The History of the Anthroposophical Society 1913–1922
GA 251 — 5 June 1917, Berlin
24. Vom Ernst der Aufgabe
Jetzt nur ein paar Bemerkungen an das neulich Gesagte anknüpfend, weil ich fast fürchte, dass manches wiederum missverstanden werden könnte. Aus mancherlei Symptomen geht es hervor, dass manches missverstanden werden könnte. Denken Sie nur einmal daran, dass ja nicht geglaubt werden darf, dass ich verpöne oder mich irgendwie beschwere oder es auch nur unbegreiflich finde, wenn gegnerische Artikel gegen die Geisteswissenschaft erscheinen, die auf sachlichem Standpunkte stehen. Solche Artikel können ja selbstverständlich der Sache nichts schaden. Auch dasjenige, was der Hofrat Max Seiling geschrieben hat über die angeblichen Widersprüche, kann der Sache der Geisteswissenschaft nicht schaden; denn es kann sich ja jeder überzeugen aus der Literatur, um was es sich handelt. Darum kann es sich also nicht handeln, wenn ich von den Schäden der Gesellschaft spreche, dass etwa nun die Gesellschaft die Aufgabe haben könnte, von Gesellschaftswegen sich zu befassen mit demjenigen, was sachlich ist; das ist Sache des Einzelnen. Der Einzelne, der für die Geisteswissenschaft eintritt — sei es positiv, sei es polemisch —, der wird der Geisteswissenschaft als solcher einen großen Dienst erweisen können. Aber Geisteswissenschaft ist in dem Zusammenhang ganz gewiss nicht als solche Gesellschaftssache. Ich muss das schon sagen, denn sonst kommt wiederum die Lächerlichkeit heraus, dass man sagt: Es werden Versammlungen oder Besprechungen abgehalten, wie man begegnen soll den Angriffen auf Doktor Steiner.
Gewiss kann jeder, der will, über die Sache schreiben; das ist seine Sache. Aber das kann keine Gesellschaftssache sein. Es kann Sache des Einzelnen sein, aber nicht die Sache der Anthroposophischen Gesellschaft. Also, wenn zum Beispiel an einem Orte besondere Versammlungen abgehalten worden sind, und da ein Hauptthema das gebildet hat, was man tun solle gegen solche Angriffe, so haut das natürlich ganz daneben vorbei. Solche Angriffe, die sachlich sind - selbst wenn sie unsachlich sind -, sachlich sein wollen, denen muss auch literarisch begegnet werden, auf dem gewöhnlichen Wege, wie das überhaupt geschieht. Es handelt sich jetzt wirklich darum, dass nicht auf diesem Wege gesucht wird, der Geisteswissenschaft den Garaus zu machen, sondern dass durch Hineinziehen in erlogenen Skandal, in erlogene Verleumdungen und Verunglimpfungen gesucht wird, Geisteswissenschaft unmöglich zu machen, weil die Leute eben es zu unbequem finden, oder noch aus anderen Gründen, sich auf die Geisteswissenschaft selbst einzulassen. Da müssen sie sich selber damit befassen. Aber jemand, der Ihnen die dümmsten, phantastischsten Orgien erzählt -, dazu braucht man sich nicht auf die Geisteswissenschaft einzulassen. Aber bei der heutigen Menschheitsdisposition ist das etwas, wodurch man viel erreichen kann. Das ist aber etwas, was ziemlich zusammenhängt — vollbewusst sage ich das - mit demjenigen, was in der Anthroposophischen Gesellschaft, auch früher in der Theosophischen Gesellschaft, vielfach gespielt hat.
Sehen Sie, nach dem Abdrucken eines vom Anfang bis zum Ende erlogenen Artikels findet ein Redakteur es angemessen, davon zu sprechen, dass - was weiß ich - Verehrer oder Verchrerinnen von Doktor Steiner ja überall betonen, dass sie ihn für den wiedergekommenen Christus halten. Das ist nun nicht eine Sache, die an einem Ort bloß auftritt, sie tritt einem überall entgegen. Erst gestern ist sie uns wiederum entgegengetreten, und zwar in folgender Form: So, dass jemand behauptet, Zeugen aufbringen zu können, dass ich in einer Stadt einen öffentlichen Vortrag gehalten hätte, aus dem zu entnehmen wäre, ich hätte von wiederholten Verkörperungen des Christus gesprochen und hingewiesen darauf, dass ich selber Anspruch mache auf eine solche Verkörperung.
