: Den Höhepunkt einer solchen schlauen Verunglimpfung aber erreicht die vor der Generalversammlung vorgebrachte, willkürlich erfundene und gegenüber den Tatsachen geradezu sinnlose Behauptung, dass Herr Dr. Steiner von den Jesuiten erzogen worden sei» mit daraus folgenden Insinuationen.

Die Deutsche Sektion hat nichts zu widerrufen und nichts zurückzunehmen. Es bleibt ihr daher nichts anderes übrig, als die ihr von Frau Besant gestellte Alternative als einen Akt des Ausschlusses zu betrachten, der nur deshalb vollzogen wurde, weil die Deutsche Sektion es unternommen hat, für Wahrheit und Wahrhaftigkeit der Theosophischen Gesellschaft einzutreten.

Die Deutsche Sektion und ihre Mitglieder würden niemals aus eigenem ‚Antriebe aus der Theosophischen Gesellschaft austreten. Und so, gewaltsam ausgeschieden, werden sie ihre Arbeit unbeirrt fortsetzen und jederzeit bereit sein, wieder mit der Theosophischen Gesellschaft zu arbeiten, sobald Wahrhaftigkeit, Vernunft, Ernst und Würde wieder anstelle der heutigen Zustände getreten sein werden.

Berlin, February 2nd, 1913.
To the President of the Theosophical Society,
Mrs Annie Besant.
Adyar, Madras.

Those who assembled to the 11th Convention of the German Section of the Theosophical Society, having been made acquainted with the letter of the President Theosophical Society, Mrs Besant, to the General Secretary of the German Section, Dr. R. Steiner, bearing the date of January 11th 1913, wherein it is said: That the General Council has asked Mrs Besant to cancel the charter of the German Section, and that Mrs Besant will comply with this request ‹unless the German Section shall submit to the Constitution» declare that: The German Section, its Executive Committee or its General Secretary have never in any way violated the Constitution of the Theosophical Society. The resolution of the General Council which was taken, even before the published documents could be examined, must be characterised as an unpardonable offence both to the spirit and the Constitution of the Theosophical Society. Even the most primitive feeling for truth and justice must be indignant at the treatment given to the well substantiated accusations, which the German Section and its Executive Committee were forced to direct against the attitude of the President. In order to cast suspicion upon the personality of the General Secretary who is inconvenient to her, no means are too base for her to stoop to: but the culminating point of such malicious defamation is reached in the freely invented and in face of the facts simply absurd affirmation brought by her to the General Convention of the Theosophical Society that ‹Dr. Steiner has been educated by the Jesuits› and other subsequent insinuations.

Nothing exists which the German Section has to repudiate or retract. And it therefore has no Option but to consider the alternative put to it by Mrs Besant as an act of expulsion, accomplished only because the German Section has undertaken to stand for truth and veracity within the Theosophical Society. The German Section and its members would never have left the Theosophical Society on their own initiative. Being thus expelled by force they will continue their work unswervingly and will be ready to work again with the Theosophical Society as soon as veracity, reason, seriousness and dignity take the place of the present conditions.

Herr Dr. Steiner: «Meine lieben Freunde! Ich möchte, wie ich es ja wohl niemals habe werden wollen, auch in diesem Momente nicht sentimental werden, aber ich darf Ihnen wohl sagen, dass ich selber mit schwerem Herzen dieses Ausscheiden aus der Theosophischen Gesellschaft empfinde, dass es uns nicht leicht wird, denn wir können es nur betrachten als ein Ausgeschlossenwerden. Der Vorstand betrachtet in dem Brief von Misses Besant den Ausschluss der Deutschen Sektion aus der Theosophischen Gesellschaft als vollzogene Tatsache. Daher sind wir nicht mehr Deutsche Sektion und haben die Generalversammlung der Deutschen Sektion logischerweise nicht mehr abzuhalten.

Ich glaube und hoffe, dass die Mitglieder der Deutschen Sektion, dass alle diejenigen, die wissen, worum es sich handelt, ein Gefühl dafür haben, was dieser Ausschluss bedeutet. Dass sie dasjenige würdigen können, was wir suchen und wollen. Jetzt sind wir ausgeschlossen und können nur erklären, dass wir jederzeit mit der Theosophischen Gesellschaft wieder zusammenarbeiten werden, wenn in ihr geordnete Zustände eingetreten sein werden. Aber wir schätzen und ehren die Theosophische Gesellschaft, aus der wir wahrhaftig nicht freiwillig ausscheiden. Jetzt können wir nicht anders, als uns als ausgeschlossen betrachten, nachdem in dem Briefe der Präsidentin der Satz steht: «If not, we can still wish it all good in the path it selects, and trust that its future, as a separate Society, may prove its usefulness to the world. «Wenn nicht, so können wir ihr noch alles Gute wünschen auf dem Weg, den sie erwählt, und vertrauen, dass ihre Zukunft als abgesonderte Gesellschaft, ihre Nützlichkeit für die Welt beweisen möge» Deshalb war es logisch, dass sich der Vorstand zuletzt zu diesem Schritte gezwungen sah. Danach können wir nicht anders, als die Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft heute nicht mehr als vorhanden zu betrachten, und wir haben nichts mehr zu tun, als dem Vorstand für diesen Beschluss die Indemnität zu erteilen.»

(Abstimmung. Alle mit Ausnahme von zwei Stimmen sind mit dem Beschluss einverstanden.)

Herr Dr. Steiner: «Hat jemand etwas dazu zu sagen?»

Herr Weidlich: (Die ersten Worte bleiben unverständlich.) «... ungerechtfertigt. Man müsste auch die andere Seite fragen. Konnte sich das nicht vermeiden lassen?»

Herr Ahner: «Ich hätte gern ein paar Worte gesprochen, bevor der Beschluss gefasst wurde. Das ist doch üblich.»

Herr Dr. Steiner: «Es handelt sich um einen Beschluss des Vorstandes. ‚Aber bitte, sprechen Sie nur jetzt.»

Herr Ahner: «Ich kann es Herrn Doktor Steiner nicht übel nehmen, dass er energisch wurde. Aber ich frage, ob das alles notwendig war. Wenn das geschieht in der Theosophischen Gesellschaft, was soll man an anderen Stellen erwarten! Ich möchte noch etwas sagen über die Mitglieder des «Stern des Osten». Es ist niemand anwesend vom Stern des Ostens. Das ist unrechtmäßig ohne jeden Zweifel. Es kann ja jemand auftreten und ausführen, dass es notwendig wäre, auch die Mitglieder des «Stern des Ostens zu hören.»

Herr Weidlich: «Ich möchte mir noch eine Bemerkung gestatten zu der Übersetzung eines Briefes von Misses Besant in den «Mitteilungen. Ich sehe das als eine falsche Übersetzung an. Misses Besant schreibt nicht, dass sie die Sache nicht kenne, sondern dass sie Recht und Unrecht nicht kenne. Das ist ein großer Unterschied, darüber ist gar kein Zweifel.»

Herr Dr. Steiner: «Es ist schon in einer gewissen Weise begründet, dass wir mit unserer Gesinnung nicht darinnen sein können in dieser Theosophischen Gesellschaft. Derjenige, der sich den betreffenden Satz anschaut, der wird finden, dass in so sorgfältiger Weise wie möglich die Übersetzung geleistet worden ist. Aber auf diese eine Sache kommt es ja gar nicht an. Es steht ja der englische Text da, und jeder mag sich ihn überlegen. Die Dinge, die nachgewiesen worden sind als Tatsachen, bis zur letzten Jesuitenbeschuldigung, sie sind so zahlreich, dass es auf das Einzelne gar nicht ankommt. Es ist sonderbar, dass die Dinge nicht gesagt werden da, wo sie hingehören. Wenn der betreffende Herr diese Dinge an Adyar gerichtet hätte, so wären sie in diesem Falle am rechten Ort.

Wenn wir noch die elfte Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft wären, so hätte sich darüber streiten lassen, ob die Delegierten gut daran taten, Sternmitglieder auszuschließen. Nach dem aber, was wir eben gehört haben, können wir den Delegierten nur dankbar sein, dass wir nicht wiederum eine Menge liebetriefende Worte zu hören bekommen, und nachher ganz Unrichtiges vorgebracht wird. Vielleicht gehört es doch ein bisschen zum guten Geschmack, nicht alles anzuhören, was von manchen Menschen vorgebracht wird. Aber, wenn jemand das unangenehm empfindet, so frage ich wiederum die Versammlung, ob eine freie Versammlung diejenigen hören muss, die sie nicht hören will, ob sie sich muss von zwei Leuten tyrannisieren lassen, ob sie nicht das Recht hat, sich zu wehren, sich nicht die Meinung von zwei Leuten aufzwängen zu lassen.»

(Zustimmung.)

Herr Fidus: «Ich möchte betonen, dass ich mit dieser Verhandlung nicht ganz einverstanden bin. In dem Momente, wo wir eine freie Versammlung wurden, hätte gerade der Ausschluss der Sternmitglieder nicht stattfinden dürfen. Sie müssen sich doch verteidigen können. Es hätte doch Doktor Hübbe-Schleiden benachrichtigt werden sollen, um sich verteidigen zu können. Wir müssen betonen ... (sehr unverständlich, aber lang andauernd, dadurch Unruhe und Schluss-Rufe aus der Versammlung) ... wir können nicht wissen, wo Wahrheit ist, die Wahrheit kann niemand verstehen. Es gibt keine Wahrheit für uns, sondern nur Wahrhaftigkeit. Was ist Wahrheit ... (unverständlich) ... nicht befriedigt...»

