The Christmas Conference

GA 260 — 30 December 1923, Dornach

Fortsetzung der Gründungsversammlung

Thema: Anthroposophie und Religion

Dr. Steiner:

Meine lieben Freunde!

Als ersten Punkt der Tagesordnung haben wir, daß Herr Dr. Schubert uns erfreut mit seinem Vortrage über den Christus und die

geistige Welt: «Anthroposophie, ein Führer zu Christus.» Damit hat Herr Dr. Schubert das Wort.

Dr. Schubert hält seinen Vortrag. Nach 15 Minuten Pause spricht Dr. Steiner:

Meine lieben Freunde! Beginnen wir wiederum mit den Worten menschlicher Selbst-Erkenntnis aus dem Geiste unserer Zeit heraus:

Menschenseele!

Du lebest in den Gliedern,
Die dich durch die Raumeswelt
Im Geistesmeereswesen tragen:
Übe Geist-Erinnern
In Seelentiefen,
Wo in waltendem
Weltenschöpfer-Sein
Das eigne Ich
Im Gottes-Ich
Erweset;
Und du wirst wahrhaft leben
Im Menschen-Welten-Wesen.

Menschenseele!
Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage,
Der dich durch den Zeitenrhythmus
Ins eigne Seelenwesensfühlen leitet;
Übe Geist-Besinnen
Im Seelengleichgewichte,
Wo die wogenden
Welten-Werde-Taten
Das eigne Ich
Dem Welten-Ich
Vereinen;
Und du wirst wahrhaft fühlen
Im Menschen-Seelen-Wirken.

Menschenseele!
Du lebest im ruhenden Haupte,
Das dir aus Ewigkeitsgründen
Die Weltgedanken erschließer:
Übe Geist-Erschauen
In Gedanken-Ruhe,
Wo die ew’gen Götterziele Welten-Wesens-Licht
Dem eignen Ich
Zu freiem Wollen
Schenken;
Und du wirst wahrhaft denken
In Menschen-Geistes-Gründen.

Und fassen wir heute, meine lieben Freunde, zusammen dasjenige, was dreifach beim Menschen sprechen kann:

[Es wird gesprochen und an die Tafel geschrieben. Faksimile siehe Beilage 4, Tafel V]

Übe Geist-Erinnern Übe Geist-Besinnen Übe Geist-Erschauen

Recht zusammenschließen wird dieses im Menschenherzen doch nur dasjenige, was wirklich in der Zeitenwende erschienen ist und in dessen Geiste wir hier wirken und weiterstreben wollen.

In der Zeiten Wende
Trat das Welten-Geistes-Licht
In den irdischen Wesensstrom;
Nacht-Dunkel
Hatte ausgewaltet;
Taghelles Licht
Erstrahlte in Menschenseelen;
Licht,
Das erwärmet
Die armen Hirtenherzen;
Licht,
Das erleuchtet
Die weisen Königshäupter. Göttliches Licht,
Christus-Sonne,
Erwärme
Unsere Herzen;
Erleuchte
Unsere Häupter; Daß gut werde,
Was wir aus Herzen,
Gründen,
Aus Häuptern
Zielvoll führen wollen.

[Es wird gesprochen und an die Tafel geschrieben]

Daß gut werde,
Was wir aus Herzen
Gründen,
Aus Häuptern
Zielvoll führen wollen.

[Tafelanschrift]

[Übe] Geist-Erinnern Übe Geist-Besinnen Übe Geist-Erschauen

Daß gut werde
Was wir aus Herzen
gründen,
aus Häuptern zielvoll
führen
wollen.

Dr. Steiner: Meine lieben Freunde! Der Redner von gestern, Herr Hans Ludwig Pusch, verzichtet auf das Wort. Statt dessen wird Herr Dr. Lehrs einige Worte zu dem entsprechenden Thema sagen. Ich bitte, ihm jetzt das Wort zu geben.

