The Christmas Conference
GA 260 — 28 December 1923, Dornach
Fortsetzung der Gründungsversammlung
Thema: Anthroposophie und Kunst
Vorher gibt Dr. Steiner einiges auf die Saalordnung Bezügliches bekannt:
Meine lieben Freunde!
Bevor ich die heutige Tagung eröffne, möchte ich um Entschuldigung bitten wegen der gestrigen Mißhelligkeiten in bezug auf das Einlassen und das Draußen-Warten. Es war natürlich schon eine recht schlimme Sache, aber es beruhte wirklich auf einer Anzahl von Mißverständnissen, und ich bitte Sie, es zu entschuldigen. Es soll in der nächsten Zeit dafür gesorgt werden, daß unsere Freunde jedesmal eine halbe Stunde vor Eröffnung irgendeiner Versammlung hier den Eintritt offen finden. Dann werde ich mich bemühen, so gut es geht, herbeizuführen, daß diese Nacht noch zwei Heizröhren eingebaut werden, so daß man morgen nicht mehr so frieren wird da draußen. Dies ist nun einmal wirklich schwierig bei den primitiven Einrichtungen, die wir hier haben, nach allen Seiten hin befriedigende Zustände zu schaffen. Am wenigsten befriedigend, das können Sie mir glauben, sind die Zustände schon für den Vorstand und für mich. Hoffentlich können wir in den nächsten Tagen die Dinge vermeiden.
Jetzt bitte ich Herrn Stuten, das Wort zu ergreifen. Er will uns mit einem Vortrag über das Musikalische im geistigen Leben heute erfreuen.
Herr Stuten hält seinen Vortrag über «Die Musik und die geistige Welt».
Nach einer Pause von 15 Minuten findet die Fortsetzung der Statutenberatung statt. Dr. Steiner eröffnet sie: Meine lieben Freunde! Ich werde auch heute die Worte sprechen, die uns die Grundlage geben sollen für unser gegenwärtiges Wirken hier und für das weitere Wirken draußen.
Menschenseele!
Du lebest in den Gliedern,
Die dich durch die Raumeswelt
Im Geistesmeereswesen tragen:
Übe Geist-Erinnern
In Seelentiefen,
Wo in waltendem
Weltenschöpfer-Sein
Das eigne Ich
Im Gottes-Ich
Erweset;
Und du wirst wahrhaft leben
Im Menschen-Welten-Wesen. Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen
In den Weltentiefen Sein-erzeugend. Menschenseele!
Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage,
Der dich durch den Zeitenrhythmus
Ins eigne Seelenwesensfühlen leitet:
Übe Geist-Besinnen
Im Seelengleichgewichte,
Wo die wogenden
Welten-Werde-Taten
Das eigne Ich
Dem Welten-Ich
Vereinen;
Und du wirst wahrhaft fühlen
Im Menschen-Seelen-Wirken. Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis
In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend. Menschenseele!
Du lebest im ruhenden Haupte,
Das dir aus Ewigkeitsgründen
Die Weltgedanken erschließer:
Übe Geist-Erschauen
In Gedanken-Ruhe,
Wo die ew’gen Götterziele
Welten-Wesens-Licht
Dem eignen Ich
Zu freiem Wollen
Schenken;
Und du wirst wahrhaft denken
In Menschen-Geistes-Gründen. Denn es walten des Geistes Weltgedanken
Im Weltenwesen Licht-erflehend.
Und nun, meine lieben Freunde, wollen wir uns wiederum den inneren Rhythmus in die Seele schreiben, der uns nahebringen kann, wie aus dem Weltenrhythmus heraus gerade diese Worte ertönen.
Erster Spruch:
[Es wird gesprochen und an die Tafel geschrieben. Faksimile siehe Beilage 4, Tafel III]
Übe Geist-Erinnern
Es ist das die Tätigkeit, die in der eigenen Seele sich vollziehen kann. Sie entspricht draußen im großen Weltall demjenigen, was zum Ausdrucke kommt mit den Worten:
Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen
In den Weltentiefen Sein-erzeugend.
Das zweite ist das
Übe Geist-Besinnnen,
der Vorgang im Innern, dem da antwortet draußen im Weltenall:
Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis
In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend.
Das dritte ist:
Übe Geist-Erschauen,
es antwortet draußen:
Denn es walten des Geistes Weltgedanken
Im Weltenwesen Licht-erflehend.
[Tafelanschrift]
1 Übe Geist-Erinnern Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen In den Weltentiefen Sein-erzeugend. 2 Übe Geist-Besinnen Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend. 3 Übe Geist-Erschauen Denn es walten des Geistes Weltgedanken Im Weltenwesen Licht-erflehend.
Dr. Steiner: Wir kommen.nun in der Fortsetzung unserer Versammlung zur Besprechung des § 4 der Statuten.
Ich bitte Herrn Dr. Wachsmuth, den § 4 zu verlesen.
§ 4 wird von Dr. Wachsmuth verlesen:
«4. Die Anthroposophische Gesellschaft ist keine Geheimgesellschaft, sondern eine durchaus öffentliche. Ihr Mitglied kann jedermann ohne Unterschied der Nation, des Standes, der Religion, der wissenschaftlichen oder künstlerischen Überzeugung werden, der in dem Bestand einer solchen Institution, wie sie das Goetheanum in Dornach als Freie Hochschule für Geisteswissenschaft ist, etwas Berechtigtes sieht. Die Gesellschaft lehnt jedes sektiererische Bestreben ab. Die Politik betrachtet sie nicht als in ihren Aufgaben liegend.»
Dr. Steiner: Zuerst hat sich Mr. Collison gemeldet.
Mr. Collison: Als einem sehr alten Mitglied verzeihen Sie mir ein paar Worte zu diesen Statuten. Wir sind jetzt erst bei Punkt 4. Ich glaube, es kann nicht unsere Absicht sein, die Statuten auszubessern. Herr Dr. Steiner hat sich so viel Mühe gegeben dabei, und sie sind wirklich ganz umfassend. Es scheint mir, die Debatte über die einzelnen Punkte sollte nur den Zweck haben, etwaige Fragen zu stellen über die Bedeutung und Tragweite dieser Punkte.
(Beifallklatschen, lang anhaltend.)
Dr. Steiner: Wer wünscht zu dem § 4 das Wort?
Es wird vorgeschlagen, durch Akklamation die Statuten anzunehmen.
Dr. Steiner: Ja, ich muß dennoch fragen: Wer wünscht zu § 4 das Wort? - Bei diesem § 4 wird es sich im wesentlichen darum handeln, daß wir in der nächsten Zeit die Anthroposophische Gesellschaft im vollen Sinne vor die Welt als eine öffentliche hinstellen. Und alles, was trotz dieser Öffentlichkeit das Esoterische enthalten kann in der Anthroposophischen Gesellschaft, das wird durch den § 5 und die folgenden Paragraphen gesichert.
Darf ich nochmals fragen: Wer wünscht zu § 4 der Statuten das Wort? - Es scheint bei niemandem der Fall zu sein. Dann. bitte ich diejenigen Freunde, welche für die Annahme des § 4 sind, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Wer ist für die Ablehnung des § 4? (Nie mand meldet sich.) -— Der § 4 ist angenommen in zweiter Lesung. Ich bitte Herrn Dr. Wachsmuth, den § 5 der Statuten zu verlesen.
§ 5 wird verlesen:
«5. Die Anthroposophische Gesellschaft sieht ein Zentrum ihres Wirkens in der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach. Diese wird in drei Klassen bestehen. In dieselbe werden auf ihre Bewerbung hin aufgenommen die Mitglieder der Gesellschaft, nachdem sie eine durch die Leitung des Goetheanums zu bestimmende Zeit die Mitgliedschaft inne hatten. Sie gelangen dadurch in die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Die Aufnahme in die zweite, beziehungsweise in die dritte Klasse erfolgt, wenn die um dieselbe Ansuchenden von der Leitung des Goetheanums als geeignet befunden werden.»