Herr Tessmar: «Wir sind alle befriedigt bis auf drei, und die können rausgehen ...»

Herr Dr. Steiner: «Ich muss leider Herrn Tessmar zur Ordnung rufen wegen des Ausdrucks ‹rausgehen›. Aber ich muss doch Protest erheben gegen Worte wie: ‹Die Wahrheit kann niemand verstehen.› Dann aber werden die Worte ‹Wahrheit› und ‹Wahrhaftigkeit› immer gebraucht. Es gibt doch keine Diskussion, ob man die ‹Wahrheit› erkennen könne oder nicht, wenn zum Beispiel in unwahrer Weise zitiert wird. Da braucht jeder zum Beispiel meine Bücher auf die eine Seite zu legen und Doktor Hübbe-Schleidens unerhörte Zitate auf die andere Seite. Ich muss sagen, dass auch hier wiederum die Tendenz besteht, mit Worten zu spielen.»

Fräulein Prellwitz: «Wir sind Herrn Doktor Steiner dankbar für alles, was wir gehört haben. Was wir wünschten und hofften, war, dass das, was geschehen ist, mit nicht so viel Reibung geschehen möchte. Es ist unmöglich zu vereinigen, wenn wir hier sitzen und uns bekämpfen wollen. Jede Aktivität, die vermieden werden kann, sollten wir hier vermeiden. Denn es gibt dämonische Mächte, gegen die es nur eines gibt: So passiv sein wie möglich, so liebevoll wie möglich. Denn dieses Auseinandergesprengtwerden hat mit Dämonen zu tun. Wir hätten damit nicht anfangen sollen. Nun ist es aber geschehen. Wir sind eine Urversammlung, nun müssen wir auch eine volle, reinliche Scheidung vollziehen, einen rein lichen Anfang machen mit so viel liebevollem Sinn wie möglich und so einfach wie möglich. Sie müssen, jetzt nicht feindliche Gesichter machen, Sie müssen arbeiten, liebevoll und treu, um der großen Wahrheit willen.»

Herr Dr. Steiner: «Ich bin völlig übereinstimmend mit Ihnen. Ich möchte Ihnen nur sagen von demjenigen, wovon Sie verlangen, dass wir es im gegenwärtigen Momente anfangen, damit haben wir schon vor elf Jahren angefangen und sind während all der Zeit so passiv wie möglich gewesen. Darum muss ich Sie schon bitten, dasjenige, was Sie als Ermahnung gesagt haben, an die Adresse von Doktor Hübbe-Schleiden und von Frau Besant zu richten.»

Fräulein Prellwitz: «So bewusst scheinen wir ja nicht zu sein ... Alles kam so schnell und wurde nicht verstanden. Man muss doch auch Geduld haben. Wir hatten das Gefühl, wir stehen vor einer Tatsache, die wir nicht verstehen. Das sind doch alles Schwierigkeiten.»

Herr Dr. Steiner: «Wenn Sie nachprüfen würden, so würden Sie sehen, mit welcher Geduld und mit welcher Langmut vorgegangen worden ist, und dass diese Geduld und Langmut dennoch dahin hat führen können, dass Misses Besant sich aufschwingt zu jener Jesuitenbeschuldigung.

Ich bin von Ihrem guten Willen vollständig überzeugt, aber Ihre Meinung entspringt Ihrer mangelhaften Prüfung der Tatsachen. Ich weiß, dass Sie nur nicht genügend geprüft haben die Sachen; hätten Sie es getan, Sie würden dann schon gesehen haben, welche Geduld geübt worden ist, und wohin man kommt mit falscher Passivität.

Wer von einem Übersetzungsfehler redet in diesem Augenblick, der berücksichtigt nicht, um was es sich handelt, sondern der will [sophistisch] nur über die Hauptsachen hinwegsetzen. Über solche Dinge lässt sich nichts sagen.

Man darf wirklich glauben, dass derjenige, der sich mit schwerem Herzen entschließt, so zu handeln, sich nicht aus kleinen Gründen entschließt. Es ist betrübend, dass so wenig guter Wille vorausgesetzt wird von denjenigen, die sonst von Liebe triefen und sich dann verstecken hinter Übersetzungsfehlern, die gar nicht vorhanden sind. Sehen Sie, ich ließ die Sachen ja liegen, ich habe sie nicht veröffentlicht, um Misses Besant zu bewahren, dass sie die Unwahrheit hinausschrie in die Welt. Und was tut sie? Sie schreit in alle Welt hinaus die Unwahrheit der Jesuitenbeschuldigung. Bitte, suchen Sie also, wo Passivität und wo Aktivität vorhanden war.»

Fräulein Hübbe-Schleiden: «Ich habe elf Jahre alle diese Sachen miterlebt und weiß, dass Herr Doktor Steiner das Menschenmögliche getan hat. Ich möchte nur hier meinen Dank aussprechen für alle die selbstlosen Opfer und für alle die Liebe, die er in diesen elf Jahren meinem Vater und mir bewiesen hat. Das möchte ich der Versammlung sagen.»

Herr Dr. Steiner: «Sie wissen, liebes Fräulein Hübbe-Schleiden, dass dasjenige, was geschehen ist, aus gutem Herzen geschah. Aber es war für die Versammlung wichtig, dass die Pflegetochter von Doktor Hübbe-Schleiden diese Worte gesprochen hat, und die Versammlung möge mitfühlen aus tiefstem Herzen, was Fräulein Hübbe-Schleiden bewegt. Solche Worte spricht man nur, wenn man muss.»

Herr Fidus: «Ich sehe in dieser ganzen großen Kundgebung nicht eine fanatische Einseitigkeit, sondern das allmähliche Erstarken des theosophischen Lebens in Deutschland. Ich weiß nicht, wo Recht und Unrecht liegt, ob auf der einen oder anderen Seite Fehler begangen worden sind. Ich möchte nicht abrechnen. Ich möchte nur sagen, dass ich mich freue, dass die deutsche Bewegung sich gedrängt fühlt, sich selbstständig zu machen. In diesem Sinne begrüße ich die Begründung der ‹Anthroposophischen Gesellschaft›. Wer theosophisch arbeitet, wird immer der Theosophie nützen. Die deutsche Bewegung darf sich nicht mehr vom Osten gängeln lassen. Die Hauptsache ist, dass das Geistesleben in einem Lande so erstarkt, dass es sich nicht immer wieder an eine Zentralstelle wenden muss.»

Herr Dr. Steiner: «Gegen uns wird alles ausgenutzt. Schon jetzt fängt es, gestützt auf die objektiven Unwahrheiten von Misses Besant, in Europa an. Der belgische Generalsekretär hat schon tüchtig angefangen, denn er spricht von einer Pangermanistischen» Bewegung. Die Theosophie ist keine deutsche Bewegung, es handelt sich um eine ganz allgemein menschliche Bewegung, der jeder angehören kann, ohne Unterschied der Rassen. Wir haben es zu tun damit, dass wir genötigt sind, an die Stelle einer Karikatur der Theosophie zu setzen eine wahre Theosophie. Es würde ausgenutzt werden, wenn das, was Herr Fidus eben in guter Absicht gesagt hat, unwidersprochen bleiben würde. Das, was wir wollen, ist so allgemein menschlich wie die Wahrheit; und der Geist des Allgemein-Menschlichen kennt keinen Unterschied von Rasse, Religion, Volk und Nation, der zur Sonderung im Höchsten führen müsste. Jeder, der in der Welt nach dem theosophischen Ideale strebt, der gehört, und zwar mit Recht, zu uns. Damit nicht auch aus wohlgemeinten Worten wiederum Lanzen gegen uns geschmiedet werden, musste ich diese Worte hier sprechen.»

Fräulein von Sivers: «Ich wollte dieses auch sagen. Es handelt sich nicht um Ost und West, es handelt sich darum, das Gefühl für Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu wecken. Wir haben dieses Wort nicht im Munde geführt, solange es möglich war zu arbeiten, ohne dass uns Steine in den Weg geworfen wurden. Wenn wir dieses Wort nun auch im Munde führen müssen, so ist es uns aufgedrängt worden.