Aber, meine lieben Freunde, glauben Sie nicht, dass dieses nicht mit gewissen sumpfigen Dingen in der Entwicklung unserer Gesellschaft schon zusammenhängt. Diejenigen Freunde, die die Dinge mit Verstand beobachten, die werden gefunden haben, dass ich von einem bestimmten Zeitpunkt, der sehr früh lag, angefangen hatte, mit ganz voller Entschiedenheit zu behaupten, immer wieder und wiederum zu betonen, dass das Christus-Ereignis ein einmaliges ist, und das — ich habe es betont darum, weil sich schon sehr früh, wie ich wohl wusste, unter uns Koterien gebildet haben, die dieses, ja, man kann nicht einmal sagen Märchen, sondern diesen Blödsinn verbreitet haben, dass er überall hingedrungen ist, Jetzt tritt er auf. Glauben Sie, ich kenne nicht diejenigen, die 1905, 1906, 1907 schon mit allerlei Inkarnationsgedanken gespielt haben, die den Blödsinn damals getrieben haben, und damit verbunden hatten dasjenige, was - ich kann es gar nicht einmal, weil es so abgeschmacktes Zeug ist, wiederholen. Nicht bloß erst wie der Alcyone-Schwindel aufgetaucht ist, sprach ich von der Unmöglichkeit der wiederholten Christus-Inkarnationen, um dem zu begegnen, was hier in dieser Gesellschaft gespielt hat. Das trat schon sehr früh auf, dass eine kleine Gruppe, kleine Koterien sich bildeten, von denen ein jeder das oder jenes gewesen sein will, und selbstverständlich, wenn einer der Täufer sein will, so braucht er das andere Komplementärstück, weil die wieder miteinander auftreten müssen. Solche Johannes der Täufer, Apostel Johannes - die sind ja nur so herumgelaufen, nicht wahr.
Viel hängt auch damit zusammen, dass man eine egoistische Freude, eine typisch-egoistische Freude hat, wenn man jemandem sagen kann: Das ist Geheimnis! Das darf ich dir nicht sagen! Das ist nur im engsten Kreise! - Mit all diesen Dingen hängt viel zusammen. Diese Dinge sind nun genügend getrieben worden; diese Dinge haben in den Tratsch und Klatsch hineingeführt, der üppig gewuchert hat. Nicht um demjenigen zu begegnen, habe ich neulich gesprochen, was scheinbar oder wirklich sachlich auf die Dinge eingeht, sondern von dem, was droht, die Gesellschaft in Klatsch und Tratsch, in Verleumdung und Verunglimpfung versinken zu lassen, weil dadurch Geisteswissenschaft mit in Klatsch und Tratsch hineingezogen werden kann.
