The Christmas Conference

GA 260 — 29 December 1923, Dornach

Sitzung des Vorstandes der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft der Generalsekretäre der Landesgesellschaften mit ihren Sekretären und der schweizerischen Zweige

Dr. Steiner:

Meine lieben Freunde!

Ich möchte die Versammlung der Generalsekretäre und der Vertreter der schweizerischen Zweige hiermit eröffnen. Wir werden heute gleich am besten in der Tagesordnung ansetzen die Besprechung über die Ordnung der schweizerischen Anthroposophischen Gesellschaft. Es sind ja bei der letzten Delegiertenversammlung Wünsche nach dieser Richtung zum Ausdruck gekommen, und wir werden, wenn wir nun unsere weiteren Verhandlungen über die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft führen, schon gut tun, diese verschiedenen Wünsche zu berücksichtigen, damit eventuell das Verhältnis zwischen dem Zweig am Goetheanum oder überhaupt der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft geordnet werden kann. Ich bitte nun die Freunde, über diesen Punkt der Tagesordnung das Wort zu ergreifen. Es sind ja so energische Anträge dazumal gestellt worden.

Dr. Hugentobler äußert sich zu diesem Punkte und stellt Fragen.

Dr. Steiner: Wir müssen ja bei diesen Fragen berücksichtigen, daß sie tatsächlich in alledem, was sachlich zugrunde liegt, im Grunde ausgegangen sind von einer Taktfrage. Sie ist ausgegangen, diese Frage, von der Empfindung, daß bei einer Delegiertenversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz, die im Sommer abgehalten worden ist, die schweizerischen Mitglieder von in der Schweiz befindlichen Mitgliedern übertönt worden sind. Sie haben sich dazumal zurückgedrängt gefühlt. Also liegt eigentlich der ganzen Empfindung da eine Taktfrage zugrunde. Die Schweizer haben dazumal gefühlt: Die anderen haben viel zuviel geredet, und sie selbst sind nicht zu Worte gekommen, und man hat ihnen allerlei Ratschläge gegeben von auswärts, die nicht Rechnung trugen den schweizerischen Verhältnissen. Davon ist ja sichtlich die ganze Sache ausgegangen. — Bei der letzten Delegiertenversammlung war es nun ja schon, daß tatsächlich das Triftige an der Sache gut herausgekommen ist, aber daß andererseits vieles aufgetreten ist, was man absolut nicht verstehen konnte. Da ich gerade bei dieser Delegiertenversammlung den Vorsitz führte, so weiß ich, wie man gewisse Dinge, die dazumal gesagt worden sind, eben absolut nicht verstehen konnte, und deshalb würde es notwendig sein, daß dasjenige, was eigentlich damals gewünscht worden ist, in einer verständlichen Form zum Ausdrucke kommen würde. Das verspreche ich mir von der heutigen Aussprache. -— Wer wünscht weiter das Wort?

Herr Geering-Christ setzt seinen Standpunkt auseinander.

Dr. Steiner: Es ist ganz richtig. Es ist wirklich nicht kompliziert, wenn man den Tatsachen zu Leibe geht, und es ist Ja Jetzt wiederum durch Herrn Geering klar zum Ausdruck gekommen. Wenn man die Sache faßt, so wird sie in einer sehr einfachen Weise gelöst werden können. Ich bemerke da auch noch dazu, daß die Frage doch ganz gewiß durch die Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, deren zweiter Vorsitzender Herr Steffen ist, und zwar als derjenige also, der das schweizerische Element innerhalb der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft vertreten wird, daß die ganze Frage dadurch seit der Einsetzung dieses Vorstandes doch wohl auf eine neue Basis gestellt worden ist. Denn wenn wir die Struktur des Ganzen auffassen, so rührt sie ja zum Teil davon her, daß einfach bei der Delegiertenversammlung im Sommer, die so böses Blut gemacht hat, der deutsche Vorstand noch der Meinung war, er sei Vorstand der ganzen Weltgesellschaft, und sich in dieser Weise verhielt. Das war dasjenige, was die Schweizer verletzt hat. Ist es nicht so? Es sprechen also hier zusammen eine - vielleicht in der einen oder in der andern Art, wie sie am Schluß seiner Rede Herr Geering angedeutet hat - für die schweizerische Anthroposophische Gesellschaft zu lösende Verwaltungsfrage, die natürlich in einer Versammlung der schweizerischen Mitglieder wird gelöst werden können. Und es sprechen auch von anderer Seite zusammen zwei Dinge: die Angelegenheiten der schweizerischen Gesellschaft und eine Taktfrage. Ich hoffe, daß sich diese Taktfragen in der nächsten Zeit ja regeln werden.