Ich möchte zu zwei anderen Punkten übergehen. Das eine: die Passivität, die man haben soll; das andere: dass es eine reine, objektive Wahrheit nicht gibt, dass niemand entscheiden kann, wo die Wahrheit ist. Ich glaube, es gibt doch Tatsachen auf dem physischen Plan, und wenn man hier nicht unterscheiden kann, so ist man rettungslos verloren, wenn man sich in die okkulte Welt begibt. Ich möchte nur einige Beispiele erzählen. Zunächst also: Passivität. Seit Jahren werden unwahre Dinge über uns geschrieben. Seit Jahren müssen wir erleben, dass in theosophischen Zeitschriften, in Briefen und so weiter die unwahrsten Dinge über uns in die Welt geschleudert werden. Wir haben undenkbar lange geschwiegen und leidenschaftliche Gegnerschaft erregt dadurch, dass wir passiv blieben. Das hat zu schwerer Beschuldigung geführt. Bis zu den Münchener Tagen ist geschwiegen worden über die Tatsachen, die geschehen sind. Ein Beispiel nur: 1909 sollte Mister Leadbeater wieder aufgefordert werden, in die Theosophische Gesellschaft einzutreten. Doktor Steiner hat durch seine Objektivität die Gegnerschaft der Leadbeater-Feinde in England sich erworben. Dass er es vermochte, trotz sachlicher Ablehnung, so brüderlich zu bleiben, hat Unwillen erregt. Es kam dann die Aufnahmeaufforderung Leadbeaters. Sie haben vorhin gehört, wie Misses Besant zurückschrieb, sie würde die Stimme Doktor Steiners für den Wiedereintritt Leadbeaters in Anspruch nehmen. Doktor Steiner musste ein Telegramm schicken, in dem er bittet, Stimmenenthaltung anzusetzen, so wie er es angegeben hatte. Dann kam ein Telegramm zurück: ‹Sie sind der einzige Generalsekretär, der so vorgeht.› Das war wiederum nicht wahr; der skandinavische Generalsekretär hatte auch Stimmenenthaltung geübt. 1911 erschien aber im ‹Theosophist› eine biografische Skizze Leadbeaters, in der gemeldet wurde: ‹Alle Generalsekretäre ohne Ausnahme haben Herrn Leadbeater gebeten, wieder einzutreten in die Theosophische Gesellschaft.› Das war 1911. Jetzt aber erfahren wir, dass Mister Mead es Herrn Doktor Steiner zum schweren Vorwurf macht, dass er für Leadbeater mitgestimmt habe. Ich frage Herrn Fidus: Weiß man hier nicht, was wahr ist? Gibt es hier keine Möglichkeit, die Wahrheit zu unterscheiden? Einer, der von dieser Sache wusste, ist inzwischen gestorben, seine Stimme ist ins Grab gefallen, und bei uns rechnet man auf unser passives Schweigen.

Ein anderer Fall: Immer wieder wird behauptet, Misses Besant habe einen Brief vergessen. Zuerst wurde behauptet, sie habe den Brief gar nicht bekommen. Wir haben ja in München Herrn Schrader sagen hören, die Präsidentin könne unmöglich den Brief mit der Vollrath-Affäre bekommen haben, sie wäre ja sonst geistesschwach. Diesen Ausspruch hat er freilich ausgelassen in seiner späteren Wiedergabe der Münchener Tage, die von Ungenauigkeiten strotzt, aber ein solch entstellter Bericht wird als Grundlage genommen für unsern Standpunkt und gegen uns ausgenutzt. Er erregt große Empörung.

Ich glaube, dass es unnütz ist, noch mehr Beispiele anzuführen, aber ich frage noch einmal: Unterscheidet man hier die Wahrheit oder nicht?»

Ruf von Herrn Fidus: «Das soll man ja.»

Herr Pfarrer Klein: «Einen Ausdruck, den vorhin eine Dame gebrauchte, kann ich nicht unwidersprochen lassen, weil ich es geradezu für gefährlich hielte, wenn man die darin anempfohlene Praxis befolgen würde «man könne den Dämonen gegenüber nicht genug Passivität walten lassen. Ich bin ganz im Gegenteil der Meinung, man könne Dämonen gegenüber nicht genug auf der Hut sein und nicht wachsam genug sein, und im Kampf mit ihnen sei die beste Parade immer noch der Hieb, der offensive Angriff. Hat vielleicht Christus gegenüber den Dämonen Passivität walten lassen? Ich erinnere an eines seiner bedeutsamsten Worte: «Ich habe den starken Gewappneten aus dem Hause geworfen! Von seinem Verhalten gegenüber den übrigen Dämonen will ich jetzt nicht einmal reden - von zweien aber soll festgestellt sein, dass er gegen sie mit einer auffallend impulsiven, unerbittlichen, rücksichtslosen Schroffheit vorging: Das waren die ‹Unwahrhaftigkeit› und ‹Heuchelei›, wie sie ihm besonders vonseiten der Sekte der Pharisäer entgegentraten. Denken Sie an die berühmte Szene der Tempelreinigung in Jerusalem, nach deren Vollzug er die furchtbare Generalabrechnung mit den Pharisäern hält, die mit ihrer Unwahrhaftigkeit seine Lehre entstellten und mit ihrer Heuchelei sich selbst als so fromm hinstellten und so scheinheilig gebärdeten, während ihre Gesinnung und ihre Taten laut dagegen zeugten. Gegen sie schleudert Christus Jesus die schärfsten und schroffsten Ausdrücke: ‹Ihr Heuchler›, ‹Ihr Narren›, ‹Ihr Otternbrut›, ‹Ihr übertünchten Gräber›. — Außen voll Blumen, innen voll Moder und Verwesung -, ‹Ihr blinden Blindenleiter› - selber blind, wollt ihr andere führen. Er wusste eben, dass Aufrichtigkeit und Lauterkeit der Nerv aller Sittlichkeit sind; dass, wo sie nicht sind, sondern Unwahrhaftigkeit und Heuchelei herrschen, etwas Auflösendes, Zersetzendes, Scheidewasserartiges vorhanden ist, was jedes Gemeinschaftsgebilde zerstört.

Auf uns sind solche Dämonen zugekommen, wir haben sie nicht gerufen, sie sind uns genaht, in der Absicht, unser Werk zu zerstören! Ihnen gegenüber Passivität zu üben, wäre unverantwortlich. Was wir heute von Unwahrhaftigkeit, die geübt wurde seitens der Adyar-Leitung und der Mitglieder des ‹Stern des Ostens›, hören mussten, übersteigt alle Begriffe; und kann man sich eine größere Heuchelei denken, als dass man auf der ersten Seite einer Schrift wie die ‹Botschaft des Frieden› immerfort dem Gegner salbungsvoll den Frieden als theosophische Grundtugend empfiehlt und selber ihn am Schlusse unverhüllt einen Jesuiten nennt?

Gegen ein solches Verfahren, hinter dem die zwei gefährlichsten Dämonen der Unwahrhaftigkeit und Heuchelei stehen, lassen Sie uns die ‹Passivität Christ› anwenden, nämlich klaren, bewussten, energischen, rücksichtslosen Widerstand, Abwehr, die in diesem Falle Notwehr ist.»

Herr Fidus: «Ich möchte nur zwei Worte sagen. Wahrheit können wir hier nicht wissen, sondern nur Wahrhaftigkeit üben. Ich weiß wohl zu unterscheiden, was hier gesagt wurde. Ich meine nur, dass diese scheinbaren Widersprüche sich als Missverständnisse zeigen könnten. Wenn der Vorstand etwas verständniswilliger gewesen wäre ...»

(Ordnungsruf)

Herr Dr. Steiner: «Sie dürfen hier nicht den Vorstand beleidigen. Ich kann nicht verstehen, wie man gegenüber solchen faustdicken objektiven Unwahrheiten noch die Worte Wahrheit und Wahrhaftigkeit gebrauchen kann; das muss schon als Insulte aufgefasst werden. Es geht nicht, dass man einfach alles sagt, was einem einfällt. Bitte, reden Sie weiter.»

Herr Fidus: «... Ich will den Vorwurf und die Anschuldigungen ... ich will nicht alles beschönigen, aber einzelne Dinge, die man nehmen kann ...»

(Der Redner wird in seinen längeren Ausführungen ganz unverständlich.) (Zuruf: Schluss.)

Herr Dr. Steiner: «Es ist unmöglich, dass Sie in dieser Weise weitersprechen, objektiv unmöglich. Bedenken Sie nur ein wenig, dass es doch auch Leute gibt, die ihre Zeit brauchen. Es geht doch nicht, dass man immer wieder Dinge vorbringt, die doch schon wirklich objektiv widerlegt sind, und wir brauchen heute wirklich unsere Zeit.»

Fräulein von Sivers: «Ich möchte nur mitteilen, dass wir doch herausgefordert sind, dass Doktor Steiner lange geschwiegen hat. Misses Besant hat uns sogar beschuldigt, die Briefe zurückgehalten zu haben. Es ist überall verbreitet worden, dass wir Briefe zurückhalten. Misses Besant hat an jede Sektion appelliert, alle ihre Briefe möglichst zu verbreiten. Wir haben so lange wie möglich Passivität gewahrt. Aber da sie selbst uns herausforderte, so haben wir die Briefe gedruckt.»

