The Christmas Conference

GA 260 — 29 December 1923, Dornach

Fortsetzung der Gründungsversammlung

Dr. Steiner:

Meine lieben Freunde!

Wir werden die Tagesordnung damit beginnen, daß wir uns den Vortrag anhören, mit welchem Herr Werbeck uns heute zu erfreuen gedenkt.

Louis Werbeck hält sein Referat: «Zur Gegnerschaft der Anthroposophie.»

Dr. Steiner: Wir dürfen, meine lieben Freunde, nun etwa 15 Minuten Pause machen und dann mit der gestern abgebrochenen Mitgliederversammlung fortsetzen.

Dr. Steiner: Meine lieben Freunde! Lassen Sie uns auch heute wiederum die Worte hören, die uns in der Seele wiederklingen sollen hier und dann, wenn wir hinausgehen, um das hier Beabsichtigte hinauszutragen:

Menschenseele!
Du lebest in den Gliedern,
Die dich durch die Raumeswelt
Im Geistesmeereswesen tragen:
Übe Geist-Erinnern
In Seelentiefen,
Wo in waltendem
Weltenschöpfer-Sein
Das eigne Ich
Im Gottes-Ich
Erweset;
Und du wirst wahrhaft leben
Im Menschen-Welten-Wesen. Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen
In den Weltentiefen Sein-erzeugend.
Seraphim, Cherubim, Throne,
Lasset aus den Höhen erklingen,
Was in den Tiefen das Echo findet
Und was im Echo der Tiefen
Das Geheimnis der Höhen
Wiederklingen läßt;
Das spricht:
Ex Deo nascimur. Menschenseele! Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage, Der dich durch den Zeitenrhythmus Ins eigne Seelenwesensfühlen leitet: Übe Geist-Besinnen Im Seelengleichgewichte, Wo die wogenden Welten-Werde-Taten Das eigne Ich Dem Welten-Ich Vereinen; Und du wirst wahrhaft fühlen Im Menschen-Seelen-Wirken. Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis
In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend.
Durch die Geister Kyriotetes, Dynamis, Exusiai,
Lasset, ihr Geister, vom Osten befeuern,
Was durch den Westen sich gestaltet,
Und das Feuer des Ostens,
Das aus dem Westen seine Gestaltung empfängt,
Es spricht:
In Christo morimur. Menschenseele!
Du lebest im ruhenden Haupte,
Das dir aus Ewigkeitsgründen
Die Weltgedanken erschließet:
Übe Geist-Erschauen
In Gedanken-Ruhe,
Wo die ew’gen Götterziele
Welten-Wesens-Licht
Dem eignen Ich
Zu freiem Wollen
Schenken;
Und du wirst wahrhaft denken
In Menschen-Geistes-Gründen. Denn es walten des Geistes Weltgedanken
Im Weltenwesen Licht-erflehend.
Archai, Archangeloi, Angeloi,
Lasset aus den Tiefen erbitten,
Was in den Höhen erhöret wird,
Dieses spricht:
Per spiritum sacntum reviviscimus

Halten wir wiederum den inneren Rhythmus dieser Worte fest in wesenhaften Teilen. Wir haben hier:

[Es wird gesprochen und an die Tafel geschrieben. Faksimile siehe Beilage 4, Tafel IV]

Übe Geist-Erinnern

Dasjenige, was in der Menschenseele stattfindet, es hat seine Beziehungen zu allem Wesenhaften im Geiist-, Seelen- und Leibes-Kosmos. Deshalb weist gerade dieses «Übe Geist-Erinnern» hin auf dasjenige, was dann klingt bei der Anrufung der Seraphim, Cherubim und Throne zur Charakteristik der Art und Weise, wie sie im Weltenall wirken:

Seraphim, Cherubim, Throne,
Lasset aus den Höhen erklingen,
Was in den Tiefen das Echo findet.

Und man hat eigentlich die richtige kosmische Vorstellung, wenn man das Bild sich vor die Seele stellt, daß aus den Höhen die Stimmen der Seraphim, Cherubim, Throne im Weltenworte erklingen und gehört werden, indem sie in den Tiefen der Untergründe des Weltenseins ihr Echo finden und das aus den Höhen Angeregte, von unten auf erklingend, das Weltenwort, ausgeht von Seraphim, Cherubim und Thronen.