Dr. Lehrs ergänzt zur Frage der Jugendbewegung, was tags zuvor Herr Pusch noch hatte sagen wollen.

Dr. Steiner: Darf ich vielleicht jetzt Mrs. Merry bitten, das Wort zu ergreifen.

Mrs. Merry spricht über die Arbeit in England und entschuldigt Mr. Dunlop, der nicht habe kommen können.

Dr. Steiner: Meine lieben Freunde! Ich habe ja öfter an verschiedenen Orten auf das außerordentlich Befriedigende der Sommer-Schule in Penmaenmawr hingewiesen, und ich darf vielleicht zu dem schon oftmal Gesagten noch das hinzufügen, daß ich wirklich meine, daß es einen außerordentlich bedeutsamen Fortschritt für die anthroposophische Bewegung bedeuten wird, wenn alles dasjenige zur Ausführung kommt, was für die nächsten Jahre als aufgehende Frucht aus den Keimen von Penmaenmawr jetzt eben von Mrs. Merry angedeutet worden ist. Wir dürfen auch glauben, daß die allerbesten Kräfte vorhanden sind, um nach dieser Richtung das Werk der anthroposophischen Bewegung zu fördern; denn in außerordentlich tatkräftiger und innerlich einsichtiger, ich möchte sagen, esoterischer Art hat Mr. Dunlop gerade diese Sommer-Schule in Penmaenmawr in die Hand genommen. War doch in Penmaenmawr von vornherein das erfüllt, was wir sonst niemals erfüllt gesehen haben, und was zum Gelingen von Penmaenmawr notwendig war.

Sehen Sie, meine lieben Freunde, Mr. Dunlop haben wir erwartet in Stratford, in Oxford, einmal sogar in London, und hier in Dornach, so daß sich in mir die Vorstellung festgesetzt hatte: Mr. Dunlop ist derjenige Mann, von dem man immer sagt, daß er kommt, und der dann nicht kommt. Und nun, nach Penmaenmawr ist er gekommen! Und es ist außerordentlich gut gegangen, so gut gegangen, daß ich gerne möchte, daß er hier wäre heute, und wir ihm persönlich den Dank noch einmal zum Ausdrucke bringen könnten, der wirklich ein recht herzlich gemeinter ist. Aber ich habe wirklich geglaubt, Mr. Dunlop würde da sein, denn Mr. Dunlop hat mir in London noch gesagt, das nächste Mal werde er es anders machen; er werde nicht sagen, daß er komme, aber er werde dann kommen. Nun hat er nicht gesagt in London, daß er kommt, aber gekommen ist er doch noch nicht! Und so muß ich schon trotz alledem Mrs. Merry herzlich bitten, ihm unseren Dank, den Dank der Versammlung für die so außerordentlich bedeutsame Inaugurierung einer Bewegung innerhalb der anthroposophischen, die so aussichtsvoll ist durch die Soemmer-Schule von Penmaenmawr, unseren herzlichsten Dank zu überbringen. Ich glaube, Sie sind mit mir gerade aus dem Geiste der Schilderungen, die ich von Penmaenmawr gebracht habe, einverstanden, wenn ich auch in Ihrem Namen Mrs. Merry bitte, Mr. Dunlop unseren herzlichsten Dank für die Inaugurierung der Sommer-Schule in Penmaenmawr zu überbringen, und ihn bitte, solches Werk weiterhin kräftig in die Hand zu nehmen, denn es wird in seiner Hand gut gelingen.

Darf ich jetzt das Wort Herrn van Bemmelen, dem Vertreter der holländischen Schule, erteilen?

Herr van Bemmelen berichtet über die Arbeit der Schule im Haag.

Dr. Steiner: Darf ich jetzt Herrn Dr. Unger bitten, das Wort zu ergreifen. Er hat sich gemeldet für die Probleme der Gesellschaft.