Für die Allgemeine Anthroposphische Gesellschaft, in deren Rahmen wir jetzt verhandeln, kommt ja natürlich nur die Ordnung des Zweiges am Goetheanum zur Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz in Frage, und nur über diese sollten wir eigentlich heute sprechen und alles übrige überlassen einer Versammlung, welche die Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz abhalten wird. Nicht wahr, diese Frage der Regelung des Zweiges am Goetheanum zur Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz kann einen ja sehr beschäftigen, und ich habe dazumal bei der letzten Delegiertenversammlung vom 8. Dezember 1923, als die entsprechenden Wünsche auftraten, geglaubt, daß eine Vermittlung dadurch gefunden werden könne, daß der Zweig am Goetheanum, der ja, wie Sie einsehen werden, aus äußeren und inneren Gründen gegenüber der Außenwelt aus der schweizerischen Gesellschaft nicht ausscheiden kann, der drinnen sein muß gegenüber der Außenwelt, daß der in bezug auf die innere Verwaltung so eingerichtet werde, daß er nicht Sitz und Stimme, oder wenigstens nicht Stimme hätte in den Delegiertenversammlungen der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz.

Aber ich glaube heute auch, daß die Ansicht von Herrn Geering, die er eben geäußert hat, außerordentlich berechtigt ist: daß im Grunde genommen eine Änderung nach dieser Richtung hin gar nicht notwendig ist. In dem Augenblicke, wo es mehr eine allgemeine Überzeugung unserer schweizerischen Freunde sein würde, daß man mit dem Zweig am Goetheanum ganz gut auskommt, wenn nicht andere Dinge mitreden, in dem Augenblicke, wo das eine Überzeugung ist unserer schweizerischen Freunde, glaube ich, brauchen wir überhaupt nichts zu ändern. Ich bitte Sie, vor allen Dingen über diese Frage strikte zu sprechen, ob nach dieser Richtung hin irgendwelche Wünsche vorliegen. Wenn diese Frage ausgesprochen ist, dann wird die ganze Sache eine Frage der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz, die sich ihren Generalsekretär oder was sie sonst für einen Funktionär haben will, wählen wird. Wenn dies besprochen ist, sind wir eigentlich heute mit der Besprechung der schweizerischen Angelegenheiten fertig. Ich glaube nur, daß die Schwierigkeit dahingehend ist, daß der Schweizer Vorstand bisher wenig in sich konsolidiert war. Man hatte einfach die Vorsitzenden der verschiedenen Zweige zum Vorstand ernannt. Man weiß, das ist ein solcher Vorstand, der elastisch ist, und keiner weiß in Wirklichkeit, was er wirklich ist, weil der Vorstand nicht funktioniert. Wenn sich in der Gesellschaft in der Schweiz ein wirklich funktionierender Vorstand bildet, wird die Sache in Ordnung kommen. Ich glaube nicht, daß eine Majorisierung durch Auswärtige in Dornach möglich sein wird. Ich bitte also eine Formulierung zu ergreifen, um eine Änderung der Beziehung des Zweiges am Goetheanum und der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz zu erzielen.

Herr Schweigler, St. Gallen, äußert sich dazu.

Dr. Steiner: Wünscht sonst jemand in dieser Frage das Wort?

Herr Geering-Christ: Könnte man vielleicht gleich zur Abstimmung unter den schweizerischen Delegierten jetzt schreiten?

Dr. Steiner: Ich hatte gerade vor, die schweizerischen Freunde zu fragen, ob sie mit den Intentionen, die durch die Herren Dr. Hugentobler, Geering und Schweigler zum Ausdruck gekommen sind, sich einverstanden erklären. Ich bitte die schweizerischen Freunde, die Hand zu erheben. (Dies geschieht.)

Es ist also in klarer Weise zum Ausdruck gekommen, daß der Wunsch unserer schweizerischen Freunde dahin geht, den Zweig am Goetheanum im Schoße der schweizerischen Anthroposophischen Gesellschaft zu behalten. Alles übrige sind dann die Fragen der schweizerischen Anthroposophischen Gesellschaft; die gehören nicht hierher. Wir haben also dasjenige getan, was im Rahmen der Allgemeinen Anthroposphischen Gesellschaft zu behandeln ist.

