Ansprache

GA 260a — Wrocław

Vorerst lassen Sie mich meine tiefste Befriedigung darüber ausdrücken, dass dieser Versuchsring, der von dem Grafen Keyserlingk angeregt wurde, zustande gekommen ist und sich nun auch erweitert hat um die Interessenten der Landwirtschaft, die das erste Mal bei einer solchen Versammlung anwesend waren. Es ging ja diese Begründung zeitlich hervor daraus, dass zunächst Herr Stegemann auf verschiedene Bitten hin sich bereit erklärte, einiges von dem mitzuteilen, was zwischen ihm und mir im Laufe der letzten Jahre über allerlei Richtlinien gegenüber der Landwirtschaft gesprochen worden ist, und was er durch seine so anerkennenswerten Bemühungen auf seiner Landwirtschaft nach der einen oder anderen Seite ausprobiert hat. Daraus ging dann die Diskussion hervor zwischen unserem hochverdienten Grafen Keyserlingk und Herrn Stegemann, die dazu führte, dass zunächst ein Gespräch stattgefunden hat, in dem die heute vorgelesene Resolution gefasst worden ist, und das dann dazu geführt hat, dass wir heute wiederum hier zusammengekommen sind.

Es ist ja durchaus eine tief befriedigende Tatsache, dass sich nun gewissermaßen als Träger der Versuche im Anschluss an - ja, zunächst können es nur Richtlinien sein - die Richtlinien, die hier in diesen Vorträgen gegeben werden, eine Anzahl von Personen gefunden haben, um Versuche zu machen, diese Richtlinien zu bestätigen und zu zeigen, wie sie sich praktisch ausnützen lassen. Allein, es ist notwendig, dass wir uns heute in einem Augenblicke, wo sich in einer so befriedigenden Weise so etwas bildet, bewusst sind, dass wir ja die Erfahrungen, die wir mit unseren Bestrebungen auf praktischen Gebieten innerhalb der anthroposophischen Bewegung gemacht haben, verwerten und namentlich, dass wir die Fehler vermeiden, die ja erst so recht sichtbar geworden sind im Laufe der Zeit, in der von anthroposophischer, ich möchte sagen, zentraler Betätigung heraus übergegriffen wurde auf peripherische Betätigung, auf die Einführung desjenigen, was Anthroposophie sein soll und sein kann, in die verschiedenen Gebiete des Lebens. Nun wird ja daher ganz besonders interessieren natürlich für die Arbeiten, die diese landwirtschaftliche Gemeinschaft zu leisten hat, dasjenige, was uns als Erfahrung geworden ist bei der Einführung, sagen wir, des Anthroposophischen in das allgemein Wissenschaftliche.

