The History of the Anthroposophical Society 1913–1922
GA 251 — 21 May 1922, Berlin
39. Zur Charakteristik der Gegenwart
Meine lieben Freunde!
Bevor ich zu meinem Vortrage komme, habe ich die Mitteilung zu machen, dass unsere liebe Freundin Nelly Lichtenberg den physischen Plan verlassen hat. Die jüngeren Freunde werden sie ja vielleicht auch aus ihrer Teilnahme an unseren Veranstaltungen kennen, aber die älteren Teilnehmer kennen sie sehr gut und haben sie gewiss tief in ihr Herz geschlossen - ebenso wie ihre in Trauer zurückgebliebene Mutter.
Nelly Lichtenberg, die zuletzt noch in Stuttgart ihre Gesundung gesucht hat, hat dort vor einigen Tagen den physischen Plan verlassen. Sie und ihre Mutter, die dort zu ihrer Pflege war, gehörten ja seit dem Beginne unserer anthroposophischen Bewegung dieser an. Und, wenn ich in wenigen Worten ausdrücken will, was vielleicht gerade die Verstorbene, von dem physischen Plan Hinweggegangene - und auch ihre Mutter selbst - in meinen Augen am besten charakterisiert, so möchte ich sagen: Gegenüber der anthroposophischen Bewegung bestanden ihre Seelen aus lauterer Treue, aus lauterer tiefer Hingegebenheit an die Sache. Wir alle haben zu schätzen gewusst, als unsere Bewegung hier in Berlin noch außerordentlich klein war, mit welcher innigen Treue und mit welchem tiefen Herzensverständnis die beiden an der Bewegung hingen und an der Entwicklung der Bewegung teilnahmen. Die Baronesse Nelly Lichtenberg trug diese treue Seele in einem Körper, der ja außerordentliche Schwierigkeiten für das äußere Leben bereitete. Aber diese Seele fand sich eigentlich mit allem in einer wunderbaren Duldergesinnung zurecht, einer Duldergesinnung, die sich verband mit einer gewissen inneren beseeligten Freudigkeit im Aufnehmen des Spirituellen. Und diese Duldergesinnung, verbunden mit dieser inneren Freudigkeit, durchwärmt von einer Zuversicht für das seelische Leben, auf welchem Plane immer sich in der Zukunft dieses seelische Leben entfalten möge, das alles traf man bei der nunmehr Verstorbenen auch an ihrem letzten Krankenlager in Stuttgart, wo ich sie durchaus in dieser Seelenstimmung und Seelenverfassung bei meinen letzten Besuchen gefunden habe. Es ist ja Ihnen allen klar, dass derjenige, der irgendwie mitwirken kann zur Gesundung eines Menschen, alles tun muss, um diese Gesundung nach seinen Kräften herbeizuführen; aber Sie wissen ja auch alle, wie das Karma wirkt, und wie es zuweilen eben unmöglich ist, eine solche Gesundung herbeizuführen. Es war gewissermaßen durchaus schmerzlich, nur in die Zukunft zu sehen, wenn man die Leidende in den letzten Wochen vor sich hatte. Aber über alles das führte ihre auch für die geistige Welt so außerordentlich hoffnungsvolle Seele sie selbst und die, welche mit ihr auch in den letzten Zeiten zu tun hatten, hinweg. Und so darf man sagen, dass gerade in der mit ihr von dem physischen Plan hinweggegangenen Seele eine solche hier auf Erden lebte, welche Anthroposophie in wahrem Sinne des Wortes aufgenommen hatte — so aufgenommen hatte, dass diese Anthroposophie nicht bloß eine theoretische Weltanschauung, eine Verstandesbefriedigung oder auch eine leichte Empfindungsbefriedigung war, sondern der ganze Inhalt ihres Lebens, die Gewissheit ihres Daseins war. Und mit diesem Inhalt ihres Lebens und mit dieser Gewissheit ihres Seelendaseins ist sie ja auch von diesem physischen Plan hinweggegangen. An uns ist es, namentlich an denjenigen, die so viele von den Stunden hier im physischen Dasein, die der Mensch zuzubringen hat, mit ihr im gleichen geistigen Streben durchgemacht haben — an uns ist es, unsere Gedanken zu ihrem Seelendasein hin zu richten. Und das wollen wir denn treulich tun! Sie soll oft in der Fortsetzung ihres Daseins in einem anderen Gebiete unsere Gedanken durch unseren Willen mit ihren Gedanken vereinigt finden, und sie wird immer, auch in ihrem ferneren Seelendasein, ein treuer Mitgenosse unseres geistigen Strebens sein. Dessen können wir gewiss sein. Und dass wir ihr dieses versprechen, dass wir unsere Gedanken kraftvoll zu ihr hinlenken wollen, zum Zeichen dessen, um sie zu ehren, wollen wir uns von unseren Sitzen erheben.
Meine lieben Freunde!
Im ersten Teile meines heutigen Vortrages, den ich zu meiner tiefen Befriedigung im Verlaufe meiner Reise wieder zu Ihnen sprechen darf, möchte ich einiges vorbringen, das vielleicht doch einmal auch besprochen werden muss, vorbringen über die ja von vielen von Ihnen empfundene - und zwar mehr oder weniger zustimmend, aber auch von manchen ablehnend -, empfundene Wandelung innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung.
Ich spreche von einer solchen Wandelung und denke dabei, dass ja von dieser Wandelung die meisten von uns ein Gefühl haben. Ich will nur kurz einiges von dieser Wandelung charakterisieren, denn ich will ja nicht lange über die Sache sprechen.
Die älteren unserer lieben Mitglieder sehen zurück auf diejenigen Zeiten, wo in kleinem Kreise — wenigsten in kleinerem Kreise, als er jetzt ist - Anthroposophie gepflegt wurde, bloß, ich möchte sagen, in derjenigen Art, wie es eben kleinen Kreisen angemessen ist, die ein gewisses Erkenntnisbedürfnis mit einem religiösen Bedürfnis verbinden, heute nach gewissen Anschauungen über die geistige Welt zu streben. Wir haben ja — und es ist das auch in Berlin jetzt gut zwei Jahrzehnte her - immer wieder und wieder versucht, dasjenige, was aus den heutigen Bedingungen der höheren Welten an Erkenntnissen des geistigen Lebens - auf den ersten Grundlagen, die vor Jahren gegeben werden konnten — zu gewinnen ist, immer wieder und wieder esoterisch zu vertiefen. Und in der Richtung dieser esoterischen Vertiefung haben ja sehr viele von unseren lieben älteren Mitgliedern ihre tiefe Befriedigung gefunden. Man darf sagen: Allmählich hat eine Art Esoterik durchaus in alledem gelebt, was selbst in die mehr öffentlichen Vorträge übergegangen ist. In Bezug auf diese Esoterik, zu der wir es gebracht haben, müssen wir durchaus, wenn wir unser Zweigleben betrachten, sagen: Sie ist uns nicht verloren gegangen. Diese Esoterik bildet die Grundlage gerade alles Zweiglebens, und sie ist fortgepflegt worden in den Zweigen, so gut es eben geht.