Herr Dr. Steiner: «Ich muss gestehen, dass es recht unbehaglich ist, dass man gar nicht eingehen will auf die Dinge. In der Zeit, als die Leadbeater-Affäre war, schickte Misses Besant einen Brief an eine Anzahl von Mitgliedern, jenen Brief, in dem sich die Worte fanden, dass Leadbeater solche Dinge nur tun könne, wenn er auf einem Punkte irrsinnig sei. Das war im Juni 1906. Dieser Brief ist zum Teil gedruckt worden. Am Schlusse dieses Briefes stehen nach dem Abdruck die Worte:

‹Ich habe mich schwer in meinem Urteil und meiner Einsicht geirrt, und muss das Karma davon tragen. Ich wage nicht zu glauben, dass die Weiße Loge solche bösen Gedanken und Taten in dem Tempel unbeachtet lassen könnte, der nur denen zugänglich ist, die reines Herzens sind» «Wenn der Tag meines Falls kommen sollte, so bitte ich die, welche mich lieben, nicht davor zurückzuschrecken, meinen Fehler zu verurteilen, ihn nicht zu beschönigen oder zu sagen, dass Schwarz Weiß sei, sondern dass sie vielmehr mein schweres Karma erleichtern, wie ich versuche, das Karma meines Freundes und Bruders zu erleichtern, indem sie die unerschütterliche Reinheit des Ideals verfechten, und indem sie erklären, dass der Fall eines Menschen ihr Vertrauen in die Meister der Reinheit und des Mitleids unerschüttert lässt. Wir sollen nicht verwechseln dasjenige, was ausgeht von den Meistern der Weisheit, und was wir schwachen Menschen tun. Die Meister wissen uns zu führen so, dass sie alles zum Besten der Menschenentwickhung lenken. Der Mensch kann fallen, auch sein Fall wird zu seinem Vorteil gelenkt. Leadbeater ist gefallen, Judge ist gefallen, ich werde wahrscheinlich auch fallen. Ich werde aber nicht Leadbeaters Karma erschweren, indem ich Schwarz Weiß nenne und Weiß Schwarz. Und alle, die mich lieben, fordere ich auf, wenn ich falle, nicht zu ermangeln Schwarz Schwarz und Weiß Weiß zu nennen.›

Das ist das Echo von Misses Besants eigenen Worten. Ich zitiere sie nur, weil die Worte in öffentlichen Journalen stehen. Aus Misses Besants Brief hätte ich nicht zitiert. Ich bin überzeugt, dass diejenigen, die das heute tun, die Schwarz Schwarz und Weiß Weiß nennen, Misses Besant mehr lieben als diejenigen, die sie heute umschmeicheln. Hören Sie die Worte, die Misses Besant in einem guten Augenblicke gesagt hat! Das ist doch etwas, woran ich auch vielleicht erinnern durfte, wenn immer wieder gesagt wird: Die in Adyar waren doch ganz nette Menschen, wenn ihr nicht solche Karnickel wäret, dann wäre ja alles gut.»

Herr von Rainer: «Wenn ich jetzt hier das Wort ergreife, so drängt es mich in diesem Augenblick, Gewicht darauf zu legen, in welcher Weise wir heute diesen wichtigen Übergang durchmachen. Wenn davon gesprochen werden soll, was Theosophie sein soll und was nicht, hat man nur eine Seite des wichtigen Augenblicks in Erwägung gezogen. Die zweite Seite ist, dass die theosophische Bewegung, wenn sie richtig geführt wird, die Mission hat, die Menschheit herauszureißen aus dem, was heute zu einem bequemen Verhalten geführt hat. Das darf nicht übersehen werden. Und wir selbst, eine verhältnismäßig kleine Zahl, haben die Aufgabe, mit offenen Augen zu sehen, wie die Verhältnisse heute liegen. Auf der einen Seite will man nicht mehr glauben, dass es eine Wahrheit gibt, und verlangt doch, dass alles angehört werde, was vorgebracht wird, und dass wir das alles hinnehmen sollen. Nächstenliebe und Bruderliebe kann man im weitesten Maße aufbringen, wenn man auch den Mut hat, im gegebenen Momente zu sagen: Das ist nicht mehr das, was ich vertreten kann.

Wenn jemand wie ich zu dieser Bewegung gekommen ist, weil er gefühlt hat, dass früher etwas nicht darin war, was hinein muss, der fühlt im tiefsten und weitesten Sinne, was es bedeutet, zu lernen, die Wahrheit zu schätzen, und sie zu behaupten, wenn man sie erkannt hat. Dass gerade in dieser Weise Angriffe vorgebracht werden können und auch Widerhall finden, beweist, dass etwas erstorben ist gegenüber demjenigen, was sich als Wahrheit gezeigt hat. Das alles zeigt uns, wie notwendig es ist, in unseren Herzen wirklich aufzurufen, was aufgerufen werden muss, wenn wir uns wirklich verbunden fühlen wollen mit dem Ideale der Menschheit. Und wenn wir dem Ausdruck leihen wollen, wenn wir fühlen, was es bedeutet, in dieser Stunde und in diesem Sinne vereint zu sein mit dem Ideale der Menschheit, dann müssen wir uns Luft machen in der Form, dass wir empört sind über das, was geschehen ist, und dass wir ablehnen aus der tiefsten Seele diese andere Seite, das wird die erste Stufe sein. Was bleibt uns denn übrig, wenn wir an die Wahrheit nicht glauben können. Zertrümmern müssten wir alles, was in uns wäre, wenn wir nicht als Pflicht empfinden, dasjenige abzulehnen, was so empörend von der anderen Seite kommt. Und wir müssen uns in viel tieferem Sinne verpflichten für die Wahrheit. Sie ist nicht leicht, aber wir können sie finden, wenn wir wollen. Es ist nur der eine Weg vorhanden, der zu betreten ist.

Ich möchte Sie einladen, in diesem Sinne aus unserem tiefsten Empfinden heraus, vielleicht, durch Erhebung von den Sitzen der Empörung Ausdruck zu verleihen darüber, wie unsere positive Arbeit verdächtigt wird, wie man gerade durch das Hereinbringen des Vorwurfes des Jesuitismus einen Charakter unserer theosophischen Sache verleiht, der für die Öffentlichkeit gar nicht ärger gedacht werden kann. In Deutschland und auch bei uns in Österreich soll niemand sagen können, dass überhaupt diejenigen, die eine solche Verdächtigung aussprechen können, ein Verständnis haben für das, was Theosophie soll. Ich möchte die Bitte wiederholen, diesen Ausdruck unserer Empörung anzunehmen.»

(Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen.)

Herr Tessmar: «Das, was mir vorhin auf der Seele brannte, ist durch den Vorredner in viel schönerer Weise gesagt worden, als ich es hätte sagen können. Ich möchte aber doch sagen: Ich bin einer von den Menschen, die das in der Seele fühlen. Im vorigen Jahre hat Herr Bauer von der Schlafhaubigkeit gesprochen. Ich bin nicht schlafhaubig, sondern ich bin einer, der empört ist. Ich bin auch heute schon zur Ordnung gerufen worden, ich bereue diesen Ordnungsruf, aber ich muss sagen, ich kann nichts zurücknehmen, selbst wenn Herr Doktor Steiner mich noch einmal zur Ordnung rufen müsste.

(Ordnungsruf)

Wenn immer wieder gesprochen wird von Toleranz und so, so hört man sich das an, solange es geht. Das hat aber Grenzen. Wenn Personen in dieser Masse einem Gefühl Ausdruck geben, und ganz wenige wollen dann die Versammlung tyrannisieren, so geht das nicht. Sie fühlen, was mich bewegt, was auf meinem Herzen brennt, - ich bin fürs Dreinschlagen, wenn’s nottut. - Wir sind nicht hergekommen, um zwei oder drei Herren anzuhören, die uns langweilen und uns die Zeit stehlen. Ich möchte die Versammlung bitten, energisch zu erklären, dass sie damit Schluss machen will.»

Fräulein Riege: «Ich habe gehört, dass Herr Fidus, als ihm das Wort entzogen wurde, von einem Briefe sprach, den er mitteilen müsse. Es wurde sogar gesprochen vom Unterschlagen einer Nachricht. Es wird doch gut sein, das zu hören.»

Fräulein Prellwitz: «Uns hat gestern Herr Doktor Hübbe-Schleiden einen Brief geschickt, der eine Einlage enthält von Frau Besant. In dieser Einlage gibt sie zum ersten Mal Antwort in Bezug auf Vollrath, ob sie gelogen hat oder nicht in dieser Affäre.»

Herr Dr. Steiner: «Von dieser Einlage habe ich, um Sie nicht zu langweilen, keine Mitteilung gemacht. Misses Besant hat allerdings einen Brief geschrieben, in dem sie, wie es ihre Eigenart ist, ablenkt von der Hauptsache und die Aufmerksamkeit auf eine Nebensache lenkt. Ich habe allerdings nicht geglaubt, dass es Menschen gibt, die auf diesen konfusen, auf diesen sophistischen Brief hereinfallen. Ich muss gestehen, Fräulein Prellwitz, dass ich bei Ihrem feinen literarischen Empfinden nicht begreife, dass Sie imstande sind, hinwegzugehen über den Schlusssatz dieses Briefes.»

(Der Satz wird verlesen.)

‹As to the pamphlet, I had supposed that it contained something importan, as Dr. Steiner was evidently very angry about it, saying that if its statements were true «a dog would not take food. from us». If, as Dr. Steiner now says, it was merely a rehash of the original quarrels, stated in his letter to me, the language seems a little strong» Was das Pamphlet betrifft, so glaubte ich, dass es etwas sehr Wichtiges enthalten müsse, da Dr. Steiner augenscheinlich sehr ärgerlich darüber war, und sagt, wenn die darin enthaltenen Darlegungen wahr wären, «kein Hund mehr ein Stück Brot von uns nehmen würde. Wenn es, wie Dr. Steiner nun sagt, nur ein Aufwärmen der ursprünglichen Streitigkeiten war, wie er sie in seinem Briefe an mich darlegt, so erscheint die Sprache ein wenig stark.›

[Rudolf Steiner:] «Der Brief liegt bei mir, den Doktor Vollrath 1908 an Frau Besant geschrieben hat. Wenn sie darüber den obigen Satz schreiben kann, so bedeutet das nur, dass sie die alten objektiven Unwahrheiten durch neue objektive Unwahrheiten zudeckt.

