Our Dead

GA 261 — 22 November 1915, Ulm

Ansprache Bei Der Kremation Von Sophie Stinde

Wir blicken auf zu dem Geiste, der uns hier von unserer Erden wirksamkeit entrissen worden ist. Wir blicken auf aus dem Schmerz heraus, der sich in diesen Tagen formen muß aus den Wurzeln jener tiefen Beseligung, mit der wir so lange an der Seite unserer lieben Freundin für das uns Teuere und Werte in der Welt gearbeitet haben. Aus den schönen Seelenzügen der Teueren, und aus dem, was die Hinneigung der Seele zu ihr in den letzten Stunden in meine eigene Seele gegossen hat, sei versucht, unsere Gefühle zu ihr hinauf zu senden.

Dich führen aus dem Erdensein
Dem Geistes-Sonnenlande zu
Die Wesen, deren Abglanz wir
In Deinem Wirken fühlen durften;
Sie lebten uns als Daseinsfrüchte
In allem, was Du auf den Erdenwegen
In Kraft und Liebe schufest. Du blickst aus Geisteshöhen
In Deiner Freunde Herzen;
Es treffen Deinen Seelenblick
Die Blüten Deiner Liebeswerke;
Sie leuchten durch den Schmerz
In jenem hellen Lichte
Das Da um ihre Seelen schufest. Die sichre Treu’ im recht Erkannten:
Es war das erste Geisteswesen,
Das all Dein Tun beseelte; —
Wer dies in Dir erfühlte,
Ihm ward Vertrauen unbegrenzt
Ins eigne Werk, das er
Mit Deinem Werke einen durfte. Der Wahrheitsinn, der unbeirrt
Aus Deiner klaren Seele wirkte,
Er war das zweite Wesen,
Dem sich stets alles nahen durfte,
Was auf Menschen-Lebens-Wegen
Verwandtes Fühlen sich erstreben muß. Den dritten Geist, der Dich durchlebte,
Es fühlten seiner Seelenwärme Macht,
Die Dir zum Lebenswerk verbunden;
Er stählte Deine edle Liebekraft
Durch richtungfesten Pflichtensinn;
Er konnt’ in lautre Herzensmilde
Die strengste Pflichtentat verhüllen. So standest Du in unsrer Mitte,
In Deinem Wesen voll verkörpernd
Den Sinn des Werkes, dem wir leben;
Den Platz im Sinnensein, den Du
Mit Deiner Kraft belebtest:
Ihn wird in Deiner Weise
Kein andrer je beleben können. Er wird im Sinnen-Sein
Den Freunden leer erscheinen müssen;
Doch hell wird von ihm leuchten
Die Geisteslamme, welche Du
An ihm mit Deinem Sein entflammt.
Sie wird im Spiegel Deiner Freundesseelen
Im kräft’gen Widerschein erstrahlen.
Den ew’gen Menschengeist, Den Deine Erdenhülle
Uns liebend offenbarte,
Ihn hört aus jener Äther-Höhe,
Der Er sich jetzt verbindet,
Das Seelenohr als Trosteswort verkünden
Den Freunden, die von tiefem Leid erfüllt: «Ich will mit Eurem Erdenwirken
Vereinen, was in Geisterlanden
Der Seele sich an Kräften gibt.
So wird das Band, das in dem Zeitensein
n Euch mich binden konnte,
Der Ewigkeiten Siegelmacht
In Licht und Wahrheit offenbaren.»

Liebe Freunde! Aus jener tiefen Beseligung, die wir empfinden durften in jahrelangem Zusammenleben, in einem Zusammenleben, das von der Seite der teueren von uns Hingehenden so mustergültig, so vorbildlich war, aus dieser tiefen Beseligung heraus entspringt der Schmerz, jener Schmerz, der allein gefühlt werden kann, der nicht mit Worten auszudrücken ist und auch gar nicht ausgedrückt werden soll. Aus ihm blicken wir hinauf, den letzten, noch mit der Leibeshülle vereinten Gruß zu senden, um ihn als Ausgangspunkt zu haben zu jener niemals trennbaren Vereinigung, die wir haben mit unserer lieben teueren Freundin.

