The Fateful Year of 1923
GA 259 — 8 February 1923, Stuttgart
Sitzung mit dem Dreissigerkreis
Emil Leinhas: Der Entwurf ist noch unvollkommen. Wir haben aber harmonisch zusammengearbeitet. (Er liest den Entwurf vor.)
Es sprechen dazu Dr. Maier, Dr. Heyer, Dr. Peipers.
Alexander Strakosch: Man muß noch die Frage des Vorstandes klären.
Dr. Steiner: Der Passus über die Gegnerschaft entspricht nicht ganz dem Faktum. Aus der im Persönlichen liegenden Begründung des Widerstands gegen das anthroposophische Geistesgut wäre die Gegnerschaft, die mir erwachsen ist, eine nicht weiter erhebliche, sie wäre von keiner erheblichen Bedeutung gewesen; sie wäre als eine törichte Episode erschienen. Erst durch die Begründung der verschiedenen Unternehmungen seit 1919 werden die Angriffe von einer Gegnerschaft, die größtenteils an den Angriffen selbst kein Interesse hat, als
Mittel zum Zweck benutzt, um die anthroposophische Bewegung aus der Welt zu schaffen.
Marie Steiner: Die Gegner werden zu glimpflich behandelt, indem gleich gesagt wird, daß durch das Zusammenstellen der Zitate die Angriffsflächen gebildet werden, während sich die Gegnerschaft doch gemeiner Mittel bedient.
Dr. Steiner: Das eine ist die Gegnerschaft, die sich der Verleumdung bedient; das andere ist das, was die Gegnerschaft durch Aufstellung eines Zerrbildes macht. Dann fragt es sich, ob nicht doch diese Gegnerschaft unter Umständen — Sie können sich darüber ja äußern - ein bißchen kühner angegriffen werden müßte, was nur durch die Verwendung einzelner Worte möglich und notwendig ist.
Nicht wahr, die Gegner sind vielfach geschützt durch ein gewisses Ansehen, das sie in offizieller Weise haben. Denn für die Welt ist der gestern von Dr. Rittelmeyer erwähnte Dr. Jeremias eben der bekannte Orientalist der Leipziger Universität, während er — wenn das so ist, wie Dr. Rittelmeyer dargestellt hat- eine ganz gemeine Natur ist. Der hat mich wiederholt besucht, hat sich über einzelne Fragen in ernsthafter Weise auseinandergesetzt, hat gebeten, beim Vortrag in Leipzig anwesend sein zu können. Es war kein Grund vorhanden, ihn nicht anwesend sein zu lassen. Nachher entpuppt er sich als ein gemeiner Heuchler. Solche Beispiele sind eigentlich etwas, was man heute nicht mehr entbehren kann in der Charakteristik der Gegner. Man muß den Leuten diese Maske herunterreißen. Ich führe das nur als ein Beispiel an. Man müßte sich klar darüber sein, was das heißt, wenn sich jemand eingeschlichen hat in der Maske desjenigen, der «erkennen will» und nachher auftritt als gemeiner Verleumder. Wenn wir nicht dazu gelangen, diese Gemeinheit unter Leuten, die einfach durch ihre amtlichen Würden geschützt sind, etwas zu enthüllen, wenn uns das nicht gelingt, dann geht die Sache schwierig.
Dr. Rittelmeyer: Ich bin bei der Versammlung dabeigewesen. Da hat er Sie, Herr Doktor, persönlich preisgegeben. Er hat gesagt, er unterscheide zwischen der Anthroposophie selbst und der Person des Gründers der Anthroposophie. Der Güterzug könne Waren enthalten, die gut seien, wenn auch die Lokomotive schadhaft sei.
Dr. Steiner: Solch eine Sache muß man vor der Welt an den Pranger stellen. Das ist heute nach der einen Seite so. Aber nach der anderen Seite muß die besondere Art der Kampfesweise charakterisiert werden, die darin besteht, daß die Gegner sich nicht einlassen auf eine Diskussion, sondern sie nehmen zum Teil die Sache an wie der Goesch, aber zugleich treten sie mit den gemeinsten, unsachlichen, rein persönlichen Verleumdungen auf. Dies ist die ganz präzise Tatsache; davor kann in der Gegenwart nicht zurückgeschreckt werden, diese zu kennzeichnen. Eventuell müßten einzelne Beispiele charakterisiert werden. Aber das braucht nicht mit Namen angeführt zu werden, vielleicht ist es sogar nicht gut, Namen anzuführen, vielleicht können die Namen vermieden und die Leute einfach charakterisiert werden.
Sie werden eine Charakteristik von Seiling dadurch herausbekommen, daß Sie sagen: Es gab da einen Menschen, der Dr. Steiner durch seine fanatische Anhängerschaft, die bei jedem Besuch durch einen Handkuß bekräftigt wurde, besonders ekelhaft war. Jetzt aber wird er von der Gegnerschaft benützt, um allerhand Verleumdungen zusammenzustellen. Jeder hat Gelegenheit, im rechten Moment auf so etwas hinzuweisen. Durch eine solche Charakteristik erreichen Sie mehr als durch Namennennung, weil man dann im entsprechenden Moment auf solche Leute hinweisen kann.
Jeremias ist ein alter Typus, der sich angebiedert hat, der zum Beispiel zu Frau Doktor in die Loge des Theaters in Leipzig gekommen ist und dort seine Reverenzen gemacht hat. Die Zusammenstellung dieses Logenbesuches dazumal mit dem, was Dr. Rittelmeyer erzählt hat, charakterisiert den Menschen als ein Ekel. Man braucht nur zu sagen: Einer der Gegner, der an einer der verleumderischen Versammlungen anwesend war, machte sich noch vor nicht ganz einem Jahr dadurch unangenehm bemerkbar, daß er in der biedersten Weise seine Reverenzen vor Frau Dr. Steiner in der Leipziger Theaterloge während einer Eurythmieaufführung machte. Er verlangte das. Er erschien auf der Bühne und wollte in die Loge gebracht werden. Er drängte sich hinein in die Intimitäten. Solche Masken müssen mit einer kräftigen Charakteristik gezeichnet werden.
Leisegang habe ich nicht persönlich kennengelernt; den müssen die charakterisieren, die mit ihrer Person dafür eintreten können.
Dann hätte ich noch das folgende zu sagen. Wenn Sie heute hinhorchen auf die Unzufriedenheit, so ist überall ein Grundton durchleuchtend. Es ist mir unangenehm, das zu sagen, aber ein Ton ist überall durchleuchtend. Das ist der, daß nicht dafür gesorgt worden ist, daß wirklich das Anthroposophische in der Gesellschaft vertreten wird. Wieweit dieser Vorwurf berechtigt ist, darüber bitte ich Sie, sich zu äußern. Ich referiere nur, was von den verschiedenen Seiten empfunden wird. Es wird empfunden, daß eigentlich innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft die Vertretung der Anthroposophie viel zu kurz gekommen ist, daß sich anderes an die Stelle der Anthroposophie gesetzt hat und dadurch das innere Leben verlorengegangen ist. Ein mehr «wissenschaftliches», äußeres Treiben ist dafür eingetreten, also eine gewissen Veräußerlichung. Die Leute drücken das so aus, daß sie sagen, es sei dies eine Intellektualisierung der Anthroposophie. Man muß der Stimmung entgegenkommen, die in der Jugend so stark ist, die auf Verinnerlichung geht, ohne daß man aber dabei in eine Schwärmerei verfällt. Es wird das empfunden gerade in den Kreisen der akademischen Jugend. Die will eben nicht, daß man ihr diese Kost vorsetzt, wie sie ihr in den Hochschulkursen vorgesetzt worden ist; sie will eine Verinnerlichung des menschlichen Seelenlebens. Es ist das ein Debakel, daß die Hochschulkurse von der Jugend als etwas empfunden worden sind, was nur ein etwas anderer Aufguß desjenigen ist, was sie ohnedies schon hatten. Man sagte ihnen die Dinge, die sie auf der Universität schon hatten.