Es scheint mir, als ob es unberechtigt wäre, wenn ältere Mitglieder sich unbefriedigt fühlen gegenüber dem Fortgange und der Wandelung der anthroposophischen Bewegung, weil zu der eigentlichen esoterischen Bewegung von früher - zu dem, was einen ausgesprochen esoterischen Charakter trug —, noch etwas anderes hinzugekommen ist. Es ist ja nur hinzugekommen, es hat es nicht ersetzt. Die Esoterik ist, wir dürfen das sagen, nicht ausgestorben, nur ist in das anthroposophische Leben natürlich hereingekommen ein weiteres, anderes Element. Um zu diesem weiteren, anderen Element eine richtige Stellung zu gewinnen - ganz gleichgültig, ob wir in ihm etwas sehen, was wir mehr oder weniger annehmen oder ablehnen -, müssen wir sagen: Wir haben es nicht gesucht, es hat mehr oder weniger uns gesucht. Das müssen wir uns schon vor die Seele rücken. Und ebenso, wie wir mit inniger, selbstverständlicher Liebe hinschauen auf unser esoterisches Element in der anthroposophischen Bewegung, so dürfen wir uns, wenn es sich darum handelt, dieses andere Element zu unserer Esoterik in Beziehung zu bringen, auf der anderen Seite nicht der klaren Einsicht darüber verschließen, was in der letzten Zeit sehr stark eingetreten ist in die anthroposophische Bewegung und sich neben das Esoterische hingestellt hat. Erinnern Sie sich doch, namentlich sage ich das zu den älteren unserer lieben Mitglieder, von welch kleinen Kreisen wir überall ausgegangen sind. Zunächst war allerdings auch die Verbreitung, die unsere anthroposophische Bewegung genommen hat, von einem esoterischen Charakter getragen. Man darf sagen: Als Anthroposophie ausgebreitet wurde auf den Wegen, die zuerst für die breitere Öffentlichkeit da waren durch die Zeitschrift «Lucifer - Gnosis», da war auch diese Ausbreitung mit einem esoterischen Charakter behaftet. Esoterische Wahrheiten drangen zu denjenigen, die von ihnen Kenntnis nehmen wollten. Gewiss, man muss dasjenige fühlen, was in dem damaligen esoterischen Wollen lag. Aber aus der Esoterik löste sich allmählich etwas los, was zunächst im Grunde genommen gar nicht innerhalb unserer eigenen Handhabung lag. Die Sache ging zuerst, man möchte sagen, einen eigenen Weg, und innerhalb unserer Reihen wurde die Esoterik weitergetrieben, die dann sich abschattete in den öffentlichen Vorträgen, die gehalten wurden. Es bildete sich dasjenige aus, was dann in einem mehr oder weniger - wir dürfen sagen - «fertigen Zustande» da war und etwas von uns haben wollte. Es war noch nicht da in der Zeit, die der Kriegskatastrophe voranging; es war damals erst in den allerersten Spuren in den allerersten Anfängen vorhanden. Aber es war schon sehr stark vorhanden, als dann die Kriegskatastrophe in jenes Stadium eintrat, das etwa 1918 da war. Da war sozusagen etwas da, das ohne unsere unmittelbare Anteilnahme entstanden war, und es trat uns als etwas Fertiges entgegen. Und wenn ich auch nur mit demjenigen Grade von Genauigkeit charakterisieren kann, der einer kurzen, skizzenhaften Charakteristik angemessen sein kann, so muss ich sagen: In die verschiedensten Kreise der Welt, namentlich auch in wissenschaftliche Kreise, war Anthroposophie eingedrungen, sie war in ihnen, bekannt geworden, war beurteilt worden, und man forderte von der Anthroposophie die «wissenschaftliche Rechtfertigung». Mit dieser Erscheinung, dass durch die anthroposophische Literatur einfach etwas da war, was Forderungen aufstellte, denen gegenüber man zurechtkommen musste, war zugleich etwas anderes da: Es war eine Anzahl jüngerer Wissenschafter da, zum Teil auch älterer, die sich ganz ernsthaft von ihrem wissenschaftlichen Denkerstandpunkte aus mit der Anthroposophie auseinandersetzten und von den verschiedensten Seiten her gewissen Partien der Welterkenntnis einen anthroposophischen Charakter gaben. Daher kann man sagen: Man ist gar nicht in der Lage, etwa die Frage zu beantworten: Ist es nun sympathisch oder unsympathisch, dass zu der älteren, esoterischen Art die neuere, von manchen als vielleicht «zu» wissenschaftlich empfundene Strömung hinzutrat, und dass gerade diese Strömung, namentlich auch durch die Herausforderung der Gegner, einen immer mehr und mehr breiten, öffentlichen Charakter angenommen hat. Wir können nicht mit Sympathien und Antipathien das, was da wirklich von außen an uns herangestürmt ist, betrachten, weil es gar nicht von uns abhing, dass es einmal mehr oder weniger fertig dastand. Wir können nur sagen: Die Notwendigkeit trat auf, einfach in das wissenschaftliche Leben auch der Gegenwart die Anthroposophie hineinzustellen, die durchaus hineingestellt werden kann, die überall das höchste wissenschaftliche Leben der Gegenwart befruchten und weiterführen kann — weiterführen kann zu denjenigen Zielen, zu denen es weitergeführt werden muss.
Aus solchen Untergründen heraus ist es gekommen, dass es vielleicht manchem älteren Mitglied, das gewohnt war, jede Woche den Zweig zu besuchen, dort mehr oder weniger esoterisch Geartetes zu hören, wie es dann in unsere Zyklen übergegangen ist, es auch zu hören in derjenigen Sprache, die noch nicht überall von Wissenschaftlichkeit durchdrungen ist — trotzdem sie eine haltbarere Sprache als die wissenschaftliche ist, ich will das in Parenthese hier einfügen -, manchem von den älteren Mitgliedern, die zwar gewohnt waren, in den öffentlichen Vorträgen in etwas anderer Sprache das zu hören, was sie in den Zweigen hörten, aber doch in einer Sprache, die außerordentlich bekannt an die Herzen und Seelen heranklang aus dem Grunde, weil das, was da gegeben wurde, nur eine Art mehr exoterischer Fortsetzung des in den Zweigen Getriebenen war -, manchem von diesen älteren Mitgliedern hat es doch dann geschienen, wenn sie da oder dort hingekommen sind, wenn auch dort Vorträge über Anthroposophie und vielleicht sogar Kongresse oder Kurse abgehalten worden sind, dass Anthroposophie nicht mehr so klinge, wie sie vor Jahren geklungen hat. Denn während vor Jahren mehr die geistige Substanz in demjenigen gelebt hat, was durch das Wort ausgesprochen worden ist, jene geistige Substanz, die durch ihre geistige Kraft sich unmittelbar in die Seelen senkt, trat jetzt etwas auf, was bei jedem Schritt wissenschaftlich zu «beweisen» sucht, Einwände zu widerlegen sucht, was bei jedem Schritt den Faden einer streng geschürzten Logik einhält, was auch bei jedem Schritt das vorbrachte, was aus den wissenschaftlichen Errungenschaften der Gegenwart Hindeutungen gab auf das, was durch Anthroposophie gerade im wissenschaftlichen Sinne gesucht wird. Aber dies alles war doch - ich meine es gar nicht böse - denjenigen herzlich gleichgültig, die in früheren Jahren ihre Sehnsucht hingetragen haben zu den mehr geistig-substanziell gestalteten Worten. So kam es, dass in manchen der älteren Mitglieder die Empfindung lebte: Ja, was wir da jetzt hören, das suchen wir eigentlich nicht. Das, was wir oftmals gehört haben, das drang unmittelbar in unsere Seelen ein; jetzt wird alles mit tausenderlei Gründen belegt, jetzt wird alles so vorgebracht, wie es eigentlich die gelehrten, die studierten Leute brauchen - und nicht wir!
Unberechtigt ist das doch in einem gewissen Sinne, denn das Zweigleben ging ja weiter, und das Esoterische lebte neben dem, was in solcher wissenschaftlichen Schürzung auftrat. Und darauf, dass es einfach eine Zeitnotwendigkeit ist, dass wir einfach nicht anders können, als Anthroposophie wissenschaftlich zu befestigen, dass sie nun etwas von Wissenschaftern Aufgenommenes und auch von Wissenschaftern Angefordertes wurde, darauf sahen eben nicht alle. So entstand denn jene heutige Lage, die eigentlich mehr in den seelischen Empfindungen unserer lieben Mitgliedschaft liegt, als dass sie äußerlich klar immer vor die Seele hingestellt würde. Aber wer sich viel ansieht die heute ja groß gewordene - wenigstens an äußerer Ausdehnung groß gewordene - anthroposophische Bewegung, der findet überall in den Stimmungen, in den Gefühlen, in den Empfindungen das ausgedrückt, was ich gerade gesagt habe: Wir brauchen ja - so denken viele - alle diese Beweise gar nicht.