Wünscht sonst jemand über diese Fragen, die in diesem kleineren Kreise besprochen werden sollen, das Wort?

Fräulein Dr. Vreede als Sekretär des Zweiges am Goetheanum teilt mit, daß ohnehin von den 150 Mitgliedern des Zweiges 70 schweizerische Mitglieder seien.

Dr. Grosheintz meldet sich zum Wort.

Dr. Steiner: Das ist ganz richtig. Es wird sich niemals vermeiden lassen, daß gerade innerhalb einer solchen Gesellschaft, wie die unsrige ist, in allerweitestem Maße Fragen auftauchen, die nur durch den Takt geregelt werden müssen. Bedenken Sie doch einmal, daß in der «Philosophie der Freiheit» unter den moralischen Prinzipien der Takt eine besondere Rolle spielt. Und wenn noch soviel statutarisch geregelt wird, ich bin sogar überzeugt, daß aus dem Samen pedantischer Statuten erst recht Taktfragen aufsprießen. Und so meine ich, wenn solche Dinge durchgeführt werden, wie sie Dr. Grosheintz eben besprochen hat, dann werden wir wirklich taktmäfßig zurechtkommen. Und davon wird sehr viel abhängen.

Frau Weiß stellt Fragen.

Dr. Steiner: Ich denke mir, daß Dr. Grosheintz das ja nicht statutenmäßig gemeint hat, sondern als eine Sache, die im einzelnen Falle geltend gemacht wird, wenn man fühlt, daß es notwendig ist. Und das meine ich gerade mit «Taktfragen». Man muß in den Fingerspitzen ein gewisses Gefühl haben, daß das oder jenes notwendig ist. Ich bin überhaupt der Meinung, daß man mit dem pedantischen Kopf in der Verwaltung einer Gesellschaft nicht viel anfangen kann; der kann ja für andere Dinge sehr gut sein selbstverständlich, aber für die Verwaltung einer Gesellschaft, wie sie hier begründet werden soll, ist der pedantische Kopf recht schädlich. Da handelt es sich um die empfindungsfähigen Fingerspitzen. Je mehr wir durch die empfindungsfähigen Fingerspitzen die Gesellschaft werden künftig verwalten können, desto besser wird es sein.

Mr. Monges frägt, ob Honolulu zum Beispiel auch in diesem Verhältnis zur Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft beziehungsweise zum Goetheanum stehen soll wie der Zweig am Goetheanum.

Dr. Steiner: Honolulu gehört zu der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Honolulu hat mit dem ganzen Fragenkomplex gar nichts zu tun. Alles dasjenige, was jetzt besprochen worden ist, ist nur die Regelung des Verhältnisses zwischen dem Zweig am Goetheanum und der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz. Aber es hat der Zweig in Honolulu nichts zu tun mit dem Zweig am Goetheanum und nichts zu tun mit der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz.

Wünscht sonst jemand das Wort in irgendeiner Frage, die auch aufgeworfen werden soll als Vorbesprechung für die allgemeinen Besprechungen der Mitgliederversammlung? Es kann ja jemand wünschen, daß im engeren Kreise das oder jenes vorbesprochen werde.

Herr Leinhas: Es müßte ja über einen Beitrag gesprochen werden, der eingesetzt werden soll, der an die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft zu bezahlen ist.

Dr. Steiner: Vielleicht darf ich Dr. Guenther Wachsmuth bitten, das Referat darüber zu übernehmen.

Dr. Wachsmuth hält das Referat.