Der Aufruf müßte dies enthalten, daß der Wille vorhanden ist, Anthroposophie wirklich zu treiben, Anthroposophie zu treiben sowohl nach der Erkenntnis- wie auch nach der Gemütsseite sowie nach der moralisch-religiösen Seite hin. Das müßte im Aufruf stehen. Dann müßte gegenüber den Dingen, die aufgeführt worden sind - wir haben darüber schon gesprochen -, etwas darinstehen von der Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft. Es erreicht die Aufregung in gewissen Kreisen schon einen pathologischen Zustand. Die Leute machen den Eindruck, in einer pathologischen Aufregung zu sein. Es müßte dem gegenüber etwas in dem Aufruf stehen, woran sich die Leute persönlich halten können. Es müßte darinstehen etwas von einer Gruppe von Menschen, welche die Leitung übernommen haben. Das sind die sieben oder neun Menschen, die vorläufig die Leitung der Angelegenheiten der Gesellschaft in die Hand genommen haben bis zur Einberufung der Delegiertenversammlung. Es müßte nicht vom «Zentralvorstand» — schon das Wort ist ein rotes Tuch -, es müßte nicht vom Zentralvorstand die Rede sein, sondern von den Sieben oder Neun, die den Aufruf auf ihrem Gewissen haben; die müßten als die Leiter hingestellt werden. Wenn Sie jetzt vom Zentralvorstand reden, dann führt das dazu, daß sich einfach diese oder jene Gruppe abgliedert, daß die Gesellschaft sich als Folge davon auflöst und daß sich für die Anthroposophie andere Gruppen bilden.
Man kann nur sagen: Die Leute haben absolut die Stuttgarter Führung satt, sind aber guten Willens. Im Augenblick, wo sie sehen, daß Leute etwas ernsthaft in die Hand nehmen, sind sie auch bereit zu folgen. Die Stimmung ist eine psychologisch merkwürdige und charakteristische. Die jungen Leute warten darauf, daß irgend etwas geschieht. Das ist dasjenige, was ich zum Inhalt des Aufrufs zu sagen habe.
Der Passus über die innere Arbeit müßte ausgearbeitet werden. Es müßte herauskommen, daß ein Wille da ist, auf das einzugehen, was von den einen mehr in naiver Weise, von den anderen mehr in gebildeter Weise ausgedrückt wird, daß nämlich die Leute sagen: Wir erfahren gar nichts von der wirklichen Anthroposophie; uns wird alles mögliche vorgetragen, was wir gar nicht hören wollen. — Das ist dasjenige, was gesagt wird. Der eine sagt es naiver, der andere sagt es gebildeter. Es kommt aber aus allen Kreisen. Es ist merkwürdig: Wenn man noch so ideell redet, so genügt es den Leuten doch nicht. Wenn es sich darum handelt, daß das Ideelle bis zur anthroposophischen Vertiefung kommt, darf niemals die Gemütsseite vermißt werden. Es wird immer betont, daß in der Anthroposophischen Gesellschaft kein Herz und kein Gemüt mehr sei. Das ist der heikle Punkt, daß die Leute sagen: Man kommt an die Stuttgarter Herren gar nicht heran; man bekommt keinen menschlichen Zugang zu ihnen, sie sind zugeknöpft, man kommt ihnen nicht nahe. — Also dies ist ein heikler Punkt. Es gehört in dieses Kapitel hinein, wo die Dinge gesagt werden müssen, wie sie wirklich sind. Man muß ausdrücken, wie man etwas verbessern will, ohne ein Pater-peccavi zu machen. Es müßte eine Möglichkeit gefunden werden, in der Zukunft dafür zu sorgen, daß die menschlichen Verhältnisse unter den einzelnen Anthroposophen gepflegt oder wenigstens anerkannt werden, gleichgültig, ob sie führende oder nicht führende Stellen haben.
Dann war es das Ziel der letzten Tage, nachdem wir alles Frühere durchgemacht haben, nun endlich zu einem Aufruf zu kommen, der Hand und Fuß hat. Der Aufruf kann natürlich noch so stark Hand und Fuß haben: Wenn nicht die Kräfte dahinterstehen, die in diesem Kreise hier sein sollten, dann wird er keine Folgen haben. An die weitere Diskussion des Aufrufes müßte sich auch schließen, nicht bloß - wie es in der letzten Zeit der Fall war —, daß man über Negatives redet, sondern daß die Diskussion einen gewissen Inhalt (Substanz) hat. Man muß dasjenige aussprechen, wodurch man manche Fehler, die in Stuttgart hervorgetreten sind, in der nächsten Zeit verbessern will. Man möchte darüber etwas hören, auf welche Art die Stuttgarter Persönlichkeiten sich hinter den Aufruf stellen wollen. Denn daß Sie mit ihm einverstanden sind, ist nur die eine Seite der Sache. Die andere Seite ist diese, daß man nicht etwa denkt: Morgen ist nun der Aufruf glücklich gedruckt, jetzt gehen wir wieder hin und unterrichten in der Waldorfschule, sind Bürochefs im «Kommenden Tag» und so weiter. Es müßte sich doch etwas Greifbares nach dieser Richtung hin zeigen, daß es hinter dem Aufruf steht. Der Aufruf hat nur dann einen Wert, wenn Menschen hinter ihm stehen.
Emil Leinhas: Was im Aufruf steht, muß in der Delegiertenversammlung ausgearbeitet werden.
Dr. Steiner: Dieser Punkt müßte viel gründlicher und aufmerksamer behandelt werden. Wenn dieser Kreis eine Bedeutung haben soll in der Weiterführung der Sache, so müßte dieser Punkt viel gründlicher behandelt werden. Sie müßten sich entschließen dazu, auf solche Sachen ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu verwenden. Man müßte wirklich darauf Aufmerksamkeit verwenden.
Sehen sie, wenn Sie da zum Beispiel den Namen von Rudolf Meyer in Berlin erwähnen. Dieser Meyer ist eine charakteristische Persönlichkeit aus dem Grunde, weil er nicht nach der Richtung eine Abirrung darstellt, daß die Dinge aus dem Kopf herauskommen, weil er eine Persönlichkeit sein will, die alles aus der eigenen Erfahrung heraus darstellen möchte. Dasjenige, was also einzelnen in Stuttgart vorgeworfen wird — überwiegende Intellektualität —, das wird dem Meyer nicht so vorgeworfen.