Sehen Sie, wenn es sich um so etwas handelt, da sind diejenigen, die gewissermaßen bisher verwaltet haben das Zentralanthroposophische in ihrer Art mit innerer Treue, mit innerer Hingabe, und diejenigen, die dann in der Peripherie stehen und für das einzelne Lebensgebiet das bearbeiten wollen, in der Regel nicht mit einem vollen Verständnis einander gegenübergestanden. Wir haben das insbesondere bei der Zusammenarbeit mit unseren wissenschaftlichen Instituten genügend erfahren. Da sind auf der einen Seite die Anthroposophen als solche, die Anthroposophen, welche sich ausleben in diesem Zentralen der Anthroposophie als Weltanschauung, als Lebensinhalt, den man vielleicht jede Minute mit starker Innerlichkeit durch die Welt trägt. Da sind eben die Anthroposophen, die Anthroposophie tun, lieben, und zu ihrem eigenen Lebensinhalt machen, die haben in der Regel - nicht immer - die Vorstellung, es ist etwas Bedeutsames getan, wenn man da oder dort einen wiederum oder viele wiederum für die Anthroposophie gewonnen hat. Die wollen eigentlich nur, wenn sie nach außen wirken, Leute gewinnen für die Anthroposophie, und sie haben so die Vorstellung, dass die Leute sich auch - verzeihen Sie den Ausdruck - mit Haut und Haar gewinnen lassen müssen, zum Beispiel, wenn einer Universitätsprofessor so irgendeines naturwissenschaftlichen Zweiges ist, so, wie er hineingestellt ist in den naturwissenschaftlichen Betrieb, in dem er darinnen steht. Solche Anthroposophen in ihrer Gutherzigkeit und Liebe meinen dann auch selbswverständlich, man könne den Landwirt mit Haut und Haar, mit dem Boden, mit alledem, was daran hängt, mit dem, was die Landwirtschaft an sonstigen Produkten wiederum in die Welt übergehen lässt, so einfach von heute auf morgen in den anthroposophischen Betrieb hineinbekommen. Das meinen die «zentralen» Anthroposophen. Sie irren natürlich. Und wenn auch sehr viele von ihnen sagen, sie seien treue Anhänger von mir, ja, da geht es oftmals so, dass sie schon in ihrem Gemüt treue Anhänger sind, aber sie hören vorbei, was ich in entscheidenden Augenblicken sagen muss. Sie hören dann nicht, dass ich zum Beispiel sage: Es ist eine Naivität, zu glauben, dass man einen Professor oder einen sonstigen Wissenschafter von heute auf einmal für die Anthroposophie gewinnen kann. Das geht nicht. Der Mensch hat mit einer zwanzig- bis dreißigjährigen Vergangenheit zu brechen, dazu häute er hinter sich einen Abgrund aufzurichten; die Dinge müssen nach dem Leben genommen werden.

Anthroposophen glauben oftmals, das Leben bestehe im Denken. Es besteht nicht bloß im Denken. Diese Dinge müssen gesagt werden, damit sie auch auf den richtigen Boden fallen können. Diejenigen, die irgendein Lebensgebiet aus gutem, treuem Herzen mit der Anthroposophie vereinigen wollen, ja, auch wissenschaftliche Gebiete, haben sich dieses eben gar nicht klargemacht, als sie innerhalb der Anthroposophie Arbeitende geworden sind, und sie gehen immer wieder von der irrigen Meinung aus, man müsse es ebenso machen, wie man es bisher in der Wissenschaft gemacht hat, müsse genau so vorgehen, wie man bisher in der Wissenschaft vorgegangen ist. Zum Beispiel gibt es eine Anzahl von auf medizinischem Gebiete bei uns arbeitenden, recht lieben, guten Anthroposophen, die fanden, dass nun Mediziner auf ihre bisherige medizinische Art anwenden sollten, was aus der anthroposophischen Medizin kommt. In dieser Beziehung macht Frau Doktor Wegman eine volle Ausnahme; die sah nur eben rein die Notwendigkeit [, die für die anthroposophische Medizin besteht] innerhalb unserer Gesellschaft.

Ja, was erlebt man da? Da handelt es sich nun nicht so sehr um die Ausbreitung des Zentralanthroposophischen [innerhalb der Gesellschaft], sondern da handelt es sich um die Ausbreitung des Anthroposophischen heraus in die Welt. Da erlebt man, dass die Leute sagen: Ja, das haben wir bisher auch gemacht, darinnen sind wir die Fachleute, das können wir mit unseren Methoden beherrschen, darüber können wir ja ohne Zweifel urteilen. Aber was [die] da bringen, widerspricht dem, was wir mit unseren Methoden gefunden haben. Sie sagen dann, dass es falsch sei, und wir haben es erlebt, wenn man es rein den Wissenschaftern nachmachen will, dass sie sagen, das könnten sie besser. Es ist in diesen Fällen gar nicht zu leugnen, dass die es besser anwenden können, schon aus dem Grunde, weil in der Wissenschaft in den letzten Jahren eigentlich die Methoden die Wissenschaft gefressen haben. Die Wissenschaften haben nur noch Methoden. Sie gehen nicht mehr auf das Sachliche los, sie sind ja aufgezehrt worden von ihren Methoden, sodass man heute die Forschungen haben kann, aber es ist nichts mehr [Substanzielles] drinnen. So haben wir es erlebt, dass diese Wissenschafter, die ihre Methoden vorzüglich exakt hatten, wütend wurden, wenn die Anthroposophen kamen und nichts anderes taten, als dieselben Methoden handhaben. Was kann man hier damit beweisen? Nichts anderes hat sich herausgestellt bei den schönen Dingen, die wir so machen können, bei den ausgezeichneten Untersuchungen, die in dem Biologischen Institut [am Goetheanum] gemacht werden, als dass die Leute wütend waren, wenn unsere Wissenschafter in ihren Vorträgen über dieselben Methoden sprachen. Sie waren wütend, denn sie hörten die Dinge, die sie gewohnt waren, in gewissen Gedankenbahnen zu haben, die hörten sie wiederum.