Und wie stellt es sich uns vor die Seele, dieses Bild, das aus der Erdenhülle der teueren Entschlafenen so viele Jahre an unserer Seite weilte? Wir blicken hin auf dieses ganze Leben, das jetzt für diese Erdenverkörperung abgeschlossen ist, und wir müssen verehrungsvoll hinblicken auf die einzigartige einheitliche Größe dieses Lebens, das da durch die eigene Art sich ein bleibendes Erdendenkmal in unseren Herzen und allüberall, wo es wirken durfte, geschaffen hat. Hat doch die liebe Freundin zu ihrem diesmaligen Erdenleben sich wie ausgesucht eine Erdenumgebung, aus der so vieles hervorgegangen ist an Menschenseelen, das gerade ihr im allgemeinen Bilde so ähnlich ist. Aus ihrer herben Gegend des nordischen Mitteleuropa sind sie hervorgegangen, die vielen ähnlich gearteten Naturen mit der nach außen oftmals so herb wirkenden Hülle und mit der tiefen, tiefen Innerlichkeit, welche des Herzens Milde und Wärme so schön zu durchgießen vermag durch Lebensstrenge und Lebenspflichtensinn. Und so trat sie ja vor jetzt viel mehr als zehn Jahren in unsere Mitte, die liebe Freundin. Sie trat in unsere Mitte so recht herausgeboren aus dem oben angedeuteten allgemeinen Menschenbilde; diesem Menschenbilde, das sich noch in jener Familie, aus der die Teuere hervorgegangen ist, zu ganz besonderer Eigenart formte. Begrüßten wir ja vor Jahren, als wir an die Seite unsrer Freundin treten durften, in ihr Julius Stindes Schwester. Begrüßten wir doch damit zwei Glieder jener Familie, in welcher geherrscht hat eine nach Klarheit stetig ringende und doch in alle Tiefen dringende religiöse Gesinnung, eine tiefe Sehnsucht nach dem Lebensquell, nach Lösung der Rätsel des Lebens. Es war nicht lange, nachdem unsere liebe Freundin in unsere Mitte getreten ist, da mußten wir ihr die Hand drücken teilnehmend an dem Verlust, den sie erlebte durch den Tod ihres Bruders Julins Stinde. Und uns, die wir ihr näherstanden, uns erschien sie in den Jahren, in denen wir mit ihr zusammen wirken durften, wirklich wie eine andere Menschenseite der Wesenheit von Julius Stinde selber. Mit ihm zusammen war sie eine von den Naturen, die verständnisvoll einzugehen wissen auch in all dasjenige, was in der Alltäglichkeit menschlich genommen werden muß, was getan werden muß, um Menschen zu erfreuen, um Menschen das Menschliche so recht nahezubtingen. Das ist ja der tiefste Kern im Wesen Julius Stindes auch gewesen. Aber in diesem echten Menschlichnehmen des alltäglichen Lebens, dessen was unmittelbar in der Natur und Menschenumgebung um uns lebt, in das hinein mischte sich gerade bei diesen Naturen ein tiefes Drängen nach des Geistes Geheimnissen. Und es gehört zu einer der schönsten Gaben, die unsre jetzt vom physischen Plan gegangene Freundin mir in jenen Tagen zeigte, daß sie mir zeigen konnte das, was aufgezeichnet hat ihr Bruder an Notizen über die geistigen Welten aus jener Gesinnung heraus, in welcher nun durch so viele Jahre seine teuere Schwester mit uns verbunden war. Hinter all dem äußeren Wirken Julius Stindes lag sein tiefes Verbundensein mit denjenigen Welten, in die wir uns durch unser geistiges Streben hineinarbeiten wollen. Hinter all dem äußeren Wirken, das er zu dem, was die Menschen zum rechten Lebenssinn brauchen, vollführt hat, lag der tiefgründige Forschersinn nach den für physisches Wahrnehmen, für physische Erkenntnisse unbekannten Welten. Und sagen möchte man: so hat in aller Fülle, so hat in allem Umfang gesprochen dieser bei Julius Stinde der Welt ja verborgen gebliebene Sinn aus der Seele unserer lieben teueren Freundin.