Da müssen Sie eben aus dem, was aus dem Kreis der Mitglieder zumeist aus einer richtigen Empfindung, aber aus einer falschen Interpretation hervorgeht, das müssen Sie auf das Richtige reduzieren und dafür sorgen, daß eine richtige Anschauung darüber Platz greift. Bei Meyer ist zuviel Selbstgefälligkeit da. Dasjenige, was aus einer wirklichen Innerlichkeit kommt, ist niemals selbstgefällig und stößt nicht zurück; das, was aus einem scheinbaren Erleben kommt und ungeheuer selbstgefällig auftritt, das stößt dadurch zurück. Was die Leute darüber sagen, ist einerlei. Die Realität muß irgendwie erfaßt werden. Irgendwo muß eine Stelle sein, wo sie erfaßt wird. Woran es fehlt, das ist die von allem Nebulosen abseits liegende Vertiefung in ein gewisses, nun wirklich seelisches Leben. Was die Menschen immer «dialektisch» nennen, das ist eben das Reden über die Dinge so, daß diesem Reden die Seele fehlt. Und wenn das nicht in die Realität hineinkommt, wenn also Scharfsinn, Spitzsinn und solche Dinge die Leute zu stark überwältigen, dann fühlen sie sich abgestoßen.
Bei den Stuttgarter Herren wird es so empfunden: Wenn nun doch einmal einer an einen der Stuttgarter Herren herankommt, so geht er weg, als wenn er sein Ich verloren hätte; da wird einem alles so verstandesmäßig an den Kopf geworfen, daß man dabei sich selbst verliert. — Es wäre mir unangenehm, wenn gefordert würde, daß ich Namen nenne. Die Leute fühlen sich, wenn die Stuttgarter Herren mit ihnen reden, wie ausgeleert und ichlos. Nun, nicht wahr, das hängt mit dem zusammen, daß nun wirklich sich in Stuttgart ein «System» herausgebildet hat, daß nämlich die Leute hier wie in einer Festung mit hohen Mauern leben und nicht wissen, was unter den Menschen vorgeht, die zur Gesellschaft gehören. Sie reden von der inneren Seite der Festung heraus, ohne sich um dasjenige zu kümmern, was vorgeht in der Anthroposophischen Gesellschaft; und die Leute, die herkommen, die haben dann das Gefühl, daß sie nicht angehört werden, wenn sie mit ihren Erfahrungen kommen; sie haben das Gefühl, daß sie überhaupt nicht angehört werden.
Manchmal ist das Gefühl, das die Menschen haben, so ausgedrückt worden: In Stuttgart schalten sich die menschlichen Persönlichkeiten aus. — Mir ist entgegengetreten, daß gesagt wurde: Die Stuttgarter schicken uns Herren her, die kommen mit ihren Notizbüchern, stellen ihre Fragen, schreiben etwas hinein, und dann werden diese Notizbücher ins Archiv gestellt, denn es wandern alle Dinge ins Archiv; die Persönlichkeit, die kommt nicht zu uns, sondern sie bringt ein Notizbuch mit und trägt dies dann ins Archiv; wir möchten mit Persönlichkeiten einen menschlichen Verkehr haben.
Ich erzähle nur die Dinge, die gesagt werden. Die Dinge mögen furchtbar schief ausgedrückt werden; in der Schiefheit, die aus der schlimmen Erfahrung kommt, liegt aber noch viel mehr darin. Aus dieser Empfindung spricht vielleicht eine noch stärkere Wahrheit, als da zum Ausdruck kommt. Es muß doch gesonnen werden darüber, wie dem abgeholfen werden kann. Sonst ist wirklich nichts mehr zu retten.
Wenn die Delegiertentagung wirklich zustande kommt und solche Urteile sich bilden, dann kommen wir auch nicht weiter. Ebenso wäre es gut, wenn die Mißurteile, die hinausgehen, wirklich auch hier bewußt zur Sprache kommen würden. Dr. Rittelmeyer hat gesagt, es müßten von hier aus «schlagkräftige Parolen» ausgegeben werden. Solche Parolen werden ja wirklich ausgegeben. Marie Steiner: Ich möchte dazu etwas sagen, was sich auf München bezieht. Es hat mir leid getan, von den Dingen zu hören, die sich um die Arbeit des jungen Priesters Klein abspielen. Solche Sachen wie «Anhimmelung» und «Anbetung» können so einen jungen Mann in den Glauben versetzen, daß er alte Leute leiten kann. Nun erkundigte ich mich, ob die Dinge wohl stimmten. Was mir als Echo da entgegenkam, war die Frage: Warum hat man die anthroposophische Arbeit in München zugrunde richten wollen? Der Bericht gipfelte in dem Satz, daß noch vor einigen Monaten dieser Herr die Parole bekommen hätte von einem Mitglied, das hier ist: Die religiöse Arbeit solle gestützt werden, und die Zweigarbeit solle schlafen. Von einer prominenten Persönlichkeit, so wurde gesagt, sei diese «Parole» ausgegeben worden. Es sind dadurch solche Dinge entstanden, die einige Mitglieder zu diesem Glauben gebracht haben. In München sind spezielle Verhältnisse gewesen, Zweigschwierigkeiten besonderer Art, aus denen heraus solche Meinungen entstehen konnten. Er, der Berichterstatter, stand da als einer der
Ankläger.
Dr. Peipers: Als Klein bei mir war, hatte ich den Eindruck, daß in München am ehesten etwas von der religiösen Bewegung zu erhoffen sei.
Dr. Steiner: Dies scheinen Sie in der Tat gesagt zu haben. Die Leute haben es so verstanden, daß die Führung in Stuttgart die Münchner Arbeit weiter schlafen schicken will und die religiöse Erneuerung an die Stelle der anthroposophischen Bewegung setzen will. Wir werden die Dinge, die von dem «Stuttgarter System» ausgehen, als Mißverständnisse enthüllen müssen. Solche Tatsachen sind schöpfterisch! Das also ist eine «Parole», die von Stuttgart ausgegangen ist: Man solle die Münchner Zweigarbeit schlafen schicken; es sollten sich alle an die Arbeit für religiöse Erneuerung halten. - Wenn das jemand sagt, der der religiösen Erneuerung führend vorsteht, so wäre .nichts dagegen einzuwenden. Wenn das aber von Führern der anthroposophischen Bewegung gesagt wird, dann läßt eine solche Parole die anthroposophische Bewegung zugrunde gehen.
Dr. Peipers: Ich habe die Unterstützung abgelehnt.
Marie Steiner: Das eben Gesagte bezieht sich aber auf Ihr Gespräch mit Klein. Es wurde mir gesagt, daß Sie eine hohe Summe für die religiöse Erneuerung geben wollten, außerdem, daß Sie finden, die anthroposophische Arbeit solle schlafen. Diese Worte haben aber gewirkt.
Dr. Peipers: Was man sagt, wird so leicht mißdeutet.
Marie Steiner: Diese Parolen fliegen pfeilgeschwind weiter.
Emil Leinhas äußert sich darüber.
Dr. Steiner: Derjenige, der diese Parole ausgegeben hat, gehört in Stuttgart zu den «Großköpfen», und schon deshalb wäre in München diese Parole maßgebend gewesen. So gräbt uns die religiöse Bewegung das Wasser ab. Die Münchner sind entrüstet, daß man von Stuttgart aus die anthroposophische Arbeit in München zerstört.
Dr. Peipers: Mir wurde geklagt, daß die Münchner Leute überhaupt keine Arbeit mehr leisteten.
Dr. Steiner: Wir werden alles als «Mißverständnis» aufklären. Das hindert aber nicht, daß diese Dinge, die in Stuttgart als Parolen geprägt wurden, zerstörerisch wirken; daß also durch das «Stuttgarter System» nach der Peripherie hinaus die anthroposophische Arbeit sich auflöst.