Dr. Unger hält seinen Vortrag über Gesellschaftsprobleme und führt zum Schlusse aus: Sehr verehrte Freunde, die Art und Weise, wie zum Beispiel den Einzelgesellschaften und größeren Gruppen Verantwortung zufällt aus dem neuen Statut heraus, bringt die Notwendigkeit mit sich, dieses Vertrauen und die Verantwortung wieder weiter zu übertragen. Dazu werden Formen sich herausbilden müssen, die gerade nicht im Schema, das sich eingebürgert hatte, stecken bleiben dürfen, sondern in lebendiger Umwandlung Menschen finden müssen, die imstande sind, durch ihr Wesen selbst weiterzutragen die zentralen Impulse. So daß also über die Frage des scheinbar Organisatorischen hinaus sofort die Frage an uns herantritt: Wie werden wir in der Öffentlichkeit auftreten können mit diesem Impuls? Auch da wird es sich darum handeln, die Erfahrung gelten zu lassen. Ich habe mir neulich erlaubt, einiges anzudeuten von öffentlicher Wirksamkeit. Gerade, was eben Herr van Bemmelen gesprochen hat, weist auch für Holland darauf hin, daß überall die Menschen darauf warten, in geeigneter Form, in entsprechender Weise etwas zu hören über Anthroposophie, über die Seele des Menschen, über das Wesen der Seelenpflege; denn danach fragen die Menschen. Und dann wird es darauf ankommen, aus der unmittelbaren Öffentlichkeit heraus die Menschen zu finden, die nun weiter arbeiten wollen auf diesem Gebiete. Daß also überall die Möglichkeit ist, diesen Menschen die Tore zu öffnen, sie zu empfangen von der Gesellschaft aus. Und dazu gehört vor allem eben die Menschenkenntnis, die aus der Wärme der Menschenliebe heraus auch erwachsen kann unter dem ernsten Wirken im anthroposophischen Sinne. Und da werden wir weithin die Frage des Nachwuchses als Problem der Gesellschaft empfinden. Immer war das gerade die Schwierigkeit, Menschen zu finden, die weiter nun arbeiten wollen, aber auch die Voraussetzungen in der Gesellschaft zu schaffen, daß solche Beziehungen die jüngeren Menschen finden können.

Denn heute ist es so, wenn ich in dieser Beziehung besonders auf Deutschland weisen darf, daß in einem allgemeinen Zusammenbrechen vieler Stützen und Verhältnisse der alten Zeit, des seitherigen Lebens, eben gerade junge Menschen, sagen wir Akademiker, die zu Ende kommen mit ihrem Studium, oder sagen wir Menschen, die aus künstlerischen Impulsen Anthroposophie arbeiten wollen, daß sie eigentlich gezwungen sind, in irgendeiner Ecke des üblichen und zusammenbrechenden Wirtschaftslebens unterzukriechen, um da einfach ihr Leben fristen zu können. Es müßte ein Problem der Gesellschaft sein, insbesondere der einzelnen Gruppen wie zum Beispiel bei uns, den Boden zu finden, auf dem junge Menschen gleichsam dem Studium leben können. Und so erhebt sich gerade das allerwichtigste Problem: Wie kann das, was herankommen will an junger, strebender, Leben aussendender Kraft in die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft aufgenommen werden? In welcher Form wird es möglich sein, gerade das, was da künftig mitarbeitet, sei es hier in Dornach selbst, sei es an andern Orten, zu einem Studium zu bringen, das Aussicht bietet auf die spätere Mitwirkung dieser Menschen? Es ist wiederum ein Problem, das da auftritt und immer mehr und mehr gerade in Deutschland auftritt, wo in so starker Weise die Forderung sich erhebt nach neuer Mitarbeit, wo so viel Not herrscht für solche Menschen, die eigentlich in der Bewegung mitarbeiten sollten. Wir müssen sie finden in der Öffentlichkeit und durch unser öffentliches Auftreten.