Ich will nun heute nicht von den in der Gegenwart recht unangenehmen Charakter angenommen habenden Gegnerschaften reden, nur das will ich sagen, dass wir aber genötigt sind, Anthroposophie auf eine feste Basis zu stellen gegenüber denjenigen Gegnerschaften, die es wenigstens einigermaßen ehrlich meinen. Das wird auch gerade innerhalb der anthroposophischen Bewegung viel zu wenig bedacht. Aber nehmen wir einmal die Lage etwas objektiv. Dann allerdings tritt uns heute etwas entgegen, dessen wir eingedenk sein müssen, und das wird schon in unserer Arbeit wie ein Impuls aufgenommen werden können. Und dies ist es eigentlich, warum ich die ganze Auseinandersetzung gerade heute mache.
Wir haben eben auf der einen Seite heute dasjenige, was als unsere anthroposophisch-esoterische Strömung vorliegt, wie sie in den Zyklen niedergelegt ist, wie die meisten von Ihnen sie in Ihren Herzen tragen, die sie aufgenommen haben, seit Jahren. Wir haben diese anthroposophische Geistesbewegung mit ihrem inneren Leben, mit ihrer inneren Kraft, mit ihrer inneren Wärme — eben mit dem, wodurch sie Seelen- und Lebensinhalt werden kann. Und wir haben auf der anderen Seite, wenn wir aus dem engeren Kreise unseres Zweiglebens heraustreten, diejenige Vertretung unserer anthroposophischen Bewegung, die, wie gesagt, überall der Anthroposophie einen wissenschaftlichen Charakter gibt, die zwar Anthroposophie vor die Welt hinstellt, aber sich der Gedankenformen und Gedankenverbindungen bedient, wie sie eben heute im wissenschaftlichen Leben einmal üblich sind. Gedankenformen und Gedankenverbindungen, die einer großen Anzahl unserer Mitglieder gar nicht recht sind, weil diese Mitglieder der Meinung sind, dass sie alles das nicht bräuchten. Ich rede dabei nicht etwa von den praktischen Ausgestaltungen der Anthroposophie, wie zum Beispiel von den medizinisch-therapeutischen Bestrebungen, sondern von dem, was mehr oder weniger als Lehre auftritt innerhalb der anthroposophischen Bewegung.
Wenn wir allerdings objektiv die Sache betrachten, so haben wir heute auf der einen Seite scharf ausgeprägt alles das, was mehr oder weniger von Esoterik durchzogen ist, und wir finden das in den Zyklen ausgesprochen; es wird aber auch gefunden werden können, wenn diejenigen Vorträge, die ich innerhalb engerer Kreise noch halten darf - da ich mich ja vielfach auch dem äußeren Leben der anthroposophischen Bewegung eben pflichtgemäß zu widmen habe -, daraufhin angesehen werden. Wir finden es zum Beispiel auch in den Auseinandersetzungen der Schweizer Versammlungen, und diejenigen der lieben Freunde, die bei dieser oder jener Gelegenheit einmal in Dornach waren, werden schon finden, dass in Bezug auf innere esoterische Gestaltung dasjenige, was zumeist dort gebracht wird, nicht etwas ist, was nicht durchaus die richtige Fortsetzung des alten Zweig- und Zykluslebens wäre. Dies auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite etwas ganz anderes, und es muss schon zugegeben werden, dass es etwas ganz anderes ist: Da sehen Sie, wie aus den Begriffen der modernen Physik, der Mathematik, der Chemie, Biologie, Psychologie, wie sie in der Wissenschaft üblich sind, oder wie heraus aus der Geschichte, der Pädagogik und so weiter Anthroposophie so geformt wird, dass sie gewissermaßen als eine Wissenschaft neben die anderen Wissenschaften, die an den Hochschulen getrieben werden, sich hinstellen kann. In Bezug auf den Charakter der Einkleidung sind allerdings diese beiden Strömungen sehr voneinander verschieden. Natürlich ist dasjenige sehr verschieden, was einmal aus dem Geiste heraus gesprochen wird, der bis in die letzten vier bis fünf Jahre hinein der alleinherrschende war, und dann dasjenige, was nun sich - eben nicht statt des anderen, aber neben das andere hingestellt hat. Und nur dadurch, dass - man möchte sagen: Gott sei es gedankt! — unsere lieben Mitglieder auch die Pflicht in sich fühlen, teilzunehmen an allem Anthroposophischen — während wiederum ja manchem die Chemie und Physik und alles andere Schöne, was die gegenwärtige Wissenschaft hat, herzlich gleichgültig ist —, nur dadurch, dass eben diese anderen Freunde auch zu diesen Leistungen gehen, die auf diesen Boden gestellt sind, finden dann jene Mitglieder, dass da ein Charakter in der anthroposophischen Bewegung auftrete, von dem sie glauben, dass sie ihn eigentlich nicht bräuchten, und worüber sie der Meinung sind, dass das etwas sei, was die Gelehrten untereinander mit sich abmachen mögen, was aber nicht hineingehöre in die ganze Breite der anthroposophischen Bewegung.
Man könnte sagen, es wäre ja vielleicht besser gewesen — das ist aber nicht in einem abgeschlossenen Sinne gesagt -, wenn man den Weg hätte finden können von der alten Esoterik heraus in derselben Art der Sprache zu einer weiteren Verbreitung zu kommen; denn es ist ja einfach so, dass Anthroposophie von der heutigen Zeit, von den heutigen Menschen angenommen werden muss, wenn die Welt nicht in den Niedergang hineinkommen soll. Und man könnte also sagen: Ach, wäre es doch so gegangen, dass Anthroposophie in der geraden Linie ihrer Esoterik sich ausgebreitet hätte!
Nun, es war eben nicht so. Es war so, dass man im Verlaufe dieser Ausbreitung eben sozusagen anstieß an das, was einem wissenschaftlich entgegengebracht wurde und was sich sozusagen «unter der Hand» ausbildete. So haben wir heute eben diese zwei Strömungen nebeneinander, haben sie so nebeneinander, dass man - wenn das auch ein wenig radikal ausgesprochen ist - sagen könnte: Wenn jemand, der einfach über die Anthroposophie sich informieren wollte, nun bei dem [letzten] Kurs hier in Berlin anwesend war, sich dort informiert hat und manches vielleicht innerlich recht kritisch beobachtete, was da vorgebracht wurde, so konnte der den Einwand haben: Da wird vielleicht nicht in seinem Sinne richtig, aber doch «wissenschaftlich» gesprochen. Wenn aber der, der nur so von außen sich das anhörte, was da im wissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, dann irgendwie hereingeschneit kommen könnte zu einer Zweigversammlung, wo vorgebracht wird, was in den Zyklen steht, dann würde er eine andere Welt finden, eine Welt, die eben noch etwas ganz anderes ist als das, was da in den für die Öffentlichkeit berechneten Kursen und Kongressen zu finden ist. Er könnte sagen: Dort draußen hat es mir geschienen, als ob vielleicht Irrwege gegangen werden, aber da drinnen sind sie ja schon ganz verrückt geworden!
Wenn wir die Sache im Ernste betrachten wollen, müssen wir uns schon klarmachen, dass doch eine tiefe Kluft noch ist zwischen dem, was unsere esoterische Arbeit in den Zweigen ist, und demjenigen, was wir in vieler Beziehung äußerlich vor die Welt hinstellen müssen. Es ist innerlich dasselbe, aber es ist eine Kluft zwischen den beiden; und dass diese Kluft auch wirklich klaffend da ist, das ist dadurch gerade herbeigeführt, dass die Sache so war, wie ich sie dargestellt habe: Dass wir — ich möchte sagen — aus den innigsten herzlichen Bedürfnissen heraus die spirituelle anthroposophische Bewegung inauguriert haben und sie in dieser Weise weiterentwickelt haben, dass aber dann von außen heran dasjenige gekommen ist, was nun als eine zweite Strömung dasteht und einen wissenschaftlichen Charakter trägt.