Der Ausdruck «Großkopf» hängt zusammen mit Zeichnungen in Witzblättern. Man hat solche Leute in Witzblättern so dargestellt, daß man ihnen einen Riesenkopf und einen kleinen Körper gibt. In Österreich nennt man sie die «Großkopfeten». So sind Mißverständnisse schöpferisch.
Über diese Dinge kann man sich keine Vorstellungen bilden, wenn man nicht von solchen Voraussetzungen ausgeht, wie sie hier angeschlagen worden sind. Das meiste, was man hier getan hat, muß unterlassen werden; darüber würde zu verhandeln sein. Bis jetzt ist noch nicht mehr geschehen, als daß man sich hinter den Aufruf gestellt hat. Die Delegiertenversammlung muß zustande kommen, und bei der müssen die Herrschaften nicht so erscheinen wie hier, indem sie sich um den Tisch setzen und gefaßt warten auf das, was der andere tut. Es muß jeder seine Meinung dorthin tragen, aber das nächste ist-ich muß morgen ganz früh abreisen —, daß hier in einer geschickten Weise übernommen wird, nun wirklich zum Beispiel die Jugendbewegung zu beruhigen, denn die wartet auf Antwort. Man muß mit ihr in Verhandlung auf erweitertem Boden eintreten. Die warten heute darauf, daß man ihnen sagen kann: Hier ist erwas geschehen. - Nun wird sich der Boden, auf dem sich bisher alles abgespielt hat, erweitern müssen. Man wird die Jugend zulassen und mit ihr verhandeln, und zwar muß es von morgen ab ohne Gardinen geschehen.
Es wird ein anderer Vorschlag in bezug auf die Verhandlungen mit der Jugend gemacht.
Dr. Steiner: Das wird besser sein, als wenn die Herrschaften der Jugendbewegung an den Sitzungen hier teilnehmen würden. Das würde eine Errungenschaft sein. Vor allen Dingen mache ich darauf aufmerksam, daß innerhalb der Jugendbewegung das Wort gefallen zu sein scheint, daß die Opposition gegen die Gesellschaft organisiert werden solle. Es würde nun sehr gut sein, wenn diese Organisation der Opposition auch wirklich Verständnis fände. Ich habe mir vorgestellt, daß außer Dr. Palmer auch Herr von Grone und Herr [Wolfgang] Wachsmuth einen Sinn haben könnten für dieses Unzufriedensein in der Gesellschaft. Ich glaube, daß man in Stuttgart ein Verständnis haben könnte für das Unzufriedensein. Warum soll man nur in Phrasen der Harmonie zusammentreffen? Wenn man Verständnis zeigt für das, womit die Leute unzufrieden sind, wird schon etwas geschehen sein. Nicht von oben herunter, sondern dadurch, daß man zeigt, daß man selber etwas von dem Stachel der Unzufriedenheit in sich trägt, wird man etwas bei der Jugend erreichen. Wenn der andere fühlt: Das ist auch einer, der zufrieden ist, dann sagt er sich: Mit dem will ich nichts zu tun haben. Nehmen Sie das als eine in Humor gekleidete Darstellung von etwas, was aber ernst gemeint ist.
Jürgen von Grone spricht dazu.
Dr. Steiner: Nun ist dies in Stuttgart nicht gelungen. Unzufriedenheiten, die aus der Sache herauskommen, die sind zuweilen sehr fruchtbar; aber wenn bei der Unzufriedenheit nicht gerechnet wird mit dem, was die Leute empfinden, sondern wenn daran vorbeigegangen wird, dann wirkt sie zerstörend.
Marie Steiner: Es bezieht sich auf das, was im Zyklus gesagt wurde.
Dr. Steiner: Tatsächlich muß man das sagen. Wir haben doch diese zwei Phasen der akademischen Jugendbewegung gehabt, die so charakterisiert werden müssen: Zuerst ist der Hochschulbund gegründet worden. Die Zelebritäten haben die studentischen Leiter alleingelassen und standen nicht hinter ihnen. Es löste sich das Band zwischen den studentischen Leitern und den Stuttgarter Zelebritäten auf. Nun wußten die studentischen Leiter nichts mehr anzufangen, und dann bildete sich diese Art von Studentenverbindungen, die Maikowski gewählt haben. Nun, Maikowski ist ein Mensch, der ungemein leicht von etwas zu überzeugen ist, wenn man nur in seiner Sprache zu reden versteht. Nun war jeder Anschluß zwischen dieser Jugendbewegung und den Stuttgarter Herren unmöglich. Die Jungen waren nicht mehr aufgeschlossen für irgend etwas, was von seiten dieser Herren kam. Es bildeten sich Illusionen heraus. Es ist heute noch so, wie es gewesen ist, als diese Leute hier den «Pädagogischen Jugendkurs» veranstaltet haben. Ich meine, daß dieses Wort von der «Organisation der Opposition» aufgekommen ist, das kommt daher, weil die Leute das Gefühl haben, sie könnten nicht an die Stuttgarter Herren herankommen. Die Alten draußen haben alle ein ganz ähnliches Gefühl.
Das Wesentliche müßte schon besprochen werden. Dasjenige, was nach dieser Richtung spielt, möchte ich so charakterisieren: Es gibt in Stuttgart viele Fragen, auf die man vermeidet, eine Antwort zu erteilen. Dazu gehört diese: Wenn man heute mit sehr vielen Menschen redet, so haben die das Bedürfnis, sich zu unterhalten über die Gestaltung der Zweigarbeit. Die führenden Persönlichkeiten dagegen haben nicht das Bedürfnis, über die Gestaltung der Zweigarbeit zu sprechen. Das muß aber geschehen. Es muß sogar in den Aufruf hinein, wie die Vermittlung des anthroposophischen Geistesgutes geschehen soll. Nun könnte es auch geschehen, daß vermieden wird, über diese Fragen zu sprechen. Über die wichtigsten Fragen wird hier überhaupt geschwiegen.
Ernst Uehli: Immer fragen die Zweigleiter in den Orten, wie man die Zweigarbeit gestalten soll.
Emil Leinhas spricht dazu.
Dr. Steiner: Es existiert diese Hauptfrage: Wie können wir dazu kommen, daß die Zweigarbeit überhaupt so wird, daß sie uns befriedigt? Da hört man nur dies: Wie soll man das machen, daß man mit den Herren reden kann? Wie sollen wir es machen, daß wir an die Stuttgarter Herren herankommen, damit die von uns hören, was wir gerne hätten? - Es handelt sich darum, daß da Fragen sind, auf die vermieden wird, eine Antwort zu geben. Es müßte eine positive Antwort darauf gegeben werden. Man müßte sich hier darüber aussprechen, was wir denen für eine Antwort geben, die da sagen: Wir sind rein verlorene Mitglieder, wir haben früher Freude an den Zyklen gehabt; an wen sollen wir uns wenden, damit jemand das weiß, daß wir jetzt nicht zufrieden sind?
lexander Strakosch spricht anerkennend über die frühere Arbeit von Frl. Stinde und über einzelne Zweige.
Dr. Unger spricht über die Schwierigkeiten, die entstehen durch die neuen Kräfte. Man kann die Zweigarbeit nur durch Beispiel darlegen; es sollten Schilderungen gegeben werden.
Emil Leinhas: Die Menschen wollen Persönlichkeiten sehen, die selbst die Anthroposophie in sich haben.