So daß gerade die Aufstellung der Freien Hochschule in solch grandioser Weise, wie sie zunächst bis jetzt vor uns gestellt worden ist, Hoffnungen uns bietet, die gerade für uns von allergrößter Wichtigkeit sind. Auch da ist für die Gesellschaft und die Zusammenfassung der einzelnen Menschen in Gruppen größerer und kleinerer Art die Plattform gegeben, um den Problemen gerecht zu werden, die hier auftauchen.

Ähnliches trifft zu für das Arbeiten in Institutionen im wissenschaftlichen Sinne. Das Pädagogische hat ja Herr van Bemmelen schon gestreift, und auch über das Wissenschaftliche kann in ähnlicher Weise gefragt werden. Denn gerade unter den Wirkungen dieser Tage wird in besonderem Maße aufflammen der Arbeitswille, der Wege suchen wird. Auch werden sicher noch andere Freunde hier Fragen zu stellen haben. Und wir möchten gern hoffen, daß, wenn wir wieder hinauskommen, zurück an unsern Ort, und wir gefragt werden über alles, wir auch imstande sein können, aus den Erlebnissen dieser Besprechungen heraus, Antworten zu geben bis ins Konkrete. Und dazu wird sicher notwendig sein, daß die Probleme in der Weise, wie sie auftauchen, wirklich vorgebracht werden wie ich mir erlaubt habe, einiges anzudeuten. Wenn andere Freunde aus den verschiedenen Ländern von den verschiedensten Seiten her diese Probleme heranbringen, so ist zu hoffen, daß gerade der neue Impuls der Allgemeinen Gesellschaft rasch bis in alle Endpunkte, bis in alle Gruppen und bis zu allen Menschen, die Mitglieder dieser Gesellschaft sind und werden wollen, dringen kann.

Dr. Steiner: Darf ich jetzt Herrn van Leer bitten, das Wort zu ergreifen.

Herr van Leer spricht über die beabsichtigte Berichterstattung an Herrn Steffen. Er macht Vorschläge betreffs Einteilung des Eingesandten in Rubriken.

Dr. Steiner: Ich denke, dasjenige, was mit dieser Korrespondenz gedacht ist, wird am besten dadurch zur Ausführung kommen, daß man das Folgende in Erwägung zieht. Ich glaube, indem ich unmittelbar, ohne Besprechung mit Herrn Steffen, eine Interpretation gebe, auch ungefähr das zu treffen, was vielleicht Herr Steffen meint, vielleicht wird er mich nachher auch korrigieren: Solche Berichte werden am besten sein, wenn sie möglichst aus der Individualität der einzelnen Korrespondenten heraus kommen. Ich denke mir von all den Freunden, die ich dazumal mit dem Namen genannt habe, auch noch von einigen anderen, daß sie sich interessieren für dasjenige, was ich gemeint habe: das Leben in der Gesellschaft, das geistige Leben überhaupt. Und daß wenigstens die weitaus meisten dieser Freunde gelegentlich jede Woche, jeden Tag einmal über das nachdenken, was ihnen von dort oder daher aufstößt. Es geht ihnen durch den Kopf - nun setzt man sich einmal an einem Tag hin und schreibt einfach dasjenige, was einem durch den Kopf gegangen ist, nieder. Hier werden dann vielleicht, sagen wir, fünfzehn oder zwanzig vier Seiten lange Briefe einlaufen. Es wird ja eine gewisse Arbeit sein, sie zu lesen. Nun, Herr Steffen wird auch die Freundlichkeit haben, wenn zwanzig Briefe einlaufen, zehn zu behalten, zehn mir zu übergeben; wir werden schon damit fertig werden. Aber wir werden am allerbesten damit fertig werden, wenn man uns nur ja keine Rubriken gibt, sondern ein jeder einen wirklichen Brief schreibt, wie’s ihm ums Herz ist; wenn wir mit Menschen, nicht mit Schemen zu tun haben. Das kann alles kunterbunt durcheinandergehen; dann ist halt das die Individualität des betreffenden Menschen, und es wird uns gerade interessieren. Wir hoffen, gerade dadurch dasjenige Material zu bekommen, das wir brauchen: menschliches Material, mit dem wir unsere Beilagen so ausfüllen können, daß sie wiederum einen menschlichen Eindruck mit allerlei menschlichen Schwächen macht.