Es ist das Letzte gar nicht die Fortsetzung des Ersteren unmittelbar, nicht einmal bei denjenigen, die von ihren wissenschaftlichen Studien hergekommen sind, um die Anthroposophie nun wissenschaftlich zu bearbeiten. Denn bei ihnen ist es vielfach so gewesen, dass sie eben einfach wissenschaftliche Studien durchgemacht haben und aus gewissen Herzensbedürfnissen heraus gegenüber ihren anderen Studien empfunden haben: Da ist etwas nicht richtig in der Wissenschaft. Dann sind sie zur Anthroposophie gekommen und haben durch sie ihre Wissenschaft umgestellt. Das sind ganz andere Wege, als die waren, aus denen sich ursprünglich das anthroposophische Zweigleben gebildet hat. Diese Dinge entwickeln sich aber heute schon einmal so, dass, wenn sie nebeneinander gehen und immer nur wenige wirklich aktive Mitarbeiter da sind, dass dann sehr leicht sich eine solche Kluft bilden kann. Wir haben bis heute einfach noch keine Möglichkeit gehabt, diese Kluft zu überbrücken.
Meine lieben Freunde, von dem, was da äußerlich in wissenschaftlicher Gestalt dargeboten wird, und bis zu dem tiefsten Esoterischen hin ist ein gerader Weg! Und es könnte jederzeit, wenn Zeit und Gelegenheit dazu wären, gewissermaßen begonnen werden bei dem Äußerlichen, noch mehr wissenschaftlichen Charakter tragenden der einen Bewegung, und es könnte dieses fortgeführt werden bis in die tiefsten Tiefen des esoterischen Lebens hinein. Aber dazu ist uns bis jetzt nicht Zeit und Gelegenheit geboten worden. Daher findet der, welcher oftmals ganz aus allem Ernste heraus sich an unsere Bewegung macht, diesen uneinheitlichen Charakter: Auf der einen Seite das, was mehr in der öffentlichen Literatur niedergelegt ist; dann begehrt er die Zyklen — und findet etwas ganz anderes. Und so sehr dem Wesen nach diese Brücke da ist zwischen beiden - sie ist nicht der Tatsächlichkeit nach heute schon geschaffen. Unsere aktiven Mitarbeiter haben einfach in der einen oder anderen Bewegung ungeheuer viel zu tun und zu arbeiten gehabt, und daher konnte das, was zwischenliegen sollte, eben nicht in der erforderlichen Weise hineingestellt werden. Das wird schon etwas sein, was einmal in unserer Arbeit wieder aufgenommen werden muss: Dieses Zwischenglied zwischen dem, was für viele ältere Mitglieder gar nicht mehr als Anthroposophie klingt und was heute äußerlich in den Kongressen und Kursen lebt, und zwischen dem, was in den alten Zweigarbeiten und den Zyklen da war.
Und dabei tritt noch dieses auf, das ja auch, einer energischen Forderung der Gegenwart entsprechend, mit der Zyklusarbeit in die Öffentlichkeit getrieben werden muss, sodass — ich möchte sagen — die zwei Dinge unmittelbar nebeneinanderstehen können. Sie haben sie nebeneinanderstehend in der Ihnen ja bekannten Zeitschrift «Die Drei», wo durch viele Hefte hindurch einer meiner esoterischen Zyklen abgedruckt ist, daneben zuweilen ganz wissenschaftlich gehaltene Abhandlungen; sodass zwar für den, der tiefer schaute, überall der Zusammenhang da war, für denjenigen aber, der auf die verschiedene Art der Sprache sah, Dinge nebeneinander gestellt waren, die sich gründlich und tief voneinander wieder unterschieden. Das tritt gewissermaßen doch als etwas Disharmonisches in unserer anthroposophischen Bewegung heute auf. Wir haben keinen Grund, anders zu diesem Disharmonischen uns zu verhalten, als dass wir es eben klar vor unsere Seele hinstellen — wie überhaupt Klarheit auf allen Gebieten dasjenige sein muss, was gerade dem anthroposophischen Leben eigen sein soll. Aber zu den Schwierigkeiten, denen wir begegnen, wenn wir Anthroposophie heute vor der Welt vertreten wollen — und sie muss vor der Welt vertreten werden, weil die Welt es fordert -, zu diesen Schwierigkeiten gehört, dass wir eben sozusagen eine Art Janusgesicht zeigen müssen. Überall begegnet man diesen Schwierigkeiten. Auf der einen Seite lesen die Leute unsere philosophisch-wissenschaftlichen Abhandlungen, auf der anderen Seite lesen sie das mehr Esoterische, zum Dritten lesen sie oftmals eine etwas mehr oder weniger gute Verquickung von beiden, und wir müssen uns einfach klar sein, dass vieles von dem, was die Arbeit in der anthroposophischen Bewegung schwer macht, von diesem herrührt. Und es muss schon auch zu unserer Arbeit gehören, denjenigen Aufklärung zu verschaffen, bei denen wir glauben, dass solche Aufklärung angebracht ist: dass es mit dem historischen Werdegang zusammenhängt, dass es so ist, wie ich charakterisiert habe. Und ich möchte in dieser Beziehung auch an die älteren Mitglieder den Appell richten, nicht allzu viel dazu zu tun, die Arbeit dadurch zu erschweren, dass sie nun auch ihrerseits gegnerisch auftreten gegen das, was ihnen ja vielleicht gleichgültig ist, aber was nicht entbehrt werden kann gegenüber den Zeitforderungen, die heute einmal an die anthroposophische Bewegung gestellt werden. Man könnte sogar sagen: Wenn man aus denjenigen Entwicklungsgesetzen der Seele, die ja ganz berechtigt und vorhanden sind, eine innere Anschauung gewonnen hat zum Beispiel von irgendeiner geschichtlichen Erscheinung, und wenn man dann hört, wie heute unsere lieben jüngeren Mitglieder - nun nicht auf den Wegen, auf denen manches ältere Mitglied eine innere Anschauung, ich möchte sagen, wie «im Fluge» bis zur überzeugenden Kraft erlangt hat - vordringen, sondern anfangen bei Dingen, die vielen älteren Mitgliedern eben höchst gleichgültig sind: bei den Elementen der Physik oder gar bei den Elementen der Mathematik, und dann von diesen Elementen übergehen durch streng geschürzte logische Schlüsse zu Dingen, die wieder demjenigen, der die Sache schon hat, höchst gleichgültig sind, und dann wieder und wieder das machen - und auf diese Weise zu einer mehr oder weniger ausgepressten Gestalt desjenigen kommen, was der andere schon auf seinem schnellen intuitiven Wege weiß, dann kommen sich viele eben so vor, als wenn sie dort wären, wo man die tiefsten Geheimnisse des Daseins in einer bestimmten Höhe begriffen hat, und nun kommt einer, klettert dann eine Leiter hinauf, dann vorbei an den Dingen und dann wieder hinunter. Diese logischen Kletterkünste empfinden ganz gewiss viele ältere Mitglieder. Aber es ist so, dass diese älteren Mitglieder gerade Verständnis den Zeitforderungen entgegenbringen sollten und wissen sollten, dass dies nicht anders sein kann, und dass wir da einfach vor eine eherne Notwendigkeit gestellt sind.