Dr. Steiner: Es wird uns wenig helfen, meine lieben Freunde, wenn wir uns irgendwie unterhalten darüber, ob alle Staaten teilnehmen wollen an der Bezahlung des Mitgliedsbeitrages; es wird uns nur helfen, wenn sie ihn alle bezahlen. Ob wir jetzt wissen, daß sie ihn bezahlen oder nicht, darauf wird wirklich wenig ankommen, und es kann eigentlich nur fruchtbar sein, wenn man das allgemeine Bild, das man haben kann, zugrunde legt, und aus diesem allgemeinen Bilde heraus versucht, eine solche Zahl zu nominieren, von der wir uns versprechen können, daß sie eventuell ausreichen könnte, um dasjenige zu leisten, was von der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft geleistet werden muß. Daher wäre ich dafür, daß wir erstens einen Normalbeitrag festsetzen und dann offen lassen, daß gegenüber diesem Normalbeitrag selbstverständlich die Zustimmungen der Gruppen, namentlich der Landesgesellschaften, vorliegen müssen. Es kann dann in unbegrenzter Weise hinaufgehen, so daß es sich asymptotisch den Carnegieschen Verhältnissen nähert, aber daß auch darunter gegangen werden kann, eventuell bei ganz valutaschwachen Ländern — wie in der Mathematik der sogenannte Verschwindungspunkt. Das wird sich in der Praxis herausstellen. Ich weiß nicht, wie weit es nach der Unendlichkeit gehen wird, in der es sich den Carnegieschen Verhältnissen nähert, aber ich weiß ganz gewiß, daß der Verschwindungspunkt, wie man in der Mathematik sagt, eine gewisse Rolle spielen wird. Daher glaube ich, daß man aus alledem, was man heute wissen kann, einen Normalbeitrag festsetzt und eben in einzelnen Verhandlungen von diesem Normalbeitrag auch heruntergehen kann. Und so würde ich meinen, daß es das Richtige wäre, wenn wir festsetzen würden, daß eine jede Gruppe für jedes ihrer Mitglieder 12 Schilling bezahle, das ist 1 S pro Monat. Ich kann Ihnen die Versicherung geben: Selbst wenn dieser Schilling wirklich bezahlt wird, werden wir noch große Mühe haben, diese Dinge, die wir hier vorhaben, auszuführen. Bedrückend kann das ja auch nicht sein: Wenn der Fall vorliegt, daß jemand nicht bezahlen kann, so wird man eben heruntergehen müssen, und man wird sehen, wie man sich einzuschränken hat. Aber ich glaube, daß man sich darüber einigen könnte, daß die einzelnen Gruppen normaliter für das einzelne Mitglied 12 S zu bezahlen hätten. Auf eine andere Weise irgend etwas festzusetzen, führte dennoch wieder dazu, daß die Anthroposophische Gesellschaft nicht leben kann, und dann wird sie nicht sterben können, und man wird aus finanziellen Gründen wieder nichts Ordentliches leisten können. Man wird uns kritisieren, aber man wird nicht einsehen, daß es nicht geht, etwas zu leisten, wenn wir uns nicht rühren können.

Also es soll das nicht etwa eine absolute Forderung sein, aber es ist etwas, was eben als allgemeine Norm die übliche ist. Wenn es nicht möglich sein sollte, so drückt es einfach aus, wieviel wir brauchen würden, und wir müßten dann heruntergehen. Das läßt sich dann ja ganz gut machen. Aber ich glaube, es wäre notwendig, daß man sich äußert.

Mr. Collison frägt wegen der Aufnahmegebühr.

Dr. Steiner: Die Aufnahmegebühr würde ausgeschlossen sein; sagen wir etwa: daß man die einrechnet, daß sie sich amortisiert. Bei den folgenden Beiträgen würde man das ausrechnen können. Ich rechne nur, daß monatlich für ein jedes Mitglied 1 S bezahlt wird, also jährlich 12 S. Das ist das, auf was ich rechne. Vielleicht darf ich Ihnen verraten, daß der Vorstand da nur in Erwägung gezogen hat und eigentlich nur in Bildern gesprochen hat, wie etwa die Dinge geregelt werden können, und daß sich mir persönlich dieses als Ergebnis jener Bilder dargestellt hat.

Mademoiselle Sauerwein setzt ihren Standpunkt auseinander.

Baronin de Renzis: Das käme auf 50 Lire. Das wäre rein unmöglich für Italien!

Mademoiselle Sauerwein antwortet.