Und das, was Gesellschaftssache ist, das ist dasjenige, was dazu geführt hat, dass die Maßregeln ergriffen werden mussten. Glauben Sie, dass zu solchen Maßregeln, die jetzt ergriffen werden mussten, das geführt hat, dass Artikel, die den einen oder anderen Satz anfechten, erschienen sind? Nein, das nicht! Aber man kann gerade bei dem, was seit einiger Zeit erscheint, wenn man Beobachtungsvermögen hat, überall die verschränkten Wege suchen. - Begonnen hat ja das, wie einige von Ihnen noch wissen werden, mit einem gemeinen Artikel, der in der «Deutschen Tageszeitung» erschienen ist, der eigentlich nach einer ganz bestimmten Weise hin zugespitzten Tratsch und Klatsch enthielt. Seit jener Zeit ist gerade gegen den Klatsch und Tratsch niemals ein Protest in der Anthroposophischen Gesellschaft erhoben worden, sondern man hat gemeint — wie ich ja überhaupt betone, dass in der Regel geschieht das Entgegengesetzte von dem, was ich meine; man hat mich immer missverstanden. Als ob ich glaube, dass dies oder jenes, was scheinbar oder wirklich sachlich eingewendet wird gegen Geisteswissenschaft, von der Gesellschaft behandelt werden müsste. Das kann gewiss von Mitgliedern behauptet werden, aber das ist eine Sache für sich. Aber wir können die Gesellschaft nicht fortführen, wenn solche Sumpfblüten aufsteigen, wie sie jetzt aufsteigen; wir können es unmöglich. Es werden alle möglichen Dinge gesucht nach der einen oder anderen Seite hin, die gar nichts zu tun haben mit Geisteswissenschaft, die eben davon abhängen - nun, wenn man eine Gesellschaft hat, so kommt es so, dass jeder, der in der Gesellschaft ist, [egal] ob er den größten Kohl vertritt, gehört er der Gesellschaft an. So sagt man dazu: Das ist die Gesellschaft, die Doktor Steiner vertritt! Der ist verantwortlich für all den Kohl, der herausgetragen wird. Und was ist das alles für Kohl! Da gehen die Leute zum Arzt und sie erklären dem Arzt ohne jede Nötigung dazu: Ja, der Doktor Steiner weiß das alles besser als Sie; er weiß die Krankheiten aus dem Geiste heraus zu finden.
Das ist doch selbstverständlich, dass diese Dinge, die sich häufen, die immer da sind in der einen oder anderen Form, unmöglich machen, dass die Gesellschaft in der bestehenden Form weiter besteht. Abgesehen von manch anderen Dingen, die die Sache unmöglich machen, die namentlich es dahin bringen, dass es kaum irgendeine Frechheit gibt, der wir gerade nicht im Laufe der Zeit ausgesetzt waren. Vor allen Dingen fasst jeder seine Mitgliedschaft so auf, dass er nach seinem Bedürfnis uns ausschimpfen kann, womöglich brieflich oder auf irgendeine andere Weise. Uns ist nicht irgendwie eine unberechtigte Frechheit erspart geblieben im Laufe der Zeit.
Nun, nicht wahr, unberechtigte Frechheiten, man braucht sich nicht aufzuregen darüber, sachlich kann man sie hinnehmen, sie schaden einem selber nichts; aber die Dinge, die spielen ja dann als Tatsachen. Der Betreffende, der eine Frechheit schreibt, vertritt das ja nach allen Seiten hin; aus der Frechheit wird Verlogenheit, wird eine Lüge, und dann führt sie eben in Tratsch und Klatsch. Deshalb ist es so notwendig, immer wieder und wiederum auf das sachliche Urteil hinzuweisen.
Muss man denn alles überhitzen? Muss man denn durchaus immerfort alles in irgendein falsches Licht stellen? Die Dinge auf dem physischen Plan sind doch nicht so, dass man sie in jedem einzelnen Glied, in jeder einzelnen kleinen Phase vergöttlichen kann. Und kann man denn nicht, wo es sich darum handelt, als eine Gesellschaftssache dasjenige betonen, was oft und oft gesagt worden ist, zu dem Zwecke gesagt worden ist, damit dasjenige, was unsere Gesellschaft sein soll, wirklich sich einmal unterscheiden lernt von all den grässlichen sektiererischen Gesellschaften, mit denen sie immer wieder und wiederum verwechselt wird. Aber was geschieht alles?
Bitte, nehmen Sie sich einmal den ganzen Stoß Zyklen - ich will von den Büchern gar nicht sprechen -, nehmen Sie die Zyklen vor, die gehaltenen Vorträge, und bitte schauen Sie darin nach, wie viel darinnen steht über die rein physische Ernährungsfrage: Was man essen oder trinken soll, was man nicht essen oder trinken soll; bitte sehen Sie nach, was drinnen steht! Dann fragen Sie nach, wie viele Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft überall verbreiten: Doktor Steiner hat gesagt, das soll man nicht essen - weiß ich was -, Wurzeln soll man nicht essen, das nicht und das nicht. - Lauter Dinge, durch die die Gesellschaft lächerlich wird! Aber man richtet es so ein, dass nicht die Gesellschaft bloß lächerlich wird, sondern immer ich mit lächerlich werde; das ist die Technik, die man befolgt.
