The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913
GA 250 — Berlin
16. Jahresversammlung Der Theosophischen Gesellschaft 29. Und 30. Oktober 1904, Berlin
Bericht vermutlich von Rudolf Steiner in «Luzifer - Gnosis» Nr. 19/1904
Die Deutsche Sektion der «Theosophischen Gesellschaft» (Hauptquartier Adyar) hat am 29. und 30. Oktober ihre Jahresversammlung abgehalten. Es waren die deutschen Zweige zum Teil durch persönliche Abgesandte (Berlin, Charlottenburg, Köln, Weimar, Leipzig, Hamburg, München, Stuttgart) vertreten, zum Teil (Düsseldorf, Dresden, Hannover, Nürnberg) waren Stellvertreter ernannt worden. Neu gewählt in den Vorstand wurden: Fräulein Stinde (München), Herr Arenson (Cannstatt) und Herr Seiler (Berlin). Die Mitgliederzahl ist seit 1. Oktober 1903 von 130 auf 261 gestiegen. Einen besonderen Verhandlungsgegenstand bildete das Verhalten gegenüber den «theosophischen» Verbindungen Deutschlands, die noch nicht eingesehen haben, dass es unmöglich ist, dass Spaltungen und Gegensätzlichkeiten in einer auf das Prinzip der Bruderschaft begründeten Gesellschaft herrschen. Da diese Gesellschaften sämtlich nach der in Adyar begründeten Hauptgesellschaft entstanden sind, sind allein sie und nicht die Hauptgesellschaft für die Spaltungen verantwortlich. Es wurde nun beschlossen, sachlich ganz dem Prinzip der Brüderlichkeit entsprechend, diesen Gesellschaften gegenüber zu handeln, doch sich in keiner Weise an deren - wie immer gearteten - Organisationen zu beteiligen. Der Antrag, der von der Generalversammlung angenommen wurde, lautet: «Die Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft vom 30. Oktober 1904 beschließt, sich an keiner Unternehmung, die von anderen sogenannten theosophischen Gesellschaften ausgeht, zu beteiligen, und erachtet es als Pflicht jedes einzelnen Zweiges, in gleicher Art zu handeln. Alle Teilnahme kann also nur eine private der einzelnen Mitglieder sein.»
Dem Vorstande der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft gehören gegenwärtig an: Dr. Rudolf Steiner (General-Sekretär), Marie von Sivers (Berlin Motzstr. 17, Sekretär), Julius Engel (Charlottenburg), Richard Bresch (Leipzig), Bernhard Hubo (Hamburg), Helene Lübke (Weimar), Sophie Stinde (München), Ludwig Deinhard (München), Adolf Arenson (Cannstatt-Stuttgart), Mathilde Scholl (Köln), Franz Seiler (Berlin), Günther Wagner (Lugano), Adolf Kolbe (Hamburg).
Am 29. Oktober war eine freie Aussprache der Mitglieder. Am 30. Oktober von vier Uhr ab fanden Vorträge statt: I. Herr Richard Bresch (Leipzig) sprach anregend über: «Sollen wir der Jugend Theosophie lehren?» II. Dr. Rudolf Steiner hielt einen Vortrag «Über das Wesen des Hellsehens».