Aber wir haben etwas anderes erlebt, was wichtig ist. Das ist dieses: Es haben sich nun einige unserer Wissenschafter mal bequemt, von ihrer Methode, es den anderen nachzumachen, abzugehen, haben es nur halb und halb gemacht, nur so, dass sie im ersten Teil ganz wissenschaftlich waren, richtig die Methoden der Wissenschaft angewendet haben in den Auseinandersetzungen. Dann wurden die Zuhörer wütend. Was pfuscht man uns in unsere Sache hinein, was heißt das? Das sind ja Frechlinge, sind freche Dachse, die ja dileutantisch in unsere Wissenschaft hineinpfuschen! Dann waren die Redner im zweiten Teile übergegangen zu dem eigentlichen Leben, was nun nicht herausgearbeitet ist in der alten Art, sondern als Anthroposophisches vom Überirdischen her genommen ist. Da wurden die, die vorher wütend waren, furchtbar aufmerksam, waren begierig, das zu hören, und fingen an, Feuer zu fangen. Anthroposophie mochten die Leute schon, aber sie können nicht leiden - und sogar, wie ich zugestanden habe, mit Recht -, was man als ein unklares Mixtum compositum von Anthroposophie und Wissenschaft zusammenleimt. Mit dem kann man nicht vorwärtskommen.

Deshalb begrüße ich es mit einer großen Freude, dass auf Anregung des Grafen Keyserlingk das hervorgegangen ist, dass nun die landwirtschaftliche Berufsgemeinschaft sich zusammenschließen will auf demjenigen, was von Dornach aus als Naturwissenschaftliche Sektion begründet worden ist. Diese Naturwissenschaftliche Sektion ist ja, wie das andere, das jetzt vor uns hintritt, aus der Weihnachtstagung hervorgegangen.

Also von Dornach wird schon ausgehen, was ausgehen soll. Da werden wir schon aus der Anthroposophie selber heraus die allerexaktesten Wissenschaftsmethoden und Richtlinien finden. Nur natürlich kann ich nicht einverstanden sein mit demjenigen, was Graf Keyserlingk gesagt hat, dass die angeführte Berufsgemeinschaft bloß Ausführungsorgan sein soll. Sie werden sich schon überzeugen, dass von Dornach aus eine Art von Richtlinien, Angaben ausgeht, die von jedem Menschen auf seinem Platze verlangt, wenn er mitarbeiten will, dass er ein ganzer Mitarbeiter ist. Wir werden sogar - und das wird sich am Ende meiner Vorträge herausstellen, ich werde ja die ersten Richtlinien am Ende des Vortrags zu geben haben - die Grundlage zu der allerersten Arbeit, die wir in Dornach zu leisten haben, erst von Ihnen zu bekommen haben. Wir werden die Richtlinien so anzugeben haben, dass erst aus den Antworten heraus, die wir bekommen, wir irgendetwas machen können. Also wir werden von Anfang an aktive, aktivste Mitarbeiter brauchen, nicht bloß Ausführungsorgane. Denn sehen Sie, wenn ich nur eines anführe - mehrfach wurde es in diesen Tagen vom Grafen Keyserlingk und mir besprochen -, ein Gut ist ja immer in dem Sinne eine Individualität, dass es wirklich niemals das gleiche ist wie ein anderes Gut. Klima, Bodenverhältnisse geben die allerunterste Grundlage zur Individualität eines Gutes. Ein Gut in Schlesien ist nicht so wie in Thüringen oder Süddeutschland. Das sind wirklich Individualitäten. Nun haben gerade nach anthroposophischer Anschauung Allgemeinheiten, Abstraktionen überhaupt gar keinen Wert, und sie haben am allerwenigsten Wert, wenn man in die Praxis eingreifen will. Was hat es für einen Wert, nur im Allgemeinen von dieser praktischen Frage von Gütern zu sprechen!

