Our Dead

GA 261 — 2 February 1913, Berlin

Gedenkworte gesprochen bei Generalversammlungen 1913

Dasjenige, was ich gerne möchte, das ist, daß wenigstens vielleicht in einem einzigen Akt nicht hereinleuchtete so mancher finstere Strahl, der später hereinleuchten könnte; das ist, daß wir angesichts der Schwierigkeiten unserer Verhandlungen gleich im Beginne diesmal derjenigen gedenken, welche, seit wir das letzte Mal hier versammelt waren, als unsere lieben theosophischen Freunde den physischen Plan verlassen haben.

Ich brauche ja, nachdem Jahre hindurch über die Gefühle und Empfindungen in solchen Fällen gesprochen worden ist, heute nicht besonders zu betonen, daß für den richtig empfindenden Theosophen der Übergang eines Menschen von einem Plan zu dem anderen eben nur ein Wechsel der Daseinsform ist, und daß, da wir uns verbunden fühlen durch Bande, die nicht an einen Plan gebunden sind, diese Bande zu unseren lieben theosophischen Freunden auch die gleichen bleiben, wenn diese genötigt sind, den einen Plan mit einem andern zu vertauschen. So werden diejenigen, die von uns gegangen sind, an uns ihre liebenden Freunde haben, so werden wir an ihnen liebende Freunde besitzen, indem wir, wo wir nur können, unsere Gedanken hinlenken zu denen, zu denen sie so oftmals gehen durften, als sie noch mit uns arbeiteten auf dem physischen Plan.

In erster Linie habe ich zu gedenken eines Mitgliedes, das lange Jahre in unserer Mitte theosophisch gearbeitet hat, so, daß ihr liebes gutes Herz allüberail intime liebende Freunde ihr zugetragen hat, Frau Mia Holm, die nach schmerzlichem Krankenlager uns im verflössenen Sommer verlassen hat. Diejenigen, welche Gelegenheit gehabt haben, das schöne poetische Talent von Mia Holm auf sich wirken zu lassen, wissen ganz besonders, wie bedeutsam es war, diese Persönlichkeit in unserer Mitte zu haben, und wie wir allen Grund haben, fort und fort dieser Persönlichkeit zu gedenken, so weit wir uns mit ihr verbunden fühlen. Es gibt viele unter uns, die Mia Holm innig liebten, die auch innige Liebe hatten zu ihrer poetischen Begabung, zu ihrer ganzen liebenswerten Persönlichkeit.

An zweiter Stelle sei mir gestattet, zu nennen nicht nur ein langjähriges Mitglied unserer theosophischen Arbeit, sondern gewissermaßen die älteste Theosophin, die wir überhaupt hatten, unsere liebe Frau Bontemps in Leipzig. Sie gehörte unserer Denkweise und Gesinnung so sehr mit ihrem ganzen Herzen an, daß man, wenn man mit ihr sprach, auch das Gewöhnlichste, das von ihren Lippen kam, durchdrungen fühlte mit theosophischer Empfindung und Herzlichkeit. Und diejenigen, welche Frau Bontemps näher kennen gelernt haben, wissen zu schätzen ihr gutes Herz, ihren in so vieler Beziehung großen und umfassenden Charakter, ihre so leicht die Herzen der Menschen berechtigter Weise gewinnende theosophische Gesinnung. Es war mir tief befriedigend, daß ich noch in den letzten Zeiten, als sie noch auf dem physischen Plan weilte, ihr manches Wort zusprechen konnte, als sie ihr Krankenlager nicht mehr verlassen konnte. Und wie so manches Wort, das ich in ihren gesünderen Tagen mit ihr sprechen konnte, so werden mir auch die Gespräche unvergeßlich sein, die ich an ihrem letzten Krankenlager mit ihr führen durfte.

Zu gedenken habe ich des Fräulein Klara Brand, die durch einen bedauerlichen Unglücksfall diesen Sommer ihr Leben auf dem physischen Plan geendet hat. Ich betone ausdrücklich, weil Mißverständnisse vielfach sich verbreitet haben, daß es sich bei Fräulein Brand handelt um einen ganz natürlichen Tod, veranlaßt durch einen Schwächezustand, der das Unglück, ihren unglücklichen Sturz, herbeigeführt hat; es handelt sich um nichts anderes, als um einen ganz natürlichen Tod. Wir gedenken ihrer, wie sie viele Jahre in Treue, trotz mancher Schwierigkeiten, an der theosophischen Sache gehangen hat, wie diese theosophische Sache dasjenige aus ihrer Seele machte, was sie hier sein wollte.

Vieler treuer, lieber Freunde, sowohl zuletzt noch vor ihrem Tode gewonnener, als auch durch lange Jahre bei uns weilender Freunde, habe ich zu gedenken. Wollte ich alles hier aussprechen, was mir auf dem Herzen liegt, so würde eine sehr lange Rede aus dem werden, was nur einen Wert hat, wenn wir alle eine liebevolle Gesinnung zum Ausgangspunkt unserer Gedanken an die hinübergegangenen Freunde machen.

