The Fateful Year of 1923

GA 259 — 19 August 1923, Penmaenmawr

Ansprache in einer Aussprache über die Zukunft der Anthroposophischen Gesellschaft in England

Meine sehr verehrten Anwesenden! Über das Thema der heutigen Diskussion würde es sich empfehlen, wenn ich, nachdem die eine oder andere Ansicht zur allgemeinen Klärung sich geltend gemacht hat, noch einmal in den nächsten Tagen oder gegen das Ende der Diskussionsabende hin sprechen könnte. Für heute möchte ich nur einiges gewissermaßen zum voraus bemerken.

Es handelt sich ja in der Tat bei der Ausbreitung der anthroposophischen Bewegung, der Anthroposophie überhaupt, um einige Schwierigkeiten. Aber diese Schwierigkeiten sind zu überwinden, wenn sich eine möglichst große Anzahl von Menschen findet, welche die Bedingungen einer solchen Bewegung, wie es die anthroposophische ist, wirklich im strengsten Sinne in ihr Herz aufnimmt. Die anthroposophische Bewegung kann sich eigentlich nicht so ausbreiten wie irgendeine andere Bewegung durch die äußere Organisation oder durch die Organisation der Form. Denn derjenige, der einfach als ein für das geistige Leben interessierter Mensch der Gegenwart von der anthroposophischen Bewegung im allgemeinen hört und dann sich die Frage vorlegt: Soll ich mich beteiligen an dieser anthroposophischen Bewegung? -, der wird zunächst sehr häufig sich daran stoßen müssen, daß es so aussieht, als ob die anthroposophische Bewegung gewisse Dogmen in sich trüge, zu denen man sich bekennen müsse, als ob sie forderte, daß man sich zu diesen oder jenen Sätzen geradezu, ich möchte sagen, mit seinem Namen verschreiben müßte. Oftmals hörte man aus dem Schoße der Anthroposophischen Gesellschaft heraus: Ach, der-oder die-kann ja doch nicht als ein richtiger Anthroposoph angesehen werden, denn sie hat - oder er hat — über dieses oder jenes Ding das eine oder andere gesagt! - Dann sieht es so aus, als ob die anthroposophische Bewegung irgend etwas zu tun habe mit einer Rechtgläubigkeit oder überhaupt einer Gläubigkeit. Und gerade das schadet am allerallermeisten einer rein geistigen Bewegung, wie es die anthroposophische sein will.

Gewiß, auch eine solche Bewegung muß eine Organisation haben; aber das, was sie gegenüber der Organisation noch außerdem haben muß, ist eine möglichst große Weitherzigkeit. Diese Weitherzigkeit, die muß allerdings mehr im Gefühl, ich möchte fast sagen, im Takte leben derjenigen, die sich schon fühlen als Träger der anthroposophischen Bewegung, als in irgendwelchen Grundsätzen. Daher schien es mir schon immer bedenklich, daß die anthroposophische Bewegung weiter fortbehalten hat die drei sogenannten Grundsätze, die von der Theosophischen Gesellschaft herübergenommen worden sind — damals ja ganz gewiß mit Recht, als die theosophische Bewegung bestanden hat -, aber die eigentlich doch noch immer das Vorurteil hervorrufen könnten, als ob es sich bei der anthroposophischen Bewegung um irgend etwas Sektiererisches handelt. Daß diese Meinung in der Welt nicht nur entstehen kann, sondern daß vielfach doch - verzeihen Sie, wenn ich das ganz offen ausspreche — von der Anthroposophischen Gesellschaft selbst etwas ausgeht, was die Bewegung wie in einem sektiererischen Lichte zeigt, das macht es so außerordentlich schwer für die Außenstehenden, an die anthroposophische Bewegung heranzukommen. Man braucht dem gegenüber ja nur die anthroposophische Bewegung selbst zu stellen.