Im Allgemeinen soll man achten auf das, was konkret ist, da kommt man auf das, was dann angewendet werden muss. Man muss natürlich, so wie aus den zweiunddreißig Buchstaben das Verschiedenste zusammengesetzt ist, auch mit dem verfahren, was in diesen Vorträgen vorgebracht wird, weil sich daraus erst zusammensetzen wird, was man erwartet. Wenn man über die praktischen Fragen sprechen will auf Grundlage der sechzig Mitarbeiter, da handelt es sich ja doch wirklich darum, die praktischen Winke und die praktischen Unterlagen für diese sechzig konkreten Landwirtschafter zu finden. Und nun wird es sich zuerst darum handeln, dasjenige aufzusuchen, was wir nach dieser Richtung hin wissen. Dann wird sich erst die allererste Versuchsreihe ergeben, dann wird es sich darum handeln, wirklich praktisch zu arbeiten. Dazu brauchen wir aktivste Mitglieder. Und was wir brauchen, das sind überhaupt in der Anthroposophischen Gesellschaft wirkliche Praktiker, die nicht abgehen von dem Prinzip, dass die Praxis eben doch etwas fordert, was nicht gleich von heute auf morgen verwirklicht werden kann. Wenn die, die ich zentrale Anthroposophen genannt habe, glauben, dass ein Professor oder ein Landwirt oder ein Arzt, nachdem sie jahrzehntelang in einem bestimmten Milieu gestanden sind, von heute auf morgen eine anthroposophische Überzeugung annehmen können, so ist das eben ein Irrtum. Bei der Landwirtschaft wird es ja deutlich hervortreten. Der landwirtschaftliche Anthroposoph könnte ja, wenn er idealistisch genug dazu ist, von dem neunundzwanzigsten ins dreißigste Jahr ganz ins anthroposophische Fahrwasser auch in Bezug auf seine Landwirtschaft übergehen; aber machen die Äcker, Betriebseinrichtungen, das mit, die zwischen ihm und den Konsumenten vermitteln und so weiter? Die kann man doch nicht vom neunundzwanzigsten aufs dreißigste Jahr gleich zu Anthroposophen machen. Und wenn man dann einsieht, dass das nicht geht, verliert man sehr häufig gleich den Mut.

Aber gerade darum handelt es sich, dass man nicht immer den Mut verliert, sondern weiß, es kommt nicht auf den Augenblickserfolg an, sondern auf das unbedingte Arbeiten. Man macht so viel, als eben gleich geht. Der eine kann mehr, der andere kann weniger. Schließlich wird man sogar, so paradox das klingt, umso mehr machen können, je beschränkter man es gestaltet in dem Umfange des Landes, das man in unserer Weise zunächst bewirtschaftet. Nicht wahr, bei einer kleinen Landfläche, einem kleinen Landumfange, ruiniert man nicht so viel als bei dem großen. Und da kann auch das, was durch die anthroposophischen Richtlinien an Verbesserungen sich ergibt, sich sehr schnell herausstellen, weil man nicht so viel abändern muss. Und so wird sich auch der Nutzeffekt leichter herausstellen wie auf einem großen Gute. Aber die Dinge müssten wirklich zustimmend werden gerade bei einem so praktischen Gebiete wie der Landwirtschaft, wenn diese Gemeinschaft wirklich einen Erfolg haben soll. Und es ist ja sehr merkwürdig, man hat viel, aber in aller Gutartigkeit und ohne Ironie, weil man sich gefreut hat darüber, über die Differenz bei der ersten Versammlung zwischen dem Grafen Keyserlingk und Herrn Stegemann gesprochen. Und so etwas nuanciert sich dann, sodass ich fast glaubte, man müsse nachdenken, ob an jenem Abend nicht der anthroposophische Vorstand oder irgendjemand ersucht werden müsse, um dabei zu sein, um die streitenden Geister zu verbinden. Aber nach und nach habe ich mich von etwas ganz anderem überzeugt, davon, dass das, was da sich geltend macht, eigentlich die Grundlage zu einer intimen Toleranz ist unter den Landwirten, zu einem intimen Sichgeltenlassen unter Kollegen - man hat nur eine gewisse raue Außenseite.