Und dieser Gesinnung widmete sie all dasjenige, was sie namentlich in den letzten Jahrzehnten an Kräften auswirken konnte in diesem Erdenleben. Sie widmete all dasjenige, was in ihrer Macht stand, diesem Leben in der geistigen Welt, so daß ihr Wirken wahrlich unzähligen Herzen jene milde Wärme brachte, derer sie bedürfen, unzähligen Seelen jene Kraft gaben, nach der sie lechzen. Und immer geläuterter in der Liebe zum Geiste und immer heller und klarer in der Erkenntnis des Geistes wurde unsere Freundin selber. Ein Suchen war in allen ihren Anlagen nach dem Geistigen schon auf solche Art, daß es den Weg finden konnte, diesen inneren Weg nach der Verbindung mit dem Christus, so daß dieser Christus nicht nur die tiefsten menschlichen Gefühle erreicht, sondern auch die höchsten menschlichen Gedanken. So geartet war unsere liebe Freundin, daß der Christus ihr lebendig werden konnte, daß sie den Christus-Impuls wahrzunehmen vermochte in allem einzelnen, was Menschenarbeit und Menschenkraft in der Erdenentwickelung hervorbringt. Und so fand sie in dem Streben nach dem Christus diesen lebendigen Christus, der in allem lebt und doch als einzelne Wesenheit nur durch die tiefste Anstrengung des Geistes gefunden werden kann. So stand sie, dieses ihr Streben nach diesem Christus mit unserem eigenen Streben vereinend, beglückend für uns, die wir an ihrer Seite walten durften. Sie kam zu uns, sie legte das Tagewerk, das sie bis dahin so hoffnungsvoll vollbracht hatte, zu Gunsten unserer Arbeit nieder. Wer sich heute noch vertieft in die lieb sprechenden, Tiefes offenbarenden Landschaften unserer Freundin, der weiß, wie edel geformt ihr künstlerisches Wesen war, der weiß auch, welche Schätze von Menschenkraft sie in unsere Reihen gebracht hat dadurch, daß sie gerade mit solch künstlerischem Sinn, mit solch tiefer künstlerischer Vertiefung in der Seele, ihr Wirken mit unserem Wirken zu einen verstand. Und so trat sie unter uns, trat unter uns wie jemand, der vom ersten Mal des Kennenlernens an sich erweist als ein verständnisvoller Kenner des Ausgesprochenen, aber auch des Unausgesprochenen, das unsere Weltanschauung geben kann, um das Menschendasein zu tragen. Wenige wußten in all dem Ausgesprochenen auch das viele Unausgesprochene mit tiefem Seelen- und Herzensverständnis hinzunehmen, das in unserer Weltanschauung liegt, wie Sophie Stinde. Wenige wußten mit jenem Willensfeuer und jener Gefühlswärme dasjenige zu durchdringen, dasjenige auch an die Herzen der Freunde zu bringen, was unsere geistige Anschauung in die Welt tragen will.