So habe ich zu gedenken eines langjährigen Mitgliedes, des Herrn Leo Ellrich aus der Leipziger Loge.

So zu gedenken eines besonders schmetzlich berührenden Todes, weil wir nicht nur in diesem Falle schmerzlich berührt sind davon, daß die betreffende Tote den physischen Plan verlassen hat, sondern auch zurückgelassen hat den tieftrauernden Gatten, der unser liebes Mitglied ist. Wenn wir die schöne Art betrachten, wie Frau Dr. Rösel, die der Bielefelder Loge angehörte, sich in die theosophische Bewegung hineingefunden hat, wie sie hineinstrebte, wenn wir dessen gedenken, dann machen wir uns ganz bestimmt zu Mitempfindern unseres lieben Freundes Herrn Dr. Rösel, der ein so treues, viel beliebtes Mitglied ist.

Zu gedenken habe ich zweier Baseler Freunde, die in ihrem engeren Kreise sehr geschätzt und geliebt wurden, der beiden Mitglieder Goz7lieb Hiltbold und Wilhelm Vockroth. Sie waren treue, liebe, aufopferungsfähige theosophische Mitarbeiter.

Zu gedenken habe ich ferner jenes Mannes, der aus dem nicht nur durch physische Leiden schmerzlichen Dasein mit dem Tode abgegangen ist, unseres Freundes /ugo Bolze in Eisenach. Die meisten unserer Freunde kennen Hugo Bolze; er hatte wirklich recht viel zu leiden, und wir waren ihm in Treue und Liebe zugetan und werden es bleiben. Nach siebenjähriger, sehr leidvoller Krankheit mußte diese Krankheit zum Tode führen. Wir stehen ihm so gegenüber, daß wir die besten, liebevollsten Gedanken ihm sicherlich nachsenden werden.

Wir haben ferner zu gedenken eines lieben Freundes, der, nachdem er Heilung gesucht hatte in einer südlichen theosophischen Kolonie, doch nicht am physischen Leben erhalten werden konnte, des Herrn Hans Schellbach. Es braucht nur gesagt zu werden, daß er seine theosophische Gesinnung, so wie er sie im Leben jederzeit bewiesen hat, bis zum letzten Atemzuge treu bewahrt hat. Daß sie ihm heilsame Arznei war, daß er hing an der Theosophie so, daß sie ihm jene Kraft wat, die den Menschen aufrecht erhalten kann in den glücklichsten sowohl wie in den leidvollsten Augenblicken des Lebens.

Zu gedenken habe ich eines Freundes, dessen Tod in einer gewissen Beziehung etwas außerordentlich Tragisches hat, der innig befreundet war mit einem, dem theosophischen Leben nahestehenden Kreise, des Herrn Georg Banernfeind. Es würde hier nicht am Platze sein, zu sprechen über Einzelheiten des Lebens unseres Freundes, es soll nur gesagt werden, daß 'Theosophie dazu führen kann, daß wir in unseren Empfindungen eine jede Art des Suchens, eine jede Art des geistigen Erlebens verstehen, und daß wir auch dieses Mannes letzten Todesweg verstehen werden.

Ferner habe ich zu gedenken eines Mannes, der viel Theosophie in seiner Gesinnung hatte, den aber nur wenige kennen lernten, Mr. Meakin, der im Oktober vorigen Jahres hinweggegangen ist vom physischen Plan, nachdem er längere Zeit immer intensiver und intensiver mit uns gearbeitet hat.

Fräulein Erwin-Blöcker, Frau Major Herbst, Frau Marty, auch ihrer habe ich zu gedenken. Wenn sie auch weniger hervorgetreten sind in unserer Bewegung, so sind wir doch nicht weniger dazu berufen, uns über den Tod hinaus mit ihnen vereint zu fühlen. Wir wissen ja, meine lieben theosophischen Freunde, wie unauflöslich unser Band bleibt mit denjenigen, die den physischen Plan durch den Tod verlassen haben, von denen wir wissen, daß sie eine andere Lebenssphäre betreten haben. So sei denn in diesem Augenblicke der Vereinigung der Ausgangspunkt genommen zu dem, daß Sie in dem zuletzt ausgesprochenen Sinne sich verbunden fühlen mit diesen von uns gegangenen Freunden, daß Sie sich auch in Zukunft mit diesen Freunden in Verbindung fühlen werden. Diese liebevollen Gedanken und Empfindungen, die wir zu unseren dahingeschiedenen Freunden senden, wollen wir ausdrücken, indem wir uns von unseren Sitzen erheben.

German original of Eulogies Given at the 1913 General Meeting · ← Previous · Next →