Es handelt sich tatsächlich darum, dass der Landwirt mehr als mancher andere nötig hat, sich seiner Haut zu wehren, und dass ihm sehr leicht in die Dinge hineingesprochen wird, die er nur allein verstehen kann. Es ist das durchaus so, dass man eigentlich eine gewisse Toleranz da auf dem Grunde dann entdeckt. Alles das muss eigentlich wirklich richtig empfunden werden in dieser Gemeinschaft, und ich mache diese Bemerkung hier nur, weil ich wirklich meine, dass es notwendig ist, dass wir von vornherein richtig anfangen.

So meine ich, dass ich noch einmal meine tiefste Befriedigung aussprechen darf über das, was durch Sie hier geschehen ist, dass ich glaube, wir haben die Erfahrungen der Anthroposophischen Gesellschaft richtig berücksichtigt, dass, was eingeleitet wurde, von großem Segen sein wird und dass es an Dornach nicht fehlen wird, mit denjenigen, die mit uns zusammen aktive Mitarbeiter an der Sache sein wollen, tatkräftig zusammenzuarbeiten. Wir haben uns ja nur zu freuen darüber, dass dasjenige, was hier in Koberwitz geschieht, eingeleitet wurde. Und wenn so oft Graf Keyserlingk sagt, dass ich mir etwas auferlegt hätte, wenn ich hierhergekommen bin, so möchte ich darauf doch erwidern, nicht um jetzt so eine Differenzdiskussion hervorzurufen: Was ist es denn viel, was ich an Mühen hatte? Ich musste hierherfahren und bin nun in den allerschönsten und besten Bedingungen hier, alles Unangenehme machen andere, und ich habe nur jeden Tag zu reden, allerdings Reden, vor denen ich etwas Respekt hatte, weil sie ein neues Gebiet sind. Meine Mühe ist nicht so groß. Wenn ich aber sehe alle die Mühe, die Graf Keyserlingk und dieses ganze Haus haben, was da alles hineingeschneit gekommen ist, dann muss ich sagen, da erscheint mir dasjenige, was an Einzelnem hat geschehen müssen durch die, welche dabei geholfen haben, dass wir hier zusammen sein können, ja turmhoch viel höher schließlich als das, dass ich mich in das Fertige gesetzt habe. Und gerade an diesem Punkte kann ich mit dem Herrn Grafen nicht einverstanden sein. Darum möchte ich Sie durchaus bitten, alles das, was Sie als Anerkennenswertes finden in Bezug auf das Zustandekommen dieses landwirtschaftlichen Kursus, ihm zu danken und vor allen Dingen darauf bedacht zu sein, wenn er nicht mit solcher eisernen Kraft eben nachgedacht und seinen Vertreter nach Dornach geschickt und gar nicht nachgelassen hätte, so würde vielleicht bei dem außerordentlich vielen, das von Dornach aus zustande zu kommen hat, dennoch dieser in diese äußerste Ostecke verlegte Kursus vielleicht nicht zustande gekommen sein. Ich bin gar nicht einverstanden, dass die Dankgefühle auf mich abgeladen werden, sondern sie gehören wirklich im allereminentesten Maße dem Grafen Keyserlingk und seinem ganzen Hause. Das ist das, was ich in die Diskussion noch hineinwerfen möchte.