Es kommt darauf an, aus welchem Geiste die Dinge gemacht werden, denn nach diesem Geiste werden sie dann auch getrieben. Und diesen Geist, den kann ich aus anderen Symptomen heraus beobachten. Es ist geradezu unglaublich, wenn ich das überschaue, was mir aus dem Kreise der Mitglieder an allerlei Dreck zugeschickt wird. Wenn irgendeiner einen Blödsinn entdeckt, dass man Kartoffeln spalten und auf Warzen legen soll, um sie zu heilen, dann findet sich ein Mitglied, das fragt an, ob das richtig ist oder nicht, oder was man bei einer solchen Sache machen solle oder dergleichen. Aus diesem Geiste geht auch das hervor, dass man nach der anderen Seite, nach außen hin, Anthroposophie in die Lage bringt, als ob sie darin bestände, den Mitgliedern zu sagen, ob sie Kaffee trinken, ob sie Senf und Paprika nehmen, Käse essen sollen und dergleichen. Ich bitte Sie, nehmen Sie durch einmal den ganzen Pack von Zyklen, ob sie da irgendetwas von den Sachen finden! Wer also überhaupt, auch mit der besten Absicht, diese Dinge so vertritt, wie sie vertreten werden, und daraus Geschichten macht, die scheinbar im Namen der Gesellschaft gemacht sind, der fälscht dasjenige, um was es sich hier handelt, in der schlimmsten Weise.
Ich weiß selbstverständlich, wie viele, viele, hoffentlich die Mehrzahl der Mitglieder ganz mit mir fühlen, aber Urteil zu haben über die Dinge, das ist es, worauf es ankommt. Hat man eine Gesellschaft, so muss man doch bedenken: Jeder ist Mitglied dieser Gesellschaft; aber muss einen das blind machen gegen die Qualitäten der Gesellschaft? Ist es notwendig, dass einen das blind macht gegen die Qualitäten der Gesellschaft? Nicht wahr, man kann manchmal umgehen müssen mit einem Menschen, man soll auch mit ihm umgehen, man kann ihm vielleicht manches Gute durch den Umgang erweisen. Braucht man aber dann blind zu sein gegenüber dem Menschen? Kann man nicht mit sehenden Augen neben einem Menschen einhergehen? Muss man sich selber vor sich selber rechtfertigen, wenn man mit einem Menschen befreundet ist, dass der ein hohes Ich ist oder gar eine furchtbar große Inkarnation oder dergleichen?
Ich rede von lauter konkreten Dingen, die vorgekommen sind. Wirklich, vieles würde hintangehalten, wenn man sich bequemen würde zum Urteilen. So kann es natürlich vorkommen, wenn Gesinnungen sich in unserer Gesellschaft entwickeln, dass ich mich nicht retten kann, wenn immer eine bestimmte Persönlichkeit, wenn ich auf eine Reise ging, sich auch ein Billett kaufte und selbstverständlich sich in das Coupe hineinsetzte, wo ich mich hineinsetzte. Das ist etwas, was ich nicht verhindern kann. Ich kann keinem Fahrgast verbieten, sich zu mir ins Coupe zu setzen, sonst müsste ich ja alle Fahrkarten aufkaufen. — Das ist unschädlich; aber wenn dann die Leute aus dem Kreise der Anthroposophischen Gesellschaft kommen und die betreffende Persönlichkeit, weil sie sich immer in mein Coupe setzt und mitreist, für eine hohe Eingeweihte halten, das heißt für eine besonders hoch entwickelte Persönlichkeit, dann beginnt der Schaden, jemanden für etwas zu halten. Darauf kommt es eben an, dass man sich erst sein Urteil gebildet hat.