Ich habe vorgestern drüben in Ilkley gesagt: Ich selber möchte am liebsten alle acht Tage für die Bewegung, um die es sich handelt, einen anderen Namen haben! Wenn das leicht ginge, organisatorisch ginge, dann wäre mir dieses das Allerliebste; denn der Name ist zunächst schon etwas, bei dem die Leute nicht gern verweilen wollen, weil sie ja zunächst nachdenken darüber: Anthroposophie — was ist das? — Sie bilden sich einen Namen erst recht aus den Grundsätzen heraus: eins, zwei, drei— und bekennen sich dann zu allem möglichen, nur nicht zu dem, was real durch die anthroposophische Bewegung nun wirklich fließt.

Sehen Sie, hier in England ist das ja noch nicht so stark ersichtlich, aber auf dem Kontinente würden Sie alsbald die Erfahrung machen können, wie stark noch immer das Vorurteil wirkt, als ob die anthroposophische Bewegung etwas Sektiererisches, eine Sekte, wäre. Die Schriften, die heute über Anthroposophie auf dem Kontinente erschienen sind, sind ja tatsächlich in ungeheurer Zahl erschienen; man kann sagen: Jedes Mal, wenn man wieder in eine Buchhandlung kommt und sich die Schriften, die unterdessen erschienen sind, zeigen läßt, so ist irgendeine Schrift wieder darunter über Anthroposophie. Aber wenn man alle die Schriften liest, die über Anthroposophie gegnerisch, manchmal auch sogar mit dem Glauben, daß man es gut meint mit der Anthroposophie, erschienen sind, dann muß man sich wirklich sagen: Was ist in diesen verschiedenen Schriften aus der Anthroposophie eigentlich geworden! Ich muß gestehen, wenn ich oftmals nicht gerade abscheuliche gegnerische Schriften, die gibt es natürlich in viel größerer Zahl, aber wenn ich auch solche Schriften lese, die scheinbar objektiv die Anthroposophie beurteilen wollen, und mich dann frage, welches Bild sich da über die Anthroposophie ergibt, welches Bild der eine oder andere Theologe oder Philosoph oder auch nach allen Richtungen hin Laien über die Anthroposophie sich gebildet haben, und mir dieses Bild vorstelle, dann sage ich mir: Ich möchte wirklich kein Anthroposoph werden! Denn es ist ja eigentlich so, daß man dieses nimmt und aus dem, was man gelesen hat und was die Gegner gesagt haben, auch aus allen möglichen kurzen Berichten über Vorträge, sich Meinungen bildet, Meinungen, die dann so unzutreffend wie möglich sind. Um was es sich handelt, das ist, daß an die Stelle solcher Meinungen, die das Haupthindernis für die Ausbreitung der anthroposophischen Bewegung sind, der richtige Inhalt der Anthroposophie vor die Welt hinaus könne. Das ist es, um was es sich handelt. Und dieser Inhalt der Anthroposophie, der müßte eigentlich so vor die Welt hingebracht werden, daß man einsieht: Da handelt es sich nicht um etwas Sektiererisches, nicht um etwas, was man mit einem Namen umfassen kann. Man muß da wirklich gegenüberstellen jenen kurzen Darstellungen, die auf vier oder fünf Seiten das Wesen der Anthroposophie erörtern, die Tatsache, daß Anthroposophie nach und nach nun wirklich sich über alle möglichen Gebiete verbreitet.