Dr. Steiner: Nun, meine lieben Freunde, bei diesem Paragraphen handelt es sich darum, daß der Anthroposophischen Gesellschaft die naturgemäße Seele, die ihr im Dornacher Goetheanum gegeben werden kann, auch wirklich in der nächsten Zeit gegeben wird. Es soll durch diesen Statuten-Paragraphen bei den Mitgliedern oder denjenigen, die es noch werden wollen, eben durchaus das ganz konkrete Bewußtsein hervorgerufen werden, daß im Goetheanum die Seele der anthroposophischen Bewegung gegeben ist. Damit wird durchaus dasjenige, was an esoterischen Impulsen der Anthroposophischen Gesellschaft notwendig ist zu geben, wiederum gegeben werden können. Und wir werden dann vorwärts kommen, wenn Sie sich bemühen, in den Geist dieses § 5 der Statuten einzudringen.
Ich möchte nur einiges darüber sagen, wie die Konstitution der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach, Goetheanum, in der Zukunft von mir gedacht werden soll. Es wird sich ja immer mehr darum handeln — was ja auch diejenigen, die längere Zeit innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft geweilt und gearbeitet haben, ganz gut haben erkennen können -, daß bei dem, was man in irgendeiner Weise als ein Aufsteigen in der Schulung ansehen kann, nicht bloß intellektuelle Eigenschaften in Betracht kommen, am wenigstens die in der äußeren Welt übliche intellektuelle und empirische Schulung, anders als insofern sie zu irgendeinem Spezialgebiet absolut notwendig ist. Und es wird sich darum handeln, daß die Gefühls-, die unmittelbaren Auffassungs-Fähigkeiten des Esoterischen und Okkulten, daß die moralischen Qualitäten und so weiter eine große Rolle spielen müssen. Und der Grundzug desjenigen, was da wirken wird in bezug auf die drei Klassen, die den Unterbau der Anthroposophischen Gesellschaft haben, die ganz öffentlich ist, der Grundzug im Wirken dieser drei Klassen wird eben durchaus derjenige sein, der der selbstverständliche geisteswissenschaftliche ist. Aber wir werden nötig haben, gerade dazu die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft in ihrer Wirksamkeit vor die Welt hinzustellen, so hinzustellen vor die Welt, daß in ihr erscheint, wie sie die einzelnen Zivilisations-, Erkenntnisgebiete, die künstlerischen Gebiete und so weiter befruchten kann. Auch da darf keineswegs etwa von Anfang an ein schematischer Gedanke walten. Was versteht man unter einem schematischen Gedanken? Unter einem schematischen Gedanken versteht man denjenigen Gedanken, den man hat, wenn man sagt: Hochschule für Geisteswissenschaft muß zerfallen nach dem Begriff, nach der Idee: Erste Sektion, zweite Sektion, dritte, vierte, fünfte Sektion und so weiter, wie es eben bei einer solchen logischen Gliederung geht; man kann das sehr schön ausdenken. [Siehe Beilage 4, Tafel IX.] Was ergibt sich dann gewöhnlich? Nun ja, dann hat man ein im Wolkenkuckucksheim liegendes Gebilde. Und jetzt muß dieses Gebilde auch verwaltet werden! Nun sucht man nach den Menschen, man hält so Umschau daund dorthin und sucht nach den Menschen; die müssen dann in das Erste und Zweite und Dritte hinein, und dann schachtelt man sie durch irgendeine Wahl oder dergleichen hinein. Da tritt dann gewöhnlich das zu Tage, daß sie sich verpuppen in den entsprechenden Abteilungen des Schemas; sie verpuppen sich, aber der Schmetterling kriecht nicht aus. — Hier soll nicht auf eine abstrakte Weise vorgegangen werden, sondern es soll so vorgegangen werden, daß die bestehenden Tätigkeiten genommen werden, und dann daraus, aus den schon bestehenden Tatsachensphären, zunächst die Sektionen zusammengestellt werden: das, was schon da ist. Denn, meine lieben Freunde, zur Leitung gerade desjenigen, was verwaltungsgemäß zu besorgen ist, auch im höchsten geistigen Sinne verwaltungsgemäß zu besorgen ist in den einzelnen Gebieten, zu dieser Leitung kann nicht irgendwie jemand berufen werden, der nicht hier dauernd am Orte wirksam ist. Denn nicht wahr, wenn nicht bloß gesprochen werden soll von der Arbeit, sondern gearbeitet werden soll mit voller Verantwortung, dann muß erstens für jeden jeder, der da arbeitet, immer zur Hand sein; zweitens muß die ganze Leitung eben immer für diejenigen, die verantwortlich sind, zu haben sein. Deshalb habe ich mir rein aus dem geistigen Empirismus heraus zunächst die Sache so gedacht, daß die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum in Dornach in bezug auf alles Esoterische von mir geleitet wird, und daß mir zur Seite stehen bei dieser Leitung diejenigen Persönlichkeiten, die in gewissen Sphären gerade hier in Dornach in geistiger Art am Zustandekommen des Baues der anthroposophischen Bewegung mitgewirkt haben. Und so würde zunächst das Folgende rein aus den natürlichen, selbstverständlichen Verhältnissen in Dornach sich ergeben. Es würde zunächst als Überschau über das Ganze, als Leitung des Ganzen mit der speziellen Leitung des Anthroposophischen und des Pädagogischen, mir diese Leitung zufallen.

Und ich würde die weitere Leitung ausüben auf dem Wege, daß an die Spitze der einzelnen Sektionen diejenigen Persönlichkeiten gestellt werden, die eben in der Lage sind, aus den Antezedenzien, aus dem, was bisher geschehen ist, einen gewissen Zweig anthroposophischer Bewegung zu leiten.
Und da würde in Betracht kommen: Erstens dasjenige, was — ich nannte es schon -, was man in Frankreich vielleicht heute noch «belles-lettres» nennt. Ich weiß nicht, ob man den Ausdruck noch kennt. Nicht mehr? Schade! In Deutschland hat man bis zum 19. Jahrhundert herein - dann ist das abgekommen - gesprochen von den «schönen Wissenschaften»: schöne Wissenschaften, die eben in die menschliche Erkenntnis Schönheit hineingebracht haben, Ästhetik, Künstlerisches. Es ist sehr charakteristisch, daß selbst in Frankreich der Ausdruck «belles-lettres» nicht mehr gebraucht wird!
Zwischenruf: «Académie des lettres!»