Marie Steiner: Das Verlangen, das einem entgegentritt, ist ein viel größeres nach Vorlesung der Vorträge als nach Referieren. Es ist ein dringendes Verlangen nach den Vorträgen Dr. Steiners da.
Dr. Unger fragt über die Art des Vorlesens.
Marie Steiner: Man muß ganz schlicht und verständnisvoll lesen, nicht zu schnell. Rhetorisches Gebaren sollte man möglichst ausschalten und nur durchlässig sein für den Inhalt. Jemand, der im Drang der Geschäfte steht und nur schnell ein bifschen die Vorträge ansieht, trifft es nicht. Viermal müßte man die Sache durchlesen. Man muß eine Einteilung des Textes haben in den Interpunktionen. Außerdem muß der Inhalt durch einen hindurchfließen können. Man muß die Vorträge gründlich durcharbeiten und dann das Persönliche auslöschen. Man muß zuvor mehrere Stunden darin leben können.
Emil Leinhas spricht über die Frage von Vorlesen oder Referieren.
Marie Steiner: Es muß vor allem eine bestimmte Seelenattitüde dasein. Man muß die furchtbar eindringliche Verstandesbetonung vermeiden, sich selbst immer ausschalten und sich so wenig wie möglich zur Geltung bringen wollen.
Dr. Peipers: Es muß beides gemacht werden: Vorlesen und Referieren.
Dr. Unger: Man muß die Archive in Leseräume umwandeln. Ein Referat ist kaum möglich, wenn man bei dem Vortrag nicht selbst dabei war. Es müßten in verschiedenen Stufen Kurse abgehalten werden.
Marie Steiner: Im Zyklenmaterial liegt so viel vor, daß es für mehrere Leben ausreicht. Wenn jemand besondere Studien machen will, ist die Möglichkeit für solche Zwecke auch gegeben. Für besondere ernste Facharbeit ist diese Möglichkeit also auch da. Es hat sich gezeigt, daß man dieses Bedürfnis im starken Maße gehabt hat. Von einem großen Teil dessen, was vorgebracht worden ist, wurde gesagt, das könnte man auch anderswo hören, und das ist nicht dasjenige, was man als besondere Zweigarbeit braucht.
Dr. Steiner: Wir sind abgekommen von dem, was im gegenwärtigen Moment fruchtbar sein kann. Wir sind von dem abgekommen, was fruchtbar sein könnte für den heutigen Abend, für das Sichstellen hinter diesen Aufruf. Der Modus, wie man es macht in den Zweigen, das ist im gegenwärtigen Augenblick nicht gemeint. Was jetzt die Mitglieder ausdrücken als etwas, das sie unbefriedigt läßt, das ist doch etwas ganz anderes. Was die Mitglieder meinen, das ist, daß sie das Gefühl haben: Sie hören zu wenig von Anthroposophie. Ob sie es nun vorgelesen kriegen oder ob es vorgetragen wird in anthroposophischer Weise, das kann nicht Gegenstand der heutigen Diskussion sein. Es handelt sich darum: Was kann getan werden, damit in der richtigen Weise vor die Welt, und zwar zuerst vor die Zweige, das Anthroposophische herangebracht werden kann?
Nicht wahr, dazu müßte die Frage viel gründlicher erfaßt werden. Denn die Unzufriedenheit, welche herrscht, geht zurück auf die Geschichte der letzten vier Jahre. Sie müssen nicht vergessen, was für Kompromisse geschlossen worden sind von den Rednern, die da wild losgelassen worden sind hinaus auf die Zweige und auf die Welt. Was das für eine Aufregung gegeben hat, wenn immer wieder Kohl geredet worden ist! Nicht wahr, Herr Uehli hat geredet in dem Elberfelder Zweig. Das Wichtigste ist nicht das, was er ausgeführt hat; das Wichtigste ist, daß der Damnitz eine heillose Angst gekriegt hat. Der ist überzeugt davon, daß er persönlich nur durch Vorlesen etwas leisten kann. Aber es sind Leute gekommen, großgezogen durch die Mißerziehung in Stuttgart, es sind Leute aufgetreten, die ihren eigenen Kohl vorgetragen haben. Das sind die Stuttgarter Unarten durch die im «Bund für Dreigliederung» eingerissene Unsitte des Vortragswesens. Was kommt da für ein Kohl heran an das Publikum! Die Unbefriedigtheit geht auf das zurück, was hier von Stuttgart angerichtet worden ist. Eine absolute Mißerziehung ist von Stuttgart ausgegangen. Man müßte der Unzufriedenheit entgegenkommen. Da war dieser von mir gehaltene Rednerkurs, bevor eine Horde auf das deutsche Publikum losgelassen worden ist. Schauen Sie sich das Echo dessen an, was durch diesen Hordenzug angerichtet worden ist! Was alles da draußen verzapft worden ist, das ist manchmal etwas gewesen, was an Groteskheit alles übertrifft. Ob es nun die Vervielfältigung der Vorträge war oder ob es ein Loslassen der Redner war: Es lag keine Gesinnung darin. Es lag ein scheußlicher bürokratischer Betrieb darin, es lag keine Innerlichkeit darin. Es wurden scheußlich vervielfältigte Nachschriften an die Leute herumgeschickt in einer wirklich bürokratischen Weise. Dieses Besondere, was hier eingerissen ist, dieses Unpersönlich-Bürokratische, der Mangel an innerlicher Gesinnung, alles, was von dem «Bund für Dreigliederung» her als besonderer Unfug eingerissen ist, das wirkt noch fort, das ist noch nicht ganz heraus. Das kommt, mit der Sache verbunden, in alle Dinge hinein. Es muß der Wille dasein, viele Dinge zu unterlassen, die gemacht worden sind, und vieles zu tun, was unterlassen worden ist. Dafür muß sich jemand einsetzen; dann wird es schon besser werden. Ebenso geschieht es, daßß wiederum einfach wahllos Leuten, von denen man wünschen müßte, daß sie die Dinge kriegen, alles vorenthalten wird. Dagegen jemand, der bloß Sensationslust daran hat, der bekommt die Dinge. Eine gewisse Sorgfalt müßte da walten. Wenn man die Leute anstellt, ist es auch so, daß man keine Sorgfalt anwendet. Sorgfalt muß man anwenden! Man darf das Gefühl nicht hervorrufen, daß es kategorisiert, eingeteilt ist, sondern daß ein menschlicher Impuls dahintersteht. Was hilft es, zu sagen: Die menschlichen Beziehungen müssen gepflegt werden! -, wenn man dann in der Handhabung der Dinge unmenschlich verfährt? Wenn man so etwas sagt, fühlt sich niemand getroffen, weil man es gar nicht sieht, wie schrecklich das System in der Handhabung der Sache ist. Oftmals haben diejenigen den Unfug am ärgsten gepflegt, die ihn jetzt am ärgsten kritisieren. Wie gesagt, in Elberfeld traten Herren auf, die großgezogen worden sind durch den Unfug, der [in der] Dreigliederungsbewegung [aufgetreten ist]. Damnitz hätte gar nichts dagegen gehabt, wenn freie gute Vorträge gehalten worden wären. Wogegen er sich gewendet hat, das hat er selber gesagt. Es waren ein paar Herren beim Stuttgarter Kongreß, und sie fühlten sich daraufhin berufen, in Elberfeld-Barmen freie Vorträge zu halten. Ich bin überzeugt, daß die reinen Kohl geredet haben und daß dadurch die Anthroposophie diskreditiert worden ist. Damnitz selbst hätte vielleicht gesagt, daß er es auch nicht könnte. Dieses System, daß jeder seinen eigenen Kohl reden müßte — ich rede nicht gegen Selbständigkeit, sondern gegen dieses Nicht-unterscheiden-Wollen zwischen dem, was sein sollte, und dem, was nicht sein sollte —, dabei kommt man leicht in spekulativ-dialektische Erörterungen hinein.