Dr. Steiner: Gewiß, das kann ja so sein, aber das würde eben dazu führen, daß der Normalbeitrag für die einzelnen Gruppen weit genug herabgesetzt werden muß, und ich meine, das kann uns nicht dazu veranlassen, dasjenige nicht als Normalbeitrag festzustellen, was uns hier nach wirklich sehr genauen Erwägungen als notwendig erscheint. Wie wird der Vorgang sein in Realität? Bitte, stellen Sie sich das nur vor! Also ich kann sagen: Nach den Verhältnissen, wie sie einmal sind, werden ganz gewiß nicht mehr als höchstens dreibis viertausend Mitglieder bezahlen, das heißt, es wird nicht für mehr als drei- bis viertausend Mitglieder bezahlt werden. Wenn Sie sich davon ein Bild machen, so haben Sie auch ein Bild von dem, was wir hier im Jahre werden verwenden können. Nicht wahr, nur das hat einen Sinn, daß wir budgetmäßig Mitgliedsbeiträge festsetzen. Ohne Hinblick auf die Zukunft Mitgliedsbeiträge festzusetzen, hat ja gar keinen Sinn, sondern wenn man rechnet, müssen wir mit Zahlen rechnen. Wir müssen rechnen können: §o viel muß unsere Einnahme sein. Kommt sie nicht ein, dann erwächst für uns die Verpflichtung, auf eine andere Weise, durch irgendwelche freiwillige Beiträge und so weiter den Unterbetrag zu ersetzen. Nur etwas festzusetzen, was gar nichts zu tun hat mit den notwendigen Festsetzungen hier, erscheint mir unmöglich. Ich glaube, wenn wir überhaupt eine Zahl festsetzen - sonst können wir ja gleich freiwillige Beiträge festsetzen -, so kann nur die Unterlage dazu die sein: Wieviel braucht man hier? Keine andere Unterlage ist eine fruchtbare.

Fräulein Schwarz stellt Fragen.

Dr. Steiner: Der «Verein des Goetheanum» kann ja nur Beiträge bekommen für den Aufbau des Goetheanums. Und der Aufbau des Goetheanums hat mit der Verwaltung der Anthroposophischen Gesellschaft nichts zu tun. Also das sind zwei ganz verschiedene Sachen. Sie meinen doch die Mitgliedsbeiträge für den «Verein des Goetheanum»? Dieses Verhältnis der Anthroposophischen Gesellschaft zum Bauverein Goetheanum, das ist ja etwas, was noch in diesen Tagen besprochen werden kann. Ich glaube, daß da schon in bezug auf die Mitgliedsbeiträge vielleicht ein Modus wird gefunden werden müssen, wenn es irgendwie in den Intentionen der hier Versammelten liegt. Denn sehen Sie, mit Bezug auf den Aufbau des Goetheanums sind ja die Mitgliedsbeiträge vom «Verein des Goetheanum» wirklich eine so geringe Summe, daß sie kaum in Betracht kommen. Die Mitgliedsbeiträge kommen ja kaum in Betracht! Und in der Zukunft werden sie ja schon aus dem Grunde nicht in Betracht kommen, weil sie in der Vergangenheit zum großen Teil verwendet werden mußten oder verwendet werden sollten zum Bezahlen der Zinsen von Darlehen. Aber auf Darlehen kann sich der Bau des Goetheanums in Zukunft nicht mehr einlassen, sondern nur auf Beiträge &a fonds perdu; und es werden also die Mitgliedsbeiträge des «Vereins des Goetheanum» zu etwas anderem verwendet werden müssen als zur Deckung, zur Verzinsung von Darlehen. In Zukunft wird es sich darum handeln - man wird darüber sprechen müssen, über den Aufbau des Goetheanums -, ob sich da eine Möglichkeit ergibt, irgendwie eine Konkordanz zu schaffen mit der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Das ist aber eine Frage, die jetzt in diesem Augenblicke zu weit führen würde, da wir ja noch nicht über die Frage des Mitgliedsbeitrages hinaus sind.

Wünscht jemand zu dieser Frage des Mitgliedsbeitrages das Wort?

Mr. Kaufmann erklärt, daß von Dr. Wachsmuth seinerzeit etwa 7 § Beitragshöhe genannt worden sei, und daß die englischen Delegierten mit der Ermächtigung für 7 S hierhergekommen seien.