Ich will wahrhaftig nicht immer «bezen» über diese Dinge; aber so, wie diese Dinge jetzt aus allen «Klunsen» herauskommen, wie wir wirklich keine Reise machen können und sehen an allen Orten, wie weit die Leute mit den heiligsten Dingen gehen. Selbstverständlich habe ich nie an dem Orte im entferntesten von aufeinanderfolgenden Inkarnationen des Christus gesprochen, am wenigsten aber bemerklich gemacht, dass ich selber diese Inkarnation sei, wie das 1904, 1905, 1906, 1907 immerfort in die Welt hinaus nicht trompetet, aber getuschelt worden ist, das ist gerade das Schlimme, das trägt heute seine Früchte.
Aber hier handelt es sich um einen Menschen, der das gehört haben will, denn er behauptet, er saß bei dem Vortrag und könne auch andere aufweisen, die es auch gehört haben. Also so weit gehen die Dinge, dass man Dinge hört, die unmöglich jemals gesagt worden sind. Aber glauben Sie etwa, meine lieben Freunde, nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, dass ich ganz sicher mir zu sein getraute, wenn jemand sagen würde: Ja, es war damals jemand, der nachgeschrieben hat, der hat mir die Nachschrift gegeben, da kann ich das nachweisen! - Glauben Sie, ich würde behaupten, es kann eine solche Nachschrift nicht geben? Ich will sogar glauben nach all dem Unsinn, der in Nachschriften verbreitet worden ist, dass auch das in den Nachschriften drinnen stehen kann.
Gerade so, meine lieben Freunde, wie solcher Unsinn, solch lächerlicher Unsinn in so gehässiger Weise überhaupt wirklich noch nicht geschrieben worden ist, wie jetzt gegen uns geschrieben wird, so muss man auch sagen: Es musste die Anthroposophische Gesellschaft gegründet werden, um solche Dinge zutage zu fördern, die eigentlich auf keinem anderen Boden möglich wären. Trotzdem viele, die solche Dinge betreiben, nach dem Stande ihres Bewusstseins voll davon überzeugt sind, dass es ihnen gar nicht eingefallen ist, jemals an solchen Dingen sich zu beteiligen. Sie wissen es gar nicht vielleicht, die, die es machen.
Nur unter solchen Verhältnissen ist es möglich geworden, dass man heute vor dem Resultat steht, das sich ergibt unter anderem —, ich will nur das Glimpflichste erwähnen: Doktor Steiner hat über das Lazarus-Wunder gesprochen, wie der Mensch verwandelt werden kann. Und dann wird gezeigt, dass er das Lazarus-Wunder auch in einem speziellen Fall habe mit einem Mitgliede durchführen wollen. Das Mitglied fühlte, dass mit ihr das Wunder vollzogen werden sollte. Der Weg war der, dass Frau Doktor Steiner, als die betreffende Persönlichkeit in einer Heilanstalt war, es war im Kriege, geschickt hat Schokoladenplätzchen «zur Verdickung des Blutes». Dadurch also, dass Schokoladenplätzchen geschickt worden sind in die Heilanstalt, wie die Betreffende selber sagt «zur Verdickung des Blutes».
Frau Doktor Steiner hat sie natürlich nur geschickt zum Essen. Wenn sie nicht gerade an einem Konditor vorbeigegangen wäre, sondern an einem Apfelsinen- und Apfelladen, so hatte sie vielleicht Apfelsinen oder Äpfel geschickt, aber sie hat Schokoladenplätzchen geschickt. Zu diesem Satz macht der Redakteur die Anmerkung: «Von solchen okkulten Übungen kann selbst ein Gesunder ins Irrenhaus kommen!» — Sie lachen -, aber gerade darauf kommt es bei den Leuten an, was ich neulich sagte: Dinge zu verbreiten, die so sind, dass sie auf der einen Seite den Gipfel der Lächerlichkeit, auf der anderen Seite den Gipfel der Gehässigkeit erreichen. Und in diesen Dingen liegt nur das, was wirklich nachweisbar, wenn man real forschend vorgeht, aus all dem hervorgegangen ist, dass sich kleine Koterien, dass sich kleine Zirkel gebildet haben, manchmal waren es nur drei oder vier. Die haben dann herausgefunden, wo sie früher schon zusammen waren. Aber immer in diesen Inkarnationen kamen sie in bedenkliche Nähe zu dem - nun eben um meine Persönlichkeit herum waren. Es hat sich eben summiert im Laufe der Zeit. Es ist eine Aura entstanden, keine schöne. Dieses Spielerische —, wenn man nur wenig daran gedacht hätte an den Ernst, der alles dasjenige durchsetzen will, was eigentlich die Geisteswissenschaft sein will: Es hätte nie dahin kommen können.