Gewiß, es kann immer unterlaufen, daß schlechte Leistungen auftreten. Aber es ist ein großer Unterschied, ob die Handhabung eine solche ist, wie sie in den letzten Jahren hervorgetreten ist, oder ob man als Mensch hinter den Dingen steht. Man kann den einzelnen Leistungen gegenüber wissen, ob es eine gute oder eine schlechte Leistung ist. Ich habe nichts dagegen, wenn jemand einen eigenen Vortrag hält. Im Gegenteil: soviel wie nur irgend möglich. Ich habe es ja selbst gefordert, Das-eigene-Vorträge-Halten. Ob nun jemand einen referierten oder einen eigenen Vortrag hält: Innerhalb unserer Bewegung soll alles dazu dienen, unsere Sache zu pflegen, und nicht, sie zu diskreditieren. Das ist das, worauf es ankommt. Die Dinge sind alle relativ. Ich kann mir gut denken, daß es in den verschiedenen Zweigen verschieden gehandhabt wird. In dem einen Zweig wird jemand sein, der vorliest; in einem anderen wieder jemand, der von sich aus etwas gibt.
Da sind auch manchmal merkwürdige Auffassungen. Ich kenne einen Zweig-es kommt das auch zu diesen eben gesprochenen Dingen hinzu, weil sich dadurch ein Gesamturteil ergibt -, dessen Vorsitzender sich nie dazu herbeigelassen haben würde, irgendwelche Vorträge bloß vorzulesen, sondern der sich das Material bei mir geholt hat über Dinge, die ich noch gar nicht einmal selbst vorgetragen hatte. Die Themen hat die betreffende Persönlichkeit sich gewählt. Nun kann man gar nicht entscheiden: Ist so etwas ein eigener Vortrag oder nicht? Es kommt auf die Eigenheiten der betreffenden Persönlichkeit an, ob es mehr oder weniger frei oder unfrei ist.
Die Frage des gesinnungsmäßigen Förderns der anthroposophischen Sache: ja, das ist eine prinzipielle Sache. Da müßte man gewisse Dinge unterscheiden lernen. Gewiß, Sie stoßen manchmal an dasjenige, was schwer zu beurteilen ist. Und dann wird dadurch, daß Sie an solche Dinge stoßen, die schwer zu beurteilen sind, das Urteil im weitesten Umkreis konfus. Nicht wahr, manchmal wird es schließlich gräßlich sein.
Es muß Enthusiasmus entstehen! Und Enthusiasmus kann nur entstehen, wenn man eine Sache in der richtigen Weise anfaßt, zum Beispiel die Anthroposophie in entsprechender Weise in die Welt bringt. Hier entwickelt man Enthusiasmus für mancherlei Dinge, die nichts mit der anthroposophischen Sache zu tun haben. Dagegen wird es nicht leicht jemandem einfallen, in der entsprechenden Weise dasselbe zu tun für das, was auf unserem Boden selbst wächst, zum Beispiel das Eurythmische. Das Eurythmische, mit alledem, was drum und dran hängt, das mit Enthusiasmus hineinzustellen in die ganze Bewegung, dadurch würde für die anthroposophische Sache gewirkt werden! Während es eigentlich ein bißchen abführt von unserer Sache, wenn man so etwas arrangiert wie ein Konzert in unseren Räumen am nächsten Samstag. Das ist etwas, was im eminentesten Sinne abführt; was hat das mit unserer Sache zu tun?
Paul Baumann äußert sich dazu.
Dr. Steiner: Da kommen wir an die Punkte, wo esgilt, die anthroposophische Gesinnung zu haben oder nicht. Deshalb sage ich: Man stößt da an die Grenzen an. Von dem Stuttgarter Zentrum geht es aus, wo alles, was Anthroposophie ist, zum Verhudeln kommt. Wenn es halt möglich ist, so läßt sich eine Sängerin herbei, in unseren Räumen zu singen. Auf diese Weise kommen wir durchaus vom Wesentlichen ab. Dann verdienen wir eben, so behandelt zu werden von der Welt, wie es geschieht, wenn wirklich perfide Auffassungen der Anthroposophie vorkommen. Das gehört zu dem, um was es sich handelt. Ich wundere mich nicht, wenn so etwas gar nicht gefühlt wird, daß von Stuttgart aus die ganze Anthroposophische Gesellschaft verhudelt wird, daß alles Gefühl dafür verlorengegangen ist, was eigentlich mit der Anthroposophie gegeben werden soll.
Marie Steiner: Die Damen, die hier an der Eurythmieschule arbeiten, werden oft von Mitgliedern gefragt, was sie hier eigentlich tun. Also, man hat keine Ahnung davon, daß hier eine Eurythmieschule ist.
Dr. Steiner: Wenn wir uns dazu herbeilassen, eine Ablagerungsstätte für jeden sein zu wollen, der auch sonst überall sein könnte, ohne daß er irgend etwas hat, das mit dem Anthroposophischen zusammenhängt, dann verliert die Bewegung ihre Stoßkraft.
Marie Steiner: Es sind nur zugereiste Damen, die hier in die Eurythmieschule gehen. Es ist nicht ein einziger Stuttgarter in diesem Kurs.
Es wird über die Gründungen gesprochen.
Dr. Steiner: Ich möchte auch das ins Positive verwandelt wissen, ich möchte, daß ein Enthusiasmus dafür entstehe, das Anthroposophische in entsprechender Beleuchtung in die Welt zu tragen. Wir haben auch wirklich keine Berechtigung, die Dinge äußerlich zu begründen und sie dann nicht zur Pflege der Sache zu verwenden. Das ist also dasjenige, was so schrecklich ist. Wir haben die äußere Möglichkeit, das Anthroposophische zu pflegen, herbeigeführt dadurch, daß wir materielle Opfer in Anspruch genommen haben; wir müssen diese Möglichkeit auch ausnützen. Wir müssen dazu kommen, daß die Zeitschrift «Anthroposophie» etwas ganz anderes wird, daß sie der anthroposophischen Sache dient, daß man nicht nur das Gefühl hat: Es ist jede Woche die Sorge da, daß sie voll wird. Das gehört dazu, wenn ich sage, man muß hinter dem Aufruf stehen.
Der Aufruf ist jetzt glücklich zustande gekommen. Mit welchen Schwierigkeiten! Die nötigen Änderungen können leicht gemacht werden; der Aufruf ist aber wirklich zustande gekommen. Die Diskussion über das Hinter-dem-Aufruf-Stehen ist wieder genau so, daß es in den nächsten Wochen wiederum so verlaufen könnte wie vorher, ob man mehr oder weniger vorlesen oder selbst vortragen solle. Das meinen die Leute nicht, die heute unbefriedigt sind. Die Dinge verlaufen ergebnislos, weil man sich nicht mit ihnen beschäftigt.
Dr. Unger und Emil Leinhas sprechen; andere machen Vorschläge.