Wo man anfasst, stellen sich überall ganze Bündel von Unwahrheiten entgegen. Erinnern Sie sich der vorigen Generalversammlung, ob da von Ärger gesprochen werden konnte. Ärgerlich bin ich auch über Misses Besant nicht. Mitleid habe ich mit ihr, sehr viel Mitleid; aber deshalb kann ich doch nicht Schwarz Weiß und Weiß Schwarz nennen. Ich bitte also zu sehen, wie hier der Brief von der Hauptsache ganz ablenkt. 1909 schreibt sie: ‹Nachdem ich gehört habe alle Detail›, und sagt dann später 1912, sie könne Recht und Unrecht darin nicht unterscheiden. Ich weiß, dass sie Recht und Unrecht gehört hat. Denn ich habe ihr genau berichtet. Wer imstande ist, im Mai 1912 zu schreiben: ‹Ich kenne nicht Recht und Unrecht›, während ich 1909 mir alle Mühe gab, ihr die Sache darzustellen, offiziell sie über alles aufzuklären, wer dann mit Anschuldigungen des anderen kommt, der braucht nicht berücksichtigt zu werden. Das ist Insulte und nichts anderes als Insulte.»

Herr Pfarrer Klein: «Ich stelle den dringenden Antrag auf Schluss der Debatte. Es soll nicht mehr debattiert werden über den Ausschluss der Mitglieder des ‹Stern des Ostens.›

(Der Antrag wird angenommen, und es tritt eine längere Pause in den Verhandlungen ein.)

(Nach einer längeren Pause wird um sechs Uhr die Sitzung wiedereröffnet.)

Fräulein von Sivers verliest den englischen Text der Erklärung, die von der Deutschen Sektion an den General Council als Antwort auf Misses Besants letzten Brief nach Adyar geschickt werden soll.

Herr Dr. Steiner: «Wünscht jemand dazu das Wort?

Da dies nicht der Fall ist, bitte ich diejenigen, die dafür sind, dass diese Erklärung dem General Council zugeschickt wird, sich von den Sitzen zu erheben.»

(Alle erheben sich von den Sitzen.)

Herr Dr. Steiner: «Damit ist dokumentiert, dass diejenigen Mitglieder der Deutschen Sektion, die hier versammelt sind, sich als ausgeschlossen betrachten von der Theosophischen Gesellschaft.

Die Deutsche Sektion, wie sie bestanden hat seit ihrer Begründung, hat hiermit aufgehört zu existieren, und alle Funktionen der Deutschen Sektion haben damit aufgehört. Und es wird sich nun zeigen, wer zu uns gehören will und wer nicht dazugehören will. Wir sind jetzt in einer freieren Lage, wenn uns das auch mit Schmerz erfüllt.

Ich bitte nun auch unsere auswärtigen Freunde, die nicht zur Deutschen Sektion gehören, sich morgen Nachmittag zu einer kurzen Besprechung hier mit mir zu versammeln.

Das Nächste, was wir nun zu verhandeln haben, weil wir unseren Freunden Rechenschaft zu geben haben, ist, dass wir einen freundschaftlichen Bericht über die Mitgliederbewegung abzugeben haben.» Herr Ahner: «Ich bin erstaunt, dass Personen hier sein sollen, die der Deutschen Sektion nicht angehören, ich meine, diese Versammlung sei nur für die Mitglieder der Deutschen Sektion.»

Herr Dr. Steiner: «Sie scheinen noch niemals einer Generalversammlung außer in der Deutschen Sektion beigewohnt zu haben, sonst würden Sie wissen, dass bei allen Generalversammlungen, in welcher Sektion sie auch sein mögen, sämtliche Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft Zutritt haben. Das ist immer so gewesen.»

Herr Ahner: «Ich bitte um Entschuldigung.»

Fräulein von Sivers: «Die Zahl der Mitglieder beträgt 2489 gegen 2318 im Vorjahr; neu eingetreten sind 330, ausgetreten oder nicht mehr aufzufinden und deshalb gestrichen 132, in andere Sektionen übergetreten 6, gestorben 14, dubios 7. Neu gegründet sind 3 Zweige: Augsburg, Erfurt, Hamburg II. Die Zahl der Zweige ist 54, der Zentren 4 und 1 Zentrum dubios.

Herr Seiler: «Der Kassenbericht ist folgender»:

Einnahmen:
Kassenbestand 1910/11 1446,68 Mark
Stiftungsurkunden 30,
Eintrittsgelder 1700, Beiträge 7781,37
Freiwillige Beiträge 37,10
Zinsen 322,20
Einnahmen 11317,35
Ausgaben 11291,46
Kassenbestand am
31. August 1912 25,89 Ausgaben:
Bureau-Unkosten und Honorare 3030,70
Miete-Konto (Säle z. Gen.-Vers., Audienzz.) 1410,
Konto der Mitteilungen 1076,30
Porto, Depeschen etc. 484,30
Ausgaben versch. Art 376,15
Wirtschaftsunkosten, Löhne etc. 1541,89
Hauptquartier Adyar 1576,24
Kongressabgaben der Sektion —,—
Drucksachen 27,—
Überführung auf Bankkonto 1768,88
Ausgaben 11291,46 Mark Vermögensstand Kassenbestand ab 31. August 1912 25,89 Mark Guthaben bei der Bank 3789,33 Mobilien 457,65 Gesamtvermögen 31. August 1912 4272,87 Mark

Herr Tessmar als Kassenrevisor teilt mit, dass die Bücher durch ihn und Fräulein Motzkus ordnungsmäßig geprüft und richtig befunden worden sind.

Herr Dr. Steiner: «Wünscht jemand zu diesen Berichten das Wort? Da dies nicht der Fall ist, so bitte ich unseren Freunden Decharge zu erteilen.»

(Die Decharge wird erteilt.)

Herr Dr. Steiner: «Wir kommen nun zum dritten Punkt, zur Diskussion über schwebende Angelegenheiten. Wünscht jemand dazu zu sprechen? Da dies nicht der Fall ist, kommen wir zum vierten Punkt, Anträge aus dem Plenum.

Der erste Antrag ist der folgende»

An den Vorstand und an die Mitglieder der
Deutschen Sektion der Nachdem den Unterzeichneten bekannt geworden war, dass man den Namen der ursprünglich in Berlin begründeten Besant-Loge abgeschafft und derselben Vereinigung einen anderen Namen gegeben hatte, beschlossen sie, mit mehreren Gleichgesinnten eine neue Loge zu gründen, welche den Geist der ursprünglich in der theosophischen Gesellschaft herrschenden und durch Frau Besant vertretenen Prinzipien aufrechterhalten sollte. Die Bitte um Anschluss dieser Loge an die Deutsche Sektion wurde von dem Generalsekretär derselben, Herrn Dr. Steiner, zurückgewiesen mit der Begründung, dass die Mitglieder dieser neuen Loge zum Orden des Sterns im Osten gehörten, den er als eine «Sekte bezeichnete, eine rein persönliche Ansicht, die doch unmöglich ausschlaggebend sein kann in einer für uns so wichtigen theosophischen Angelegenheit, denn mit demselben Rechte könnte man ja die gleiche Behauptung von der «Anthroposophischen Gesellschaft» aufstellen. Um die Gründung der betreffenden Loge zu ermöglichen, sahen wir uns gezwungen, direkt an Adyar Anschluss zu suchen, der uns bereitwilligst gewährt wurde. Immerhin war dies für uns aber nur ein Ausweg, zu dem uns die Notlage trieb, und keineswegs können wir die beleidigende, ganz grundlose Abweisung langjähriger und gänzlich unbescholtener Mitglieder, die stets ernsthaft bemüht waren, für die Verbreitung echten theosophischen Geistes zu wirken, so ruhig hinnehmen, ebenso wenig wie den kränkenden Ausschluss aus einer Gemeinschaft, der wir so lange angehörten, aus denselben nichtssagenden Gründen. Wo bleibt da das in der Theosophie mit Recht stets als erstes genannte Prinzip der Toleranz? Wir sind der Ansicht, dass es nicht nur den verschiedenen religiösen Anschauungen Achtung gewähren, sondern in jeder Beziehung Freiheit des Denkens zulassen sollte, besonders aber, wenn es sich um eine so hohe ethische Aufgabe handelt, wie sie der Orden des Sterns im Osten durch seine Vorbereitung auf das von fast allen Religionen zugestandene Erscheinen eines künftigen Weltichrers verfolgt. Wir meinen, dass die Gleichberechtigung aller Weltanschauungen, die den neu eintretenden Mitgliedern bei ihrem Eintritt in die «Gesellschaft» zugesichert wird, sich hier behaupten muss, wenn sie nicht zu einer bloRen Redensart werden und das Ansehen der «Deutschen Sektion» herabziehen soll. Mit aller Entschiedenheit müssen wir daher Protest einlegen gegen die uns zuteil gewordene Behandlung und bitten die hochverehrte Generalversammlung um ihren Beistand, damit uns das Recht der Angliederung unserer Loge an die Deutsche Sektion zugestanden werde. Berlin, den 6. Januar 1913. Der Vorstand der Besant-Loge zu Berlin.