Das ist es, meine lieben Freunde, was ich heute vor ihre Seele hinstellen wollte, um Ihnen auszudrücken, dass nicht etwa — auch nicht im Geringsten - ein Wille vorliegt zum Verlassen der alten esoterischen Wege in der alten anthroposophischen Bewegung. Davon kann gar nicht die Rede sein, sondern nur davon kann die Rede sein, dass eben Zeitforderungen an uns herangetreten sind; und so viel als nur möglich ist, müssen selbstverständlich gerade die esoterischen Grundlagen dieser unserer anthroposophischen Bewegung weiter gepflegt werden; denn es muss selbstverständlich eine Anzahl von Persönlichkeiten heute geben, welche ebenso stark verbunden sind mit dem spirituellen Leben, dass sie das, was sonst nur durch eine Gedankenhäkelarbeit — nicht Haeckel, der Naturforscher, ist damit gemeint - erreicht werden kann, mit einem einfachen Fadenschlagen erreichen. Gewiss, es ist unter Umständen recht unbequem, diese Arbeit des Gedankenhäkelns zu verrichten, aber sie muss eben getan werden, weil unsere Zeit ihrer allgemeinen Auffassung nach bei dieser Gedankenhäkelarbeit angelangt ist. Aber wissen müssen eben doch einige aus unmittelbarem Fadenschlagen ihres Herzens und ihres innersten spirituellen Verständnisses heraus, dass heute die Zeit gekommen ist, wo eine Welle geistigen Lebens hereinbricht aus der geistigen Welt in dieses Erdenleben, und wo von den Menschen diese Welle geistigen Lebens aufgefasst werden muss.
Ich habe es ja schon öfter erwähnt, dass die Zeit bis zum letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts eigentlich die war, in welcher der Intellekt der zivilisierten Menschheit erstarkt ist. Großartige Intellekt-Leistungen auf der Grundlage von naturwissenschaftlichen Ergebnissen bauten sich in den letzten Jahrhunderten auf. Aber mit dem zwanzigsten Jahrhundert ist von dieser intellektuellen Zivilisation ja nur noch die Erbschaft da, und es ist gar keine Aussicht vorhanden, dass die Menschheit auf dem intellektuellen Wege von dem zwanzigsten Jahrhundert ebenso fortschreiten würde in die folgenden Jahrhunderte, wie sie aus den vorangegangenen in das zwanzigste Jahrhundert hineingeschritten ist. Der Verstand läuft weiter, wie er da war, aber er kann nicht mehr das Weiterwirksame in der ganzen menschheitlichen Geistesentwicklung sein. Das Weiterwirksame ist das spirituelle Leben, das wie durch besondere Tore in unser Erdenleben hereingebrochen ist.
Nun werden vielleicht manche sagen: Ja, du sprichst davon, dass der Intellekt nur noch sich forterbt auf der Höhe, auf der er schon war, und dass das Spirituelle hereingebrochen ist ins Erdendasein; aber wir sehen dieses spirituelle Leben nicht, der Intellekt wird wohl fortgepflegt, aber vom Spirituellen sieht man nichts. Ich möchte sagen: Umso schlimmer!
Das Spirituelle ist trotzdem da, obwohl es die Menschen nicht sehen; es ist überall zu finden, wenn man es finden will. Und das ist das Schlimme: Dass die Menschen es nicht finden wollen, dass sie die Augen davor verschließen, dass sie ihre Herzen dafür nicht öffnen! Das ist das Furchtbare geradezu, das überwunden werden muss: dass heute schon die Zeit da ist, in welcher das spirituelle Leben ebenso ergriffen werden kann wie von der Kopernikanisch-Galilei’schen Zeit an das Intellektuelle ergriffen wurde, dass aber die Menschen sich von diesem spirituellen Leben abwenden! Wer aber seinen Geistesblick hinwenden kann zum spirituellen Leben, der sieht es überall in unser Menschheitsleben hereinströmen. Dieses spirituelle Leben wird aber heute noch nicht aufgenommen, und so haben wir einen verödenden, bloß vererbten Intellekt. Denn in Wirklichkeit ist ja der Intellekt nicht weiter fortgeschritten, er wird nur noch in seiner alten Gestalt weitergetragen.
Während sich dieses äußerlich so verhält, spielt sich eigentlich innerlich ein Ereignis von größter Bedeutung ab. Manches von diesem Ereignis habe ich immer wieder in unseren Zweigvorträgen geschildert. Zusammenfassend möchte ich heute einiges darüber vorbringen.
Wenn wir uns nun als physische Menschen betrachten, so leben wir hier auf der Erde innerhalb derjenigen Daseinssformen, welche die älteren Menschen «Elemente» genannt haben: Erde, Wasser, Luft, Feuer. Wir sprechen heute von dem festen Stofflichen, dem flüssig Stofflichen, dem gasförmig Stofflichen und dem wärmehaft Ätherischen. Aus dieser vierfachen Stofflichkeit ist unser Organismus gewoben, ist alles das gewoben, zu dem unser Organismus zwischen Geburt und Tod sich bewegt. Auf diese Stofflichkeit sieht der heutige Mensch hin, formt sich durch seine gesetzmäßige Auffassung dieser Stofflichkeit seine Weltanschauung, die im Wesentlichen eine äußerlich wissenschaftliche ist, wenn auch alte religiöse Traditionen in die heutigen Begriffe hineinspielen. Aber dieser Stofflichkeit liegen zugrunde geistige Wesenhaftigkeiten. Dem irdisch Festen liegen zugrunde geistige Wesenheiten aus der Sphäre der Elementargeister, älteres ahnendes Hellsehen hat sie «Gnomen» und dergleichen genannt. Der heutige Intellektualismus sieht das als Phantasterei an. Wie wir sie benennen, ist gleichgültig, aber es liegt allem festen Irdischen zugrunde eine Welt von geistigen Elementarwesen, die - ich möchte sagen - in ihrer für die menschliche Sinnlichkeit unsichtbaren Leiblichkeit einen größeren Einschlag von Intellekt, von reiner Verstandesmäßigkeit haben, als wir Menschen selber haben, und die gegenüber uns Menschen unmäßig klug sind, klug bis zur Listigkeit, klug bis zum Spintisieren, die klug sind bis zum schlauen Vorauswissen desjenigen, was dem Menschen immer hindernd in den Weg tritt bei der Arbeit, die er aus seiner geringeren Intellektualität heraus bildet. Es liegt allem irdisch Festen zugrunde eine Welt von Elementarwesen, die wirklich außerordentlich gescheit sind, und deren Gescheitheit der Grundcharakter ihres Wesens ist.
Und es liegt zugrunde allem, was flüssiges, wässeriges Element ist, wiederum eine Welt von Elementarwesen, welche in besonders starkem Maße dasjenige ausgebildet haben, was wir Menschen - auf der einen Seite etwas robuster, auf der anderen Seite etwas neutraler-als Empfindung, als Gefühl entwickelt haben, geistige Elementarwesen, die ein sensitives Fühlen haben, ein Fühlen, das sich hineinlebt in die feinsten Empfindungsnuancen, das überall dasjenige nachlebt, was die Menschen nur äußerlich erfühlen. Wir sehen uns zum Beispiel die Bäume des Waldes mit unseren Augen an; wir fühlen höchstens, wenn wir uns dem Walde nahen ‚oder in ihm drinnen, sind, wie der Wind uns etwas schüttelnd innerlich durchbraust, aber sonst sehen wir nur die Bäume vom Winde bewegt; andererseits sehen wir zum Beispiel die Sonnenstrahlen erglänzen. Es ist unsere Empfindung eine verhältnismäßig grobe gegenüber derjenigen, die nun alle die Wesen haben, die als Elementarwesen dem wässerigflüssigen Element angehören und es durchwellen und durchströmen, die mitmachen alle die Bewegungen, welche die Baumäste im Winde vollführen, die mit den Wolken ziehen, die die Ballung der Wassertropfen in den Wolken miterleben, die die Auflösung der Wassertropfen im Verdunsten miterleben, die sich in dem erstarrenden Eise selber erstarren, die sich mit dem verdunstenden Wasser selber in die Weiten verlieren - und dies alles gefühlsmäßig mitmachen. Dies ist eine zweite Art von Elementarwesen, die ebenso unsere Erde bevölkert, wie wir selber und wie Pflanzen und Tiere die Erde bevölkern.
