The Fateful Year of 1923

GA 259 — 16 December 1923, Dornach

Vorbereitungen für die Weihnachtstagung

Besprechung Rudolf Steiners mit Dr. Ita Wegman, Albert Steffen und Dr. Guenther Wachsmuth über die künftige Vorstandszusammensetzung

Nachdem sich Rudolf Steiner endgültig entschlossen hatte, künftig die Gesellschaftsleitung selbst zu übernehmen und sich mit Marie Steiner über die Vorstandsbesetzung beraten hatte, orientierte er nun die anderen in Frage kommenden Persönlichkeiten. Dr. Ita Wegman war bereits schon vor dem 2. Dezember (siehe Seite 864), Dr. Elisabeth Vreede in gewisser Weise am 10. Dezember, Albert Steffen und Dr. Guenther Wachsmuth im Beisein von Dr. Ita Wegman am 16. Dezember orientiert worden. Albert Steffen berichtete von der Besprechung am 16. Dezember in der außerordentlichen Generalversammlung vom Dezember 1930 laut Protokoll wie folgt:

«Im Dezember vor der Weihnachtstagung, am 16. Dezember 1923, fand eine Sitzung statt, eine Vorsitzung. Herr Dr. Steiner rief heran Frau Dr. Wegman, Dr. Wachsmuth und mich und sprach damals so, daß ich es hörte zum erstenmal, wie er sich den Vorstand zusammengesetzt denkt, und da sagte er — das habe ich aufgeschrieben -: «Vizepräsident Frau Dr. Steiner und Herr Steffen.» Dann sagte er: «Frau Dr. Wegman = Schriftführer, Dr. Wachsmuth = Schatzmeister.» Fräulein Dr. Vreede wurde damals noch nicht genannt.»1

Albert Steffens Tagebucheintragung, auf die er hier Bezug nahm, lautet wörtlich:

«Am 16. Dezember in der Villa Hansi (Frau Dr. Wegman, Dr. Wachsmuth, ich). Dr. Steiner liest die Statuten vor und sagt dann, wie er sich den Vorstand denke. Er: Präsident. Frau Dr. Steiner und ich Vicepräsident. Frau Wegman Protokollführerin. Wachsmuth Kassier (Wachsmuth schlägt vor Schatzmeister, wozu Dr. Steiner lachend sagt: Der Name tut nichts zur Sache.) Dann Vorsteher der einzelnen Fächer. Dr. Steiner der ganzen Hochschule. Ich belles lettres. Wachsmuth Nationalökonomie. Er möchte lieber Naturwissenschaften. Aber Dr. Steiner sagt, es sei schade, daß er kein Mathematiker wäre.»

Albert Steffen gibt zweimal als Datum den 16. Dezember an: in seiner Tagebucheintragung und in der außerordentlichen Generalversammlung im Dezember 1930. Lediglich in der Generalversammlung von 1934 nennt er als Datum den «19. Dezember». Hierzu gibt Dr. Heinz Matile von der AlbertSteffen-Stiftung, Dornach, folgende Erklärung:

«Die Eintragung zum 16. Dezember befindet sich im Tagebuch rach rückschauenden Eintragungen zum 19./20.12., 18./19.12., 17./18.12., 17.12. (in dieser Reihenfolge). Die nächstfolgende datierte Eintragung (im folgenden Tagebuch) bezieht sich auf den 20./21. 12. 1923. Daraus könnte sich erklären, warum Steffen an der Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft am 27. März 1934, als er sich auf diese Tagebucheintragung bezog, den 19. Dezember 1923 als Datum der Besprechung nannte. (Vgl. Protokoll der GV im Nachrichtenblatt vom 22. April 1934, S.63).»

Auf die Gründe, aus denen heraus Rudolf Steiner Guenther Wachsmuth in den Vorstand aufnahm, fällt ein Licht durch einen Bericht Albert Steffens an Marie Steiner in seinem Brief an sie vom 8. August 1943, in dem es heißt:

«...Es war am 22. April 1923, als Herr Storrer demissionierte und ich einen Helfer im Auftrag der Delegiertenversammlung [der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz, deren Generalsekretär er war] für die Tätigkeit im Sekretariat vorzuschlagen hatte. Ich hatte diesen Vorschlag mit Herrn Dr. Steiner beraten und schlug demgemäß Herrn Dr. Wachsmuth vor. Diese Wahl wurde in dem Beisein von Herrn Dr. Steiner von allen Delegierten einstimmig angenommen. Dr. Wachsmuth erklärte, die Tätigkeit im Sekretariat zur Unterstützung von Herrn Steffen sehr gern und unentgeltlich übernehmen zu wollen.»

Dr. Wachsmuth selbst berichtete in der Generalversammlung vom Jahre 1943 (gemäß Protokoll) folgendes:

«Man denkt zurück an die Zeit des Brandes, wo wir das erste Goetheanum durch Feuer verloren, an das Jahr vor der Weihnachtstagung; es werden sich noch viele erinnern, daß damals die Dinge alle noch vom Sekretariat der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz verwaltet wurden im Hause Friedwart. Aus jener Zeit entsinne ich mich auf stundenlange Sitzungen im Hause Friedwart, die damit zusammenhingen, daß die Kasse ein mächtiges Defizit hatte, ein mächtiges Loch war in der Kasse. Und so geschah es, daß Dr. Steiner zu mir sagte: Wollen Sie nicht diese Finanzverwaltung einmal übernehmen, diese Verwaltung der Schatzmeisterei? Ich tat es, ich muß gestehen, mit einer gewissen Beklemmung; aber alles, was Dr. Steiner sagte, tat man auch wiederum gern. Und als das Jahr vorbei war, hatte es sich zum erstenmal gefügt, daß kein Defizit war, sondern ein kleiner Überschuß. Und es ist mir noch in lebendiger Erinnerung, wie gütig strahlend Dr. Steiner dieses entlastende Ergebnis entgegennahm.»



  1. Nach Elisabeth Vreede hatte Rudolf Steiner ihr gegenüber aber schon in einem Gespräch am 10. Dezember eine Bemerkung gemacht, «in der im Grunde genommen enthalten war, daß er erwäge, mich in den Vorstand zu nehmen». (E. Vreede, «Zur Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft seit der Weihnachtstagung 1923», Arlesheim 1935.) ↩

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