Ja, aber das «belles» ist eben weggelassen! Und gerade auf das kommt es an. Wissenschaften haben wir ja genug, aber «Schöne Wissenschaften»! Ich weiß nicht, was die hier versammelten, namentlich jüngeren Wissenschaftsbeflissenen dazu sagen, aber hier in Dornach wird ja nicht nur an die jüngsten Vergangenheiten, sondern sogar an die ältesten Vergangenheiten angeknüpft. Und deshalb dürfen und müssen wir schon, wenn wir auch vielleicht einen für die Welt bequemeren Titel dafür noch finden müssen - ich habe ihn bis jetzt noch nicht dafür gefunden - für das Gebiet, das man in Frankreich «belles-lettres» genannt hat, in Deutschland «Schöne Wissenschaften» sagt, für dieses Gebiet hier eine Sektion schaffen. Und wiederum darf ich sagen: Es ist selbstverständlich, weil die Persönlichkeit da ist, die zur Leitung dieses Gebietes ja so berufen ist, wie nur irgend jemand berufen sein kann: das ist unser lieber Freund Albert Steffen, der ganz gewiß nichts anderes machen wird auf diesem Gebiete als dasjenige, was im eminentesten Sinne im Sinn der geisteswissenschaftlichen Bewegung geschieht, wie sie hier von Dornach aus intendiert wird. (Lebhaftes Beifallklatschen)
Ich habe dann als ein weiteres Gebiet dasjenige der redenden, musikalischen Künste zusammen mit der Eurythmie Ihnen zu nennen. Und da ist ja wiederum die Persönlichkeit selbstverständlich gegeben. Ich brauche darüber nicht viele Worte zu machen. Dieses Gebiet werde ich leiten durch die Leiterin Frau Dr. Steiner. (Lebhaftes Beifallklatschen)
Es wird sich dann handeln darum, eine Abteilung hier, eine Sektion für rein Naturwissenschaftliches zu schaffen. Sie wissen ja, mit Naturwissenschaftlichem stehen wir so, daß wir in der Naturwissenschaft etwas außerordentlich Tiefes suchen, daß wir aber gerade die Behandlung, welche die Naturwissenschaft in der Gegenwart erfährt, gar sehr in eine andere Metamorphose überführen müssen. Nun werden Sie ja sehen durch eine literarische Arbeit, die fast schon ausgedruckt ist, daß mit allem Eifer sich dieser Metamorphosierung der Naturwissenschaft unser lieber Freund, Dr. Guenther Wachsmuth, gewidmet hat. Und wir werden daher die rein naturwissenschaftliche Abteilung Herrn Dr. Guenther Wachsmuth in der fruchtbarsten Weise übertragen können. (Beifallklatschen)
Im Zusammenhange damit wird stehen eine Abteilung, die ja ganz besonders gepflegt werden muß aus dem Grunde, weil ihr Gebiet eigentlich immer in den Zeiten, wo man nach wahrer Geist-Erkenntnis strebte, man kann nicht sagen, ein Kapitel der Geisteswissenschaft war, sondern mit dieser Geisteswissenschaft ganz organisch verbunden war. Sie können sich in den älteren Zeiten gar nicht denken, daß dasjenige, was als Geistesschau, als Geist-Erkenntnis hineingestellt wurde in die Menschheit, abgetrennt gewesen wäre von dem Medizinischen. Und man wird sehen, gerade aus der Arbeit, welche Frau Dr. Wegman mit mir jetzt leistet und die in kurzer Zeit vor die Öffentlichkeit treten wird, wie ganz selbstverständlich sich diese, nicht nur Synthese, sondern organische Entwickelung wiederum ergibt für eine wirkliche anthroposophische Auffassung der Welt. Daher ist es wieder ganz selbstverständlich, daß die Leitung der medizinischen Abteilung, der medizinischen Sektion, durch mich geführt wird mit Hilfe der Leiterin, Frau Dr. Wegman. (Beifallklatschen)
Nun, meine lieben Freunde, wenn Sie sich erinnern an das alte Goetheanum, wenn Sie sich erinnern an die schönen Worte, die darüber heute in seinem vortrefflichen Vortrage unser Freund Herr Stuten gesprochen hat, dann werden Sie sehen, daß hier auch die Bildenden Künste eine große Rolle gespielt haben. Sie werden es auch müssen in Zukunft, und wir werden gerade eine Sektion für die bildenden Künste brauchen. Nun wissen Sie ja, daß mir seit Jahren zur Seite stand, gerade in der Ausübung der bildenden Kunst für das Goetheanum, Miss Maryon, die nun leider diese Versammlung nicht mitmachen kann, da sie schon an einer sehr langen Krankheit leidet und nicht einmal die Möglichkeit hat, zu dieser Versammlung herüberzukommen. Aber ich hoffe, daß, wenn sie nach einiger Zeit wieder gesund sein wird, sie sich der Arbeit, von der ich hier spreche, wird widmen können. Ich werde dasjenige, was plastisch hier und im Plastischen im Gebiete der bildenden Kunst überhaupt geschehen soll, ausüben durch die Leiterin dieser Sektion, Miss Maryon. (Beifallklatschen)
Nun haben wir noch eine Persönlichkeit, die ihr Gebiet in der Welt in einer sehr eindringlichen Weise abgesteckt hat, so daß überall gerade von ihr Rat und Hilfe ausgeht, wenn man etwas zu wissen braucht auf mathematisch-astronomischem Gebiet. Sie können, insbesondere die Dornacher können es sehen aus demjenigen, was Inhalt meiner letzten Vorträge war, auch derjenigen, die vor dem letzten Zyklus hier liegen, wie notwendig es ist, gerade das Astronomische zurückzuführen auf die älteren Auffassungen. Und wenn Sie sich eine kleine Notiz anschauen, die in meinen Memoiren steht - die ja jetzt im «Goetheanum» erscheinen -, gerade im Beginne des heute abend erscheinenden Artikels, so werden Sie sehen, wie tief begründet es ist, daß über der platonischen Schule stand: Gott geometrisiert. - Und man kann in das Innere einer platonischen Unterweisung - ich spreche natürlich von der platonischen Unterweisung, nicht von der geisteswissenschaftlichen Unterweisung — nur durch Mathematik eindringen. Das alles, was in diesem Felde zurechtzurücken ist, muß zurechtgerückt werden. Und ich glaube, daß Sie mit eben solcher Begeisterung wie in den vorigen Fällen zustimmen werden, wenn ich sage, ich werde dieses Gebiet durch Fräulein Dr. Vreede als Leiterin in der Zukunft ausüben lassen. (Beifallklatschen)
Meine lieben Freunde! Hätte ich nun nach Ideen geteilt, so wäre gewiß manches noch da, aber es würden die Persönlichkeiten fehlen, die hier gerade am Orte das Betreffende versehen können aus allen Grundbedingungen heraus. Sie dürfen glauben, daß hier nicht nur, wie bei den Statuten, das Nachdenken von vier Wochen zu Grunde liegt, sondern daß bei den Mitteilungen, die ich jetzt gemacht habe, zu Grunde liegt die Erfahrung von Jahren. Und so werden wir es schon bei dieser Sache bewenden lassen müssen.
Ich werde noch nachher, wenn die Eingliederung des Vorstandes in das Statut zustande kommen wird, als letzten Punkt der Statuten darüber zu sprechen haben, wie ich mir die Beziehungen des Kollegiums, das die Schule leitet, zu dem Vorstande, der die Anthroposophische Gesellschaft initiativ führt, denke.
Nun bitte ich diejenigen, die zu § 5 der Statuten das Wort ergreifen wollen, dieses zu tun. (Niemand meldet sich.) Mr. Collisons Worte scheinen eine merkwürdig dämpfende Wirkung auszuüben!
Herr Ingerö: Verehrte Freunde! Nur eine kurze Frage: Die Angabe in § 5: «eine durch die Leitung des Goetheanums zu bestimmende Zeit», ist das individuell oder generell?
Dr. Steiner: Ganz individuell, ganz individuell. Nicht wahr, wenn Sie sich vorstellen, wie die Sache zustande kommen wird: Man wird durch seinen Willen Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft oder ist es schon, man ist es aber auch schon gewesen; also es sind schon für die meisten derjenigen, die hier sitzen, die Antezedenzien vorhanden. Nun steht hier «auf Bewerbung», das heißt: man drückt seinen Willen aus, Mitglied der Schule zu werden. Und nun entscheidet die Leitung des Goetheanums, ob dies schon im gegenwärtigen Zeitpunkt sein kann, oder erst in einem zukünftigen. So wird die konkrete Behandlung der Sache sein.
Wünscht noch jemand das Wort zu § 5? - Wenn das nicht der Fall ist, bitte ich diejenigen, die den § 5 anzunehmen gedenken, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Diejenigen Freude, die ihn ablehnen wollen, bitte ich, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) Es ist also auch der § 5 in zweiter Lesung angenommen.
Ich bitte, den § 6 zu verlesen:
Dr. Wachsmuth verliest den § 6 der Statuten:
«6. Jedes Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft hat das Recht, an allen von ihr veranstalteten Vorträgen, sonstigen Darbietungen und Versammlungen unter den von dem Vorstande bekannt zu gebenden Bedingungen teilzunehmen.»