Dr. Steiner: Ich fürchte nur, wenn Vorträge gehalten werden, wenn Eurythmievorstellungen am Abend gegeben werden, ich fürchte nur, daß sich viele dann drücken werden, den Ernst der Lage auf die Tagesordnung zu bringen. Die Vortragenden werden sich nicht um die Besprechung des Schicksals der Anthroposophischen Gesellschaft kümmern. Ich fürchte, das würde etwas werden, was an sich ausgezeichnet sein könnte, was aber nicht das werden wird, was wir im gegenwärtigen Moment brauchen. Wir haben glänzende solche Veranstaltungen gehabt. Wir haben doch die Kongresse hintereinander gehabt. Wir haben sie in Wien, in Stuttgart, in Dornach gehabt. Ja, die Dinge waren in sich ausgezeichnet. Aber der anthroposophischen Bewegung haben sie dadurch, daß sie niemals ausgenützt worden sind, stärker geschadet als genützt.
Emil Leinhas rät zu Vorträgen von Dr. Steiner und Berichten über die Institutionen.
Dr. Kolisko äußert sich dazu.
Dr. Steiner: Sie müssen auch behandelt werden. Wenn die heutige Diskussion von dem Augenblick an, wo wir den Aufruf fertig besprochen hatten, diesen Verlauf nimmt, so ist das ein Musterbeispiel, wie diese Delegiertenversammlung nicht sein darf. Sie darf nicht so sein! Könnte nicht auch die Frage ein bißchen behandelt werden, woher es denn kommt, daß dieser Dreißigerausschuß so steril geworden ist, wo doch die gescheitesten Menschen Mitteleuropas beisammen sitzen? Vielleicht würde es nützlich sein zu fragen, warum denn dieser erlauchte Kreis so unfruchtbar geblieben ist?
Dr. Schwebsch spricht dazu.
Dr. Steiner: Ich weiß, daß hier Persönlichkeiten sitzen, welche die ganze Sache für unnötig halten, daß man sich mit der Frage der Konsolidierung der Anthroposophischen Gesellschaft beschäftigt. Wenn man diese Dinge niemals behandelt hätte, wenn man sich für all das keine Mühe gegeben hätte, dann säßen Sie heute überhaupt nicht da. Dann gäbe es keine Fonds, aus denen die Waldorfschule gespeist wird. Dessen können Sie sicher sein, daß das einmal anders war. Man hat einmal aus dem Leben heraus die Gesellschaft begründet, und daraus ist die Möglichkeit entstanden, daß Sie heute hier sitzen — und finden können, daß das alles unfruchtbar sei. Wenn es immer so gewesen wäre, wenn zum Beispiel viele solche Menschen, wie Sie sind, beim Ausgangspunkt der Gesellschaft gesessen hätten, dann könnten Sie heute nicht dasitzen. Sie sind wie die berühmte Persönlichkeit, die sich an ihrem eigenen Haarschopf in die Höhe ziehen will. Deshalb wären Sie schon verpflichtet, die Sache tiefer zu begründen. Warum sagen Sie denn nicht selbst das Bedeutende, das Ihnen hier fehlt und wodurch die Sache gehoben würde? Das Leben ist nicht dazu da, daß es bloß angenehm ist. Wenn es sich um bloße Annehmlichkeiten handeln soll, kann man nicht Dreißigersitzungen abhalten. Warum machen Sie es nicht selbst besser? Man kann auch hier sitzen und doch nicht dasein.
Marie Steiner: Man muß sich plagen, wenn es sich um Gruppengeist-Erkenntnisse handelt.
Toni Völker: Man hat nicht verstanden, Sie, Herr Doktor, als esoterischen Lehrer zu nehmen. Das ist nicht gehandhabt und verstanden worden, das Esoterische ins praktische Leben hineinzutragen. Daran scheint mir zu liegen, daß es so geworden ist.
Dr. Steiner: Die Dinge, die hier besprochen werden sollen - und zwar real besprochen werden sollen —, die sind im Grunde genommen notwendig geworden durch das, was in der Gesellschaft nach und nach hervorgetreten ist. Was aber früher in der Gesellschaft gefunden werden konnte, daß ein Wort von mir in einem engeren Kreise geblieben ist, das ist heute nicht mehr vorhanden. Und daher ist es unmöglich geworden, sich über die notwendigen Dinge real zu besprechen. Heute steht es so, daß ich eigentlich nicht den Anspruch machen dürfte, ein Wort in einem engeren Kreise zu sagen, weil jedes Wort in die Welt hinausgetragen wird. Im Sinne von Esoterik, von esoterischen Wahrheiten, in dem Sinne können wir mehr als früher sprechen. Jetzt wird in den öffentlichen Vorträgen mehr esoterischer Gehalt gebracht als früher in den Zyklen; aber es war früher doch in einem gewissen Sinne möglich, in engeren Kreisen etwas zu bringen, was in diesen engeren Kreisen geblieben ist. Aber heute ist das ausgeschlossen; heute ist es absolut ausgeschlossen.
Toni Völker: Wenn man das Esoterische ins Leben trägt, dann könnten die Zustände nicht eintreten, wie sie jetzt sind. Es käme darauf an, daß man die Sachen tut, statt über sie zu verhandeln.
Dr. Steiner: Die Dinge, von denen man sich nie hätte träumen lassen, von denen man sich gar nicht würde einfallen lassen, daß sie aus den Kreisen hinauskommen würden, die erscheinen in den brutalen Artikeln in den Zeitungen; die sind seit Jahren besprochen worden, über die schreibt der Pfarrer Kully in den Zeitungen. Es müßte die Neigung bestehen, darüber nachzudenken, warum die Gesellschaft so geworden ist. Dieses Herunterkommen der Gesellschaft ist verknüpft mit dem Gang der Ereignisse, wie er sich in Stuttgart seit vier Jahren entwickelt hat. Er hat dazu geführt, daß die Anthroposophische Gesellschaft so furchtbar heruntergekommen ist. Es überwiegt der Klatsch gegenüber dem Ernst. Es überwiegt die Trivialität gegenüber dem, was nach dieser Richtung sein sollte, nach der Richtung des Pietätvollen hin. Es wäre gut gewesen, wenn die Zeit, die Jetzt verwendet worden ist zu Trivialitäten, wenn diese Zeit eben dazu verwendet worden wäre, daß diese furchtbare Lage der Gesellschaft mit einer etwas größeren Klarheit zur Sprache gebracht worden wäre. Die Anthroposophische Gesellschaft müßte eine Realität werden. Sie ist ein Schemen geworden, aber dieses Schemen ist wirklich ein sehr ahrimanisches Produkt. Die Anthroposophische Gesellschaft ist überall ahrimanisch durchlöchert.
Ernst Uehli: Es ist an der Gesellschaft durch die Dreigliederungsbewegung gesündigt worden. Es war dieser Dreißigerkreis da, aber es ist nicht wirklich gehandelt worden. Was besprochen wurde, wurde nicht ins Willensmäßige umgesetzt. Dr. Röschl: Man geht nicht auf die konkreten Fragen ein. Ich habe immer den Gedanken: Was soll ich eigentlich da?