Wir haben dann eine dritte Art von Elementarwesen in dem lufüggasförmigen Element, das sind diejenigen Wesen, welche in einem intensiven Maße das ausgebildet haben, was in unserem Willen lebt, welche diesen Willen in einer solchen Stärke ausgebildet haben, dass dieser Wille in ihnen als «Wille» lebt, dann äußerlich anschaubar wird als Naturkraft. Wir haben endlich eine vierte Art von Elementarwesen, die Wärme- oder Feuerwesen, die dasjenige ausgebildet haben, was wir als die Kraft unseres Selbstbewusstseins, als die Kraft unseres Ich, in uns tragen; es sind zugleich diejenigen Wesenheiten, die in alledem leben, was innerhalb der Natur zerstörerisch wirkt. Und wenn wir mit einem wirklichen, auf exakte Untergründe begründeten Hellsehen zum Beispiel sehen, wie im Frühling mehr die zuerst genannten Elementarwesen überall aus den Naturerscheinungen herausschauen, so sehen wir, wie in allem Zerstörenden des Herbstes die Feuerwesen tätig sind, ja, am meisten tätig sind, wenn das, was sie vollbringen, wie in seinem Gegenteil äußerlich in kaltem Schnee und Eis sich ausdrückt.
Es leben in den Elementen die Elementargeister, wir sind von ihnen umgeben, sie sind ebenso im irdischen Dasein vorhanden wie wir selbst. Diese elementarischen Geister wollen etwas. Diese elementarischen Geister sind es, welche nicht so unfühlend, so halsstarrig sich verschließen vor der hereinbrechenden Geisteswelle in unserem Zeitalter, wie das die Menschen vielfach ja zumeist tun. Die Menschen wollen nur Verharren in der Beobachtung des Sinnlichen und in dem Ausdenken des Verstandesmäßigen dieser geistigen Welt, die da den Naturelementen zugrunde liegt. Diese Elementargeister verschließen ihre Augen nicht vor den in das Irdische hereinbrechenden geistigen Wellen, die heute überall sind, vor der Spiritualität, die da hereinwill. Und wenn ich zum Beispiel gesagt habe, dass die Elementargeister des irdisch Festen vorzugsweise schlau, selbst überverständig sind, so ist es ja natürlich, dass sie für eine in die Gegenwart hereinkommende spirituelle Welle keine Sympathie haben. Aber wenn sie auch keine besondere Sympathie haben, Aufmerksamkeit haben sie! Sie beachten, dass diese Spiritualität heute hereinbricht und dass sie auf ihren Wogen trägt eine wirklich vertiefte Christus-Erkenntnis, eine wirklich vertiefte Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha. Das sehen selbst die schlauen Wesen des Erdenreiches. Sie aber beschließen: Wenn die Menschen dabei stehen bleiben, halsstarrig zu sein gegenüber der hereinbrechenden Geisterwelt, dann tun wir das Unsrige, was ja bisher aussichtslos gewesen wäre. Denn in der Zeit, in der vom fünfzehnten bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Menschen vorzugsweise den Intellekt ausgebildet haben, in dieser Zeit konnten sozusagen die gnomenhaften Intellektual-Geister des Festen, Irdischen nichts Besonderes anfangen! Sie konnten mit ihrer Schlauheit da oder dort in die irdische Welt hereinlugen; und die, welche Wahrnehmungen haben für dieses Hereinlugen, wissen das. Aber jetzt, da die Menschheit der hereinwollenden Spiritualität etwas entgegengehen soll, jetzt ist die Zeit gekommen, wo, indem der Intellekt in die Verderbnis hineingerät, wo er nur noch als Erbschaft weitergeführt wird und keine fruchtbaren Anregungen mehr hat - denn der Intellekt verfällt mit der Zeit, und wer es unbefangen betrachtet, sieht es ja überall; wer den wissenschaftlichen Betrieb von heute mit demjenigen von vor vierzig Jahren vergleicht in Bezug auf den Intellekt, der in der Wissenschaftlichkeit herrscht, wird auch von dem Verfall des Intellektes schon sprechen können -, jetzt ist die Zeit gekommen, wo die anderen Wesen, die ebenso da sind wie wir Menschen, indem sie aufmerksam werden auf die hereinbrechende Geisteswelle, sich sagen:
Jetzt ist unsere Zeit gekommen, jetzt werden wir etwas tun! Und sie werden beschließen, wenn die Menschen das Ihrige nicht tun, ihre ganze Schläue und Intellektualität den ahrimanischen Mächten zur Verfügung zu stellen, sodass Ahriman mächtig wird über ein ungeheures Heer von Elementarwesen, die die Erde bewohnen. Und diesen Wesen, die so den Intellekt zur Verfügung haben, werden sich, weil der Mensch dann seinerseits wieder beeinflusst wird von den Elementarwesen, schon andere Elementarwesen anschließen, sodass die Gefahr der Verahrimanisierung der Menschheit da ist. Das ist zwar jetzt etwas radikal ausgesprochen, aber es ist doch eine Wahrheit.
Wenn man noch vor vierzig Jahren den Menschen daraufhin angeschaut hat, wie er sich intellektuell mit seinem Verstande betätigt hat —der Mensch, der gerade die Ausbildung des Verstandes zu seinem Beruf machte -, so war da etwas Tätiges in seinem Verstandesausbilden. Der Mensch war dabei. Es waren wirklich große Geister da, die den Verstand betätigten; in den Schulen waren Geister da, dass man sich freuen konnte über die Verstandesregsamkeit. Heute ist es nicht so, und es kommen einem die Menschen vor, als wenn der Verstand ein Stück tiefer gerückt wäre, und als wenn sie den Verstand als Mechanismus hervorbrächten. Man fühlt, wie die Menschen reden in Verstandesformen, aber wie wenn der Verstand gar nicht mitarbeiten würde. Es sind schon ganz einfältige Redewendungen, denen man begegnet. Je weiter man nach Westen kommt, desto schlimmer ist es, aber in Deutschland nistet es sich auch heute schon ein. Wenn jemand einen Satz hinschreibt und das Prädikat nicht dort hinstellt, wo es aus irgendeinem Grunde sein soll, so ist das stillos; und wenn Sie nach Frankreich kommen, so ist dort schon alles stillos, weil da die Sprache schon stereotyp geworden ist. In Deutschland kann man wenigstens noch seine Sätze drehen, um so verschiedene Möglichkeiten des Ausdrucks zu bekommen, aber in Frankreich gewöhnen sich die Leute das allmählich ab. Im Osten — der Bolschewismus hat es wegbringen wollen, aber es wird sich schon wieder bemerkbar machen - ist noch eine gewisse Biegsamkeit in der Sprache vorhanden. Aber im Allgemeinen nimmt diese Biegsamkeit mit der Zivilisation ab. Es ist besonders bei jüngeren Leuten so, dass sie wie Mechanismen reden. Sie fangen an - vor vierzig Jahren wäre es einem interessant gewesen, darauf zu achten, wie sie weiterreden würden -, heute weiß man es schon, man ist gar nicht mehr daran interessiert; sie reden wie ein aufgezogenes Uhrwerk. Es ist - man kann das heute sehen, aber man will die Augen davor verschließen - eine gewisse Verkalkung der Menschen eingetreten, sogar buchstäblich, sodass der Intellekt eben durchaus heruntergerutscht ist. Da nimmt ihn aber Ahriman in Empfang. Er kann nicht, wie die Menschen, durch sein Nerven-Sinnes-System wirken, sondern er wirkt durch die Elementargeister. Was für uns die Gehirne und Ätherleiber sind, das sind für Ahriman die Elementargeister; er wartet, bis sie sich ihm zur Verfügung stellen. Aber er hat sie als sein Gehirn und als das zu einem ledernen Beutel gewordene Herz. Es ist so, dass sich die elementarischen Geister den ahrimanischen Mächten zur Verfügung stellen. Das ist die eine Seite.