Dr. Steiner: Meine lieben Freunde! Sie werden vielleicht anstoßen an dem Nebensatze: «unter den von dem Vorstand bekannt zu gebenden Bedingungen». Ich habe mir auch diesen Satz lange überlegt. Ich habe mir so gesagt: Die naturgemäßeste Fassung dieses Satzes wäre: «Jedes Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft hat das Recht, an allen von ihr veranstalteten Vorträgen, sonstigen Darbietungen und Versammlungen teilzunehmen.» Gewiß, so hätte er heißen können, der Paragraph; aber im Prinzip würden wir dann dasjenige nicht tun können, was nun leider doch eben getan werden muß: wir würden nicht haben festsetzen können zum Beispiel Eintrittsgelder für die Darbietungen. Und solche Nebenbedingungen sind gemeint. Ich mußte sogar in erster Linie an die Eintrittsgelder denken. Nicht wahr, es ist ja schlimm, daß man das in erster Linie muß, aber man muß es eben; denn so wenig der Mensch von der Luft allein leben kann, so wenig ist es möglich, zu existieren mit der anthroposophischen Bewegung, wenn nicht eben der Idealismus doch manchmal auch an die Geldbörse geht. Es können natürlich noch andere solche Bedingungen sich ergeben, aber ich kann das nicht anders, als es doch notwendig finden, daß dasjenige, was die Öffentlichkeit der Gesellschaft betrifft, ihre Aufnahmebedingungen, in diesem Paragraphen also niedergelegt wird. -— Wünscht jemand zu diesem § 6 das Wort? (Niemand meldet sich.) Mr. Collison ist wirklich ein Magier! Wünscht jemand zu diesem § 6 das Wort? - Wenn das nicht der Fall ist, bitte ich diejenigen lieben Freunde, die geneigt sind, den § 6 wieder anzunehmen in zweiter Lesung, die Hand zu erheben. (Es geschieht.)
Ich bitte diejenigen Freunde, welche abgeneigt sind, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) - Es ist der § 6 in zweiter Lesung angenommen. (Beifall)
Ich bitte Dr. Wachsmuth, den § 7 zu verlesen.
§ 7 wird verlesen:
«7. Die Einrichtung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft obliegt zunächst Rudolf Steiner, der seine Mitarbeiter und seinen eventuellen Nachfolger zu ernennen hat.»
Dr. Steiner: Ich habe Ihnen eben auseinandergesetzt, wie ich mir die Leitung denke. Und ich habe zu diesem Paragraphen ja nichts Besonderes weiter mehr zu sagen. — Ich bitte diejenigen verehrten Freunde, welche zu diesem Paragraphen sprechen wollen, sich zu melden. Wünscht jemand zu § 7 das Wort? - Das ist wohl nicht der Fall. Dann bitte ich diejenigen Freunde, welche den § 7 annehmen wollen in zweiter Lesung, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Ich bitte diejenigen, die ihn ablehnen wollen, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) § 7 in zweiter Lesung ist angenommen.
Ich bitte Herrn Dr. Wachsmuth, den § 8 zu verlesen.
§ 8 wird verlesen:
«8. Alle Publikationen der Gesellschaft werden öffentlich in der Art wie diejenigen anderer öffentlicher Gesellschaften sein. Von dieser Öffentlichkeit werden auch die Publikationen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft keine Ausnahme machen; doch nimmt die Leitung der Schule für sich in Anspruch, daß sie von vorneherein jedem Urteile über diese Schriften die Berechtigung bestreitet, das nicht auf die Schulung gestützt ist, aus der sie hervorgegangen sind. Sie wird in diesem Sinne keinem Urteil Berechtigung zuerkennen, das nicht auf entsprechende Vorstudien gestützt ist, wie das in der anerkannten wissenschaftlichen Welt üblich ist. Deshalb werden die Schriften der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft den folgenden Vermerk tragen: «Als Manuskript für die Angehörigen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, Goetheanum, Klasse ... gedruckt. Es wird niemand für diese Schriften ein kompetentes Urteil zugestanden, der nicht die von dieser Schule geltend gemachte Vor-Erkenntnis durch sie oder auf eine von ihr selbst als gleichbedeutend erkannte Weise erworben hat. Andere Beurteilungen werden insofern abgelehnt, als die Verfasser der entsprechenden Schriften sich in keine Diskussion über dieselben einlassen.>»
Dr. Steiner: Meine lieben Freunde! Damit habe ich versucht, etwas in Wirklichkeit umzusetzen, worüber ich eigentlich schon, ich darf sagen, wenn ich einen Zeitpunkt nennen soll, seit dem Jahre 1913 nachgedacht habe, bevor der Grundstein zum Goetheanum gelegt worden ist. Nicht wahr, wir müssen uns ja klar sein darüber, daß es ungemein nahe liegt, bei einer solchen Bewegung, wie sie die anthroposophische ist, eine Gesellschaft, die diese Bewegung tragen soll, in irgendeiner Form sektiererisch zu gestalten. Man kann das denjenigen, die sich an einer solchen Gesellschaft beteiligen, gar nicht übelnehmen, denn man kann ja wissen, wieviel Neigung zum Sektiererischen aus alten atavistischen Impulsen im Menschen noch steckt. Die Menschen wissen es oftmals gar nicht, aber sie tragen eben die sektiererischen Impulse in sich. Und so ist es schon gekommen, daß unter den, ich möchte sagen, etwas tumultuarischen Einrichtungen des Zyklendruckes eben in bezug auf diesen Zyklusdruck etwas in die Gesellschaft gekommen ist, was in der Handhabung eben dennoch einen sektiererischen Eindruck macht. Denn man kann es heute eben einfach nicht verstehen vor dem modernen Bewußtsein, daß man dasjenige, was gedruckt wird in einer größeren Anzahl von Exemplaren - in einer Anzahl von Exemplaren, die über 100 hinausgeht -,, irgendwie sekretieren könne innerhalb irgendeiner Gemeinschaft. Man kann es eben einfach nicht. Denn sehen Sie, es ergibt sich auf manchen Gebieten durchaus die Fruchtbarkeit eines solchen Sekretierens, man führt es aber dennoch nicht aus. Ich sprach zum Beispiel einmal - es war im Jahre 1888 [1889] - mit dem bekannten Philosophen des Unbewußten, Eduard von Hartmann, darüber, wie erkenntnistheoretische Schriften im allgemeinen von wenigen Leuten gelesen werden, und es werden doch immer, wenn sie erscheinen, 500, manchmal 1000 Exemplare gedruckt. Eduard von Hartmann sagte, man sollte überhaupt solche Schriften nicht drucken, sondern man sollte höchstens 60 bis 70 Exemplare. davon in der Welt verbreiten, denn wirklich verstehen könnten nur 60 bis 70 ‘Menschen die Erkenntnistheorie. — Ich meine eben diejenige, die Eduard von Hartmann gerade in Aussicht hatte. Ich glaube allerdings, in meinem eigenen erkenntnistheoretischen Büchelchen, das ja Jetzt in Neuauflage wiederum erschienen ist, «Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung», gerade etwas gegeben zu haben auf erkenntnistheoretischem Gebiet, das alle lesen können. Aber ich meine, es ist nicht möglich, dieses Prinzip, etwas Gedrucktes zu sekretieren, durchzuführen. Daß es nicht möglich ist, das hat die Praxis gezeigt. Denn es ist eben der Zustand eingetreten, daß heute die Feinde viel rascher in der Öffentlichkeit von einer Neuerscheinung sprechen, als von seiten der Anthroposophen davon gesprochen wird. Solchen Tatsachen muß Rechnung getragen werden. Wir können nur dann mit unseren großen Zielen vorwärtskommen, wenn wir auf der anderen Seite diesem Geiste der Zeit voll Rechnung tragen. Dieser Geist der Zeit verträgt nicht das äußere Geheimnis, während er ganz gut verträgt das innere Geheimnis. Denn die eigentlich esoterischen anthroposophischen Schriften werden ja noch lange sehr, sehr großes Geheimnis sein für die Menschen. Und wir brauchen gar nicht die äußere physische Sekretierung, wenn wir in dieser Weise moralisch die Sekretierung vornehmen, indem wir einfach hinarbeiten zur Anerkennung des Urteils in der Welt, es gelte auch auf diesem Gebiete, was für die Anerkenntnis auf jedem Gebiete möglich ist: daß es Grenzen gibt zwischen Sachkennern und Laien. — Und mit dem Laien müssen wir immer so fertig werden können, daß wir sagen können: Sehet hin auf sein Urteil, es ist wie das Urteil des Bauern über die Differentialrechnung. -— Wenn wir auf dieser Grundlage arbeiten, dann wird es uns dennoch nach und nach wenn auch nicht gleich - gelingen, die Zyklenfrage in der entsprechenden Weise zu lösen. Sehen Sie, ich sagte Ihnen: Zehn Jahre habe ich eigentlich darüber nachgedacht; jetzt mußte eine Lösung gefunden werden. Ich kann keine andere als diese moralische finden. Ich möchte dann, daß noch eingefügt werde da, wo steht: «Alle Publikationen der Gesellschaft werden öffentlich in der Art wie diejenigen anderer öffentlicher Gesellschaften sein»: «Öffentlich sind auch die Bedingungen, unter denen man eine geistige Schulung erlangt, geschildert, und sie werden auch weiter öffentlich dargestellt werden.» Das soll als Anmerkung dazu kommen, damit nicht das Mißverständnis entsteht, auf das gestern hingewiesen worden ist. Natürlich muß ich mir vorbehalten, daß in bezug auf diesen Aufdruck unter Umständen noch eine kleine stilistische Verbesserung eintreten kann. Aber das wird dann die Sache der Stilisierung sein. Vielleicht muß man noch sagen: «Als Manuskript für die Angehörigen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft ... gedruckt»: «aber der vollen Öffentlichkeit zugänglich» oder so irgend etwas. Das kann sich dann ergeben. Es wird ja die Frage sehr bald endgültig gelöst werden müssen, weil der Stempel für die schon gedruckten und noch zu druckenden Zyklen angefertigt werden muß und diese Usance schon in der allernächsten Zeit wird eintreten müssen, sobald wir durch unsere Tagung hier die Anthroposophische Gesellschaft geschaffen haben werden. - Ich darf nun bitten: Wer wünscht zu § 8 das Wort?