[Rudolf Steiner:] «Unterschrieben ist der Antrag: Der Vorstand der Besant-Loge zu Berlin. Die Namen des Vorstandes dieses Zweiges kenne ich nicht. Der zweite Antrag lautet:»

Antrag an die Generalversammlung der
Deutschen Sektion (Landesgesellschaft) der
Theosophical Society zu Berlin im Februar 1913 Die Unterzeichneten beantragen: Die Generalversammlung wolle beschließen: 1. Der von der neunten Generalversammlung am 30. Oktober 1910 (Mitteilungen, Köln, XI, Seite 8) angenommene Antrag van Leer, wonach außer der Unterschrift von zwei Bürgen für die Aufnahme eines neuen Mitgliedes noch als dritte Unterschrift die des Vorsitzenden des betreffenden Sektions-Zweiges erfordert ist, wird hiermit aufgehoben. 2. Ferner wird bestimmt, dass die bisher in Gebrauch gekommene Forderung der vorherigen Teilnahme an einem Vorbereitungs-Kursus für die Aufnahme eines Mitgliedes in die Gesellschaft fortan nicht mehr gestellt werden soll. Zur Aufnahme als Mitglied der Deutschen Sektion soll künftig ebenso wie in den anderen Zweigen der Gesellschaft die Zustimmung zu den Zwecken der Gesellschaft genügen, ohne Rücksicht auf die Glaubenssätze oder sonstigen Ansichten des Gesuchstellers. 3. Die von der VII. Generalversammlung am 26. Oktober 1908 (Mitteilungen», Köln, VIII, Seite 7) angenommene Änderung des $ 8 der Sektions-Satzungen, wonach jedes Vorstands-Mitglied, das sieben Jahre im Amte war, von da ab lebenslänglich der nicht absetzbare Träger dieses Amtes geworden ist, wird hiermit aufgehoben. Der Vorstand soll fortan wieder alle drei Jahre in der Generalversammlung neu gewählt werden. Oberloschwitz - Weißer Hirsch, d. 7. Jan. 1913.
Hermann Ahner
Vorsitzender der Loge zum Gral in Dresden,
z.Zt. Mitt. Schreiberhau i. Rsgb., 9. 1. 13. Hugo Höppener-Fidus, Dresden, den 11. Januar 1913.
Rudolf Schaefer,
Mitglied der Loge zum Gral. Motive zu diesem Antrag: 1. Die Forderung der dritten Unterschrift für die Aufnahme eines neuen Mitgliedes ist eine Änderung der §§ 28 und 29 der allgemeinen Satzungen der Gesellschaft. Diese zu ändern, ist eine Sektion nicht berechtigt; es ist sogar in § 37 ausdrücklich ausgesprochen worden, dass die Satzungen einer Sektion oder Landes-Gesellschaft nicht den Satzungen der Gesamt-Gesellschaft widersprechen dürfen (‹not conflict›). In § 28 wird die Unterschrift von womöglich zwei Mitgliedern als Bürgen für die Aufnahme eines neuen Mitgliedes gefordert. In § 29 wird die Ausstellung des Mitglied-Diploms daraufhin ohne weitere Anforderung vorgeschrieben. Diese Absicht bringt das in dem Paragrafen gebrauchte Wort ‹shall›, statt ‹will›, gemäß den allgemeinen Regeln englischer Gesetzes-Praxis ganz besonders stark zum Ausdruck. 2. und 3.: Die damit zu derogierenden Maßregeln haben ausgesprochenermaßen den Zweck, bestimmte Lehren derart in der Sektion festzulegen, dass sie, wie das Glaubens-Bekenntnis einer Religions-Gemeinschaft von den Mitgliedern der Sektion gefordert werden. Dieser Zweck ist ausdrücklich hervorgehoben worden als Motiv für die Einführung dieser Maßregeln; so ist authentisch berichtet in den «Mitteilungen, Köln, VIIL, Seite 6-7 und XI, S. 8. Jene Maßregeln haben sich für diesen Zweck auch stets bewährt, wie uns die Weltgeschichte lehrt. Nun ist es aber gerade der Sinn der Theosophischen Gesellschaft, die Notwendigkeit solcher Maßregeln zu überwinden und ihre Mitglieder so geistig selbstständig zu machen, dass sie ohne solchen organisatorischen Schutz die esoterischen Wahrheiten annehmen und sie vernunftgemäß vertreten können. So widersprechen solche Maßregeln auch dem Hauptzwecke der Gesellschaft: einen Kern zu bilden für die Brüderschaft der Menschheit ohne Unterschied des Glaubens.

[Rudolf Steiner:] «Unterschrieben ist der Antrag: Ahner, Oberloschwitz; Hugo Höppner-Fidus; Rudolph Schäfer.

Ich muss bemerken, wenn das richtig sein sollte, dass jeder Mensch, der sich meldet, ungeprüft aufgenommen werden sollte, so würde ich niemals das Amt eines Generalsekretärs angenommen haben, sondern ich würde vorgeschlagen haben, eine Unterschriftmaschine dafür anzuschaffen. Auch sind diese Anträge gegenstandslos, und die Antragsteller müssen verwiesen werden darauf, dass sie sich jetzt zu wenden haben an die Instanz, die jetzt geschaffen werden wird, an diejenigen Leute, die willig sind, den unberechtigten Anforderungen von Adyar zu entsprechen. Daher sind diese Anträge an die kommende Deutsche Sektion der Gesellschaft zu richten.

Das Nächste, was wir zu besprechen haben, ist ein Antrag des Herrn Doktor Bachem, Frankfurt a.M. Ich bin gezwungen, diese Sache vor dieses Forum zu bringen, weil sie eine rein menschliche ist.»

(Brief des Herrn Dr. Bachem)

An die Theosophische Gesellschaft, Deutsche Sektion;
zu Händen des Herrn Generalsekretärs
Dr. Rudolf Steiner, Berlin

Zur elften Generalversammlung stelle ich folgende Anträge:

  1. Die durch die Rödelheimer Gründung des [Fräulein] M. Stenzel, der früheren Vorsitzenden des «Goethezweiges der Theosophischen Gesellschaft in Frankfurt a.M., Geschädigten sollen entschädigt werden

a) durch die Mittel der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft

b) durch eine Sammlung, die der Generalsekretär innerhalb der Gesellschaft veranstaltet.

  1. Die Begründung zu Antrag 1 soll in der Generalversammlung verlesen werden.

21.1.1913, Dr. Max Bachem, Frankfurt a.M., Finkenhofstraße 46.

Begründung des Antrages 1 des Dr. med. Bachem, Frankfurt a.M., zur elften Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft, Deutsche Sektion.

Fräulein M. Stenzel ging bei Beginn ihrer Gründung an verschiedene Mitglieder des «Goethezweiges» heran, damit diese sich für die entstandenen Verbindlichkeiten verbürgten. - So hinterlegte Herr Vizetelegrafendirektor Roggenberg 3000 Mark als Garantie für die Miete und verpflichtete sich für die Miete, so girierte Frau Jahn und Dr. Bachem Wechsel des [Fräulein] Stenzel, mit denen das Mobiliar beglichen wurde.

Als an Dr. Bachem das Ersuchen gerichtet wurde, ist gleichzeitig gesagt worden, diese Gefälligkeit sei eine reine Formsache, er würde nie etwas mit den Wechseln zu tun bekommen. Außerdem wurde ihm gesagt, wofür Herr Leser Zeuge ist, dass er, falls er zur Einlösung der Wechsel herangezogen würde, in entsprechender Weise Mobiliar erhalten solle.

Die erwähnten Bürgschaften wurden übernommen, weil [Fräulein] Stenzel angab, die Rödelheimer Gründung erfreue sich der Unterstützung und Billigung Dr. Steiners. Direktor Roggenberg hat 3300 Mark in bar dabei verloren.

An Dr. Bachem kam im Frühjahr 1912 ein Wechsel im Betrag von annähernd 4000 Mark heran; vor Gericht erschienen die gleichfalls geladenen [Fräulein] Stenzel und Frau Jahn nicht; Dr. Bachem schloss einen Vergleich, wonach er den Wechsel in Raten von 200 bis 250 Mark monatlich bezahlen muss.

Als Dr. Bachem versuchte, in Höhe seiner Zahlungen Mobiliar zu erhalten, erhielt er nichts.

Er musste Oktober 1912 krankheitshalber seine Praxis einen Monat unterbrechen, konnte dann die Zahlungen nicht mehr leisten und wurde zum 14.1.1913 zum Offenbarungseid geladen, den [Fräulein] Stenzel und Frau Jahn schon geleistet hatten.

Seine ehelichen Verhältnisse sind zum großen Teil durch diese Angelegenheit zerrüttet worden, ebenso wurde dadurch seine ärztliche Laufbahn ungeheuer gehemmt.

Dr. Steiner hat bei seiner letzten Anwesenheit in Frankfurt a.M. geäußert, dass die Geschädigten in der beantragten Weise entschädigt werden sollen. Mehrere Briefe Dr. Bachems an Dr. Steiner in dieser Angelegenheit blieben unbeantwortet; nur erhielt er einmal von einer Dame ein Schrei ben, die ihm - angeblich auf Dr. Steiners Anordnung - mitteilte, Dr. Steiner würde von der Reise nach Finnland aus an Dr. Bachem schreiben.