Das teuere Band, das uns mit Sophie Stinde verknüpfte, ich kann es nur dann einigermaßen mit ferne nur treffenden Worten charakterisieren, wenn ich sage: Man konnte sich mit ihr verstehen in alle dem, was Worte zu Menschen sprechen können, aber man konnte sich mit ihr verstehen auch in alle dem, was Worte nicht zu Menschen sprechen können, was unsichtbar von Menschenseele zu Menschenseele, was unhörbar von Seele zu Seele waltet. — Es gibt so vieles, dann wenn die Bahn einer geistigen Arbeit eingeschlagen wird, was man in Menschenhände legen können muß, von denen man sicher sein kann, daß sie es so ausführen, wie man es vielleicht selber nicht einmal ausführen könnte. Es gibt Dinge in solchem Menschenstreben, deren Fruchtbarkeit, deren Wert gar nicht in demjenigen Augenblick sich aussprechen läßt, in dem die Arbeit begonnen werden muß, deren Fruchtbarkeit und deren Wert sich erst entwickeln muß, indem die Arbeit getan wird. Und zu denjenigen Menschen, die in kräftigster Weise mittaten, wenn so gehandelt werden mußte, gehörte Sophie Stinde. Und damit spreche ich voll aus, wie tief, tief, nicht mit blindem, sondern mit sehendem Vertrauen sie mit uns, wir mit ihr verbunden waren. Und, meine lieben Freunde, so war sie mit uns verbunden, daß vieles von dem, was innerhalb unserer Arbeit hat geschehen dürfen, ohne ihre lebendige Mitwirkung niemals hätte geschehen können. Jene geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen dem, was in geistigen Welten durch höhere Sinne erschaut werden soll, und demjenigen, was in der künstlerischen Menschennatur ruht, jenes geheimnisvolle Band -, wir brauchten es in Menschenseelen zu einer gewissen Zeit unseres Wirkens. Der Bau, der sich im Süden erhebt, um Umhüllung zu sein unserer Sache, er ist mit aus der Seele Sophie Stindes herausgeboren. Nicht bloß seiner Absicht nach, sondern jener Liebekraft nach, aus der er allein entstehen konnte, jenem künstlerischen Sinne nach, ohne den eine Weltanschauung also sich nicht in Kunst ergießen kann. Was wir nur in ihr haben konnten, das hat uns Sophie Stinde gebracht, als sie in unsere Mitte trat. Und nimmer ausgelöscht wird das Bild sein, das sich mir erhalten hat aus jenen Tagen, da ich zum ersten Male an der Stätte ihres späteren Wirkens und ihres früheren Wirkens in ihrer und ihrer teuren Freundin, unserer lieben Gräfin Kalckreuth Hause in intimerer Weise in München sprechen durfte über dasjenige, dem ein so großer Teil unserer Lebenskraft gewidmet ist. Wie etwas, was notwendig zusammengehört, so gliederte sich zusammen, was in ihren Seelentiefen an unsere Seelentiefen rührte, was von unseren Seelentiefen an die ihren wieder rührte. Milde, Liebe, das wußte wahrhaftig zu umkleiden einer der Geister, die sie hier auf Erden beseelten, und die sie jetzt hinauftragen in lichte geistige Höhen. Das wußte er zu beseelen, wenn sie aus ihrem geraden, ihrem mit sicherer Treue sie führenden rechten Wahrheitsinn ihre Lebensaufgabe klar verfolgte; und wiederum nichts, nichts nachzugeben vom strengen Pflichtensinn, das flößte ihr dieser Geist ein, der an ihrer Seite auch stand, wenn sie in Liebe, in Milde wirkte, um Strenge, um Pflichtensinn mit Liebe, Milde und Wohlwollen jederzeit zu vereinigen. So war sie uns Lebensglück. So war sie uns einer der schönsten Lebensschätze, so lernten sie alle diejenigen erkennen, die ihr wirklich nahekommen durften. Und wer Sophie Stinde einmal gewonnen hatte, wirklich gewonnen hatte, er kann sie nimmermehr verlieren.

Und vor uns mögen sie jetzt stehen, alle die Augenblicke, in denen der eine, der andere von uns die tiefsten Angelegenheiten der Menschheitsentwickelung und auch dasjenige mit ihr in gemeinsamer Sehnsucht durchsprach, durcharbeitete, was dem menschlichen Herzen am nächsten steht. Unvergänglich sind alle diese Augenblicke denen, die sie wahrhaft erlebt haben, weil über alle diese Augenblicke eine Wärme gegossen ist, die niemals wiederum schwinden kann, die bleiben muß unauslöschlich in den Seelen. Und so hat sie gewirkt an ihrem Platz vorbildlich für uns alle. So hat sie gewirkt, daß von diesem Platze aus wahrhaftig ein jeder, der hier auf Erden mit ihr gewirkt hat, sich mit ihr verbunden fühlte. So hat sie gewirkt, daß von diesem Platze aus ein unvergeßliches Licht strahlte, ein Licht, an dem sich werden viele erleuchten können lange Zeiten hindurch: Sie hat so tief, tief eingegraben in die Arbeit, die die unsrige ist, dasjenige, dem sie alles, was sie an Arbeitskräften hatte, zuletzt geopfert hat. Und wenn wir blicken werden, auch wenn sie nicht mehr im physischen Dasein unter uns weilt, auf unsre Arbeitsstätte, wenn wir fühlen werden mitten in unserer Arbeit dasjenige, was an wertvollsten Kräften in dieser Arbeit ruht, immer wird geheimnisvoll aus unserer Arbeitsstätte, aus unseren Arbeitszeiten, aus unserer Arbeitsart Sophie Stindes Geisterstimme sprechen, an die wir uns in so tiefer Verehrung durch so viele Jahre gewöhnen durften.