Dr. Büchenbacher: Statt «erkannte» im zweitletzten Satze soll es wohl heißen «anerkannte»?
Dr. Steiner: Selbstverständlich. Es ist das ein Druckfehler.
Dr. Büchenbacher: Ich erlaube mir zu fragen, ob auch die Zyklen, die schon seit Jahren im Besitz von Mitgliedern sind, als Veröffentlichungen der Hochschule für Geisteswissenschaft zu behandeln sind.
Dr. Steiner: Alle Zyklen. Wir können eben gar nicht anders gegenüber dem Zeitbewußtsein, als diese Maßnahmen auf alle Zyklen auszudehnen. Die Frage wird dann auch für die Mitglieder natürlich eine solche werden, daß unter den Mitgliedern gerade ein bißchen Pietät wird walten müssen. Es soll nicht das eine Aufforderung sein, nun die Zyklen so schnell wie möglich antiquarisch zu verkaufen.
Fräulein Simon frägt: Gilt das auch für alle den Zyklen gleichen Schriften, daß sie diesen hineingestempelten oder hineingedruckten Vermerk tragen sollen?
Dr. Steiner: Es werden im wesentlichen nur die Zyklen sein und die Schriften, die den Zyklen gleichkommen.
Herr Werbeck: Wie ist es mit dem nationalökonomischen Kursus, der hier gehalten worden ist? Gilt der auch als Zyklus?
Dr. Steiner: Das ist nun eine solche Sache mit den paar Werken, welche ja nicht im Grunde genommen von mir selbst herausgegeben, oder nicht vom Anthroposophischen Verlag herausgegeben sind, sondern bei denen zugestanden worden ist einem bestimmten Kreise, sie drucken zu lassen. Bei diesen Dingen kommt etwas anderes in Betracht. Es ist mir ganz lieb auf der einen Seite, daß Sie mir Gelegenheit geben, diese unliebsame Sache noch zu besprechen. Bei diesen Dingen kommt in Betracht, daß sie selbstverständlich nur von denjenigen benützt werden dürfen, welche die Erlaubnis dazu erlangt haben. Dazu gehören dieser nationalökonomische Kursus, die medizinischen Kurse und so weiter. Während, wenn sie weiter irgendwie verbreitet werden sollen, das Autorrecht ja zunächst auf mich zurückfällt, und es ist so: Wenn daran gedacht werden müßte, diese Schriften in Zyklenform zu verwandeln mit diesem Vermerk, so müßten diese betreffenden Schriften an mich zurückkommen, und sie könnten nur vom Philosophisch-Anthroposophischen Verlag als Zyklen dann herauskommen mit diesem Vermerk. Da kommt eben selbstverständlich das andere, was sich aus den selbstverständlichen Autor-Usancen ergibt, in Betracht. - Wünscht sonst noch jemand das Wort zu diesem Paragraphen?
Dr. Kolisko: Ich möchte zu der von Herrn Dr. Steiner zuletzt angeschlagenen Frage das Folgende sagen: Zu den Fachkursen, den drei naturwissenschaftlichen Kursen, die Herr Dr. Steiner in Stuttgart gehalten hat, und zu den medizinischen Kursen möchte ich sagen, daß ich sehr gerne diese Kurse an den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag zurückgeben würde, weil ich die Überzeugung habe, daß es das beste wäre, wenn es überhaupt geschehen würde, daß die Publikationen an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft gemacht würden, sofern Herr Dr. Steiner dies beabsichtigt. Ich möchte in dieser in gewissem Sinne unliebsamen Sache dies hier aussprechen.
Dr. Steiner: Wünscht sonst noch jemand das Wort zu § 8?
Herr Leinhas: Es heißt hier, daß «die Verfasser der betreffenden Schriften sich in keine Diskussion über dieselben einlassen». Heißt das: Es ist die Absicht, daß die Angehörigen der Freien Hochschule der betreffenden Klasse sich in keine Diskussionen einlassen mit anderen?
Dr. Steiner: Selbstverständlich ja.
Herr Goyert: Ich möchte fragen, ob angestrebt wird, daß dieser Vermerk, der in die Zyklen kommen soll, auch in die jetzt schon in Besitz von Mitgliedern befindlichen Exemplare gemacht werde?
Dr. Steiner: Wir werden einen Aufruf an die Mitglieder, Besitzer von solchen Zyklen, in der Beilage des «Goetheanum» erlassen, daß sie selber diesen Vermerk in ihre Zyklen hineinschreiben möchten, und wir werden auf diejenigen Zyklen, die jetzt noch lagern, überall diesen Stempelaufdruck machen. Es soll eigentlich jeder Zyklus, gleichgültig, ob er in der Vergangenheit entstanden ist oder ob er in Zukunft entstehen wird, diesen entsprechenden Vermerk tragen.
Dr. Peipers: Wäre es nicht wünschenswert, um Mißverständnisse zu vermeiden, in einer Anmerkung auszudrücken, daf unter diesen Veröffentlichungen auch die spezialwissenschaftlichen Kurse zu verstehen seien?
Dr. Steiner: Was sollen da für Mißverständnisse entstehen? Nicht wahr, man kann eine ephemere Sache nicht in ein Statut setzen. Ich meine, es ist unmöglich, im Statut zu sagen: -— Damit nicht ein Mißverständnis entsteht — über eine selbstverständliche Sache, und daß dieses gilt, sagen wir zum Beispiel für den medizinischen Kursus. Es ist ja selbstverständlich, daß der medizinische Kurs unter Bedingungen, unter Klauseln gegeben worden ist. Und wenn er unter diesen Klauseln gegeben worden ist, so wird er, falls er veröffentlicht werden soll, mir zurückgegeben. Ich meine, das ist eine Selbstverständlichkeit. Wir würden da sehr viel in die Statuten hineinsetzen müssen, was nicht hineingehört, wenn allerlei Usancen darin erörtert werden sollten. Ich glaube, das gehört nicht in die Statuten. Mr. Kaufmann: Ist es in Zukunft neuen Mitgliedern anzuraten, Zyklen zu lesen, auch wenn sie noch nicht der betreffenden Klasse der Hochschule angehören?