Dr. Steiner: Wenn man den Modus wählt, den ich vorgeschlagen habe, so ist ja darin jeder andere Modus eingeschlossen. Ich meine nur, es scheint mir unmöglich zu sein, einen Beitrag von vornherein zu nominieren, bei dem wir wissen, daß wir damit gar nichts machen können. Nicht wahr, obligatorisch oder nicht obligatorisch, das ist etwas, worauf es weniger ankommt, sondern es kommt wirklich darauf an, daß man auf den Betrag unter allen Umständen rechnen kann. Und nicht wahr, bei dem Bilde, das geformt worden ist, haben wir zum Beispiel schon in Rechnung gesetzt -, wenigstens ich habe in Rechnung gesetzt -, daß von den valutastarken Ländern der Beitrag wenigstens fast so bleiben würde, als ob er ganz obligatorisch wäre. Die Sache ist eben diese, daß ich meine, wenn Sie heruntergehen unter diesen nominierten Beitrag, so soll das eben nicht anders geschehen als durch die einzelnen Verhandlungen. Wenn wir aber jetzt heruntergehen würden, so würde es eigentlich besser gewesen sein, wir hätten zu allererst verhandelt über den Beitrag, wir hätten gleich die Debatte begonnen über den Beitrag - ich weiß, daß es gegen den moralischen Sinn gegangen wäre - und dann, wenn die Debatte aufgelaufen wäre dahin, daß eben die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft nicht erhalten werden kann, dann hätten wir beschließen können, sie nicht zu begründen. Es geht ja nicht anders, als real zu denken. Wir können nicht eine Gesellschaft begründen, die nicht leben kann. Aber wie gesagt, es erscheint ja dadurch, daß ich sage: Man kann in beliebiger Weise heruntergehen, dann wird hier dem Zentrum die Aufgabe zufallen, auf irgendeine andere Weise die Fehlsummen zu decken -, es erscheint dadurch ja die Mitgliedbeitrags-Bezahlung nicht im geringsten als eine Härte, sondern es ist nur eben nominiert, was man eigentlich braucht. Es würde mir leid tun, wenn gerade die Mitgliedbeitrags-Bezahlung eine allgemeine Verstimmung hervorrufen würde. Aber das ist gar nicht nötig, meine lieben Freunde! Es ist aber auf der anderen Seite nötig, daß die allgemeine Begeisterung, die mit Recht für die Sache existiert und die in den letzten Tagen zum Ausdruck gekommen ist, nicht gerade scheitert an der Bagatelle der Mitgliedbeitrags-Bezahlung. Das ist doch «ahrimanisch», meine lieben Freunde, sagen die Leute sonst so oft!

Dr. Büchenbacher erzählt, wie die Freie Anthroposophische Gesellschaft in Stuttgart durch 2, 5 oder 10% Abgabe der wöchentlichen Zahlungen es einem Mitarbeiter ermöglichte zu existieren, obwohl alle Verhältnisse in Deutschland sehr schwierig seien; aber wenn jeder mittut, gehe es.

Dr. Steiner: Ich möchte nur bemerken, daß ja die Besprechung, die in solche Dinge ausläuft, im Grunde genommen nicht zu unserer Tagesordnung gehören kann, denn ich bin überzeugt davon: Wenn man die Gründe pro und contra, ob der Beitrag bezahlt werden kann oder nicht, hier hören wird, so werden wir selbstverständlich soviel berechtigte Ansichten hören können, als die Zahl der Freunde ist, und in der allgemeinen Mitgliederversammlung achthundert berechtigte Ansichten. Aber das kann nicht der eigentliche meritorische Inhalt sein, sondern wenn wir weiter debattieren sollen, so kann es nur darüber sein, wie wir anders auskommen sollen. Es muß also vom Standpunkt der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft debattiert werden, wie wir anders auskommen sollen. Ich sehe keine Möglichkeit, überhaupt anders auszukommen. Es wird ja wahrscheinlich auch mit dem nichts sein, aber ich sehe keine Möglichkeit, mit weniger auszukommen. Doch sehe ich durchaus die Möglichkeit, daß alle Spezialwünsche berücksichtigt werden können. Nehmen Sie nun einmal an, es kann keine einzige Gruppe die Summe bezahlen. Nun gut, dann werden wir statt 36 000 S 5 000 S bekommen, und wir werden sehen müssen, die 31 000 S durch etwas anderes zu ersetzen. Also es wird vor allen Dingen eine glatte und deutliche und überschaubare Sache sein. Aber anders, als daß man überall so vorgeht, wie anderswo vorgegangen wird, wo Budgets festgesetzt werden, können wir nicht vorgehen. Denken Sie, wenn man das Jahresbudget eines Staates so festlegen würde, daß von einem jeden Landesbürger, Staatsbürger bezahlt wird, soviel er bezahlen will! So kann man doch kein Staatsbudget feststellen! Oder doch, Herzog von Cesaro? Kann man einen jeden Bürger fragen, wieviel er jährlich bezahlen will, oder muß man es so feststellen, daß man sagt, wieviel er bezahlen muß?