Es scheint dies wiederum ein Missbrauch mit Dr. Steiners Namen gewesen zu sein, denn dieser Brief kam nie. Die bisherigen Barausgaben Dr. Bachems betragen ca. 1950 Mark; er ist zur Zahlung von 2792,40 Mark und Kosten und so weiter verurteilt und hat noch im Frühjahr dieses Jahres die Einklagung eines Wechsels im Betrage von 8000 Mark zu erwarten.

21.1.1913, Dr. Max Bachem, Frankfurt a.M.

[Rudolf Steiner:] «Zu diesem Briefe kam noch auf den letzten Tag ein Brief des Direktor Roggenberg, in dem er mitteilt, dass er sehr ungehalten sei darüber, dass Doktor Bachem diesen Antrag stellt, und dass er durchaus nicht wünscht, dass mein Name in Zusammenhang mit dieser Sache gebracht werde.

Was die Sache selbst betrifft, so muss gesagt werden, dass gar keine Rede davon sein kann, dass jemals im Einverständnisse mit mir die Burg Rödelheim installiert worden ist. Es ist eine reine Privatsache von Fräulein Stenzel und hat nichts zu tun mit der theosophischen Sache und mit Sektionsangelegenheiten. Fräulein Stenzel hat diese Sache begründet. Aber so wenig ist irgendjemand von uns mit dieser Sache verknüpft, dass ich selbst erst durch die Druckschriften, die damals Fräulein Stenzel versandte, von der vollzogenen Gründung Kenntnis erhielt. Ich muss es entschieden ablehnen, irgendetwas mit der Angelegenheit vor der Begründung zu tun gehabt zu haben. Ich habe in Frankfurt auch nur gesagt, dass, wenn es möglich wäre, es sehr wünschenswert sein würde, wenn unsere theosophischen Freunde, die so geschädigt worden sind, entschädigt werden könnten. - Wünscht jemand zu dieser Angelegenheit das Wort?»

Herr Arenson: «Verehrte Freunde! Dieser Fall, der eben vorgebracht worden ist, ist ja gewiss recht betrüblich, ich möchte aber doch noch etwas anderes hinstellen. Dieser Fall ist doch auch typisch, und wir sollten daraus ersehen, was alles gefolgert wird aus hingeworfenen Worten, wie in allen solchen Fällen der Name von Herrn Doktor Steiner hineingezogen wird und wie überall Leute sich finden, die darauf in irgendeiner Weise eingehen. Ich möchte Sie nun kurz bitten, einen Beschluss der Art zu fassen, dass wir unser Bedauern aussprechen über die Schädigung unserer Freunde, dass aber die Versammlung nicht in der Lage ist, in irgendeiner Weise eine Entschädigung zu gewähren, da die ehemalige

Deutsche Sektion durchaus nicht Anlass zu einer solchen Entschädigung hat. Ich möchte meinen Antrag etwa so eingeben: Die Versammlung bedauert, dass dieses stattgefunden hat. Sie kann aber nicht irgendwie herangezogen werden zu einer Entschädigung.»

Herr Dr. Steiner: «Wünscht sonst jemand das Wort zu dieser Angelegenheit?»

Herr Daeglau: «Es wäre vielleicht gut, die theosophischen Freunde darauf hinzuweisen, dass dieses Beispiel eine sehr gute Lehre sein kann. Es wird oft darüber gesprochen, wie notwendig es sei, Theosophie ins wirkliche Leben hineinzutragen. Hier ist ein Versuch gemacht worden aus Enthusiasmus. Dies Beispiel zeigt, dass der gute Wille nicht genügt, sondern wer so etwas tun will, muss auch das praktische Leben wirklich kennen, um die theosophischen Lehren darin zu verwirklichen. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, als Geschäftsmann, als Geschäftskundiger dieses Unternehmen von Anfang an zu beobachten, dem musste ein Schmerz durchs Herz ziehen, wenn er die Folgen bedachte, wenn er sah, was sich da vorbereitete. Enthusiasmus allein genügt nicht, und es genügt nicht, sich darauf zu verlassen, dass man als Theosoph mit Menschen zu tun hat, die mehr verstehen vom Leben als der Unternehmer selbst. Derjenige, der etwas unternehmen will, ist leicht geneigt, herumzuhorchen und die Kenntnisse und Meinungen der anderen günstig zu deuten. Er unternimmt es, hat nicht genug Kenntnisse und macht Fehler über Fehler. Wenn aber das Unternehmen fehlschlägt, dann glaubt er, alle die klügeren Menschen sind auch verantwortlich dafür. Fahren wir fort, Theosophie ins praktische Leben hineinzutragen, aber seien wir auch Praktiker und nicht nur Enthusiasten.»

Herr Lippelt: «Zwei Mitglieder sind in bedeutende Not geraten. Ich möchte den Freundschaftsdienst der Gesellschaft im Allgemeinen anrufen. Es könnte doch eine Sammlung veranstaltet werden.»

Herr Dr. Steiner: «Wünscht noch jemand das Wort? Wenn nicht, dann wird Herr Arenson nun seinen formulierten Antrag verlesen.»

Herr Arenson: «Die anwesende Versammlung spricht Herrn Doktor Bachem ihr Bedauern darüber aus, dass er durch das Rödelheimer Unternehmen eine Schädigung in der geschilderten Art erlitten hat. Sie ist aber als solche nicht in der Lage, irgendwelche Schritte in der Angelegenheit zu unternehmen, die zur Deckung der von ihm kontrahierten Schulden führen könnten.»

Herr Dr. Steiner: «Es ist wirklich in einem solchen Falle außerordentlich schwer. Wenn auf der einen Seite Doktor Bachem zu Schaden gekommen ist, so steht die Sache so, dass man ja wirklich außerordentlich gerne helfen möchte, aber es ist in diesen Dingen kein Ende abzusehen. Denn es ist doch nicht möglich, dass, wenn es irgendeinem Theosophen einfällt, da oder dort etwas zu begründen, und andere sich bereden lassen, und um ihr Geld dabei kommen, dass da in irgendeiner Weise die Theosophische Gesellschaft als solche herangezogen werden kann. An sich muss ich gestehen, ist es ja schwer zu verstehen, dass Herr Doktor Bachem Wechsel unterschreibt und sich sagen lässt, das sei nur eine Formsache, er würde niemals mit den Wechseln etwas zu tun bekommen. Es ist gutmütig, aber wirklich zu sorglos, sich sagen zu lassen, das Unterschreiben von Wechseln sei eine reine Formsache. Selbstverständlich, wenn eine Anzahl Mitglieder etwas dafür tun will, so würde das sehr schön sein, aber dass wir als Ganzes das tun, das scheint wirklich nicht zu gehen. Daher bitte ich diejenigen, die für den Antrag Arenson sind, die Hand zu erheben.»

(Der Antrag wird angenommen.)

Herr Dr. Steiner: «Wir kommen zum nächsten Punkt. Berichte der Zweige. Wünscht jemand das Wort dazu?»

Frau Dr. Grosheintz: «Ich möchte nur fragen, wie steht es mit dem Charter der einzelnen Logen?»

Herr Dr. Steiner: «Die Frage ist erledigt. Es wäre kompliziert geworden, wenn wir darauf gewartet hätten, dass jede Loge aufgefordert worden wäre, den neuen Generalsekretär anzuerkennen und nach Adyar zu gehören: Es ist einfacher, die Mitglieder betrachten sich nicht mehr als Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Dies entspricht ja der Wahrheit. Es liegt im Interesse der Mitglieder, sich zu betrachten als herausgeworfen aus der Sektion. Es kann selbstverständlich sich jede Loge bei dem neuen Generalsekretär der Deutschen Sektion melden. Es wird dann ein neuer Charter (Stiftungsurkunde) ausgestellt, von dem neuen Generalsekretär, der ernannt werden wird, und diejenigen, die weiter der Theosophischen Gesellschaft Adyar angehören wollen, die müssten an diese neue Deutsche Sektion sich anschließen oder direkt an Adyar. In beiden Fällen würden sie mit unserer Bewegung, mit der ich verquickt bin, nichts mehr zu tun haben, weil wir arbeiten wollen, ‚ohne dass man uns die unsinnigsten Vorwürfe macht. Wer mit uns etwas zu tun haben will, soll das treulich bekennen, und wer das nicht will, der kann sich der neuen Deutschen Sektion anschließen oder in Adyar. Das ist es, um was es sich in der Zukunft handeln wird. Die Deutsche Sektion und alle ihre Funktionen haben zu bestehen aufgehört. Ich habe schon bei der Eröffnung dieser freundschaftlichen Zusammenkunft erörtert, dass ich und alle, die Verständnis für die Sachlage haben, nur mit großem Schmerze gesehen haben, was sich vollziehen musste. Es hat sich vollzogen, weil wir es als unsere Pflicht betrachtet haben, gerade der Theosophischen Gesellschaft anzugehören, und wir mit tiefem Schmerz sehen mussten, dass dies uns unmöglich gemacht worden ist.

Unsere Arbeit hat so manches gezeitigt, und es verging eigentlich kein Tag in der letzten Zeit, an dem nicht deutlich uns vor Augen trat, welche Widerstände und Schwierigkeiten zu überwinden sind, wenn es sich darum handelt, ehrlich, aufrichtig und reinlich eine geistige Bewegung in die Welt zu bringen.