Also ich meine: auf etwa vier Seiten, manchmal auch acht Seiten, einfach zu schreiben, wie’s einem ums Herz ist. Denn uns werden hier immer von unseren Freunden die Menschen am allermeisten interessieren. Wir möchten mit den Menschen menschlich hier in Beziehung stehen, aus den menschlichen Beziehungen heraus auch dieses, was durch die scheußliche Druckerschwärze gehen muß, machen. Das ist dasjenige, was ich meine. Und ich glaube, daß wenn sich jeder menschlich gibt vor den Menschen, dann wird es am allerbesten gehen. Herr Steffen wird mich jetzt korrigieren.

Albert Steffen: Nein. Das ist durchaus auch ganz aus meiner Seele heraus gesprochen. Nur möchte ich sagen, daß der Fall, daß dies zuviel Arbeit für mich werde, nicht eintreten kann, denn das entspricht ja durchaus meiner Begabung als Schriftsteller, daß ich gerne solche Berichte lese. Es ist ja durchaus so, daß ich eben immer darauf ausgehen muß, zu sehen, was in den Seelen der Menschen drinnen vorgeht, und da kann wirklich kein Brief zu lang sein. Und ich glaube auch nicht, daß es mir zuviel wird. Ich lese ja sowieso im Tage so und so viele Zeitungen sehr gerne, und wenn nun auch von unseren Freunden Interessantes kommt, so lese ich das natürlich viel lieber. Was die Rubrik betrifft, so hat eigentlich ein Redakteur oder ein Schriftsteller nur eine Rubrik oder zwei: Das erste ist eben das, was er braucht, und das andere das, was er nicht braucht. Das ist das, was ich zu sagen habe.

Dr. Steiner: Denken Sie nur einmal, was es bedeuten würde, wenn nach diesen Auseinandersetzungen gar ein Roman oder ein Drama bei Herrn Steffen angeregt werden könnte aus diesen Mitteilungen! Das wäre das schönste, was ich mir denken könnte.

Mr. Collison: Ich möchte wissen, ob wir «manchmal» eine Antwort bekommen werden.

Dr. Steiner: Ich hoffe, daß jede Woche in der Beilage eine Antwort da sein wird. Und wenn eine spezielle notwendig sein wird, so wird sie, das hoffe ich, erfolgen können.

Nun möchte ich das Wort Herrn Stibbe erteilen.

Herr Stibbe berichtet über Gegnerschaft in Holland, insbesondere über Prof. de Jong.

Dr. Steiner (zum Referat Stibbe in bezug auf Prof. de Jong): Nicht wahr, er hat ja auch versucht, das Mysterienwesen dadurch methodisch zu fassen, daß er es auf allerlei spiritistische Phänomene gebracht hat, gerade in seinem Buch.

Nun, meine lieben Freunde, es wird ja noch die Möglichkeit sein, in den nächsten Tagen über die Probleme, die sich aus der Diskussion von selber ergeben haben, weiter zu sprechen. Soviel ich sehe, haben sich aus der Diskussion als Probleme ergeben: Berichterstattung, dann Gegnerschaft. Das sind bis jetzt die greifbaren Probleme, die sich ergeben haben. Anderes an Problemen sehe ich nicht plastisch geformt.