Den zweiten Spruch haben wir:

Übe Geist-Besinnen

Es hat seine Beziehung zu der zweiten Hierarchie: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai. Sie sind charakterisiert, wenn man ihre Stimmen vorstellt im Weltenworte im Sinne der Worte;

Kyriotes, Dynamis, Exusiai,
Lasset vom Osten befeuern,
Was durch den Westen sich gestaltet.

Das dritte Glied im Menschensein ist:

Übe Geist-Erschauen.

Dabei der Hinweis auf die Art, wie die dritte Hierarchie sich einschaltet in das Weltenwort:

Archai, Archangeloi, Angeloi,
Lasset aus den Tiefen erbitten,
Was in den Höhen erhöret wird.

[Tafelanschrift]

Übe Geist-Erinnern
S. Ch. T.
Lasset aus den Höhen erklingen,
Was in den Tiefen das Echo findet. Übe Geist-Besinnen
K. D. Ex.
Lasset vom Osten befenern,
Was durch den Westen sich gestaltet. Übe Geist-Erschauen
A. AA. Ang.
Lasset aus den Tiefen erbitten,
Was in den Höhen erhöret wird.

Wir haben das Gegenteil der ersten Hierarchie, bei der wir die Stimmen nach unten gelegen, von unten im Echo nach aufwärts kommend haben. Wir haben hier die Stimmen, die aufgenommen werden aus den Wesen, die von unten her etwas zu erbitten haben, das nun von oben nach unten hin erhört wird. Von oben nach unten: von den Höhen nach den Tiefen; von dem Umkreis: Osten und Westen; von unten nach oben: von den Tiefen in die Höhen.

Meine lieben Freunde! Ich habe noch nachtragend mitzuteilen, daß für die polnische Anthroposophische Gesellschaft, die hier nicht vertreten war, das Folgende vorzubringen ist, eine Zuschrift an den Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach: «Die Arbeitsgruppen in Polen - Krakau, Lemberg, Warschau - haben beschlossen, die polnische Anthroposophische Gesellschaft zu gründen. Die Gesellschaft soll den anthroposophischen Ideen dienen, indem sie den breitesten Kreisen die Schätze der Geisteslehre klarlegt und im polnischen Volke in einer verhängnisvollen Zeit als Selbsterkenntnis seiner Mission wirkt. Die neugegründete Anthroposophische Gesellschaft in Polen schickt zum Fest der Grundsteinlegung dem Führer und Gründer der internationalen anthroposophischen Bewegung, Herrn Dr. Steiner, ihren Ausdruck höchster Ergebenheit. Die polnische Anthroposophische Gesellschaft ersucht dringend, er möge sich ihrer annehmen, seinen Schutz und Leitung nicht versagen und verpflichtet sich ihrerseits ... (der Schluß wurde durch Geräusche nicht gehört).

Für den Warschauer Kreis:
Für den Lemberger Kreis:
Für die übrigen Kreise:
Luna Drechsler als Bevollmächtigte.»

Dann von Köln am Rhein: «Zur Grundsteinlegung der Internationalen Anthroposophischen Gesellschaft Weihnachten 1923 wünsche ich Ihnen und allen dort versammelten Freunden aus innigstem Herzen alles Gute. Ich wünsche, daß immer mehr vor aller Welt offenbar werden möge, was mit dieser Grundsteinlegung gemeint ist. Mit herzlichem Gruß Gottfried Husemann.»