Wenn wir aber die Welt zunächst äußerlich räumlich und zeitlich betrachten, so haben wir ja außer diesen Elementargeistern noch eine Welt: Das ist die ätherische Welt. Wir müssen vorzugsweise herunterschauen auf das feste Erdreich, auf das, was dieses feste Erdreich umgibt und umstürmt, umfließt und umströmt als die Wasser-Sphäre, als die Luft-Sphäre, was sie durchwellt und durchwirkt als Wärme. Wir müssen vorzugsweise hinunter und geradeaus schauen, wenn wir zu dieser Art von Elementarwesenheiten hinschauen wollen. Aber wir müssen vorzugsweise in die Weiten schauen, also nach oben - Wärme gehört ja noch dem Irdischen an, aber über dem Wärmeäther liegen der Lichtäther und der chemische Äther —, wir müssen in die Weiten schauen, wenn nach dem Ätherischen schauen wollen. Und wenn wir so nach dem Flüssigen schauen und den ihm zugrunde liegenden Elementargeistern, dann finden wir eine wimmelnde Bevölkerung von Einzelwesen, die klar uns erscheinen als einzelne Wesen; da herrscht die Zahl. Es ist gewissermaßen die Welt der Elementarreiche bevölkert von unermesslichen Elementarwesen. Wenn wir aber den Blick in die ätherische Welt richten, so lebt dort die Geistigkeit mehr als eine Einheit. Schon im Lichtäther können wir die einzelnen Elementargeister nicht mehr voneinander unterscheiden, wie wir es können im Luft- oder Wasserelement oder gar im irdischen Element. Im irdischen Element ist es ja so, dass man hinausgeht in gewisse Wälder, irgendein Gnomennest aufspürt, und - man möchte sagen - in einem kleinen Erdball können unter Umständen Tausende und Abertausende Elementarwesen eingehüllt sein, die dann in Vervielfältigung vor einem stehen. Man hat nur einen kleinen Ball in der Hand- und das wimmelt dann von dem, was sich auszählt. Da herrscht die Zahl, da herrscht das Gewimmel, das, was uns zwingt zu zählen, und was uns gestehen lässt, dass wir gar nicht zählen können, weil es unermesslich ist und weil jede Zahl gleich wieder übersprungen wird. Und von dem, der ein geistiges Schauen hat, kann man auch gar nicht sagen, dass er sich «verzählt». Sie können gar nicht unterscheiden, was früher oder später da ist; Sie glauben, Sie hätten fünf gezählt, und sehen, dass Sie eigentlich haben elf zählen müssen. Da sind die sechs aber nicht hinzugekommen, sondern die waren vorher schon da. Es herrscht das Gewimmel der Zahl. Aber im Ätherischen geht alles auf eine Einheit aus. Schon im Lichtäther bilden die Elementarwesenheiten eine Einheit. Das ist noch mehr der Fall im chemischen Äther, und das ist vollends der Fall im Lebensäther. Und aus dieser Empfindung heraus entstand ja einst jene Vorstellung, die in der Jahve-Vorstellung enthalten ist, in der Vorstellung des einen Gottes Jehova. Das ist das Wesen, das unausgesprochen aus den vielen einzelnen Wesen zusammenhängt und sich zusammensetzt und den Äther belebt, so wie die vielen Elementarwesen den Äther beleben.
Aber geradeso, wie wenn der Mensch das Hereinbrechen der Spitualität in unsere Zeit unberücksichtigt lässt, dann die Welt der unteren Elementarwesen sich mit den der menschlichen Entwicklung feindlichen ahrimanischen Wesen verbindet, so werden die luziferischen Mächte, die alles in Anspruch nehmen können, was menschliches Willens- und Empfindungselement ist, dieses Element den Luft- und Wasserwesen entreißen, und sie werden es als luziferische Wesen hineintragen in den Äther.
Nur mithilfe des Menschen kann in dem Äther erhalten werden die Kraft des einheitlichen Gotteswesens, das eine abgelebte Zeit einmal mit dem Namen Jehova, bezeichnete. Wenn die Menschen nicht die Geisteswelle aufnehmen, dann wird dasjenige Wesen, das als Jehova erschienen ist als das zusammenhaltende Geisteswesen, sich zurückziehen müssen vor dem luziferischen Ansturm, der aus der Jehova-Macht herausreißt die Lichtwesen, die chemischen Wesen und die Lebenswesen. Und aus dem, was ich beschrieben habe, würde entstehen eine kombinierte Herrschaft über das Irdische von Ahriman und Luzifer.
Dem ist einzig und allein dadurch zu entgehen, dass die Menschen ein neues Christus-Verständnis, ein neues Verständnis des Mysteriums von Golgatha, durch die hereinbrechende spirituelle Welle bekommen. Denn dadurch stürbe der Intellekt nicht ab; er würde sich als Intellekt nicht weiterentwickeln, aber er würde durch die Spiritualität belebt werden. Er würde aus der toten Abstraktion zu einem gewissen inneren Leben kommen. Auf der anderen Seite würde dasjenige, was in den menschlichen Emotionen, in den menschlichen Instinkten lebt, nicht in Anspruch genommen werden von einer abstrakten Einheit im ätherischen Gebiete; es könnte nicht luziferisch werden. Ein neues Christus-Verständnis, ein neues Verständnis des Mysteriums von Golgatha, brauchen wir. Und zu der richtigen Einsicht, wie wir das brauchen, kommen wir auch, wenn wir das richtig ins Auge fassen, was vorzugehen droht als eine andere Gruppierung im Weltenall, als eine andere Gruppierung der elementarischen und der ätherischen Wesenheiten. Ja, man kann wirklich schon wahrnehmen, wie auf der einen Seite der Verstand sich heruntersenken will zum Ahrimanischen, zu den niederen elementarischen Wesenheiten. Dann ist auf der anderen Seite deutlich wahrnehmbar, wie heute ein gewisser Hang besteht, von dem eigentlichen Christus-Wesen sich zu entfernen und in jene ätherische Einheit unterzutauchen, sodass durch dieses Untertauchen, eben durch die Verleugnung des Christus-Prinzips, etwas Luziferisches aufgenommen wird.
Dies, meine lieben Freunde, ist auch äußerlich gut wahrzunehmen, und ich habe eigentlich öfter schon von dieser Wahrnehmung auch hier gesprochen. Wir sehen, wie gerade aus der neueren Theologie eine wirkliche Auffassung des Christus schwindet. Wir sehen, wie nach der Auffassung des modernen Theologen - man braucht da zum Beispiel nur an Harnacks «Wesen des Christentums» zu erinnern —, für viele moderne Theologen der Christus eigentlich verleugnet wird. «Der Sohn gehört nicht in das Evangelium», sagt Harnack, «sondern allein der Vater». Man könnte daher ganz gut sagen: Eine wirkliche Christus-Vorstellung ist da nicht mehr vorhanden, sondern nur die des einen Gottes, man hat kein Bewusstsein mehr davon, wie der Sohn sich von dem Vater unterscheidet. Es ist wie ein Zurückkehren zum Alten Testament und ein Auslöschen des Neues Testamentes. Das aber ist der Weg, zu der ätherischen Einheit vorzudringen, ohne sie mit dem Christus-Impuls zu durchwärmen. Kurz, man sieht überall, wie die Menschen oftmals ahnungslos sich den Kräften aussetzen, die auf der einen Seite von den ätherischen, auf der anderen Seite von den elementarischen Geistern ihre Kräfte ziehen.