Nehmen Sie das Gebiet, das wir in den letzten vierzehn Tagen in Ilkley besprochen haben: das pädagogische Gebiet. Dieses pädagogische Gebiet wird so behandelt, daß nur die pädagogischen, die didaktischen Methoden in der besten Weise aus der anthroposophischen Bewegung herausgearbeitet werden sollen. Die Waldorfschule in Stuttgart, in der diese Pädagogik, diese Didaktik, zur Anwendung kommt, ist nichts von einer Sektenschule, nichts von einer dogmatischen Schule, nichts von dem, was die Welt gern eine Anthroposophenschule nennen möchte. Denn wir tragen nicht anthroposophische Dogmatik in die Schule hinein, sondern wir suchen die rein didaktisch-pädagogischen Methoden so auszubilden, wie sie allgemein menschlich sind. Und damit wird von diesen Gebieten aus auf die Anthroposophie doch in einer ganz bestimmten Weise hingedeutet. Es wird so hingedeutet, daß man sagen kann: Es gibt heute viele Bewegungen in der Welt — jeder Mensch macht ja fast schon heute eine Bewegung, man kann auch nicht sagen, daß nicht alle diese Bewegungen sehr vernünftig wären, denn das ist ja vor allen Dingen das Charakteristische des gegenwärtigen Menschen, daß er vernünftig ist. — Wir haben es doch dahin gebracht, daß die Vernünftigkeit eine allgemeine Eigenschaft der Menschen geworden ist. Daher kann ich mir leicht vorstellen, daß sich heute 5, 10, 15 zusammensetzen, die sehr gescheit sind, und ein Programm ausarbeiten mit 12 oder 30 Paragraphen, die außerordentlich vernünftig sind, über die beste Pädagogik, die man haben kann - ich kann mir vorstellen, daß nicht das geringste gegen ein solches Programm zu sagen wäre. Aber in der Praxis, in der Schulpraxis kann man mit solchen Programmen gar nichts anfangen; da muß man wissen, wie sich das Kind jedes Jahr entwickelt, wie man der einzelnen kindlichen Individualität entgegenkommt. Und selbst das genügt nicht: In einem solchen sehr vernünftigen Programm über Reformpädagogik könnte zum Beispiel drinnen stehen, wie die Lehrer beschaffen sein müssen. Ja, da könnte ich mir vorstellen, daß unglaublich schöne, herrliche Bilder von der Beschaffenheit der Lehrer in einer solchen Schule gemalt werden könnten — aber wenn die Lehrer dann nicht da sind, so wie sie in diesen Programmreihen gemalt werden, und wenn auch zunächst keine Aussicht ist, daß diese Lehrer so sein können, wie es in diesen vernünftigen Programmen steht, so muß man diejenigen Lehrer nehmen, die man hat, die man bekommen kann, und muß mit denen das relativ Beste machen. Das ist Praxis — Praxis, die sich auch ausdehnt auf die Wahl der Menschen, die man an irgendeinen Platz stellt. Und so handelt es sich darum, daß Anthroposophie in dem Augenblicke, wo sie ins Leben eingreifen will, nur allgemein menschlich sein will, absehen will von jeder Dogmatik, wiederum das Leben selber ergreifen will, darstellen will. Das wollen - kann man sagen - die andern Reformbewegungen auch; aber dazu sehe man sie eben an, ob sie es wollen, ob nicht heute die Menschen, die gerade am meisten Praktiker zu sein glauben, die stärksten Theoretiker sind, weil sie alles von der Theorie, vom Programm abhängig machen. So paradox es klingt: In den kommerziellen und industriellen und namentlich in den sogenannten praktischen Berufen stecken heute die stärksten Theoretiker drinnen. Kein Mensch, wenn er heute im meinetwillen praktischen Leben steht, sieht die wirkliche Praxis, sondern das, was er sich einbildet.

Es ist daher kein Wunder, daß die aufgebauten Systeme von Wirtschaftszusammenhängen, die ganz theoretisch sind, nach und nach zusammenbrechen. Dasjenige, was wir heute brauchen, ist ein unmittelbares Hineinarbeiten ins Leben, ein Sehen dessen, was in den Menschen ist und sein kann. Und diesen Unterschied der anthroposophischen Bewegung gegenüber anderen Bewegungen, den müßte man sich bestreben, der Welt klar zu machen: ihr Umfassendes, ihr Unvoreingenommenes, ihr Vorurteilsloses, ihr Dogmenfreies: daß sie bloß eine Versuchsmethode des allgemein Menschlichen und der allgemeinen Welterscheinungen sein will.