Herzog von Cesaro: Gewiß. Aber man kann ihn zwingen!

Dr. Steiner: Ja, das ist aber die Sache: Wir werden nicht zwingen können! Und das kann ein Grund sein, der Sache viel leichter zuzustimmen, als dann zuzustimmen, wenn man unter Zwangsverhältnissen steht. Wir haben schon gerechnet mit dem Nicht-Zwingen.

Mr. Collison frägt, ob das nicht ein bißchen hindere, neue Mitglieder zu bekommen.

Dr. Steiner: Ich setze den Fall, es findet irgendeine Gruppe es opportun, überhaupt nur einen Jahresbeitrag von 4 § oder 4 Fr. für jedes Mitglied zu haben, so kann sie natürlich nicht an uns 12 § oder 12 Fr. zahlen, oder vielleicht nur 2 oder gar keinen Schilling. Also diese Frage, wie man sich gegenüber den aufzunehmenden Mitgliedern wird verhalten müssen, haben die Gruppen ganz souverän zu entscheiden. Dann werden uns die einzelnen sagen: Wir können nicht mehr als so und soviel bezahlen für ein einzelnes Mitglied. Also die Möglichkeit durchzukommen, wird gerade unter diesen Umständen immer sein.

Herr Ingerö erklärt für Norwegen, daß sie etwa 3000 S jährlich bezahlen könnten.

Dr. Zeylmans van Emmichoven erklärt, daß im ganzen in Holland die Summe da sein werde.

Dr. Steiner: So haben wir es nämlich, solange wir deutsche Sektion in der Theosophischen Gesellschaft waren, immer gehalten. Es ist nicht das einzelne Mitglied dazu gezwungen worden, die Sache zu bezahlen, sondern die Gruppen an sich haben durch Umlagerungen der stärkeren Beiträge einzelner Mitglieder dann die Zentralbeiträge an die deutsche Sektion bezahlt. Dazumal war eben mit viel geringeren Beiträgen zu rechnen. Das ist heute nicht mehr möglich. Ich haben Ihnen schon einmal, oder schon öfter die Verhältnisse geschildert, unter denen es möglich war, mit den alten, geringen Beiträgen auszukommen. Ich habe Ihnen geschildert, wie zum Beispiel «Lucifer-Gnosis» in den ersten Zeiten hergestellt und versandt worden ist. Das sind Verhältnisse, die sich heute nicht wieder realisieren lassen. Also alles in allem kann sich für das, was ich überschauen kann, kein anderes Bild ergeben, als daß wir in der Zukunft eben die 12 § für ein Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft brauchen werden. Ist irgendein Vorstandsmitglied einer anderen Ansicht?

Frau Dr. Steiner: Durchaus nicht. - Da ich in Berlin jetzt den Verlag und die Wohnung auflöste, hat es mich wirklich interessiert, die endlosen Couverts wieder zu finden, mit den von Dr. Steiner selbst geschriebenen Adressen, jede Eintragung der Postanweisungen von mir wieder rektifiziert, also jede Kleinigkeit von uns selbst gemacht, und die ganze Sendung selbst zu Fuß im Wäschekorb zur Post getragen. Das war die Erinnerung, die jetzt in Berlin aufkam. Das macht man heute nicht gern so. Es war mir aber interessant, es wieder im Rückblick zu erleben: Jede Kleinigkeit ist von Dr. Steiner und mir dazumal gemacht worden.

Dr. Steiner: Das sind die Dinge, die sich so bilden, und man kann nicht darüber debattieren. Man debattierte darüber nicht und unterhielt sich auch nicht darüber; diese Dinge werden aus der Notwendigkeit der Sache heraus gemacht und sind da. Aber wenn man über eine Sache debattieren muß, so muß man eben einfach sagen, wieviel man braucht. Man kann nur auf einer solchen Grundlage debattieren. Wünscht noch jemand sonst das Wort darüber? Frau Prof. Bürgi: Ich möchte mich für den Zweig Bern verpflichten, die Beitragsleistung zu übernehmen.

Herr Hahl: Ich möchte die Ausführungen unterstreichen.

Dr. Steiner: Meine lieben Freunde, wir müssen jetzt, da wir zu dem Vortrag gehen müssen, die Verhandlungen vertagen. Ihre Fortsetzung werde ich mir erlauben dann anzugeben.

German original of Meeting of the Vorstand of the General Anthroposophical Society · ← Previous · Next →