Dr. Steiner: Das ist eine ganz individuelle und persönliche Sache. Man kann doch darüber keine Direktiven geben. Es werden Mitglieder herankommen, denen man ganz gut anraten kann, Zyklen zu lesen, da sie öffentlich sein werden, und es werden Mitlieder herankommen, denen man es nicht anraten kann, und die es dann entweder unterlassen, weil sie auf den Rat etwas geben, oder die sie trotzdem lesen. Ich meine, in dieser Richtung lassen sich außerordentlich schwer Direktiven geben. Ich habe in dieser Beziehung ganz merkwürdige Erfahrungen. Ich habe zum Beispiel einen Zweig kennengelernt, der hat die Ratschläge so weit ausgedehnt, daß er den Mitgliedern auch zu diesem oder jenem Buche geraten hat oder abgeraten hat. Gewisse Leute, die schon Mitglieder waren, durften selbst meine «Theosophie» nicht lesen, weil man sie nicht für geeignet fand. Wenn nun diese Mitglieder in dem betreffenden Gruppenleiter eine solche Autorität sahen, daß sie ihm mit ihren Seelen parierten, nun gut! Oder sie taten es nicht. Man kann keine Direktiven im allgemeinen geben.
Mademoiselle Sauerwein: Werden die Zyklen in der bisherigen Form erscheinen, oder werden sie dann auch durch den Buchhandel zu haben sein?
Dr. Steiner: Nicht wahr, die Zyklen werden im Philosophisch-Anthroposophischen Verlag erscheinen, und der Weg, auf dem sie zu den Besitzern kommen, der wird ja von den Besitzern abhängen. Wenn die Besitzer sie auf irgendeinem Weg durch den Buchhandel haben wollen - wir werden sie natürlich nicht in Kondition geben, wie man sagt —, aber wenn jemand beim Buchhändler einen Zyklus bestellt, werden wir ruhig diese Bestellung ausführen. Das ist die Usance.
Frau Muntz: Wenn nun Außenstehende verlangen, daß man ihnen einen Zyklus gebe, sollen wir ihn geben?
Dr. Steiner: Es ist dies schon in so reichem Maße bis heute geschehen, daß ich gar nicht sagen kann, in welcher Weise man das verhindern könnte. Nur durch diese strenge Betonung der Öffentlichkeit kommen wir über das Sektiererische hinaus. — Ist noch jemand geneigt, über diesen § 8 der Statuten zu sprechen? - Wenn das nicht der Fall ist, bringe ich diesen Paragraphen zur Abstimmung. Ich bitte diejenigen Freunde, die dafür sind, daß der § 8 in zweiter Lesung angenommen wird, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Ich bitte diejenigen Freunde, die dagegen sind, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) § 8 ist in zweiter Lesung angenommen.
Ich bitte Herrn Dr. Wachsmuth, den § 9 zu verlesen.
§ 9 wird verlesen:
«9. Das Ziel der Anthroposophischen Gesellschaft wird die Förderung der Forschung auf geistigem Gebiete, das der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft diese Forschung selbst sein. Eine Dogmatik auf irgendeinem Gebiete soll von der Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen sein.»
Dr. Steiner: Nun, der Inhalt dieses Paragraphen ist ja, ich glaube, auf eine leichte Weise zu übersehen. Ich mache nur darauf aufmerksam, daß er keine Wiederholung etwa darstellt desjenigen, was in früheren Paragraphen enthalten ist, sondern daß er notwendig ist, weil damit das Ziel der Anthroposophischen Gesellschaft angegeben wird, nämlich die Förderung der Forschung auf geistigem Gebiete, das heißt, insofern sie auf der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach gepflegt wird. Und es muß schon einmal betont werden, daß alle Dogmatik irgendwie von der Verwaltung der Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen ist.
Wünscht jemand zu diesem § 9 das Wort? - Wenn das nicht der Fall ist, bitte ich diejenigen Freunde, die den § 9 in zweiter Lesung anzunehmen wünschen, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Ich bitte diejenigen Freunde, die dagegen sind, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) — § 9 ist in zweiter Lesung angenommen.
Wir kommen zu § 10. Bitte Herrn Dr. Wachsmuth, § 10 zu verlesen.
§ 10 wird verlesen:
«10. Die Anthroposophische Gesellschaft hält jedes Jahr um die Zeit des Jahresbeginns im Goetheanum eine ordentliche Jahresversammlung ab, in der von dem Vorstande ein vollständiger Rechenschaftsbericht gegeben wird. Die Tagesordnung zu dieser Versammlung wird mit der Einladung an alle Mitglieder drei Wochen vor der Tagung von dem Vorstande bekanntgegeben. Außerordentliche Versammlungen kann der Vorstand berufen und für sie die Tagesordnung festsetzen. Er soll drei Wochen vorher die Einladungen an die Mitglieder versenden. Anträge von einzelnen Mitgliedern oder Gruppen von solchen sind eine Woche vor der Tagung einzusenden.»
Dr. Steiner: Wünscht jemand zu diesem § 10 das Wort? Es ist eben der Versuch gemacht worden, soviel zu sagen, als nötig ist, in den Statuten.
Herr Hohlenberg: Ich möchte fragen, ob es notwendig ist, daß diese ordentliche Jahresversammlung unbedingt am Jahresbeginn stattfindet, oder ob nicht ein anderer Zeitpunkt gewählt werden kann?
Dr. Steiner: Ich kapriziere mich nicht auf den Jahresbeginn, wenn es Ihnen genügt, ohne Garantie dafür, daß Sie dann rechnen können auf eine bestimmte Zeit, sondern unter Umständen einmal im Januar, einmal im Dezember. Wenn Ihnen das genügt? Wir werden ja alle diese Dinge nicht so machen, daß wir sie aus der Abstraktion herausholen, sondern wir werden schon da oder dort die Fühler auszustrecken versuchen. Wenn Ihnen das genügt, können wir sagen: «Die Anthroposophische Gesellschaft hält jedes Jahr im Goetheanum eine ordentliche Jahresversammlung ab.» Ich habe es nur eingefügt, weil ich geglaubt habe, daß dies gerade Widerspruch hervorriefe, wenn man nicht weiß, wann die Versammlung stattfinden soll.
Dr. Kolisko: Ich bin gerade dafür, daß das darinnen bleibt. Dr. Steiner: Warum?
Dr. Kolisko: Weil ich so — nach vielen Gesprächen, die ich geführt habe — wahrgenommen habe, daß sehr viele Freunde großen Wert darauf legen, daß sie zur Weihnachtszeit sein soll, wo jetzt selber die Weihnachtstagung ist.
Dr. Steiner: Sehen Sie, es würde sich vielleicht dann doch empfehlen, daß? man es im allgemeinen als Wunsch hinstellte, der nicht in den Statuten steht. Solche Dinge können in anderer Weise erledigt werden.
Ich werde am Schluß der Statutenberatung mitzuteilen haben, daß der Vorstand Ihnen zur geeigneten Zeit - ich hoffe, daß das noch möglich sein wird während dieser Tagung - eine Geschäftsordnung vorlegen wird. Diese wird dann mancherlei Unterpunkte enthalten, die nicht in die Statuten hineingehören, weil die Statuten so abgefaßt sein sollten, daß sie jeder Mensch lesen kann in ungefähr einer Viertelstunde, wobei ihm noch fünf Minuten außerdem bleiben zum Darüber-Nachdenken. Deshalb bin ich bestrebt, diese Statuten so kurz als möglich zu machen. Kurz müssen sie auch sein, so daß keine Spezialpunkte darin sind. Also das, glaube ich, kann ganz gut wegbleiben. - Wünscht sonst noch jemand das Wort?
Herr Donner: Es kommt wohl in Frage bei diesem Punkte, daß die Landesgesellschaften ihre Generalversammlungen zuerst abhalten sollten, und daß dann erst die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft stattfindet. Ob es praktisch ist, daß dies jedesmal so geschieht?