Wir werden nun morgen die Versammlung um 10 Uhr schon eröffnen, und ich werde dann morgen zunächst das Wort denjenigen Freunden erteilen, die Referate über Forschungsergebnisse angekündigt haben: Frau Dr. Kolisko und Herrn Dr. Maier, Stuttgart. — Jetzt werde ich noch Herrn Dr. Schwebsch bitten, der sich für eine Frage gemeldet hat, das Wort zu ergreifen, und dann werde ich nachher bitten, einen Bericht vorzulesen über Eurythmie in Amerika.

Dr. Schwebsch spricht den Dank der Waldorfschule für die vielseitig geleistete Hilfe aus.

Dr. Steiner: Im Anschluß daran gestatten Sie mir ein paar Dinge zu berühren. Das erste ist dieses, daß ja, als die schwere Lage der Waldorfschule in finanzieller Beziehung bekannt wurde, sich wirklich überall Interesse für diese Schule geregt hat. Wir haben vor allen Dingen gesehen, wie in der Schweiz durch die Bemühungen der Mitglieder der schweizerischen Schulvereine zahlreiche Patenschaften zustande gekommen sind. Mrs. Mackenzie hat sich bemüht, in England ein Komitee zustande zu bringen, welches Sammlungen veranstaltet für die Finanzierung der Waldorfschule. Der erste Betrag ist mir bereits zugekommen, und ich werde dann die Leiter der Waldorfschule bitten, den kleinen Anfang in Empfang zu nehmen.

Nun habe ich noch eines zu sagen. Für die Waldorfschule hat man ja soviel der Welt zu danken - Dr. Schwebsch hat schon einiges erwähnt -, daß man wirklich nicht alles im Augenblicke überblickt, und vor allen Dingen wirklich eine lange Liste aufstellen müßte aller derjenigen, denen man für die Waldorfschule irgendwie zu danken hat, Das Interesse ist schon ein großes. Aber wir werden dennoch immer wieder und wiederum bitten müssen, dieses Interesse zu vergrößern. Die Unterstützungen sind ja bis jetzt vorzugsweise eingegangen für die eigentliche Schule. Weniger konnte bis jetzt an die Schüler gedacht werden, an die Schüler, insofern sie Schüler der Waldorfschule werden können. Nun liegt besonders ein Fall vor oder zwei Fälle, die wirklich einem zu Herzen gehen können. Sehen Sie, in der Zeit, als es für einen in der Schweiz Wohnenden als eine außerordentlich begehrenswerte Sache erscheinen konnte, mit ein paar Franken sehr viel in Deutschland draußen zu bezahlen, haben sich zwei Arbeiter unseres Goetheanums hier veranlaßt gesehen, die sehr löbliche Idee auszuführen, ihre Söhne in die Waldorfschule zu geben, und es wurde ja damals auch mit einiger Opferwilligkeit gerade von unserem Freunde Herrn Pastor Geyer die Verpflegung dieser Schulkinder übernommen. Wir vom Goetheanum fassen ja das so auf, daß wir für das eigentliche Schulgeld und für das, was für die Schule zu besorgen ist, ebenso aufkommen wie die anderen Betriebe, zum Beispiel des «Kommenden Tages», der «Waldorf Astoria», für ihre Schulkinder aufkommen. Aber nun, nachdem das Leben der Kinder in Deutschland rasch so teuer geworden ist oder teurer sogar, als das Leben der Kinder hier in der Schweiz sein wird, ist es nicht mehr möglich, daß die Pension für die beiden Knaben von ihren Angehörigen bezahlt wird. Nun steht die traurige Notwendigkeit vor den Angehörigen und vor den Kindern selbst, jetzt nach den Weihnachtsferien nicht wiederum zur Waldorfschule zurückkehren zu können. Und deshalb möchte ich hier die Frage aufwerfen, ob es eine Möglichkeit geben würde, eine Sammlung zu veranstalten, durch die wir vielleicht, in der allernächsten Zeit wenigstens, hinauskommen könnten darüber, die monatliche Pension für die beiden Knaben in Stuttgart zu bezahlen, so daß sie die Waldorfschule weiter besuchen können. Es wird sich darum handeln, monatlich für die beiden Knaben zusammen 140 Franken zu bezahlen. Wir werden den Versuch machen, auch eine Sparbüchse aufzustellen; Mr. Pyle wird vielleicht bereit sein, uns leihweise eine Sparbüchse zu überlassen, in die man besonders für diese Zwecke Spenden hineinwerfen kann. So wird’s ja vielleicht gehen.