Ja, wir schauen zu Dir hinauf aus dem Schmerze heraus, der sich bilden muß aus tiefster Beseligung, die uns floß aus der Vereinigung unseres Wesens mit Deinem Wesen durch viele Jahre. Aber wir schauen Dich daselbst im Geiste. Und Du selber in Deiner kraftvollen Art, die wir kennen lernten, Du selber in Deiner lieben milden Weise, die wir ebenso kennen lernten, Du bist uns selber Trost. Du bist uns Trost, weil wir aus Deinem Herzen, aus Deiner tiefen Seele das Versprechen glauben nehmen zu dürfen, daß — wenn wir dasjenige, was wir glauben als richtig fernerhin arbeiten zu sollen — Du mit Deiner Kraft in unserer Kraft wirken willst, daß das, was Du zeitlich mit uns verbunden hast, in alle Ewigkeit mit unserer Seele verbunden bleiben wird. Und zu dem Schönsten, zu dem Beseligendsten wird es gehören, wenn wir immer vertrauend an unserer Arbeitsstätte, in unseren Arbeitszeiten, in unserer Arbeitskraft Dich, unseren seligen Geist, finden werden. Der Christus, den wir suchen, er war so oftmals in Deinem Herzen - dann, wenn Du Dich mit den lieben Freunden hier so recht im Innersten vereinen wolltest. Es war Deines Wesens tiefste Art zugleich dasjenige, was Deine Gedanken als Weltanschauung, als Lebensauffassung suchten. Wie Deine so liebwerte Phantasie in Deiner Kunst wirkte, wie Dein Gemüt, Dein Gefühl in Deiner Lebensauffassung wirkte, so war Dein ganzes Wesen sich wissend ruhend in jenen Gotteskräften, aus denen das Sinnesall auf Geistesart sprießt. Vereint mit dem, was als Göttliches durch alle Welt wallt und west, so wußtest Du dasjenige, was Deine Seele aus Seelenwelten in dieses Erdensein getragen hat. Und in tiefem Sinne fandest Du innere Kraft der Schnsucht, zu finden während Deines Erdenlaufes den Christus, der zu der Erde Heil und Fortschritt durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, damit er tragen kann — vereinend in ihrer Göttlichkeit seine Seele mit unserer Seele — unsere Seele aus einem fruchtbaren Leben durch das Tor des Todes, auf daß sie sich einlebe in das weite Geisteslicht und Geistesall.

So war Deine Art. So war Dein Leben. Und unauslöschlich muß bleiben in unseren Seelen, was jetzt sich bindet zwischen uns und Deinem Ewigen, wie so schön sich gebunden hat das Band zwischen uns und Deinem Zeitlichen. Ein Weltenwert stellt sich dar in der Sinneswelt in Deiner vorbildlichen Seele, die uns unauslöschliches Licht sein wird in der geistigen Welt.

Den ew’gen Menschengeist,
Den Deine Erdenhülle
Uns liebend offenbatrte,
Ihn hört aus jener Äther-Höhe,
Der Er sich jetzt verbindet,
Das Seelenohr als Trosteswort verkünden
Den Freunden, die von tiefem Leid erfüllt: «Ich will mit Eurem Erdenwirken
Vereinen, was in Geisterlanden
Der Seele sich an Kräften gibt.
So wird das Band, das in dem Zeitensein
An Euch mich binden konnte,
Der Ewigkeiten Siegelmacht
In Licht und Wahrheit offenbaren.»

So trennen wir uns schweren Herzens von Deiner irdischen Hülle, die wir den Elementen zu dieser Stunde übergeben müssen. So vereinigen wir uns aufs neue mit Deinem Geist, der so lange im Erdensein von uns schon gesucht wurde. So geloben wir, daß wir die Gedanken immer rege halten wollen, die unsere Seelen zu Deiner Seele hin auf ihrem Wege immer finden können. So geloben wir uns Dir an, Du treu mit uns verbundene Geistesfreundesseele, so geloben wir uns Dir an in dieser Stunde auf ewig!

German original of Eulogy at the Cremation of Sophie Stinde · ← Previous · Next →