Dr. Steiner: Es dürfte ja vielleicht ganz praktisch sein, wenn sich der Usus herausbilden würde, daß die Ländergesellschaften zunächst eine Versammlung abhielten, in der sie die Delegierten für die hiesige Versammlung bestimmten, und sich dann in einer weiteren Versammlung referieren ließen über das, was hier geschehen ist. Das würde vielleicht als der beste Usus herauskommen.
Mrs. Merry: Ich finde, daß drei Wochen nicht genug sind für die Einladung.
Dr. Steiner: Bitte, dann sagen wir sechs Wochen. Ich habe schon gesagt im Vorstand, es können auch sechs sein. - Dann haben wir hier noch einen Satz einzufügen. Der Satz, den ich hier einfügen will, ist der: «Eine von Zeit zu Zeit geschäftsordnungsmäßig festzusetzende Anzahl von Mitgliedern ist berechtigt, jederzeit eine außerordentliche Generalversammlung zu verlangen.» Man muß diese Möglichkeit auch offen lassen.
Herr Leinhas: Ich möchte nur empfehlen, daß die Einberufungspflicht für die außerordentliche Versammlung für drei Wochen bestehen bleibt; also für die ordentliche sechs Wochen, für die außerordentliche eine kürzere Zeit.
Dr. Steiner: Gut, es kann ja geschehen, daß für die außerordentliche drei Wochen genügen. - Wünscht sonst noch jemand das Wort zu § 10? - Es ist nicht der Fall. Dann bitte ich diejenigen Freunde, die für Annahme des § 10 sind, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Ich bitte diejenigen, die dagegen sind, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) - Der § 10 ist angenommen.
Bitte Herrn Dr. Wachsmuth, den § 11 zu verlesen.
§ 11 wird verlesen:
«11. Die Mitglieder können sich auf jedem örtlichen oder sachlichen Felde zu kleineren oder größeren Gruppen zusammenschließen. Die Anthroposophische Gesellschaft hat ihren Sitz am Goetheanum. Der Vorstand hat von da aus das an die Mitglieder oder Mitgliedergruppen zu bringen, was er als die Aufgabe der Gesellschaft ansieht. Er tritt in Verkehr mit den Funktionären, die von den einzelnen Gruppen gewählt oder ernannt werden. Die einzelnen Gruppen besorgen die Aufnahme der Mitglieder; doch sollen die Aufnahmebestätigungen dem Vorstande in Dornach vorgelegt und von diesem im Vertrauen zu den Gruppenfunktionären unterzeichnet werden. Im allgemeinen soll sich jedes Mitglied einer Gruppe anschließen; nur wem es ganz unmöglich ist, die Aufnahme bei einer Gruppe zu finden, sollte sich in Dornach selbst als Mitglied aufnehmen lassen.»
Dr. Steiner: Wünscht jemand zu diesem Punkte das Wort? - Es ist ja natürlich, daß gerade dieser Punkt in der Geschäftsordnung seine Erläuterung finden kann, daher glaube ich: Was hier enthalten ist, brauchen wir im allgemeinen nicht zu sagen. Man weiß aus diesem Paragraphen, wie die Aufnahme besorgt werden wird, alles übrige ist eigentlich Gebrauch, der sogar von Zeit zu Zeit ganz gut geändert werden kann.
Wünscht jemand das Wort zu diesem § 11? - Das scheint nicht der Fall zu sein. Dann bitte ich diejenigen Freunde, welche für Annahme des § 11 sind, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Ich bitte die Freunde, welche für Ablehnung des § 11 sind, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) — § 11 ist in zweiter Lesung angenommen.
Bitte Herrn Dr. Wachsmuth, den § 12 zu verlesen.
§ 12 wird verlesen:
«12. Der Mitgliedsbeitrag wird durch die einzelnen Gruppen bestimmt; doch hat jede Gruppe für jedes ihrer Mitglieder ... an die zentrale Leitung am Goetheanum zu entrichten.»
Dr. Steiner: Ich würde nun bitten, daß über den Betrag, der hier eingefügt werden soll, nicht jetzt verhandelt wird, sondern nach Vorschlägen des Vorstandes zunächst in der morgen um 8 Uhr 30 stattfindenden Generalsekretäre-Versammlung. Es kann ja dann in der nächsten Mitgliederversammlung referiert werden, was die Generalsekretäre nach dieser Richtung für möglich und notwendig halten. Ich möchte nur bitten, daß Sie dem allgemeinen Sinne nach diesen Paragraphen annehmen. — Wünscht dazu jemand das Wort? Wenn das nicht der Fall ist, bitte ich die Freunde, welche in diesem Sinne den § 12 annehmen, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Ich bitte die Freunde, welche den §12 ablehnen wollen, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) - Der § 12 ist in zweiter Lesung angenommen. Bitte Herrn Dr. Wachsmuth, den § 13 zu verlesen.
§ 13 wird verlesen:
«13. Jede Arbeitsgruppe bildet ihre eigenen Statuten; nur sollen diese den Statuten der Anthroposophischen Gesellschaft nicht widersprechen.»
Dr. Steiner: Wünscht jemand zu diesem § 13 das Wort? - Ich glaube, der ist so selbstverständlich wie nur irgend etwas. — Es scheint nicht der Fall zu sein. Ich bitte die Freunde, welche den § 13
annehmen, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Ich bitte die Freun de, welche den § 13 ablehnen wollen, die Hand zu erheben. (Es mel det sich niemand.) — Der § 13 ist in zweiter Lesung angenommen. Ich bitte Herrn Dr. Wachsmuth, den § 14 zu verlesen.
§ 14 wird verlesen:
«14. Gesellschaftsorgan ist das «Goetheanum>, das zu diesem Ziele mit einer Beilage versehen wird, die die offiziellen Mitteilungen der Gesellschaft enthalten soll. Diese vergrößerte Ausgabe des «Goetheanum wird nur an die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft abgegeben.»
Dr. Steiner: Ich habe schon über diesen § 14 gesprochen und bitte diejenigen verehrten Freunde, welche etwas sagen wollen zu diesem Paragraphen, sich zu melden. - Wünscht jemand zu § 14 zu sprechen?
Frage: Wird das «Goetheanum» nur von der Schweiz aus bezogen werden können?
Dr. Steiner: Den Usus, wie es verbreitet werden kann, bestimmt man nach den allerpraktischsten Bedingungen. Mit der deutschen Abteilung ist schon ein Abkommen getroffen. Da wird es von Stuttgart aus versandt werden. So wird man es überall so machen, wie es am allerpraktischsten ist. Das ist ja selbstverständlich.
Ein Redner: Der Ordnung halber sollte man schreiben: «Gesellschaftsorgan ist die Wochenschrift «Goetheanum»».
Dr. Steiner: Wochenschrift. Meinetwillen. - Wünscht noch jemand das Wort?
Herr Goyert: Wenn die Wochenschrift in eine andere Zeitschrift umgewandelt wird, stimmt das nicht mehr.
Dr. Steiner: Hoffen wir, daß das nicht der Fall ist. Es ist vielleicht ganz gut, wenn man dadurch ein Mittel hat, die Wochenschrift so zu lassen, wie sie ist, sie nicht umzuwandeln. - Wünscht noch jemand das Wort? - Wenn das nicht der Fall ist, bitte ich die Freunde, welche für Annahme des § 14 sind, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Die Freunde, welche dagegen sind, bitte ich, die Hand zu erheben. (Es meldet sich niemand.) - Der § 14 ist in zweiter Lesung angenommen.
Es wird nun noch als ein 15. Paragraph einzufügen sein:
«Bei der Gründungsversammlung zu Weihnachten 1923 wird der Gründungsvorstand gebildet sein aus:
Rudolf Steiner als Vorsitzenden,
Albert Steffen als Vorsitzenden-Stellvertreter,
Frau Dr. Wegman als Schriftführer,
Dr. Guenther Wachsmuth als Sekretär und Schatzmeister,
Frau Dr. Steiner als Beisitzer
Fräulein Dr. Vreede als Beisitzer.»