Und so können wir sagen: Im Künstlerischen - ja, wenn Sie den Dornacher Bau, der in so tragischer Weise geendet hat, wenn Sie die Eurythmie-Vorstellungen sehen -, was ist denn da dasjenige, was mit irgendeiner Dogmatik zusammenhängt? Beim Dornacher Bau wurde aus den Bauformen, die als die besten, anschaulichen Formen aus dem Holz hervorgeholt werden konnten, gebaut. Ein Baustil, wie er eben aus dem unmittelbaren Leben der Menschen der Gegenwart hervorgehen konnte! In der Eurythmie wird ja nicht etwa gezeigt, wie man, ja wie soll man sagen, anthroposophische Dogmen realisieren solle, sondern wie man die besten aus dem menschlichen Organismus herausfolgenden Bewegungen macht, so daß diese Bewegungen zu einer wirklichen, künstlerisch zu gestaltenden Sprache werden. Und so könnte man sagen: Für die verschiedensten Gebiete wird durch Anthroposophie die durch den Geist vertiefte Sachkunde und Sachpraxis eben angestrebt. Dadurch unterscheidet sich das Anthroposophische von dem anderen, was heute in der Welt da ist.

Und so möchte man eigentlich, daß Anthroposophie jede Woche einen andern Namen haben könnte, damit sich die Leute gar nicht gewöhnen können an all das, was aus einer Namengebung folgt. Denken Sie doch nur einmal, daß gerade diese Namengebung in der neueren Zeit einen so furchtbaren Zivilisationsunfug bewirkt hat. Ich weiß nicht, ob es in England auch so war, aber zum Beispiel auf dem Gebiete der Malerei, ja, da hat man im Laufe der letzten Jahrzehnte auf dem Kontinent alle möglichen «Schulen» erlebt. Da waren zum Beispiel die Freilicht-Maler, die Impressionisten, die Expressionisten, die Futuristen, die Kubisten und so weiter, und die Leute haben sich gewöhnt, weil solche Namen die Dinge umfaßten, alles mögliche zu sagen, aber nur nichts zu reden über Malerei, wenn gemalt wurde. Es handelt sich ja wirklich nicht darum, wenn man malt, ob man ein Kubist oder Impressionist oder ein anderer «-ist» ist - es handelt sich doch wirklich darum, daß man malen kann! Und so handelt es sich auch im Leben wirklich darum, daß man da, wo es sich gibt, das Leben in der richtigen Weise anfaßt. Und so möchte ich, daß man der Anthroposophie eben alle acht Tage einen andern Namen geben könnte, weil dann die Leute sich überhaupt an keinen Namen gewöhnen und an die Sache selber herankommen würden. Das wäre für die Anthroposophie das beste!

Ja nun, man muß solche Dinge so extrem, so radikal ausdrücken. Aber dasjenige, was gemeint ist, werden Sie verstehen: Es handelt sich wirklich darum, das Umfassende für die Anthroposophie taktvoll vor der Welt geltend zu machen und sie ja nicht in irgend etwas einzuspannen, was den Glauben hervorrufen kann: Du mußt dich zu irgendeinem Dogma bequemen, wenn du dein Aufnahmegesuch unterschreiben mußt. - Es ist wirklich anzustreben, daß diese Weitherzigkeit im Vertreten der anthroposophischen Bewegung Platz griffe; dann werden wir über die anderen Fragen wirklich leichter hinwegkommen können, als das der Fall zu sein scheint.

In der letzten Zeit hat sich aus den Dingen, die sich innerhalb der anthroposophischen Bewegung aller Länder abgespielt haben, von selbst als das Beste sozusagen gezeigt, wenn sich in den einzelnen Ländern die Anthroposophen zusammenschließen zu Landesgesellschaften, wenn sich also hier eine britische Gesellschaft begründen _ würde und sich dann alle diese einzelnen Gesellschaften wiederum zusammenschlössen zu einer allgemeinen Gesellschaft, die ihren Sitz in Dornach haben sollte. Dasjenige, was außerordentlich schwierig ist, um eine solche internationale Gesellschaft zu einer gewissen Zufriedenheit zu bringen, das ist die Verständigung. In bezug auf die Lehren selbst glaube ich, daß sich ja wirklich die Mittel zu dieser Verständigung herausbilden. Wir sehen ja, daß auch hier in Ihrer Zeitschrift «Anthroposophy», die durch Baronin Rosenkrantz begründet worden ist, sich eine sehr schöne Vermittlerin zwischen Dornach und hier gebildet hat. Was wir aber brauchen würden, das wäre ein internationales Mittel der Verständigung. Man müßte, ob es nun eine einzelne Zeitschrift ist oder ob die einzelnen Zeitschriften für die Länder das besorgen - wirklich, auf die äußere Form kommt es auch da nicht an -, aber man müßte die Möglichkeit haben, irgend etwas vor sich zu bekommen, durch das man über die anthroposophische Bewegung in der Welt von Zeit zu Zeit etwas erfahren kann.