Lassen Sie mich noch etwas vorbringen, rein symptomatisch, nicht um Kleinigkeiten zu erwähnen, sondern, um zu zeigen, wie es doch möglich ist, ein reinliches, gesundes Urteil zu erhalten, trotzdem man solche Redensarten immer wieder hören muss: Jeder strebt die Wahrheit an, aber man kann nicht immer wissen, ob man auf dem Wege der Wahrheit ist. Derjenige aber, der ernstlich will, kann wissen in vielen Fällen, was Wahrheit und was nicht Wahrheit ist. Wer die «Botschaft des Friedens» liest, wird finden, dass die Zitate alle unrichtig sind. Dazu aber zu sagen, die Wahrheit strebe jeder an, das heißt in einem solchen Falle, man will nicht die Dinge wirklich schen. Und wenn man nicht hinschen will, so kann man sie auch nicht verstehen. Wenn es vorkommen kann, dass derjenige, der falsch zitiert hat, sagt: Er habe das Wörtchen «nur deshalb eingefügt, um die Sache zu verdeutlichen, so gehört darauf eine Antwort, wie sie die Verfasserin der Gegenschrift wirklich sehr geistreich gegeben hat: Ob es denn zur Verdeutlichung diene, wenn man sagt anstatt: «Mein Freund ging aufs Eis und zog sich warme Handschuhe an», «mein Freund ging aufs Eis und zog sich nur warme Handschuhe an. (Große Heiterkeit.) Von dieser Art sind die Verdeutlichungen.

Es würde wünschenswert sein, die Augen aufzumachen und nachzusehen, worum es sich eigentlich handelt. Es ist eine Ankündigung von einer Buchhandlung erschienen zum Beispiel, da finden sich die Worte darinnen:

Dr. Steiner hat in Deutschland bereits den Anfang gemacht, aber die von ihm vertretene plutokratisch-autokratische Richtung ist wegen ihrer Einseitigkeit nicht geeignet, den heutigen geistig-sozialen Fortschritt allseitig zu fördern. Deshalb musste eine zeitgemäße populäre Form gefunden werden, die cs ermöglicht, dass jene Schätze undogmatisch, frei erreichbar und ohne klerikale Bevormundung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten. Diese rosenkreuzerischen Unterrichtsbriefe geben ein abschließendes Gesamtbild über die rosenkreuzerische Forschung und Weltanschauung. Die Anfänge ihrer Entstehung sind auf deutschem Boden zu suchen. In der für rosenkreuzerische Forschung viel günstigeren Ätheratmosphäre Kaliforniens sind sie weiter ausgearbeitet worden.

Es ist eben notwendig, dass man aufmerksam ist, dass man die Augen aufmacht und nicht immer schläft als Theosoph. Es würde sich empfehlen, zuzusehen, was eigentlich in Kalifornien ausgereift ist. Dass man aber, wenn man will, wohl richtig schließen kann, will ich zeigen, indem ich Ihnen einen Brief an mich vorlese von jemand, der eben die Augen aufmacht:

‹Sehr geehrter Herr. Dürfte ich es wohl wagen, mit einer oder sogar mehr als einer Frage an Sie heranzutreten? Erst muss ich erwähnen, dass ich hier kurze Zeit zu Besuch weile und mein Wohnort in Salina, Kansas, US. America ist. Dort ließen zwei Freundinnen und ich uns vor einiger Zeit ein von der Esoterischen Bibliothek in Washington D.C. empfohlenes Buch schicken; dasselbe heißt: «Rosicrucian Cosmo-Conception on Christian Occult Science by Max Heindel. In der Vorrede fiel uns die sonderbare Weise auf, in der Herr M. H. Bezug nimmt auf den Namen Dr. Rudolf Steiner, dessen Lehre in den Hauptlinien seiner Lehre ähnlich sei etc. etc. - Kurz, das Vorwort veranlasste mich und später die Freundinnen, Ihr Buch ‹Theosophie› und ‹Initiation and its Results› zu lesen. Es ist uns ein Rätsel, wie es zugeht, dass so ganze Sätze in ‹Cosmo-Conception› beinahe Wort für Wort zu vergleichen sind mit denen, enthalten in Ihren Büchern, und so kam uns der Gedanke: ‹Hat jener Herr Max Heindel die Lehre, die er in Amerika, hauptsächlich aber in Kalifornien, zu verbreiten sucht, von Ihnen geborgt?› ›

Das ist ein Brief von jemandem, der die Sachen anschaut und zu einem Urteil kommt. Es brauchte ihm von mir nur mit der Tatsache geantwortet werden, dass Max Heindel unter einem anderen Namen, als [Grasshoff], unter uns gelebt hat und viele meiner Vorträge und Zyklen angehört und abgeschrieben hat. Und es liegt in der Tat der Fall vor, dass in Deutschland zunächst eine gewisse Richtung begründet worden ist, und dass dann in recht merkwürdiger Weise von Max Heindel eine Form gefunden worden ist, die «zeitgemäß ist ... etc. ...» (siehe oben). Dann ist der betreffende Herr weggegangen und hat seinerseits aus Vorträgen von mir etwas zusammengestückelt und es vorgebracht als ein Neues.

Wir erfahren recht sonderbare Dinge. Unsere Arbeit wird auf der einen Seite hier als plutokratisch, als autokratisch und als einseitig dargestellt, und in der Ätheratmosphäre Kaliforniens wird sie als gereift, gewandelt weitergegeben. Vielleicht tritt sogar noch einmal der Fall ein, dass man einfach Max Heindel ins Deutsche übersetzt, und dann gegen mich zu Felde zieht mit Dingen, die von mir selber sind. ... Deshalb bitte ich, die Dinge, etwas näher zu betrachten.

Es ist wirklich ein Martyrium gewesen, in der Theosophischen Gesellschaft zu arbeiten, und es ist auch recht schwierig, zu arbeiten, wenn die Mitarbeiter nicht Anteil nehmen an dem, was geschieht. Es ist dann recht schwierig, die Sache vorwärtszubringen.

Es muss schon einmal betont werden, dass wir ja vor der Tatsache standen, aus spirituellen Reinlichkeitsgründen eine Bewegung nicht mitmachen zu können, wie etwa die Krishnamurti-Bewegung. Und den Stern des Ostens» muss man schon so betrachten, dass da ein kleiner Junge als Vorstand dieses «Sternes des Ostens figuriert, wir uns, wenn wir mit diesem «Stern des Ostens etwas zu tun haben wollten, an der gegenwärtigen Geistesströmung unserer Zeit versündigen würden. Der Vater der beiden Jungen hat einen Prozess gegen Misses Besant angestrengt, um seine Söhne wieder zu bekommen. Derjenige, der weiß, um welche Dinge es sich handelt, und der aus seinem Wahrheitsgefühl heraus nichts zu tun haben darf mit dem, was sich betitelt ‹Stern des Ostens›, der darf auch einfach sagen in einem solchen Falle: Es werden unsinnige Forderungen direkt zu unmöglichen Forderungen. Denn ich möchte kennen den Menschen, der ohne Verblendung die ganze KrishnamurtiAffäre ernsthaft geprüft hat, und dann noch Mitglied dieses Stern des Ostens sein kann. Dass man diesen Bund dulden könne in einer Wahrheit suchenden Gesellschaft, ist unmöglich. Unmöglich ist aber auch, wenn man in diesem Falle noch spricht von Toleranz oder Ähnlichem.

Wenn es uns auch auf der einen Seite den tiefsten Schmerz bereitet, dass wir nicht mehr innerhalb einer uns lieb gewordenen Gesellschaft arbeiten können, wahr ist, was auch die Welt sagen mag, das eine: Wir können nicht anders, als uns auf den Boden der Wahrheit stellen, gegenüber welcher Wahrheit es kein spielerisches Herumplänkeln, keine spielerischen Begriffe gibt. Darüber, dass jemand falsche Zitate gebraucht, dass zwei Briefe nicht zusammenstimmen, darüber gibt es nicht verschiedene Meinungen. Wer da noch davon spricht, man könne nicht entscheiden, der will sich nicht auf den Boden der Wahrheit stellen.

Wir werden, wenn wir vorwärtskommen wollen, dies nur tun können auf dem Boden ungeschminkter Wahrheit, und wir werden froh sein, dass man uns in Zukunft nimmermehr verwechseln wird können mit denjenigen, die objektive Unwahrheiten und allerlei Spielereien in die Welt setzen. Wir werden versuchen, vorwärtszukommen. Diejenigen, die sich so mit uns vereinigen werden, werden die Wege mit uns finden. Diejenigen aber, die leichten Herzens selbst heute noch die Möglichkeit finden, uns statt den anderen in Adyar zu sagen, die Dinge hätten so oder so gehalten werden können, denen kann nur gesagt werden, sie mögen zu Adyar halten. Wir aber wollen uns nur auf den Boden stellen, der schon charakterisiert worden ist als der Boden der Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Kein anderer kann es sein! Und wenn man beliebt, uns mit spielerischen Worten zu sagen, dass wir es verschuldet hätten, was nun gekommen ist, dann antworten wir mit gutem Gewissen mit den Worten, die wir zitieren dürfen: Hier stehen wir, wir haben nicht anders gekonnt, die Geister der Welt, die göttlichen Geister mögen uns helfen. Und damit mag es weitergehen.»

German original of The Eleventh General Assembly of the German Section of the Theosophical Society · ← Previous · Next →