Aber wo einmal die Bestrebung aufgetreten ist, meine lieben Freunde, in ernster Weise anzuknüpfen an die Kulturbewegung der Menschheit überhaupt, da war die Gesellschaft in der Regel nicht ein richtiges Instrument dazu. Ich habe einmal über die ersten Versuche dieses oder jenes Malers oder Bildhauers gesprochen und versucht[, diese] zu zeigen. Man hätte es gerne, wenn man sich interessierte für etwas, was, wenn auch erst am Anfang auftritt, — nun ja, schandenhalber hat man das in Vortragssälen aufgehängt, und die Leute gingen so daran vorüber; aber alle solche Bestrebungen, die wurden wie gar nichts geachtet. Ein Boykott alles desjenigen, was nicht Dilettantismus ist, das ist schon auch Ingredienz der Anthroposophischen Gesellschaft, das einem schwer auf der Seele liegt.
Dagegen, wenn man so in die einzelnen Zweige kam, überall klebten selbstverständlich die sieben roten «Patzen» über dem schwarzen Kreuz! Ob Kunstwerk oder nicht, darauf kommt es nicht an! Sondern das Hässlichste und Unkünstlerischeste war dasjenige, was das Tiefste war. Und als ich einmal in Dornach davon gesprochen habe, wie das große Problem, wenn man von einem solchen reden kann, bei Dürers «Hieronymus», namentlich aber bei der «Melancholie» liegt in der Auffassung des Helldunkels, in der ganzen Raumanordnung, und wie ich versuchte, das in die Entwicklung hineinzustellen, da wir dazumal in der Lage waren, das Bild zu zeigen als Lichtbild, und man gerade diese Seite des Dürer-Bildes besprechen könne, da tat sich plötzlich eine Stimme auf, die das ganz botokudisch fand, selbstverständlich, dass ich in dem eigentlich künstlerischen Problem das Wichtige sah: Kann man nichts Tieferes darin sehen? - Er meinte, dass man anfangen müsse, zu erklären nach dem Muster, wie einmal geschehen - nun ja, da haben wir aufgeführt etwas, und da kam einer und fragte: Welche Person ist Atma, welche ist Buddhi, welche ist Geistselbst? Alles sollte so ein abstraktes Symbol sein.
Das führt natürlich schon in das Sachliche, aber ich musste das auch erwähnen aus dem Grunde, weil diese Verirrungen im Sachlichen das Mittelstück bilden; denn sie führen schon auf der anderen Seite in den Abgrund desjenigen hinein, was doch sich darstellt als eine Liebe zum Nebulosen, die dann nicht mehr weit entfernt ist von allem möglichen subjektiven Schwindel, und der nicht mehr weit entfernt ist von der objektiven Unwahrheit.
Aber heute kommt es darauf an, dass man nicht Gesellschaftsangelegenheiten - diejenigen, um die es sich handelt, sind gar sehr Gesellschaftsangelegenheiten — nicht etwa verwechselt mit den Angelegenheiten der Geisteswissenschaft, die etwas ganz anderes sind. Denn sonst könnte man zu der absurden Idee kommen, auf die auch schon jemand gekommen ist, ein Presse-Komitee einzusetzen, dem vorzulegen hätte derjenige, der etwas schreiben will, namentlich Gegenangriffe etwa schreiben will oder Angriffe machen will, dass dieses Komitee zu entscheiden hätte. Meine lieben Freunde, erstens glaube ich, dass sich der Seiling, wenn es ein solches Komitee gegeben hätte, kaum dazu bequemt hätte, hinzugehen und zu fragen, ob er seine Artikel schreiben darf. Und die anderen auch nicht. Wenn man es ihnen verbieten würde, so würden sie höchstens austreten. Das ist das Zweite. Das Dritte ist, dass die Sache überhaupt ein Unfug wäre.