Und nun darf ich Dr. Wachsmuth bitten, noch einen Bericht über die eurythmische Tätigkeit in Amerika als Resume& vorzulesen.

Dr. Wachsmuth verliest einen Bericht von Frau Neuscheller über den Verlauf der Eurythmietätigkeit in Nordamerika.

Dr. Steiner: Meine lieben Freunde! Zunächst möchte ich sagen, daß die auswärtigen Freunde, die Karten zu der morgigen Aufführung des Drei-König-Spieles zu nehmen wünschen, gebeten werden, sie heute schon zu nehmen, damit morgen die Karten an die Dornacher Freunde abgegeben werden können.

Als zweites möchte ich bitten, zur Kenntnis zu nehmen, daß sich an meine drei letzten Abendvorträge, wo manches auslaufen wird in eine medizinische Besprechung für die allgemeinen Zuhörer, anschließen werden einige Besprechungen mit den anwesenden Ärzten über ärztliche Fragen. Deshalb bitte ich zunächst die anwesenden praktizierenden Ärzte - für die anderen für Medizin Interessierten wird ja nach dem 1. Januar ohnedies dazu Gelegenheit sein, darüber etwas zu hören in anderer Form -, also nur praktizierende Ärzte, insofern sie da sind, werde ich bitten, morgen 8 Uhr 30 vormittags ins Glashaus unten zu einer ersten Zusammenkunft zu kommen.

Morgen um 10 Uhr beginnen wir dann mit der Fortsetzung der heutigen Versammlung. Ich werde dann bitten, die beiden Referate, die ich schon genannt habe, zunächst hier ansetzen zu dürfen. Dann werde ich mir selbst erlauben, morgen und übermorgen kurz über den künftigen Baugedanken von Dornach zu sprechen und werde dann bitten, auch einiges zur Diskussion vielleicht hervorrufen zu dürfen, wie dieser Baugedanke von Dornach eben durchgeführt werden kann. Denn es wird sich ja nicht empfehlen, daß wir ganz ohne Besprechung der finanziellen Seite des Baugedankens von Dornach bleiben können bei dieser Zusammenkunft. Aber das werde ich Ihnen dann überlassen, etwas zu sagen im Anschlusse an dasjenige, was mir obliegen wird: einiges zu Ihnen morgen und übermorgen in künstlerischer Beziehung über den Baugedanken von Dornach in ganz kurzen Darstellungen zu sprechen.

Dann werde ich bitten, nachmittags um 2 Uhr 30 die Zeit zur Verfügung stellen zu dürfen zu einer Versammlung der schweizerischen Mitglieder beziehungsweise ihrer Delegierten, zu jener Versammlung, die Herr Aeppli gewünscht hat und gebeten, daß ich ihr beiwohne beziehungsweise bei ihr selbst den Vorsitz führe. Also ich werde dann die schweizerischen Mitglieder bitten, morgen nachmittag um 2 Uhr 30 die Versammlung abzuhalten. Nur die schweizerischen Mitglieder, es wird sich nur um Besprechungen handeln, welche die schweizerische Anthroposophische Gesellschaft betreffen. Dann werden wir also heute nachmittag 4 Uhr 30 eine Eurythmie-Vorführung und abends um 8 Uhr 30 meinen Vortrag haben.

Versammlung der praktizierenden Ärzte
am 31. Dezember 1923, 8 Uhr 30 vormittags
im Glashaus

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