Ich möchte jetzt nur noch das erwähnen, daß dieses der für die Gesellschaft verantwortliche Vorstand sein soll, daß aber bei all denjenigen Angelegenheiten, die zusammenhängen mit der Führung der Seele der Anthroposophischen Gesellschaft, der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, Goetheanum, immer zu den Sitzungen und Beratungen zugezogen werden auch diejenigen Leiter einzelner Sektionen des Goetheanums, die nicht im Vorstande sind. Es ist ja jetzt mit einer einzigen Ausnahme der ganze Vorstand auch mit der Leitung der Schule beschäftigt. Wünscht jemand zu diesem Punkte zu sprechen? — Es ist gesagt: der Gesamtvorstand wird «gebildet». Damit ist darauf hingewiesen, daß er weder gewählt noch ernannt worden ist, sondern als ein selbstverständlicher, durch die Gründe, die angeführt worden sind, designierter Vorstand, von der Sache designierter Vorstand also bei dieser Gründungsversammlung begründet worden ist.
Frage: Ist eine Akkumulierung der Ämter nicht möglich?
Dr. Steiner: Ich sagte gestern ausdrücklich: Es soll bestehen eine Inkompatibilität für die Mitglieder des Vorstandes in bezug auf andere Ämter der Anthroposophischen Gesellschaft. Also es ist zum Beispiel nicht wünschenswert, daß eines der Vorstandsmitglieder Generalsekretär in irgendeiner Sektion ist, daß er, sagen wir, Zweigvorstand ist oder dergleichen, damit er sich seiner Aufgabe ausschließlich widmen kann. Aber zur Leitung der Schule müssen natürlich diejenigen gerufen werden, die die geeignetsten dafür sind. Und die Leitung der Schule wird ja im wesentlichen einen großen Teil der Agenzien des Vorstandes gerade bilden; daher auch die Kumulierung, daß die Leiter der Schule zu gleicher Zeit die Mitberatenden des Vorstandes sein werden. - Wünscht sonst noch jemand zu § 15 zu sprechen? Das ist nicht der Fall. Dann bitte ich Sie, jetzt nicht durch eine Abstimmung in dem Sinne wie die früheren Abstimmungen waren, sondern mit dem Gefühl: Sie geben diesem Grundcharakter der Führung einer wirklichen Anthroposophischen Gesellschaft recht, bitte ich Sie, Ihre Zustimmung dazu zu geben, daß dieser Vorstand hier für die Führung der Anthroposophischen Gesellschaft gebildet werde. (Lange anhaltender Beifall.)
Dr. Steiner: Nun, meine lieben Freunde, ich glaube auch im Namen der mir zur Seite stehenden, nicht unmündigen, sondern übermündigen Vorstandsmitglieder für Ihre Zustimmung hier den allerherzlichsten Dank auszusprechen, und das Versprechen abzugeben, daß die Führung der Anthroposophischen Gesellschaft in dem aus den geisteswissenschaftlichen Grundlagen und Bedingungen heraus gestellten Sinne wird geführt werden.
Wir kommen nun zum Schlusse. Nachdem wir die zweite Lesung absolviert haben, kommen wir nun zur Annahme der Gesamt-Statuten in dritter Lesung. Ich bitte, hat jemand, nachdem über die einzelnen Paragraphen in der Spezialdebatte gesprochen worden ist, den Wunsch, noch einmal über das Ganze zu sprechen? — Ich möchte nur bemerken, daß ich die folgende historische Bemerkung, die gestern gewünscht worden ist, hinzufügen möchte nach § 2:
«Die Anthroposophische Gesellschaft knüpft an die im Jahre 1912 gegründete Anthroposophische Gesellschaft an, möchte aber für die damals festgestellten Ziele einen selbständigen, dem wahren Geiste der Gegenwart entsprechenden Ausgangspunkt schaffen.»
Das ist die Bemerkung, durch die wir dasjenige hinzufügen können, was in bezug darauf gestern gesagt worden ist. - Ich bitte jetzt, wünscht jemand noch einmal über die Statuten gewissermaßen en bloc zu reden? Wenn das nicht der Fall ist, bitte ich die verehrten Freunde, welche dafür sind, daß die Statuten in dritter Lesung angenommen werden, die Hand zu erheben. (Es geschieht.) Ich bitte diejenigen, die dagegen sind, dies ebenfalls durch Erheben der Hände zu bezeugen. (Es meldet sich niemand.)
Damit sind, meine verehrten Freunde, die Statuten der Anthroposophischen Gesellschaft angenommen, und wir werden die Mitgliederversammlung morgen nach dem Vortrag von Herrn Werbeck in derselben Weise fortsetzen, wie wir bisher diese Versammlungen fortgesetzt haben. Ich möchte noch verkündigen - bitte, ein paar Sekunden auf den Plätzen zu bleiben -: 1. Die Eurythmie-Vorstellung heute nachmittag um 4 Uhr 30 ist die nächste Veranstaltung, die wir haben werden; sie wird mit einem vollständig neuen Programm stattfinden. 2. Samstag, um 8 Uhr 30, werden die Generalsekretäre gebeten, so wie am letzten Dienstag um 2 Uhr 30, unten im Glashaus wieder zusammenzukommen. Dabei werde ich auch die Vertreter der einzelnen schweizerischen Zweige bitten, mit anwesend zu sein, da die berührte Frage über die schweizerische Anthroposophische Gesellschaft dann zunächst im engeren Kreise besprochen werden soll.
Ferner erlaube ich mir mitzuteilen, daß die für heute nachmittag anberaumte Zusammenkunft der Mitglieder der Schulvereine für freies Erziehungs- und Unterrichtswesen in der Schweiz leider - weil noch Eurythmieproben stattfinden müssen — nicht in diesem Saale gehalten werden kann. Daher wird kein Lokal da sein, in dem alle Mitglieder als Zuhörer dieser Versammlung werden anwesend sein können. Nach den gegebenen Verhältnissen muß daher gebeten werden, obwohl das natürlich recht unliebsam ist, daß eben bei dieser Versammlung, die wir im Glashaus unten heute nachmittag halten werden, nur erscheinen die Mitglieder des Schweizerischen Schulvereins als solche und noch diejenigen Freunde, die aus nichtdeutschen Ländern hier sind, also die Freunde aus Amerika, England, Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, Norwegen, Holland und so weiter. Nur bitte ich diejenigen Persönlichkeiten, die eben aus ganz valutaschwachen Ländern sind - irgendwo muß man das Kind ja leider zerschneiden -, die bitte ich, zunächst bei der heutigen Versammlung wegzubleiben: also alle deutschen Mitglieder und, wenn sie nicht hineinkönnen, eventuell auch die österreichischen Mitglieder. Dann werde ich aufmerksam gemacht - solche Dinge scheinen ja immer aufzustoßen -, daß Vorsicht geübt werden soll in Gesprächen auf der Straße, im Tram und in den Quartieren. Nun ja, es ist schon ganz gut, wenn man nicht die Leute ärgert dadurch, daß man allerlei sonderbare Bemerkungen macht. — Damit ist alles mitgeteilt, was möglich war, mitzuteilen. Das Weitere wird noch mitgeteilt werden, wenn der Vorstand hier eine Art Geschäftsordnung vorlegen wird. Das kann in der Mitgliederversammlung morgen gesagt werden.
Nachmittags 4 Uhr 30 findet eine Eurythmie-Aufführung statt. Heute abend um 8 Uhr 30 wird mein Vortrag sein. Es wird notwendig sein, den Vortrag immer auf 8 Uhr 30 zu verschieben. Und morgen um 8 Uhr 30 morgens die Versammlung, die ich angekündigt habe, für die Generalsekretäre und schweizerischen Zweigvorstände, dann um 10 Uhr: Vortrag von Herrn Werbeck zur Gegnerschaft der Anthroposophie, und nach einer kurzen Pause nach diesem Vortrag: Fortsetzung dieser Versammlung.