Es ist vorerst ja nicht mehr so außerordentlich viel zu sagen, sondern nur das, dass wir in Dornach brauchen werden eine Darstellung von jedem Einzelnen, der in dem Ring mitarbeiten will, was er unter der Erde hat, was er über der Erde hat und wie die beiden Dinge zusammenarbeiten. Nicht wahr, man muss natürlich ganz genau wissen, wenn man Unterlagen gebrauchen soll, wie die Dinge sind, auf welche diese Unterlagen hinweisen. Also dasjenige, was da in Betracht kommt, wäre ja das, was Sie aus Ihrer Praxis heraus noch besser wissen als wir in Dornach: Die Bodenbeschaffenheit der einzelnen Güter, was an Wald oder wie viel Wald und dergleichen vorhanden ist, was auf dem Gute bewirtschaftet worden ist in den letzten Jahren, wie die Erträgnisse waren, kurz, wir müssen im Grunde alles das wissen, was ja jeder einzelne Landwirt wissen muss, wenn er in verständiger Weise, gerade in bauernverständiger Weise, sein Gut verwalten will. Das sind die ersten Angaben, die wir brauchen: die Dinge, die da sind auf dem Gute, und die Erfahrungen, die der Einzelne mit diesen Dingen gemacht hat. Das ist im Grunde bald gesagt. Wie man das zusammenstellen soll, wird sich im Laufe dieser Tagung ergeben, wo noch Gesichtspunkte herauskommen werden für die Landwirtschaft, die sozusagen manchen darauf hinweisen werden, welches der Zusammenhang ist zwischen demjenigen, was der Boden zuletzt gibt, und demjenigen, was der Boden und seine Umgebung sind.