Werden die Menschen aber nicht nur dasselbe Ich finden, dasselbe Selbstbewusstsein, das sie hinaufgetragen haben in die geistige Welt durch die Jahrhunderte und Jahrtausende, sondern werden sie einen stärkeren Halt in ihrem Inneren gewinnen können, durch den sie aufnehmen können den Christus-Impuls, und würde sich dieses stärkere Selbst nur als solches entwickeln, so würde es in grenzenlosen Egoismus ausarten. Gerade diesem stärker werden sollenden Selbst muss das eingepflanzt werden, was Paulus meinte mit dem Wort: «Nicht ich, sondern der Christus in mir!» Wenn aber der Christus in diesem stark gewordenen Selbst ist, dann wird die Menschheit die Wege finden, um jene Umgruppierung zu verhindern und die Erde in der richtigen Weise sich weiterentwickeln zu lassen. Man muss eben heute schon - wenn ich mich so ausdrücken darf hinter die Kulissen des Daseins schauen, da, wo sich das abspielt, was den Menschen unbewusst bleibt, wenn man sehen will, wie der Mensch darauf angewiesen ist, an die spirituelle Welle sich zu halten, die ihm das bringt, wodurch er das Gott- und Christus-gewollte Erdenwesen fortsetzen kann; während, wenn er diese spirituelle Welle nicht annimmt, sich - durch das Eingreifen der ahrimanischen und elementarischen Wesen mit den ätherischen Wesen zusammen - aus der Erde etwas anderes bilden würde, als was aus ihr werden soll. Und der Mensch würde dadurch von seiner Bahn abgelenkt werden, denn sein kosmisches Schicksal und das kosmische Erden-Schicksal sind miteinander notwendig verbunden.
Es genügt eben heute nicht das äußere wissenschaftliche Leben, die äußere Wissenschaft. Sie kann durchaus in das Anthroposophische umgesetzt werden, ja, sie wird ihre wahren Gedanken nur dadurch erlangen, dass sie in das Anthroposophische umgesetzt wird. Und man kann sehr vieles erreichen, wenn man anthroposophisch - und nicht im äußerlichen hypothetisch materialisierenden Sinne zum Beispiel von der Zusammensetzung des Wasserstoffes und Sauerstoffes zum Wasser und von den anderen physikalischen und sonstigen Erscheinungen - spricht. Aber so sehr das notwendig ist zur Korrektur von immer falscher und falscher werdenden Anschauungen über das Äußere, umso notwendiger ist es auf der anderen Seite, dass nicht nur geredet werde von dem «festen Quarz» auf der Erde, von dem «festen Kalkspat» und anderem Festen oder von verschiedenen wässerigen Substanzen und von den luftförmigen Substanzen, sondern dass geredet werde von den geistigen Wesenheiten, die wir mit den Substanzen und an den Substanzen überall haben. Wir brauchen nicht nur eine Physik oder eine Chemie, sondern wir brauchen eine Lehre von dem sozialen Leben der Elementargeister, von dem sozialen Leben der ätherischen Geister; wir brauchen eine Anschauung von dem geistigen Leben der Welt, die ja konkret ist.
Aber solange es eine Lehre gibt, die nur beweisen will, dass es überhaupt keine geistige Welt gibt, solange ist eine unübersteigbare Schranke aufgerichtet zwischen der Welt, wo der Mensch auf der einen Seite sowie Luziferisches und Ahrimanisches auf der anderen Seite ist, und jener Welt, wo der Mensch aus der Erkenntnis — einschließlich der elementarischen und ätherischen Wesenheiten — heute die wirklichen Menschheitsaufgaben erst formen kann. Wir müssen über das Exoterische hinaus nach einer esoterischen Weisheit suchen. Wir müssen uns nicht nur fragen nach den Anziehungen und Abstoßungen der Stoffe, wir müssen uns fragen nach den Schlauheiten der elementarischen Geister des Erdigen, nach der feinen Empfindlichkeit der Elementargeister des Wässerigen, nach den Willensimpulsen der Elementargeister des Luftförmigen, nach den alles mit Egoität durchdringenden Elementargeistern des Feuers oder der Wärme; wir müssen uns durchdringen mit den eigentümlichen Qualitäten der Geister des Lichtes und der Wärme, die ihrerseits zum Teil helfend, zum Teil gegnerisch sich zu den Elementargeistern der Luft verhalten und auf diese Weise einen Ausgleich zu ihnen schaffen, wo wir auf ein Zusammenwirken schauen können zwischen den mehr luftförmig gewordenen Lichtgeistern und den mehr lichtförmig gewordenen Luftgeistern. Da ist die Möglichkeit, hineinzuschauen in das Werden eines Weltkörpers, den ich in meiner «Geheimwissenschaft» beschreiben konnte als «Jupiter». Es muss hineingeschaut werden in das geistige Werden der Welt - anders als heute von der physischen Wissenschaft in das Werden der Welt hineingeschaut wird. Da betreten wir allerdings ein Gebiet, wo die Anschauungen über das Geistige, welche die Menschen heute noch haben, wesentlich erweitert werden müssen. Diese Anschauung von dem Geiste muss den Menschen geläufig werden, so geläufig wie das, was sie heute von der physisch-sinnlichen Welt kennen. Die Menschheit muss denken lernen über die Beziehungen der elementarischen und der ätherischen Geister zur Menschheit und über das Hereinkommen der spirituellen Welle, die das Verhältnis der beiden erst in das richtige und für die Menschen notwendige Verhältnis bringen kann. Über das Verhältnis dieser Wesenheiten, über den Anteil, den sie an einer den Menschen gemäßen Erde haben, sowie über einen Anteil, den sie haben, wenn die Erde mit der Menschheit untergehen würde — darüber richtig reden, das kann man nur, wenn man Verständnis entgegenbringt der spirituellen Welle, die heute in die menschliche Zivilisation und Kulturentwicklung hereinbrechen will.
Ohren zu haben für das, was da hereinbraust, Augen zu haben, Augen der Seele, zum Schauen desjenigen, was da hereinleuchtet und im Leuchten selber hereinströmt und hereinstrahlt aus übersinnlichen Welten in die sinnlichen Welten für die Auffassung derjenigen Wesen, die im Sinnlichen das Übersinnliche schauen können, wenn sie wollen - wie die Menschen -, einen Sinn zu haben für diese Tatsachen, das ist es, was die esoterische Anthroposophie anregen möchte bei denen, die sich für sie zusammenfinden.
Das, meine lieben Freunde, durfte ich heute vor Ihre Seelen hinstellen und wollte damit wieder in diesen Ihren Seelen angeregt haben den Eifer dafür, die spirituelle Welt, so wie sie heute verkündet werden darf, zu studieren. Sie werden, je nach Ihrem Karma, wenn es die rechte Zeit ist, auch den lebendigen Anschluss an diese spirituelle Welt immer mehr und mehr finden, wenn Sie es nicht scheuen, im Vertrauen — aber mit einem nach Erkenntnis strebenden Vertrauen, nicht mit einem solchen, das nur auf Autorität begründet ist— dasjenige mit Ihrem gesunden Menschenverstand aufzunehmen, was auch an höchsten Wahrheiten aus der geistigen Welt herausgeholt werden kann. Das ist es, was ich hineinwünschen möchte in die Arbeit aller unserer Zweige. Diesen Wunsch in ausdrücklicher Art auszusprechen durch das, was ich heute darstellte, oblag mir ganz besonders heute gegenüber diesem Zweige, der ja als einer der ersten mit tätig war bei der Geburt unseres anthroposophischen Lebens und dem daher derjenige, der diesem anthroposophischen Leben mit seiner ganzen Seele ergeben ist, wahrhaftig immerdar wünschen muss ein heilsames Gedeihen, ein herzliches Mitarbeiten derjenigen, die in ihm vereinigt sind, ein freudiges Empfangen dessen, was aus der geistigen Welt kommen kann. Möge vorhanden sein dieses eifrige Mitarbeiten, dieses freudige Empfangen, und möge gerade darin die Kraft der Arbeit dieses Zweiges liegen!