Gewiß, die Lehren müssen durch die anthroposophische Bewegung fließen; aber die einzelnen Anthroposophen sollten die Möglichkeit haben, sich ein Bild davon zu machen, was da oder dort in der Welt in bezug auf Anthroposophie geschieht. Übernichtsbin ich so vielals über diese Sache in den verschiedensten Ländern gefragt worden! Immer wieder und wiederum wird gesagt: Der Anthroposophischen Gesellschaft fehlt es daran, daß man ja niemals weiß, was in andern Gebieten vor sich geht, daß keine Verbindung, keine Kommunikation da ist. Ja, sehen Sie, so durch Organisation läßt sich das auch nicht machen, denn durch Organisationen werden immer ungeheuer viele Kräfte verzettelt. Wenn man irgend etwas einrichtet, dann macht man Komitees und Zwischen-Komitees; dann richtet sich jedes Komitee einen Sekretär ein, und eigentlich braucht man ja auch ein Buro, womöglich ein ganzes Palais, wo geschrieben wird nach aller Welt, wo Adressen aufgebracht werden und unzählige Briefe geschrieben werden, die dann in den Papierkorb geworfen werden oder sonst auf andere Weise nicht gelesen werden, woran täglich unendlich viele menschliche Kräfte gewandt werden und vor allem auch — woran ja manchmal gedacht werden muß in der Anthroposophischen Gesellschaft — furchtbar viel Geld verloren geht. Durch Organisation erreicht man gewiß [manches] und alle Anerkennung sei ihr entgegengebracht. Man hat zwar, wenn man in der deutschen Zivilisation gelebt hat, nicht viel übrig für Organisation, weil man da- nun ja, man liebt da die Organisation nicht so stark, das ist aber nur eine Zwischenbemerkung -, also vor der Organisation, möchte ich sagen, habe ich allen schuldigen Respekt. Aber um eine Sache einzurichten, handelt es sich darum, daß man möglichst viele Menschen hat, die das Interesse für etwas lebendig entwickeln: dann entsteht das andere schon. Wenn in Dornach ein Zentrum wäre, in dem man die Nachrichten von allen Ländern sammelt, so wäre das ja sehr gut. Es müßten von allen Ländern Leute sein, die in allen möglichen Sprachen schreiben können; in Dornach wird schon dafür gesorgt sein, daß man sie lesen und weiter verbreiten kann.

Aber das wird nötig sein: das Interesse zu entwickeln für die anthroposophische Bewegung in der Welt! Es liegt ja ein wenig in der ganzen anthroposophischen Bewegung, daß dies schwerer ist als für andere. Wenn man eine andere Bewegung begründet, hat man einen Anhaltspunkt für solche Ziele; bei der anthroposophischen Bewegung ist es so, daß sie, obzwar sie etwas Allgemein-Menschliches ist, doch etwas ist, was über das einzelne hinaus geht. Für den einzelnen, für sein Herz, für seine Seele etwas zu bekommen, das ist vollständig gerechtfertigt selbstverständlich; es muß das so sein. Aber auf der anderen Seite wiederum stehen wir heute vor der anthroposophischen Bewegung als vor einer solchen, die doch Zivilisationsaufgaben zu lösen hat! Und deshalb handelt es sich darum, daß man auch für die Bewegung als solche wirklich Interesse gewinnt; dann wird sich das andere von selbst ergeben.

Die Zeit ist schon so weit vorgerückt, daß ich jetzt die Auseinandersetzungen abbrechen möchte; aber ich werde sie, wenn sich wieder Gelegenheit bietet, in den nächsten Tagen ins Konkretere fortsetzen.

German original of Address at a Discussion Regarding the Future of the Anthroposophical Society in England · ← Previous · Next →