Dr. Steiner: Die Sache würde sofort besser werden, wenn man eben nicht so weiter verführe, in dem Augenblick, wo man die Dinge klar einsieht. Gewiß, die Dinge haben auch ihre Berechtigung. Auf der anderen Seite liegt der Verlauf der Verhandlungen in einer bestimmten psychologischen Verfassung des Kreises. Wenn Sie zugehört haben, wie die Diskussionen verlaufen sind, so werden Sie bemerkt haben, daß ein großer Teil der Reden, der Wortmeldungen, seit Wochen darauf hinausgelaufen ist, daß jemand sagt: Ich schlage vor, daß wir uns über dies oder jenes unterhalten. — Eine solche Art des Vorschlagens hat sich bloß in diesem Kreis herausgebildet. Irgendwoanders würde das nicht vorkommen, daß jemand sich meldet und sagen würde: Ich schlage vor, daß wir uns über dies und das unterhalten. — Hier in diesem Kreis ist das immerfort vorgekommen. Woanders fängt man an, über das zu reden, was man über etwas meint. Ich könnte zeigen, wie wenige etwas zu ihrem Thema gesagt haben. Ein großer Teil der Debatten läuft auch darauf hinaus, daß jemand sagt: Ich stelle mich voll hinter das und jenes. Das ändert nichts im Materiellen der Sache. Einer der Abende hat darin bestanden, daß einer nach dem anderen gesagt hat, er stelle sich voll hinter das und das. Denken Sie nur einmal, wenn dieses psychologische Moment ins Auge gefaßt würde, wie durch den Inhalt des Gesprochenen einfach dies bewiesen wird: Man fühlt sich selbst gar nicht als eine Realität. Man fühlt sich nicht als Realität; man gestattet sich, ein Schemen zu sein. Halten Sie Rückwärtsschau, wie oft diese Dinge vorgekommen sind! Es ist leichter, Fragen zu stellen, als Antworten zu geben. Nehmen Sie die Sache von der psychologischen Seite her.
Ich möchte noch folgendes sagen. Die Dinge können in aller Gutmütigkeit erörtert werden. Sie verlangen da etwas, was Sie nicht verlangen sollten. Derjenige, der von dem Seminar geredet hat, der kennt genau die Geschichte davon, seitdem er mit dem betreffenden Herrn gesprochen hat.1 Wenn er die Sache auftischt, dann könnte er während der Spanne Zeit, seit er das erfahren hat, darüber nachgedacht haben. Er könnte die Ergebnisse des Erfahrenen bringen, statt die Ergebnisse des Nichtnachdenkens zu bringen.
Überhaupt herrscht im Dreißigerkreis dies im allgemeinen, daß viel von den anderen gefordert wird, aber möglichst wenig von sich selbst. Dadurch hebt sich so viel auf; die Rechnung hebt sich auf. Es wird von den anderen fast Unmenschliches gefordert, und keiner mutet sich zu, dasselbe von sich selber zu fordern. Darin liegt schon vieles. Ich kann deshalb nicht ganz einverstanden sein, wenn Dr. von Baravalle fortwährend sagt: «Ich habe nichts von diesem Kreise.» Warum fragt er nie danach: Wieviel hat der Kreis von mir? Diese Frage müßte von jedem einzelnen aufgeworfen werden. Denn das rächt sich. Das ist so lange hier der Fall, als der Kreis besteht. Es wird so furchtbar viel geschimpft; es weiß ein jeder, was der Dreißigerkreis für Schäden hat; daher sollte man voraussetzen, daß die Schäden abgestellt werden. Da es ja alle wissen, könnte von allen heute darüber nachgedacht worden sein. Das Schimpfen und Nichtnachdenken ist so Gewohnheit geworden, und man verfällt immer wieder in diese Gewohnheit.
Heute ist der Aufruf zustande gekommen. Er ist aus der Intelligenz dieser erlauchten Körperschaft hervorgegangen. Halten Sie es für ganz ausgeschlossen, daß man diesen Aufruf nicht auch nach der dritten Sitzung schon hätte zustande bringen können? Der Aufruf ist ein Ausfluß der Intelligenz. Daß er nicht schon vor drei Wochen zustande gekommen ist, das ist ein Mangel an einem Ausfluß des Willens. Sie würden ja furchtbar gescheit werden, wenn wir zehn Jahre so weiter warten wollten. Ich bin nicht der Meinung, daß zur Abfassung des Aufrufs durch die gestrige Sitzung so viel beigetragen worden ist. Es ist eine Willensfrage. Man muß sich zu diesen Dingen entschließen. Man muß etwas wollen. Warum ist das nicht, daß man etwas will? Warum ist nur das Negative da, das Ablehnen des anderen? Warum ist das Einsetzen für den anderen nicht da? Eigentlich gehört viel mehr Spitzfindigkeit dazu, die Fehler des anderen so genau zu erkennen, wie wenn wir alle die Absicht hätten, auch das Positive des anderen zu sehen. Wenn man nur ein Viertel davon für das Positive verwenden würde, so würde viel dabei herauskommen.
Wir sind jetzt darüber klar, daß von jetzt bis zur Delegiertenversammlung, die aber möglichst bald stattfinden muß, dieses Siebenerkomitee hier führt [Dr. Unger, Dr. Kolisko, Emil Leinhas, Dr. Palmer, Dr. Rittelmeyer, Frl. Mücke, Herr von Grone]. Ich wollte, daß dieses Siebenerkomitee so gut führt, daß die Delegierten wünschten, es solle bleiben.2
Ich muß heute abend eine Antwort geben: Wann sollen wir die Delegiertenversammlung abhalten? Ich denke in 14 Tagen. Wir können drei Tage in Aussicht nehmen. Es wäre gut, wenn man für die Tagesversammlungen den Raum hier bekäme und für die Abendvorträge den Sieglehaus-Saal.
Die Mitglieder äußern sich dazu.
Dr. Steiner: Es würde besser sein, man schickte den Ausländern einen Bericht über den Verlauf der Versammlungen, weil man die ganze Sache als eine abgeschlossene behandeln sollte. Den Aufruf, der die Ausländer nichts angeht, sollte man nicht schicken.
Herr Leinhas: Österreich, Holland und Skandinavien haben sich als hierher gehörig betrachtet.
Dr. Steiner: Ich weiß nicht, ob man es nicht so machen müßte, falls man es nach Österreich schickt, daß man den Aufruf an die Leitung in Österreich schickt und es ihnen anheimstellt, es ihrerseits auch in Österreich zu verbreiten. Man kann es an die Leitung in Wien schikken, und die sollte es mit ihrer eigenen Gegenzeichnung verbreiten.
Emil Leinhas: Die Ortsgruppen haben keine Zentrale in Wien. Dr. Steiner: Meinetwegen kann man es auch schicken.
Emil Leinbas: Herrn Steffen müßte man wohl den Aufruf zur Kenntnisnahme schicken.
Dr. Steiner: Man kann ihm den Aufruf privat übergeben. Offiziell geht es ihn nichts an. Herr Leinbas: 25., 26., 27. oder 24. Februar? Abends Eurythmie und 2 Vorträge.
Marie Steiner: Wegen der Proben müßte ich hier sein.
Dr. Steiner: Ich habe große Sorge darüber, daß der Eifer nachläßt. Ich habe eine heillose Sorge darüber. Ich werde mich entschließen müssen, am Montag wiederzukommen. Es ist erst ein Rohbau da; die Sache mit dem «inneren Leben» muß noch sorgfältig ausgearbeitet werden. Es muß am Montag in einer noch ganz und gar durchkorrigierbaren Form vorliegen. Es kann am Dienstag gedruckt werden. Die Kuverts können schon fertig sein. Es kann am Dienstag herausgehen.