Ich glaube, dass mit diesen Worten schon charakterisiert ist dasjenige, was als ausgearbeitete Vorlage der Herr Graf Keyserlingk von den Mitgliedern des Ringes wünscht. Die freundlichen lieben Worte, die der verehrte Herr Graf wiederum an uns alle gerichtet hat mit der feinsinnigen Unterscheidung zwischen Bauern und Wissenschaftern, wodurch das hingestellt war auf der einen Seite so, dass im Ringe sich befinden alle Bauern und in Dornach die Wissenschafter sitzen, diese Einstellung darf, kann so nicht bleiben. Wir müssen sozusagen schon zusammenwachsen, und in Dornach muss so viel Bäuerliches walten, als nur trotz der Wissenschaftlichkeit walten kann. Und das, was von Dornach als Wissenschaft ausgeht, muss so sein, dass es einleuchtet dem konservativsten Bauernkopf. Ich hoffe, dass das ja auch nur eine Freundlichkeit war, wenn der Graf Keyserlingk gesagt hat, er versteht mich nicht. Es ist eine besondere Art von Freundlichkeit. Denn ich denke, wir werden da schon wie Zwillingsnaturen, Dornach und der Ring, zusammenwachsen. Großbauer hat er mich am Schlusse genannt. Nun, das deutet ja schon darauf hin, dass auch er im Gefühle hat, dass man zusammenwachsen kann. Aber sehen Sie, ich kann wirklich nicht bloß von dem kleinen anfänglichen Versuch des Mistrührens, dem ich mich, bevor ich hierhergefahren bin, notgedrungen hingeben musste - was ja auch fortgesetzt werden musste, denn ich konnte nicht so lange rühren, es muss sehr lange gerührt werden, ich konnte nur anfangen zu rühren, dann musste das fortgesetzt werden -, schon so angeredet werden. Nun, das sind ganze Kleinigkeiten. Aber daraus bin ich nicht eigentlich herausgewachsen. Ich bin herausgewachsen so recht aus dem Bauerntum. Ich bin der Gesinnung nach immer dringeblieben. Ich habe - es ist dies in meinem Lebensgang angedeutet -, wenn auch nicht auf so großen Gütern wie hier, aber in kleinerem Bereiche Kartoffeln gepflanzt, habe, wenn auch nicht gerade Pferde aufgezogen, so doch Schweine oder wenigstens mitgetan dabei, auch teilgenommen in unmittelbarer Nachbarschaft an der Kuhwirtschaft. Alle diese Dinge haben mir ja lange Zeit in meinem Leben nahegestanden, und ich habe mitgetan und bin gerade dadurch wenigstens sozusagen in Liebe der Landwirtschaft geneigt, aus der Landwirtschaft herausgewachsen. Das hängt mir viel mehr an als das bisschen Mistrühren für jetzt. Und so möchte ich in diesem Sinne doch auch wiederum mich mit anderem nicht ganz einverstanden erklären, so möchte ich auch da schon sagen, wenn ich jetzt wiederum zurückschaue in mein Leben, dann ist das bäuerlich Wertvollste nicht der Großbauer, sondern der kleine Bauer, der gerade als kleiner Bauernjunge mit der Landwirtschaft gearbeitet hat. Wenn das jetzt in einem größeren Maßstabe geschehen soll, ins Wissenschaftliche umgesetzt, so wird das wirklich herauswachsen aus - auf Niederösterreichisch geredet - der Bauernschädeligkeit. Dieses Herauswachsen wird mir mehr dienen als das, was ich später angenommen habe. Deshalb betrachten Sie mich als diesen die Liebe zur Landwirtschaft gewonnen habenden Kleinbauern, der sich an seine Kleinbäuerlichkeit erinnert und wirklich gerade dadurch das verstehen kann, was im jetzt sogenannten Bauerntum der Landwirtschaft lebt. Es wird das in Dornach verstanden werden, Sie können dessen versichert sein. Ich habe immer eine Meinung gehabt, die nicht so ironisch gemeint war, wie sie, wie es scheint, aufgefasst worden ist, dass diese Dummheit - Torheit, sagte ich - dann Weisheit vor Gott, vor dem Geist ist. Ich habe nämlich immer das, was die Bauern gedacht haben über ihre Dinge, furchtbar viel gescheiter gefunden, als was die Wissenschafter gedacht haben. Ich habe es immer gefunden, ich finde es auch heute eigentlich viel gescheiter. Ich höre lieber auf alles dasjenige, was so gelegentlich mal jemand, der unmittelbar am Acker angreift, über seine Erfahrungen, die er macht, sagt, als auf alle die ahrimanischen Statistiken, die aus der Wissenschaft herauskommen, und ich bin immer froh gewesen, wenn ich so etwas hören konnte, weil ich es immer außerordentlich weise fand. Und gerade auf dem Gebiet der praktischen Auswirkung, der Ausführung, fand ich immer die Wissenschaft außerordentlich dumm. Nun, alles, was gerade diese Wissenschaft erst gescheit machen soll, sie gescheit macht gerade durch die «Dummheit» des Bauerntums, etwas «Dummheit» des Bauerntums in die Wissenschaft hineinzutragen, darum mühen wir uns in Dornach. Dann wird diese Dummheit Weisheit werden vor Gott. Wollen wir in dieser Weise zusammenwirken, das wird ein echt konservatives, aber auch ein äußerst radikal fortschrittliches Beginnen sein. Es wird mir dies immer eine sehr schöne Erinnerung bleiben, wenn gerade dieser Kursus zum Ausgangspunkt wird, dass hier wirklich echtes, weises Bauerntum in die ja vielleicht nicht dumm gewordene - das würde sie beleidigen - aber in die, ich möchte sagen, totgewordene Methodik der Wissenschaft hineingetragen wird, und Doktor Wachsmuth hat ja auch abgewiesen diese Wissenschaft, die eigentlich tot geworden ist, und hat die lebendige Wissenschaft, die erst durch die Bauernweisheit befruchtet werden soll, gewünscht. Wollen wir in dieser Weise wie siamesische Zwillinge, Dornach und der Ring, zusammenwachsen. Von Zwillingen sagt man, sie haben eigentlich ein gleiches Fühlen, ein gleiches Denken, und haben wir dieses gleiche Fühlen und dieses gleiche Denken, dann werden wir auf unserem Gebiete auch am besten vorwärtskommen.

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