Meine lieben Freunde, ich denke, daß vorläufig von seiten des Vorstandes dasjenige vorgebracht worden ist, was dieser Vorstand im großen vorzubringen hatte. Es wird sich darum handeln, daß in den nächsten Tagen noch der Entwurf zu einer Art Geschäftsordnung oder Ausführungsbestimmungen zu den Statuten vorgelegt werde. Es wird aber wünschenswert sein, daß vor allen übrigen Verhandlungen nunmehr dasjenige zum Ausdrucke kommt, was einzelne unserer lieben Freunde zu sagen haben. Es ist ja hier ein Verzeichnis vorhanden von Wortmeldungen der Delegierten, die Referate halten wollen, und ich denke, es ist das beste, wenn wir auch hier nicht schematisch vorgehen, um dadurch Zeit zu verlieren — das tut man Ja, wenn man schematisch vorgeht -, sondern es wird das beste sein, wenn wir dasjenige, was die verehrten, lieben Freunde zu sagen haben, jetzt in entsprechender Weise absolvieren. Ich möchte daher fragen, ob es Ihnen recht ist, wenn ich jetzt diejenigen Freunde aufrufe zum Worte, die sich schon vorher hier angemeldet haben zum Sprechen. - Es sind dies die Herren Leinhas, Dr. Kolisko, Dr. Stein, Dr. Palmer, Herr Werbeck, Dr. Lehrs, Miss Cross, Mademoiselle Rihouet, Mr. Collison, Frau Hart-Nibbrig, Herr de Haan, Herr Stibbe, Herr Zagwijn, Frau Ljungquist.

Dr. Wachsmuth teilt mit, daß diese Namenmeldungen schon zu Anfang gemacht wurden, nicht zu einem Spezialthema, sondern nur allgemein.

Dr. Steiner: Dann werde ich also bitten um die Namen derjenigen Freunde, die nun irgend etwas vorzubringen haben. Es ist natürlich notwendig, daß, um die Versammlung weiter fortzusetzen, aus der Mitte der Freunde dasjenige vorgebracht wird, was die Freunde oder die Delegierten, die hierher gekommen sind, auf dem Herzen haben. Ich werde also um Wortmeldungen bitten in dem jetzigen Augenblikke, wo man sozusagen in einer ganz umfassenden Generaldebatte über dasjenige sprechen kann, was man auf dem Herzen hat in bezug auf die Anthroposophische Gesellschaft, die hier begründet worden ist.

Mr. Collison: Nachher bitte über Erziehung.

Dr. Steiner: Wird das Wort über irgend etwas gewünscht, das ganz im Allgemeinen liegt? Wenn das nicht der Fall ist, meine lieben Freunde, so werden wir zur Besprechung einzelner Gebiete schreiten. Es sind ja heute in Aussicht genommen Diskussionen über die Probleme der Gesellschaft und über Probleme der Pädagogik. Vielleicht hat auch noch der eine oder der andere der Freunde etwas zu sagen in Anknüpfung an den Vortrag von Herrn Werbeck und so weiter. Wünscht dazu jemand das Wort?

Herr Hohlenberg meldet sich zum Wort.

Dr. Steiner: Herr Hohlenberg wird in bezug auf die Gegnerschaft sprechen.

Herr Hohlenberg tut es.

Dr. Steiner: Es wird sich wohl am besten machen, wenn dasjenige, was ich nach dieser Richtung selber zu sagen habe, dann zusammenfassend nach der Aussprache der Freunde gesagt wird. Es wird ja noch so manches vorzubringen sein im Laufe der nächsten Tage.

Als nächster Redner über Gesellschafts-Angelegenheiten, auch über die Jugendbewegung, ist Dr. Lehrs gemeldet. Ich darf vielleicht Dr. Lehrs bitten, das Wort zu nehmen.

Dr. Lehrs spricht über die Freie Anthroposophische Gesellschaft.

Dr. Steiner: Meine lieben Freunde! Ich möchte nicht, daß ein Mißverständnis entsteht in bezug auf meine vor einigen Tagen hier geäußerten Worte. Herr Dr. Lehrs hat ganz richtig interpretiert, und jede andere Interpretation würde eigentlich meine Worte nicht treffen. Ich meinte nicht etwa, daß das dazumal Vorgeschlagene heute an Bedeutung verloren habe, sondern ich sagte: Es war mir ja natürlich etwas, was ich eigentlich als tragisch empfand, daß dieser Vorschlag gemacht werden mußte zur Trennung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland und der Freien Anthroposophischen Gesellschaft. Aber er mußte eben gemacht werden, der Vorschlag; er ergab sich dazumal aus den Tatsachen heraus. Und ebenso ist es durchaus notwendig, daß diese Freie Anthroposophische Gesellschaft weiter bestehe und weiter arbeite in dem Sinne, wie ja das von unserem jungen Freunde skizziert worden ist von verschiedenen Seiten her. Also ich möchte nur sagen, daß ich Sie bitte, durchaus die Interpretation Dr. Lehrs’ für meine vor einigen Tagen gesprochenen Worte als zutreffend anzusehen.

Ich nehme nun an, daß Herr Hans Ludwig Pusch sich zu der Rede von Dr. Lehrs melden will. Ich bitte also, Herrn Hans Ludwig Pusch vielleicht sogleich das Wort zu nehmen.

Hans Ludwig Pusch, Hamburg, spricht über Ziele und Bestrebungen der deutschen Jugend in Hamburg.

Dr. Steiner: Darf ich dann bitten, Ihre Rede morgen hier an diesem Punkt fortzusetzen. Wir müssen die Zeitenfolge einhalten.

Dr. Steiner: Wir werden die Tagung morgen nach dem Vortrage von Dr. Schubert, der handeln wird über «Anthroposophie, ein Führer zu Christus», fortsetzen. — Ich würde nun bitten, daß diejenigen Freunde, welche des Willens sind, oder es aus sachlichen Gründen heraus für notwendig halten, uns Referate zu geben, mir heute abend nach dem Vortrag das melden, so daß ich also eine Übersicht haben kann über die zu haltenden Referate, die dann eingefügt werden müssen in die Tagesordnungen. Ich bitte zu berücksichtigen, daß wir ja die Tage so fruchtbar als möglich werden anwenden müssen. Es wird noch notwendig sein, daß außer dem Angekündigten im Zusammenhange mit meinen drei letzten Vorträgen im Speziellen kleine Zusammenkünfte mit den hier versammelten Ärzten stattfinden. Auch andere kleine Zusammenkünfte werden noch vorzusehen sein.

Ich bitte jetzt den nächsten Teil der Tagesordnung mitteilen zu dürfen: Heute nachmittag 4 Uhr 30 das Christgeburtspiel; abends 8 Uhr 30 mein Vortrag. Morgens 10 Uhr Vortrag von Dr. Schubert «Anthroposophie, ein Führer zu Christus». Dann in Fortsetzung dazu die Fortführung der heutigen Versammlung, die wir ja mitten in einer Rede abbrechen mußten; allein, wir werden das in der Zukunft auch tun müssen, da wir nur dadurch in die Möglichkeit kommen, die Verhandlungen rationell durchzuführen. Damit ist die Versammlung bis morgen vertagt.

Ich habe nur noch ein paar Mitteilungen zu machen, für die ich Sie bitte, sich auf Ihren Sitzen zu halten. Das erste ist: tunlichst zu vermeiden, daß beim Hereingehen ein Gedränge entsteht. Ich höre, daß für die älteren Leute, die mehr gebrechlich sind als die Jugend, da eine Gefahr entsteht, und ich bitte, dies durch Vorsorglichkeit für seine Mitmenschen zu vermeiden.

Ferner ist mitzuteilen, daß Herr Dr. Im Obersteg, CentralbahnPlatz 9 in Basel, der schon häufig für uns Fahrbillette und auch Schiffsbillette besorgt hat, bereit ist, für solche, die für die Heimfahrt dergleichen brauchen, die Besorgung zu übernehmen. Wir haben die Erfahrung, daß gerade dort dergleichen mit einer außerordentlichen Exaktheit gemacht wird. Es handelt sich hauptsächlich um die Übernahme von Schiffs- und Eisenbahnbilletten für die westlichen Länder, Norwegen, Schweden, England, Holland, Frankreich, Spanien, Italien und so weiter. Es kann entweder persönlich oder durch uns gemacht werden. Diejenigen verehrten Freunde, die nach dieser Richtung hin Wünsche haben, werden so gut sein, sich bei Dr. Wachsmuth zu melden.

German original of Continuation of the Foundation Meeting · ← Previous · Next →